mini|Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg zur Adventzeit Stille Nacht, heilige Nacht ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder der Welt und gilt als Inbegriff des Weihnachtsbrauchtums im deutschen Sprachraum. Es wurde am 24. Dezember 1818 in der römisch-katholischen Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg, an deren Stelle heute die Stille-Nacht-Kapelle steht, mit einer Melodie von Franz Xaver Gruber und dem Text von Joseph Mohr erstmals aufgeführt. Seither ist der deutsche Liedtext weltweit in 320 Sprachen und Dialekte übersetzt und gesungen worden. Von den ursprünglich sechs Strophen werden in der allgemein bekannten Fassung nur die erste, zweite und letzte Strophe gesungen. 2011 wurde Stille Nacht, heilige Nacht von der UNESCO auf Antrag als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Geschichte Entstehung mini|Diese Darstellung inspirierte Vikar Joseph Mohr 1816 zu der Verszeile: „Holder Knab’ im lockigten Haar“. Hochaltar der Wallfahrtsbasilika Mariapfarr, linke untere Tafel, um 1500. Zu Heiligabend 1818 brachte ein Männer-Duett, bestehend aus dem Hilfspfarrer Joseph Mohr (Tenor) und dem Arnsdorfer Dorfschullehrer und Organisten Franz X. Gruber (Bariton), in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg das Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht zum ersten Mal zu Gehör. Das in D-Dur überlieferte Lied begleitete Mohr mit Gitarre und sang die erste Stimme, Gruber die zweite.

Joseph Mohr (1792–1848) hatte den Liedtext bereits 1816 in Mariapfarr im Salzburger Bezirk Lungau in Form eines Gedichts geschrieben. Conrad Franz Xaver Gruber (1787–1863), der als Sohn einer armen Leinenweberfamilie aus Hochburg-Ach im Innviertel stammte, komponierte dann vor Weihnachten 1818 auf Wunsch Mohrs eine Melodie zu diesem Gedicht. Aus zwei Urkunden lässt sich die exakte Entstehungsgeschichte des Liedes nachvollziehen: Einerseits durch die Authentische VeranlassungFranz Xaver Gruber: 30. Dezember 1854, Hallein; Stille-Nacht-Archiv und andererseits durch das älteste erhaltene Autograph von Joseph Mohr, das erst im Jahr 1995 in Salzburg aufgefunden wurde. Dieses Autograph, datiert auf die Zeit um 1823, stellt das älteste Dokument für die Entstehungsgeschichte des Liedes dar. Es befindet sich im Besitz des Salzburger Museumsvereines und wird im Salzburg Museum aufbewahrt. Beide Dokumente ergänzen und bestätigen einander in folgenden Erkenntnissen: Joseph Mohr verfasste den Text bereits 1816 als Gedicht in Mariapfarr (siehe das Autograph, auf dem sich links unten der Hinweis mpria [= manu propria] befindet). Joseph Mohr bat Franz Xaver Gruber um die Vertonung des Textes (siehe Authentische Veranlassung). Gleichzeitig wurden durch den Hinweis rechts oben im Autograph (Hinweis: „Melodie von Franz Xaver Gruber“) die letzten Zweifel an der Komposition durch Franz Xaver Gruber beseitigt. Joseph Mohr war also nicht nur Dichter, sondern auch Initiator für das Lied. Darüber hinaus wirkte er auch bei der Uraufführung neben Franz Xaver Gruber als Sänger und Gitarrist mit. Text und Melodie des Liedes begeisterten die Kirchgänger von Oberndorf. Über die Motive, die zur Entstehung des Liedes führten, ranken sich Legenden mit anekdotischen Einzelheiten. stillenacht.com; abgerufen am 7. Juni 2018 Wahrscheinlich ist, dass das Lied bei der damals üblichen paraliturgischen Krippen-Andacht zur Aufführung kam, die nicht Teil der Liturgie war, weswegen auch das Positiv der Kirche nicht zum Einsatz kam.

Verbreitung mini|Jubiläumskarte 1918 mini|Stille Nacht, heilige Nacht, gesungen von Ernestine Schumann-Heink mini|Englische Version Silent Night, vom Chor der US Army gesungen Karl Mauracher Der erste Schritt zur Verbreitung des Liedes wird dem Umstand zugeschrieben, dass sowohl Joseph Mohr als auch Franz Xaver Gruber mit Karl Mauracher bekannt waren, einem Orgelmacher aus Fügen im Zillertal, der das Lied mit sich nahm. Mauracher hatte sich mehrmals in Arnsdorf und Oberndorf aufgehalten, wo er sowohl die Orgel der Wallfahrtskirche Arnsdorf als auch jene der Schifferkirche St. Nikola repariert hatte bzw. 1825 dann neu erbaute.Breckwoldt S. 124 f.

