Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (Originaltitel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) ist ein Abenteuerfilm von Steven Spielberg aus dem Jahr 2008. Der vierte Teil der Indiana-Jones-Filmreihe wurde am 18. Mai 2008 beim Filmfestival in Cannes uraufgeführt und kam am 22. Mai 2008 weltweit in die Kinos.Jim Windolf: Keys to the Kingdom, Vanity Fair, Februar 2008 (englisch)
Handlung 1957: Professor Henry „Indiana“ Jones Jr. wird zusammen mit seinem Kollegen Mac von sowjetischen Agenten unter der Leitung von Oberst Dovchenko und Irina Spalko entführt. Er soll für sie in einer Lagerhalle des Militärkomplexes Area 51 nach einer Kiste mit den Überresten eines nichtmenschlichen Wesens suchen. Während Jones versucht, zu entkommen und zu verhindern, dass die Russen die Kiste entwenden können, entpuppt sich Mac als russischer Kollaborateur. Jones flüchtet vor den Agenten, denen es gelingt, die Kiste zu entwenden. Auf der Flucht gerät er in ein Atomtestgelände und überlebt nur knapp eine nukleare Explosion, da er sich im letzten Moment in einem mit Blei ausgekleideten Kühlschrank in Sicherheit bringen kann.
Jones verliert seine Professur an der Universität, da ihn die US-Regierung verdächtigt, ein russischer Doppelagent zu sein. Daraufhin entscheidet er sich, die Stadt zu verlassen, wird aber von dem jungen Mutt Williams dazu bewogen zu bleiben, weil Professor Oxley, ein alter Freund von Jones, in Schwierigkeiten steckt. Mutt zeigt Indy einen verschlüsselten Brief von Oxley, der ihm durch seine Mutter übersandt wurde, die zusammen mit Oxley verschwand, und in dem von einem Kristallschädel die Rede ist, von dem Indy und Oxley während ihrer Studienzeit schwärmten. Also machen sich Jones und Mutt auf den Weg nach Nazca (Peru), um mit Hilfe des Briefes der Spur von Oxley und Mutts Mutter zu folgen.
In Peru besuchen die beiden Oxleys Zelle, in der dieser aufgrund seiner geistigen Verwirrtheit eingesperrt war. Er befindet sich zwar nicht mehr in der Heilanstalt, aber sie erhalten durch seine Aufzeichnungen an den Wänden und am Fußboden Aufschluss über seine Forschung über den Kristallschädel und wissen nun, wo sie suchen müssen.
Indy und Mutt reisen weiter, um auf einem Friedhof nach dem Kristallschädel zu suchen. Nachdem sie einen Angriff von mit Schädeln maskierten „Eingeborenen“ abwehren konnten, finden sie schließlich den Schädel im Grab des Konquistadors Francisco de Orellana. Allerdings wurden sie auf ihrem Weg unbemerkt von Mac verfolgt, so dass sie vom russischen Militär gefangen genommen werden. In ihrem Lager im Amazonasgebiet im Nordosten Perus treffen Indy und Mutt auf den verwirrten Professor Oxley sowie auf Mutts Mutter – diese entpuppt sich als Indys alte Liebe Marion Ravenwood.
Nachdem sich Indiana Jones einem Test mit dem Kristallschädel unterziehen musste, der es möglich macht, mit dem Schädel zu kommunizieren, gelingt es ihm, zusammen mit Mutt, Marion und Oxley aus dem Lager zu entkommen. Sie werden allerdings schnell wieder gefasst, da Indy und Marion in eine Sandgrube einbrechen. Im Angesicht des Todes offenbart Marion Indy, dass er Mutts Vater ist. Als Mutt zurückkommt, um Marion und Indy zu retten, kommt er statt mit einem Seil mit einer Schlange zurück. Marion wird herausgezogen, doch Jones weigert sich zunächst wegen seiner Angst vor Schlangen, diese anzufassen, doch er überwindet seine Angst schließlich und wird ebenfalls aus der Sandgrube gezogen. Plötzlich erscheint jedoch das russische Militär, weil der verwirrte Oxley dem Befehl Indys, „Hilfe“ zu holen, nachging.
Da der Kristallschädel zu seinem Herkunftsort, einer legendären Stadt aus purem Gold (hier auch als Akator bezeichnet), zurückgebracht werden muss, bahnen sich die Russen mit ihren Gefangenen ihren Weg durch den Dschungel. Indy gelingt es schließlich, die Kontrolle zurückzugewinnen, und es beginnt ein Kampf im Zuge des Dschungel-Konvois, den Indiana Jones und seine Freunde für sich entscheiden können. Oberst Dovchenko wird im Dschungel von Riesenameisen getötet. Mac behauptet, als Doppelagent gearbeitet zu haben, und kämpft von nun an wieder an der Seite von Indiana Jones.
