Das Kloster Rottenmünster (lateinisch Rubeum Monasterium) ist eine ehemalige reichsunmittelbare Zisterzienserinnenabtei bei Rottweil.
Geschichte mini|links|Die ehemalige Reichsabtei, heute Haus St. Vinzenz des Vinzenz-von-Paul-Hospitals in Rottweil Das Nonnenkloster Rottenmünster entstand um 1220 als Gründung der Insassen der Frauenklause zu Hochmauren (Rottweil).Rudolf Reinhardt: Kirchen und Klöster am oberen Neckar. In: Franz Quarthal (Hrsg.): Zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Das Land am oberen Neckar (= Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Brg. Bd. 52). Sigmaringen 1984, S. 352. Am 9. Mai 1224 wurde das Kloster Rottenmünster durch Papst Honorius III. in das Generalkapitel des Zisterzienserordens aufgenommen und der Aufsicht des Abtes von Salem unterstellt. Erster Salemer Vaterabt war Eberhard von Rohrdorf, erste Äbtissin die bisherige Meisterin Williburgis. 1237 nahm auch Kaiser Friedrich II. die Abtei Rottenmünster in seinem Schutz und übertrug diesen Schutz des Klosters der Reichsstadt Rottweil. Durch Schenkungen und Mitgiften sammelte das Kloster Grundbesitz zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Bereits im Spätmittelalter (1442) erlangte die Abtei die Reichsunmittelbarkeit und wurde somit Reichsstift. Die Äbtissin von Rottenmünster war fortan über die Schwäbische Prälatenbank im Reichstag vertreten und zudem Mitglied des Schwäbischen Reichskreises.
Am Ende des 14. Jahrhunderts erreichte der Konvent der Abtei seinen personellen Höchststand von etwa von 100 Nonnen, in den folgenden Jahrhunderten hatte die Klostergemeinschaft der Reichsabtei dann eine durchschnittliche Stärke von 20 und 30 Zisterzienserinnen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde die Abtei von umherziehenden Truppen geplündert, 1643 das Kloster von Truppen des Herzogs Eberhard III. von Württemberg sogar niedergebrannt. Äbtissin und Konvent entschlossen sich, Kirche und Kloster im Stil der Zeit neu zu bauen, was in der Regierungszeit der Äbtissin Ursula Scherlin (1658–1687) zwischen 1662 und 1669 durch die Beauftragung der bedeutenden Barockbaumeister Michael Beer und Michael Thumb geschah. Im Jahr 1662 lebten nur 14 Chorfrauen und drei Laienschwestern im Kloster, im folgenden 18. Jahrhundert stieg die Zahl der Schwestern wieder auf über 30 an. Die Säkularisation der geistlichen Reichsterritorien ereilte Rottenmünster im Jahr 1802, als der Besitz und die Gebiete der nun aufgelösten Reichsabtei am 23. November 1802 von Württemberg übernommen wurden. Hierbei handelte es sich um ein Gebiet mit 3.000 Einwohnern und jährlichen Einnahmen von etwa 30.000 Gulden. Die 24 Chorfrauen, vier Novizinnen und 14 Laienschwestern blieben im Kloster wohnen. 1826 starb die letzte Äbtissin Juliana Mayer. 1850 verließ die letzte lebende Schwester, Franziska Gaupp, das Kloster. Spätestens damit endete die Nutzung als Zisterzienserinnenabtei.
Im Jahr 1896 übernahmen die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal die Klostergebäude, in denen 1898 eine Heilanstalt für Geisteskranke eingerichtet wurde, aus der sich das heutige Vinzenz-von-Paul-Hospital entwickelte.
Territorium der Reichsabtei Die Streitigkeiten den Umfang des Territoriums der Reichsabtei betreffend konnten erst 1771 abschließend beigelegt werden. Im Einzelnen gehörten folgende Orte und Güter am Ende des 18. Jahrhunderts zum Hoheitsgebiet der Reichsabtei: Aixheim, Frittlingen, Neukirch (Rottweil), Zepfenhan, die Hälfte von Hausen ob Rottweil, Gut und Burg Rotenstein, acht Höfe und 2800 Morgen Waldungen.
Liste der Äbtissinnen 1221: Williburg 1237: Ida (Ita? von Weckenstein ?) 1274–1290: Adelheid von Grieningen 1310–1321: Adelheid von Grüningem 1328 – um 1334: Katharina von Triberg 1343: Adelheid Diepolt 1351: Anna Boller 1357: Agnes Rüde 1357: Margareta 1359: Anna Boller 1382: Margareth Hüli vor 1388–1394: Katharina Gieringer 1394: Beatrix von Bodman 1406: Ursula von Bodman 1419–1430: Brigitta Kopp 1436: Elisabeth (Bletz) von Rotenstein
Ab 1442: Reichsäbtissinen miniatur|hochkant|Reichsäbtissin Ursula Scherlin mini|hochkant|Maria Juliana Mayer, letzte Reichsäbtissin 1446–1456: Margaretha von Bern 1461–1475: Beatrix von Enzberg 1475–1479: Agnes von Wehingen 1482: Clara Keller 1484–1493: Engla Freiburger 1494–1501: Adelheid Bletz von Rotenstein 1502–1531: Anna Bletz von Rotenstein 1535–1538: Christina Sprenger 1542–1545: Dorothea Schnezer um 1547: Adelheid Gieringer 1550–1557: Veronika Uhl 1559–1560: Elisabeth Sichler 1561–1564: Magdalena Wagner 1565–1595: Barbara Vollmar 1596–1611: Anna Hettinger 1612–1633: Kunigunde Fehr 1633: Anna Spreter 1633–1650: Margareta Mayl 1649: Bernarda Kuen 1651–1658: Susanna von Pflummern 1658–1687: Ursula Scherlin 1687–1725: Maria Williburg Frey 1725–1733: Magdalena Schneider 1733–1748: Barbara von Pflummern 1748–1762: Thessalina Eberlin 1762–1777: Magdalena Mayr 1777–1796: Maria Barbara Barxel 1796–1803: Maria Juliana Mayer (Äbtissin bis 1826 †)
Sonstiges Den Salemer Codex IX, 66, ein Hymnar, verfasste die Rottenmünsterer Zisterzienserin Katharina zu Brugg für einen Salemer Mönch.
Literatur Margareta Bull-Reichenmiller: Das ehemalige Reichsstift und Zisterziensernonnenkloster Rottenmünster. Studien zur Grundherrschaft, Gerichts- und Landesherrschaft. Kohlhammer, Stuttgart 1964. Winfried Hecht: Kleine Geschichte der Reichsabtei Rottenmünster. Neckartal Verlag, Rottweil 2018, ISBN 978-3-947459-07-0.
Weblinks
Panoramabild der Klosterkirche Dominikanerinnenkloster Hochmauren in Leo-Bw
Einzelnachweise
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