Das 1. Chevaulegers-Regiment war ein 1682 als Regiment zu Pferd „Haraucourt“ gebildeter Kavallerieverband (Chevauleger) der Bayerischen Armee, der 1919 aufgelöst wurde. Der Friedensstandort des Regiments war ab 1856 Nürnberg. Von 1894 bis 1914 trug es den Namen des Regimentsinhabers „Kaiser Nikolaus II. von Rußland“.

Geschichte Aufstellung Kurfürst Max Emanuel stellte das Regiment am 29. Juni 1682 in Furth im Wald und Cham auf. Es wurde aus den alten Kompagnien St. Bonifacio, Haraucourt, Perouse und Spinchal sowie den neugeworbenen Kompagnien „Rittmeister Franz Graf von Gabaleone“ (Weilheim) und „Rittmeister Heinrich von Ponton“ (Schrobenhausen) errichtet. Der erste Inhaber war General der Kavallerie Karl Marquis von Haraucourt und Falkenberg, Graf von Dalem, Freiherr von Torquin, der mit seinem ersten Adelsprädikat dem Regiment seinen Namen gab (Regiment zu Pferd „Haraucourt“). Der erste Oberstkommandant (die Bezeichnung Kommandeur wurde erst ab 1872 gebräuchlich) war Oberstleutnant Ludwig Graf von St. Bonifacio. Am 14. Juli 1683 wurde Oberst Johann Baptist Graf von Arco zum Inhaber des Regiments ernannt, das sogleich in Regiment zu Pferd „Graf Arco“ umbenannt wurde. Im selben Jahr zählte das Regiment bereits 600 Reiter.

Türkenkriege 1683/88 Das Regiment war beim Entsatz von Wien im Großen Türkenkrieg am 12. September 1683 in Stärke 609 Reiter und 649 Pferden beteiligt; es war in 8 Kompagnien gegliedert. Einzelheiten sind nicht überliefert. Am 12. April 1684 nahm das Regiment die Frei-Kompagnien „Johann Karl Schwinghamer“ und „Johann Wernhard Pilbiß von Sigenburg“ auf. Es war im Jahr 1684 in 9 Ortschaften Niederbayern untergebracht, den Winter verbrachte es im Zipserland. Im Gefecht bei Gran am 16. August 1685 kämpfte es mit 400 Reitern erfolgreich und erbeutete 31 Geschütze sowie viele Fahnen. 1685 war das Regiment in Straubing und sieben Städte in der Umgebung von Straubing stationiert. Vom 21. Juni bis 2. September 1686 war es bei der Belagerung von Ofen beteiligt, währenddessen Rittmeister von Pilbiß und 20 Reiter verwundet wurden. Im Gefecht bei Jász Berény am 17. Juni 1687 und bei der Brücke in der Nähe von Mohacz am 20. Juni 1687 trat das Regiment in 9 Kompagnien gegliedert an und hatte keine Verluste zu verzeichnen. Am Berg Harsan ritt das Regiment am 12. August 1687 eine Attacke gegen türkische Kräfte, wobei Angaben über Verluste nicht bekannt wurden. Es war im Jahr 1687 in Arva sowie Liptau und Umgebung untergebracht. Am 26. Februar 1688 nahm es 53 Mann vom Reiter-Regiment „Bielke“ auf.

An der Belagerung von Belgrad vom 9. August bis 6. September 1688 nahm es mit drei Eskadronen und insgesamt 600 Reitern teil. Beim Sturm auf die Stadt fiel ein Fähnrich und ein Offizier wurde verwundet. 1688 wurde das Regiment im Oberland (Bad Tölz und Umgebung) einquartiert. Im selben Jahr wurde Franz Marquis Taquenac de Spinchal zum Oberstkommandanten des Regiments ernannt.

Feldzüge am Rhein, in Italien und Flandern 1689/98 Im Mai 1689 war das Regiment in 10 Kompagnien gegliedert, die Stärke betrug 769 Reiter. Im Jahre 1690 war das Regiment im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb, 1691 auf 34 Städte und Gemeinden über ganz Altbayern verteilt. Ende Juni 1691 verlegte es mit 2 Dragoner-Regimenter und 2 Infanterie-Regimenter nach Italien. Ab 11. Juli 1691 hieß es Kürassier-Regiment „Graf Arco“. Graf von St. Bonifacio übernahm 1691 wieder Regiment und führte es während der Schlacht bei Carmagnola vom 22. September bis 9. Oktober 1691. Nach der Niederlage kehrte die Kavallerie wieder nach Bayern zurück.

Im Jahr 1692 lag das Regiment in Flandern. Vermutlich war das Regiment am Gefecht bei Steenkerque (3. August 1692) dabei, hierzu wurde jedoch nicht genaueres bekannt. Am 4. Juli 1693 verlor das Regiment während des Gefechts bei Silenrieux – Bossu les Walcourt 7 Gefallene, 8 Verwundete und 11 Pferde. In der Schlacht bei Neerwinden am 29. Juli 1693 musste das Regiment 4 gefallene Offiziere und weitere 203 Reiter als Verluste hinnehmen, der Oberstkommandant Graf von St. Bonifacio wurde zusammen mit 5 weiteren Offizieren sowie einem Kornetten gefangen genommen. Das Regiment war im Jahr 1693 in den Niederlanden bei Roermond und Venlo, im Jahr 1694 wieder in Niederbayern einquartiert. Bei der Belagerung von Namur vom 2. Juli bis 27. August 1695 wurde von einem gefallenen Rittmeister berichtet, weitere Verluste wurden nicht bekannt.

