mini|Der Zwinger an der heutigen Promenade Der Zwinger im westfälischen Münster ist ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung aus der frühen Neuzeit. In der Zeit des Nationalsozialismus war er sowohl Gefängnis als auch Hinrichtungsstätte der Gestapo und wurde durch alliierte Bombenangriffe schwer beschädigt. Seit der Umwandlung in ein Mahnmal gehört der Zwinger zum Stadtmuseum Münster und beherbergt die Skulptur Das gegenläufige Konzert.

Architektur hochkant|mini|Blick auf die Außenmauer vom Inneren des Zwingers Beim Zwinger in Münster handelt es sich um ein Rondell mit einem Durchmesser von 24,3 m. Damit ist er größer als der bekanntere Zwinger in Goslar. Die Mauerstärke der Außenmauer beträgt etwa 1,95 m. Ob es sich hierbei um die ursprüngliche Stärke handelt, ist unklar. So ging Max Geisberg 1932 davon aus, dass die Außenmauer bereits während der Bauzeit in den 1530er Jahren eine Stärke von bis zu 4,64 m besaß und erst 1732 teilweise abgetragen wurde, da seiner Einschätzung nach die Mauern des inneren Rings erst zu dieser Zeit neu gemauert wurden. Damit würde „Dat grote Bollwerk“, wie der Zwinger ebenfalls genannt wurde, zu den stärksten Stadtbefestigungen der frühen Neuzeit zählen.Max Geisberg: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 41: Die Stadt Münster Teil 1: Die Ansichten und Pläne, Grundlage und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe. S. 163 f.

Neueren Forschungen zufolge könnte die Baugeschichte jedoch auch anders abgelaufen sein: So ist bekannt, dass Fürstbischof Franz von Waldeck zwischen Juli 1535 und März 1536 das Bauwerk „mächtiger“ machte. Somit bestand die ursprüngliche Anlage aus einem Rondell mit einem Durchmesser von ungefähr 19 m und einer Wandstärke von 1,9 m, dem heutigen inneren Ring. Um den Zwinger zu verstärken, ließ Franz von Waldeck im Abstand von rund 2,2 m eine zweite, vorgelagerte Mauer mit einer Wandstärke von ebenfalls rund 1,9 m errichten, wodurch der charakteristische Rundgang entstand, dessen Ursprung Geisberg in der teilweisen Abtragung der Außenmauern sieht. Für diese neue These spricht, dass in der Außenmauer Kalkmergelbruchsteine enthalten sind. Sie wurden beim Bau der ursprünglichen Stadtmauer verwendet und könnten bei deren Abbruch und Verlegung im Bereich des Zwingers als Baumaterial für die Mauer des Bollwerks verwendet worden sein.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. S. 20 ff.

Über die ursprüngliche Höhe des Zwingers existieren keine verlässlichen Informationen. Vor der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg betrug sie auf der Westseite 8,75 m. Allerdings kann es sich dabei nicht um die ursprüngliche Höhe handeln, da bei der Schleifung der Befestigungsanlagen und dem Anlegen der Promenade im Jahre 1772 auch rund um den Zwinger Erde abgetragen wurde und er seitdem mindestens 2,25 m höher erscheint. Gut zu erkennen ist dies am ehemaligen Eingang, der zur Bauzeit auf der Höhe des umgebenden Geländes lag.Max Geisberg: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 41: Die Stadt Münster Teil 1: Die Ansichten und Pläne, Grundlage und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe. S. 159.

Im Inneren bestand der Zwinger aus zwei Stockwerken, einem Keller und einem separaten Dachgeschoss. Über die ursprüngliche Aufteilung existieren keine Informationen. Dagegen gibt es die Pläne der Innenarchitektur nach der Umgestaltung zu einem Gefängnis in den 1730er Jahren. In allen drei Etagen gab es um den Innenhof in der Mitte des Zwingers jeweils sechs im Kreis angeordnete Zellen. Sie wurden verbunden durch einen äußeren Rundgang zwischen Außenmauer und den Zellen innen. Die Aufteilung wurde im Jahre 1919 erneut verändert, als der Zwinger als Wohnhaus und Atelier für Maler vermietet wurde. Entsprechend wurden Wände entfernt und neue Durchbrüche geschaffen. Die teilweise Zerstörung im Zweiten Weltkrieg trug anschließend dazu bei, dass von der ursprünglichen Architektur nur noch wenige Teile erhalten geblieben sind.