Als sie zum Tempel gehen wollen, werden sie von Eingeborenen angegriffen, können den Angriff jedoch abwehren, weil die Eingeborenen Angst vor dem Kristallschädel haben. Die Gruppe erreicht die legendäre Stadt und öffnet die Pforte zu dem Tempel, in den sie den Kristallschädel zurückbringen müssen. Die Russen konnten der Gruppe jedoch folgen, da Mac sich doch als Überläufer entpuppt und Peilsender auf dem Weg verteilte, obwohl er ursprünglich behauptete, ein Agent der CIA zu sein. Die Russen nehmen Oxley den Schädel wieder ab, um ihn selbst an seinen Platz zurückzubringen. Damit hat nun auch das letzte der dreizehn Kristallskelette, die in dem Tempel auf Thronen sitzen, seinen Schädel wieder, und die Schädel setzen ihre Kraft frei.
Die Wesen wollen aus Dank den Menschen etwas schenken, und Irina wünscht sich das gesamte Wissen der Welt. Doch als die Wesen ihr das Wissen direkt ins Gehirn einspeisen, erkennt Irina zu spät, dass die schiere Menge des Wissens ihre geistige und körperliche Aufnahmefähigkeit so sehr übersteigt, dass sie bei lebendigem Leibe verbrennt. Der Tempel beginnt einzustürzen, und sowohl Irinas Männer als auch Mac, den Indy trotz des Verrats noch zu retten versucht, sterben entweder in den Trümmern oder werden in das Portal der fremden Wesen gezogen. Indy und seine Freunde entkommen nur knapp und können beobachten, wie ein Raumschiff aus dem einstürzenden Tempel aufsteigt und verschwindet, danach stürzt das gesamte Tal ein und wird mit Wasser geflutet.
Wieder zu Hause, erhält Indiana seine alte Stellung an der Universität zurück und der Film endet mit der Hochzeit von Indy und Marion. Indys Hut rollt dabei Mutt vor die Füße, doch bevor dieser ihn aufsetzen und damit quasi in die Fußstapfen seines Vaters treten kann, nimmt Indy den Hut wieder an sich.
Herstellung und Vertrieb Vorproduktion mini|Stuntdoubles von Shia LaBeouf und Harrison Ford beim Dreh mini|Crew bei der Vorbereitung des Sets in New Haven George Lucas rief die Drehbuchautoren bereits 1993 auf, eine weitere Geschichte mit Indiana Jones zu schreiben.TV Digital, Nr. 10/08, S. 7–9. Jeb Stuart, Jeffrey Boam, M. Night Shyamalan, Frank Darabont und Jeff Nathanson reichten Vorschläge ein, konnten Lucas und Spielberg aber nicht überzeugen. Stuart scheiterte mit einer Alien-Geschichte.
David Koepp, der Drehbuchautor von Jurassic Park, überzeugte schließlich mit seinem Entwurf, den er in acht Tagen verfasst hatte.TV 14, Nr. 11/08, S. 8/9 Dabei benutzte er Ideen aus anderen Skripts wie beispielsweise die Figur Mutt. Der Mythos des Kristallschädels war bereits Bestandteil der geplanten Episode 48 der Fernsehserie Die Abenteuer des jungen Indiana Jones und der Romane von Max McCoy. (englisch) Am 29. Dezember 2006 gab George Lucas bekannt, dass er, Spielberg und Koepp das Drehbuch fertiggestellt haben und Indiana Jones 4 im Jahr 2007 gedreht werde.Alicia Chang: Indiana Jones to Begin Filming in 2007, The Washington Post, 29. Dezember 2006 (englisch)
Im Gegensatz zu den vorherigen Filmen beschränkte sich Spielberg aus familiären Gründen auf Drehorte in den USA.Jim Windolf: Q&A George Lucas, Vanity Fair, 2. Januar 2008 (englisch) Einzige Ausnahme war eine Szene, die wegen eines Hurrikans an die Iguaçu-Wasserfälle in Brasilien verlegt wurde. (englisch) Der größte Teil der Dreharbeiten fand in Los Angeles in den fünf Downey-Studios von Sony, Warner Bros., Paramount und Universal statt. Weitere der insgesamt 18 Drehorte waren Deming (New Mexico) sowie Hawaii, das den Dschungel von Peru repräsentiert. Die Yale University in New Haven, Connecticut stellt das Marshall College dar, an dem Indiana Jones als Professor der Archäologie lehrt. Auf dem Fresno Chandler Executive Airport im kalifornischen Fresno, der im Film als Flughafen von Nazca dargestellt wird, endeten die Dreharbeiten nach 79 Tagen am 12. Oktober 2007.
