mini|hochkant=1.2|Sonntagsmesse in der Rosenkranz-Basilika (Berlin-Steglitz) Unter Sonntagsgebot (auch Sonntagspflicht) versteht die römisch-katholische Kirche das Kirchengebot, am Sonntag und an den gebotenen Feiertagen der heiligen Messe andächtig beizuwohnen (can. 1247 CIC). Es gilt für alle römisch-katholischen Christen ab dem siebten Lebensjahr und leitet sich aus dem dritten der zehn Gebote und aus dem inneren Wesen der Kirche als Communio (Gemeinschaft) ab. Dem Gebot kommt nach, wer an einer heiligen Messe teilnimmt, wo immer sie in katholischem Ritus am Feiertag selbst oder am Vorabend gefeiert wird.CIC, Katechismus der Katholischen Kirche KKK 2180 Zum Kommunionempfang sind die Gläubigen nur einmal jährlich, möglichst in der Osterzeit, verpflichtet (can. 920 CIC).

Naturgemäß gilt das nur bedingt: Ausnahmen – wie sie z. B. im von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen katholischen Erwachsenenkatechismus erwähnt werden – können z. B. sein:Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholischer Erwachsenenkatechismus. Zweiter Band: Leben aus dem Glauben. S. 222 (online, abgerufen am 13. Dezember 2016). unzumutbare Belastungen (zum Beispiel Krankheit, weite Wege) Verpflichtungen der Nächstenliebe (zum Beispiel Pflege schwerkranker Angehöriger, Sorge für kleine Kinder) schwere persönliche Nachteile (zum Beispiel Gefahr der Zerrüttung einer Ehe).

Der Gläubige ist verpflichtet, bei längeren Verhinderungen dafür Sorge zu tragen, dass sein religiöses Leben trotzdem nicht erkaltet. Der Katholische ErwachsenenkatechismusDeutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholischer Erwachsenenkatechismus. Zweiter Band: Leben aus dem Glauben. S. 223 (online, abgerufen am 13. Dezember 2016). erwähnt, dass er sich in der Regel Alternativen suchen wird (dies stellt im strengen Sinn keine eigene Pflicht dar); als Beispiele werden genannt: „Gebet, Lesen der Schrift, Meditation, Empfang der Krankenkommunion durch Kommunionhelfer, Gottesdienstbesuch an einem Wochentag, Wortgottesdienst auf einer Außenstation“.

Der Pastoraltheologe Stefan Gärtner wendet gegen eine Pflicht zum Besuch der heiligen Messe ein, die Sonntagspflicht widerspreche dem Wesen der Eucharistie als Fest des Glaubens. Christen antworteten darin auf die Heilszusage Gottes in Jesus Christus „mit Lob und Dank und einem Festmahl, das an die Taten des Gottessohnes, seinen Tod und seine Auferstehung erinnert. Daran kann ein Getaufter nicht anders als in Freude und voller Dankbarkeit mittun.“ Eine Pflicht zur Teilnahme sei darum ein Widerspruch in sich.

Entwicklung Klagen über das Fernbleiben von der Versammlung der Gemeinde gibt es schon im Neuen Testament (). Der älteste Nachweis der Pflicht zum Messbesuch sind Beschlüsse der Synode von Elvira, die zwischen 295 und 314 stattfand (also bereits vor der konstantinischen Wende), die aber nur für die Bistümer in Spanien galt.Der Tag des Herrn: Kulturgeschichte des Sonntags, Hrsg. Rudolf Weiler. ISBN 3-205-98825-6 Seit wann das Gebot kirchenweit galt, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Im Codex Iuris Canonici (CIC) 1917 und 1983 wird es bestätigt. Im CIC 1983 lautet es:

In seinem apostolischen Schreiben Dies Domini (1998) bekräftigte Papst Johannes Paul II. die hohe Bedeutung des Sonntagsgebotes.

Während der Coronapandemie wurde vom Gebot 2020 wegen Gottesdienstverboten und mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Gläubigen zunächst dispensiert, mit zunehmenden Maßnahmenlockerungen und geringer werdender pandemischer Gefährdung vielerorts wieder eingeführt.

Tatsächliche Gottesdienstteilnahme Die tatsächliche Teilnahme an Gottesdiensten ist deutlich geringer, als es die kirchenrechtliche Pflicht des Sonntagsgebots nahelegen würde. An zwei sogenannten Zählsonntagen (üblicherweise der zweite Sonntag der Fastenzeit und der zweite Sonntag im November) wird in den deutschen Bistümern die Zahl der Gottesdienstteilnehmer statistisch erfasst; sie lag im Jahr 2025 im deutschlandweiten Durchschnitt bei 6,8 Prozent der Katholiken.

Literatur Benedikt Schwank: Eucharistie-Feier – Warum? In: Erbe und Auftrag 74 (1998), S. 447–449.

Einzelnachweise

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