Geschichte mini|Der Zwinger auf einer Postkarte um 1900 Aufgrund der Herrschaft der Täufer in den Jahren 1534/1535 ist die Geschichte des Zwingers erst ab diesem Zeitpunkt durch Quellen eindeutig belegt, da viele Dokumente des Stadtarchivs von den Täufern vernichtet wurden. Die Bau- und Entwicklungsgeschichte des Bauwerks vor ihrer Machtübernahme beruht daher im Wesentlichen auf der wissenschaftlichen Untersuchung der Entwicklung der Stadtverteidigung und Wasserführung im Nordosten des spätmittelalterlichen Münsters.

Vorgängerbauten Mit der Verleihung von Stadtrechten durch Fürstbischof Hermann II. von Katzenelnbogen im Zeitraum zwischen 1173/74 und 1178 begann kurz darauf der Aufbau einer Stadtbefestigung, die aus einer vier bis acht Meter hohen Stadtmauer und einem vorgelagerten Stadtgraben bestand. Ein kritischer Bereich bestand dabei von Beginn an im Nordosten der Stadtverteidigung: Hier befand sich der Austritt der Aa aus der Stadt, allerdings zu dieser Zeit noch im Bereich des heutigen Coerdeplatzes. Problematisch war insbesondere der Höhenunterschied zwischen Stadtgraben und Aa, deren Wasserniveau etwa drei bis vier Metern unter dem des Grabens lag, da zunächst mittels Schleusen und später durch Wasserbären sichergestellt wurde, dass sich immer genügend Wasser im Wassergraben befand. Daher mussten hier besondere Vorkehrungen zur Verteidigung getroffen werden. Zusätzlich verliefen in diesem Bereich zwei alte Handelsstraßen vom Roggenmarkt und Alten Fischmarkt kommend, die sich im Nordosten der Stadt vereinigten, so dass zumindest die Existenz eines entsprechend gesicherten Stadttores wahrscheinlich ist.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. S. 13 f.

Über die Art der Verteidigungsanlagen lassen sich nur Rückschlüsse anhand der Topographie und Urkunden des Stifts Überwasser ziehen: Im nördlichen Stadtgebiet befand sich ein Überschwemmungsgebiet der Aa, ein sogenannter „Bruch“ beziehungsweise „Breul“ im Mittelhochdeutschen. Er lag ungefähr zwischen dem heutigen Verlauf des Flusses und der Straße „Am Breul“ am unmittelbaren Verlauf der ehemaligen Stadtmauer. Im 11. Jahrhundert wurde bereits der Verlauf der Aa nach Süden verlegt, um am sogenannten „Mollenstrom“ zusätzliche Mühlen antreiben zu können. Dadurch entstand im Nordosten ein neues Überschwemmungsgebiet, der „Nigebruche“. Für den Beginn des 13. Jahrhunderts wird im Heberegister des Stifts Überwasser die Anlage einer neuen Brücke in diesem Bereich erwähnt. Entsprechend wird davon ausgegangen, dass zu diesem Zeitpunkt der Bau der Stadtmauer abgeschlossen war und die Brücke als Zugang zum „Nigebruche“ und dem an einem Handelsweg nach Norden liegenden „Bentheimer Tor“ benötigt wurde. Für das Jahr 1229 ist zudem in einer Urkunde von einem Stadttor in der Nähe des „Nigebruchs“ die Rede, was darauf schließen lässt, dass hiermit ein Tor im Bereich des späteren Zwingers gemeint war.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. S. 14.