1819 zur Christmette wurde das Lied bereits in Fügen gesungen. Dort übernahmen es die Geschwister Rainer, die im Kirchenchor von Fügen sangen.Stille Nacht, heilige Nacht – Ein Lied geht in die Welt. In: Tiroler Heimatblätter, Zeitschrift für Geschichte, Natur- und Volkskunde, 31. Jahrgang, Jänner–März 1956, S. 1–3 (Auszug mit Anmerkungen auf sagen.at).

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts besserten zahlreiche Familien aus dem Zillertal ihr Einkommen als fahrende Händler auf, die bäuerliche Bevölkerung bevorzugt im Winter. Da im Zillertal traditionell Volksmusik gepflegt wurde, lockten manche der Händler die Käufer mit Musik und Gesang an ihre Stände.

Geschwister Rainer Der Auftritt vor dem österreichischen Kaiser Franz I. und dem russischen Zaren Alexander I. im Kaiserzimmer von Schloss Fügen Anfang Oktober 1822 begründete die Gesangskarriere der Geschwister Rainer. Der Kaiser und der Zar besuchten das Schloss auf einem Zwischenstopp auf dem Weg zum Kongress von Verona. Dass bei diesem Konzert Stille Nacht gesungen wurde, gehört ins Reich der Legenden.Breckwoldt 2018, S. 127 ff. Die Geschwister Rainer waren zwischen 1824 und 1843 in unterschiedlichen Besetzungen international unterwegs. Sie besuchten Deutschland, Großbritannien und Russland und sangen dabei in Parks, Gasthäusern, in Salons, Konzertsälen und Theatern. In ihrem Auftritt galten sie als einfache „Kinder der Natur“. 1827 reisten sie zu fünft erstmals nach Großbritannien. Ihre Auftritte sorgten für Aufmerksamkeit.

Geschwister Strasser Eine bekannte fahrende Händlerfamilie waren die Geschwister Strasser aus Laimach, das heute ein Ortsteil der Gemeinde Hippach im Bezirk Schwaz in Tirol (Österreich) ist. Die Strassers betrieben neben ihrer kleinen Landwirtschaft Handel mit Handschuhen.Die Geschichte des Liedes. In: Oberösterreichische Nachrichten vom 24. Dezember 2021, S. 6 / Kultur & Leben. Der verwitwete Vater Lorenz Strasser war mit seinen Kindern Anna, Amalie, Caroline, Josef und Alexander auf Märkten der näheren und weiteren Umgebung unterwegs und verkaufte Handschuhe, Bettwäsche, Unterwäsche und „elastische Leibbinden“. Um auf ihre Waren aufmerksam zu machen, sangen die Kinder als Gesangsgruppe „ächte Tyroler Lieder“, die ihnen großen Zulauf bescherten.

1831 hatten Anna (* 1802), Joseph (* 1807), Amalie (* 1809) und Caroline (* 1813) ihren Stand auch auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt, allerdings ohne Alexander, der im gleichen Jahr in Königsberg gestorben war.Stille Nacht, heilige Nacht – Ein Lied geht in die Welt. In: Tiroler Heimatblätter, Zeitschrift für Geschichte, Natur- und Volkskunde, 31. Jahrgang, Jänner–März 1956, , S. 1–3 (Digitalisat bei www.sagen.at). In ihrem Repertoire befand sich unter anderem auch das Lied Stille Nacht, heilige Nacht.

Franz Alscher, der Organist und Kantor der katholischen Diaspora-Gemeinde in Leipzig, hörte das Lied in der Stadt und bat die Geschwister, es zur Christmette in der katholischen Kapelle in der Pleißenburg zu singen. Die Tiroler wurden zum Gesprächsthema in der Stadt. Vor ihrer Abreise traten sie am 19. Jänner 1832 in den Pausen eines Konzerts im Leipziger Gewandhaus auf.

Die Allgemeine musikalische Zeitung schrieb darüber am 1. Februar: „Man hatte nämlich in der Pause die drey liebenswürdigen Töchter und einen Sohn der Familie Strasser aus dem Zillerthale (Kaufleute, nicht Sänger von Profession) so lange gebeten, bis sie der vollen Versammlung die Freude gewährten, einige Tyroler Nationallieder so allerliebst vorzutragen, daß der Saal von stürmischem Beyfalle widerhallte.“Beitrag. In: Allgemeine musikalische Zeitung, 34. Jahrgang, Nr. 5, 1. Februar 1832, Sp. 78 ().