Um dem Erscheinungsbild der alten Indiana-Jones-Filme näherzukommen, wurde der Film auf fotografischem Filmmaterial aufgenommen, statt wie vom Produzenten Lucas favorisiert, auf digitalen Videobändern. Der Produzent Frank Marshall verkündete, dass nur 20 Prozent des gesamten Films mit CGI-Effekten entstanden seien. CGI sollte laut Spielberg hauptsächlich für Matte Paintings verwendet werden.Todd Gilchrist: (englisch) Die Produktionskosten betrugen 185 Millionen US-Dollar. Für die weltweite Veröffentlichung wurde der Film in 25 Sprachen synchronisiert.
Besetzung mini|Harrison Ford am Filmset Harrison Ford übernahm trotz seines fortgeschrittenen Alters (64 bei Beginn der Dreharbeiten im Juni 2007) wieder die Hauptrolle. Er führte nach eigenen Angaben viele Stunts selbst aus (engl.) und bat ausdrücklich um Anspielungen auf sein Alter.Peter N. Chumo II (Mai/Juni 2008). „Matinee Magic: David Koepp and Indiana Jones Enter the Kingdom of the Crystal Skull“. Creative Screenwriting 15 (3). (englisch) Karen Allen kehrt in der Rolle der Marion Ravenwood zurück, die sie bereits in Jäger des verlorenen Schatzes spielte. Shia LaBeouf, der den jungen Mutt spielt, ist zum ersten Mal dabei (zu Drehzeiten des vorherigen Teils war er gerade mal zwei Jahre alt). Er war Spielbergs einziger Kandidat für diese Rolle und nahm sie an, ohne vorher das Drehbuch zu lesen. Cate Blanchett, ebenfalls neu dabei, erfüllte sich in der Rolle der russischen Agentin Irina Spalko den Wunsch, endlich einmal einen Bösewicht zu verkörpern. Sie war auch schon von vornherein Spielbergs favorisierte Kandidatin für diese Rolle. Sean Connery lehnte einen Cameo-Auftritt als „Indys“ Vater Henry Jones Sr. ab, weil er lieber den Ruhestand genießen wollte. In einer Stelle im Film betrachtet Indy eine Fotografie seines Vaters und bedauert kurz dessen Tod und den des kurz darauf verstorbenen Marcus Brody. Da Denholm Elliott bereits 1992 verstorben war, konnte die Figur nicht mehr verwendet werden. Vor dem Klassenzimmer, in dem Indy eine Vorlesung hält, sieht man jedoch ein Bild von ihm, ebenso steht auf dem Campus eine Bronzestatue Brodys.
Synchronisation Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 2008 in den Ateliers der Berliner Synchron Wenzel Lüdecke in Berlin unter der Dialogregie von Frank Schaff; das Dialogbuch erstellte Alexander Löwe.
RolleDarstellerSynchronsprecherIndiana JonesHarrison FordWolfgang PampelAgentin Irina SpalkoCate BlanchettArianne BorbachMarion Williams/Ravenwood/JonesKaren AllenEva KryllGeorge „Mac“ McHaleRay WinstoneRoland HemmoProfessor Harold OxleyJohn HurtJürgen ThormannDekan Charles StanforthJim BroadbentFrank-Otto SchenkGeneral RossAlan DaleBodo WolfHenry „Mutt“ Williams/JonesShia LaBeoufDavid TurbaRussischer SoldatAndrew DivoffWaléra Kanischtscheff
Merchandising Der offizielle Roman zum Film wurde von James Rollins geschrieben und erschien am 22. Mai 2008 im Blanvalet Verlag. Ebenso erschien der offizielle Comic zum Film im Mai 2008. Allerdings schrieb auch James Luceno einen Roman zum Film, der sich aber an jüngere Leser richtet und im Mai 2008 im Panini Verlag erschien. Er enthält neben der Story auch Bilder zum Film. Der Soundtrack wurde am 20. Mai 2008 veröffentlicht.
Kinoauswertung Der vierte Teil der Reihe legte mit einem weltweiten Einspielergebnis von 311,1 Millionen US-Dollar am Startwochenende (Donnerstag–Montag) den erfolgreichsten Kinostart hin. In den USA und Kanada erreichte der Film 151,1 Millionen Dollar an Einnahmen und ist somit der bis dato zweiterfolgreichste US-Kinostart. Dies lag möglicherweise auch daran, dass der Montag in den USA auf einen Feiertag fiel. Bis zum 20. Juli spielte er weltweit 742 Millionen US-Dollar ein.Eintrag auf www.boxofficemojo.com, abgerufen am 20. Juli 2008.
DVD-Veröffentlichung