Bereits in den 1260er Jahren gab es Veränderung an den Verteidigungsanlagen, die auch den Bereich des Zwingers betrafen. Dass es zu dieser Zeit Bautätigkeiten gab, belegt der im Jahre 1265 als neu bezeichnete „Pulverturm“ östlich des Bentheimer Tores.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal, S. 15. So entstand frühestens 1265/66 zwischen dem Bentheimer Tor und dem Tor im Nordosten ein neues Stadttor, das „Neubrückentor“. Da in Urkunden aus den genannten Jahren weiterhin nur eine neue Brücke, nicht aber ein Tor als Ortsangabe verwendet wird, muss aus wissenschaftlicher Sicht das neue Tor nach dieser Zeit entstanden sein.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. S. 14 f. Gleichzeitig mit dem Bau des neuen Tores kam es wahrscheinlich auch zur Verlegung des alten Handelsweges, der noch innerhalb der Stadtmauern die Flussseite wechselte und seitdem durch das Neubrückentor führte. Das alte Stadttor im Nordwesten wurde darauf zu einem Wachturm, der von Max Geisberg bereits 1932 als „Nordostturm“ bezeichnet wurde.Max Geisberg: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 41: Die Stadt Münster Teil 1: Die Ansichten und Pläne, Grundlage und Entwicklung, die Befestigungen, die Residenzen der Bischöfe. S. 158.

Jedoch existieren keine Urkunden, in denen dieser Nordostturm Erwähnung findet. Gestützt wird die Hypothese dadurch, dass in der Außenfassade des Zwingers Kalkmergelbruchsteine verbaut sowie im Inneren der Mauern des Zwingers eben solche als Schutt verfüllt wurden, wie sie für den Bau der Stadtmauer und des Buddenturms verwendet wurden. Im Gegensatz dazu könnten diese auch erst bei der Verstärkung der Anlage durch Franz von Waldeck 1535/36 in die Außenmauer gelangt sein, als er diese als zweite, vorgelagerte Mauer errichten ließ.

Mit der fortschreitenden Entwicklung in der Waffentechnik im 14. Jahrhundert wurden weitere Anpassungen der Verteidigungsanlagen von Münster notwendig. Dem bisherigen Wassergraben wurde ein weiterer Erdwall vorgelagert, der ebenfalls durch einen Wassergraben weiteren Schutz erfuhr. So berichten unterschiedliche Quellen für die Existenz dieses zweiten Grabens bereits um 1350. Dieser führte zur Frage, wie der Austritt der Aa aus dem Stadtgebiet gesichert werden konnte, da nun vier Grabenenden auf die tieferliegende Aa trafen und jeweils mit Schleusen das unterschiedliche Niveau ausgeglichen werden musste. Als Lösung bot sich eine aufwendige, aber speziell auf die Topologie angepasste Lösung an: Die Verlegung des Verlaufs der Aa. So trat sie nicht mehr auf Höhe des Neubrückentores aus der Stadt aus, sondern verlief ab dem Tor in Richtung des späteren Zwingers. Dabei wurde ein Teil des inneren Grabens genutzt und die Stadtmauer zwischen Neubrückentor und Nordostturm zum Stadtzentrum hin hinter die Aa versetzt. Diese Verlegung brachte zwei Vorteile: Zum einen konnte eine Schleuse zwischen Aa und innerem Graben innerhalb der Stadtmauern verlegt werden und zum anderen konnten die verbleibenden drei notwendigen Schleusen direkt vor einem Wehrturm, dem Nordostturm, konzentriert werden, der ihre Sicherung übernahm. Zudem ist anzunehmen, dass der Turm weiter ausgebaut wurde, um zusätzlich Kanonen auf ihm platzieren zu können.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. S. 16

Bau als Zwingburg und Teil der Stadtbefestigung mini|Ausschnitt aus dem Vogelschauplan von Münster von Everhard Alerdinck, auf dem sich die Struktur der Befestigungsanlage gut erkennen lässt

Die Bauarbeiten zum eigentlichen Zwinger begannen schätzungsweise um 1528 als Bollwerk in der Verteidigungsanlage der Stadt Münster an der Stelle des alten Nordost-Turmes.Infotafel am Zwinger Gestützt wird diese Hypothese durch Rechnungen der Stadtkämmerei des Jahres 1532, worin erstmals ein „grothes Bollwerck“ im Bereich der Stadtbefestigung zwischen Neubrücken- und Hörstertor erwähnt wird. Inwieweit das Bollwerk den Formen und Ausmaßen des heutigen Zwingers entsprach, ist unbekannt. Verantwortlich für den Bau war möglicherweise Egbert Kaerbuck, der im Auftrag des Fürstbischofs auch das Neuwerk im Südwesten beim Eintritt der Aa in das Stadtgebiet errichtete.Barbara Rommé: Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal. S. 18