Zum Winter 1832/33 waren die Geschwister Strasser wieder in Leipzig und gaben am 15. Dezember 1832 im Saal des alten Hôtel de Pologne (ehemals Gasthof Zum Birnbaum) ein eigenes Konzert. Auch wenn es nicht im Programm stand, wurde Stille Nacht auf Wunsch eines anonymen Leserbriefes im Leipziger Tagblatt aufgeführt. Dieses erschien nun auch gedruckt, 1833 zunächst auf Flugblättern und 1840 im Verlag A. R. Friese (Dresden und Leipzig).

Aufgrund ihrer Erfolge in Leipzig widmeten sich die Strassers fortan ausschließlich dem Gesang und zogen als reisende Sängergruppe durch ganz Deutschland. In Berlin übernahm der Domchor das Stille-Nacht-Lied für die Christmetten, wo es zum Lieblingslied von König Friedrich Wilhelm IV. avancierte. Letzterem ist es auch zu verdanken, dass der bescheidene Franz Xaver Gruber 1854 schließlich seine Autorschaft des Liedes bestätigte, das bis dahin als Tiroler Volksweise galt. Er verfasste dazu die noch handschriftlich vorliegende Authentische Veranlassung.

Bedingt durch den Tod Amalie Strassers, die 1835 in Leipzig gestorben war, löste sich die Gesangsgruppe auf. An die Geschwister Strasser erinnert noch ihr ehemaliges Wohnhaus in Laimach , in dem 1999 ein Museum eingerichtet wurde.Strasser Häusle, abgerufen am 14. Jänner 2015

Frühe Drucke mini|Deckblatt des Dresdner Erstdrucks Der Erstdruck des Liedes erfolgte 1833 durch A. R. Friese in Dresden in einer Flugschrift unter dem Titel Vier ächte Tyroler-Lieder gemeinsam mit drei anderen Liedern und 1840 in einer Liedersammlung mit dem Titel Vier ächte Tiroler Lieder.Verbreitung. In: stillenacht.at.Geschwister Strasser auf musikland-tirol.at. Im Dresdner Erstdruck erscheint das Lied bereits weitgehend in der heute noch üblichen dreistrophigen Fassung, die vom sechsstrophigen Originalmanuskript die erste, sechste und zweite Strophe (in dieser Reihenfolge) übernimmt.Vier ächte Tyroler Lieder für Sopran-Solo oder für vier Stimmen mit willkürlicher Begleitung des Pianoforte (Exemplar des Erstdruckes im Besitz der Universität Halle). In New York wurde 1840 der Text des Liedes ohne Noten und 1866 mit Noten (schon in der fünften Auflage) gedruckt.

Authentische Veranlassung Die Erinnerung an die Urheber des Liedes war schnell verblasst, das Lied wurde als Volkslied angesehen. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795–1861), der das Lied besonders liebte, ist es zu verdanken, dass die Autoren heute noch bekannt sind: Seine Hofkapelle wandte sich 1854 an das Stift Sankt Peter (Salzburg) mit der Bitte um eine Abschrift des Liedes, das man fälschlich für ein Werk Michael Haydns (1737–1806) hielt. Auf diesem Weg stieß man eher zufällig auf den in Hallein lebenden Komponisten Franz Xaver Gruber, der daraufhin seine Authentische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“ handschriftlich abfasste.

20. und 21. Jahrhundert 1914 sangen deutsche und britische Soldaten beim sogenannten Weihnachtsfrieden gemeinsam Stille Nacht.Stille Nacht – Ein Lied für die Welt. Dokumentation des Bayerischen Rundfunks, 2018.

1934 sang Bing Crosby in seiner Weihnachts-Radiosendung Silent Night. Die Aufnahme wurde mit 30 Millionen Stück zur dritterfolgreichsten physischen Single der Geschichte.

Im Dritten Reich wurden Versuche unternommen den Liedtext im Sinne der Nationalsozialistischen Ideologie umzutexten. So verfasste Fritz von Rabenau 1934 eine Variante mit folgendem Text: Stille Nacht, heilige Nacht, / Alles schläft, einsam wacht / Nur der Kanzler treuer Hut. / Wacht zu Deutschlands Gedeihen gut. / Immer für uns bedacht. Stille Nacht, heilige Nacht, / Alles schläft, einsam wacht / Adolf Hitler für Deutschlands Geschick, / Führt uns zur Größe, zum Ruhm und zum Glück, / Gibt uns Deutschen die Macht. Stille Nacht, heilige Nacht, / Alles schläft, einsam wacht / Unser Führer für deutsches Land, / Von uns allen die Sorge er bannt. / Dass die Sonne uns lacht. Da diese Versionen bei der Bevölkerung auf breite Ablehnung stießen, wurde von dem Vorhaben, die neuen Strophen großflächig zu etablieren, recht bald wieder Abstand genommen.