Spanischer Erbfolgekrieg 1701/14

mini|Kürassier vom Regiment Arco 1702 (Farbtafel von Anton Hoffmann) Von 8 Kompagnien zu insgesamt 600 Reitern (1701) wuchs das Regiment 1702 auf 12 Kompagnien mit 780 Reitern und 859 Pferden auf. Bei der Eroberung von Ulm am 7. September 1702 waren nur 7 Offiziere des Regiments Arco beteiligt. Dem General der Kavallerie Johann Baptist Graf Arco wurde im selben Jahr der habsburgisch-spanische Orden vom Goldenen Vlies verliehen. Den Winter 1702/1703 verbrachte es in Niederbayern. In der Schlacht bei Schärding-Eisenbirn am 11. März 1703 nahm das Regiment unter geringen Verlusten teil und hatte Anteil an der Gefangennahme von 4 Offizieren und 299 Mann der Kaiserlichen sowie an der Erbeutung von 13 Standarten, sieben Geschützen und 2000 Pferden. Im Gefecht bei Schmidtmühlen-Emhof am 27. März 1703 kamen die bayerischen Regimenter mit einem geringen Blutzoll davon. Bei den Scharmützeln bei Munderkingen (31. Juli 1703) und bei Höchstädt (20. September 1703) sind 2 Offiziere und ein Mann gefallen, 2 Lieutenants und 2 Mann wurden verwundet. Das Regiment war 1703 auf 16 Städte und Gemeinden Niederbayerns verteilt. Am 11. Januar 1704 war es mit 6 Eskadronen „Arco“ und 6 Eskadronen „Weikel“ an der Eroberung Passaus beteiligt.

In der Schlacht bei Höchstädt am 13. August 1704 verlor es 5 Offiziere und 26 Reiter. Am 16. September 1704 führte es 5 Offiziere und 150 Mann der fränkischen Kreis-Regimenter in Gefangenschaft und erbeutete 2 Standarten sowie über 300 Pferde. Vom 15. bis 28. Oktober 1704 war eine Eskadron des Regiments an der Verteidigung von Straubing beteiligt. Dabei erlitt es keine Verluste. 1705 verlegte das Regiment nach Brüssel und war dort geschlossen stationiert. Am 6. November 1705 überstellte es 40 Mann an das am 6. November 1704 errichtete Karabiniers-Regiment „Prinz Philipp“.

Beim Gefecht bei Heylissem-Wanghe am 18. Juli 1705 geriet ausgerechnet Oberst Ahasverus de Focani mit einem Lieutenant sowie einem Kornetten in Gefangenschaft, 3 Lieutenants fielen. Dem Reiter Joseph Filser von den Arco-Kürassieren gelang es, eine verloren gegangene Standarte des Karabiniers-Regiments dem Feind wieder abzunehmen und zurückzubringen. 1706 wurde Berthold Graf von Törring-Seefeld zum Oberstkommandanten ernannt. Am 23. Mai 1706 verloren die bei Ramillies eingesetzten Kavallerie-Regimenter insgesamt über 150 Mann. 1707 wurde Felix Joseph August Ignaz Graf von Törring-Jettenbach das Kommando über das Regiment übertragen, das zeitgleich in Arlon untergezogen war (3. Kompagnie zeitweise in Thionville). Bei Nivelles lieferten sich am 8. August 1707 50 Arco-Reiter ein Fouragiergefecht. Zum Gefecht bei Offenburg am 24. September 1707 wurde je eine Eskadron der Arco- bzw. Weickel-Kürassiere dem General Vivans unterstellt, der einen Kavallerie-Verband mit 13 Eskadrons führte. Am Ende der Kämpfe hatte der Verband ca. 750 Mann, etwa 3000 Pferde, 3 Pauken und 3 Standarten verloren. Über Verluste des Regiments wurde nichts bekannt.

Im August 1708 war es bei Germersheim und Pleisweiler eingesetzt. In dem Sommer 1708 verlor das Regiment ca. 800 Pferde. 1709 übernahm de Focani das Kommando über das Regiment. Am 27. Oktober 1710 nahm es die Offiziere und Mannschaften des aufgelösten Karabiniers-Regiment „Prinz Philipp“ auf. 1711 war das Regiment im Elsass stationiert. Vom 9. Juni bis 22. August 1713 war das Regiment der Observationsarmee bei Landau in der Pfalz unterstellt. 1714 kehrte das Regiment nach Bayern zurück und begab sich in seine Garnisonsstädte Landsberg, Friedberg, Rain und Weilheim, 1715 auch in Tölz und Wolfratshausen.

Am 15. April 1715 wurde Oberst Ignaz Graf von Törring zum Inhaber des Regiments ernannt, das zugleich die Bezeichnung Kürassier-Regiment „Graf Törring“ erhielt. 1719 zog das Regiment geschlossen in die Kaserne von Landshut um. 1720 war es wieder auf mehrere Orte in Niederbayern verteilt. Zum 4. Juli 1721 war das Regiment in 9 Kompagnien zu je 30 Mann gegliedert. 1725 war das Regiment in den Rentämtern Landshut und Straubing untergebracht. Ab 1735 war es mit Stabsgarnison Neu-Ötting im Innviertel stationiert. 1739 wurde Klemens Graf von Törring-Seefeld zum Oberstkommandanten ernannt. Im selben Jahr hatte es 150 Reiter mit 248 Pferden an das Kürassier-Regiment „Graf Raymond“ abzugeben. 1740 verlegte das Regiment den Stabsgarnison nach Braunau am Inn, die übrigen Kompagnien nach Ried, Neuötting, Schärding, 1741 auch nach Altheim und Burghausen.

Österreichischer Erbfolgekrieg 1741/45

Bei der Wiedereroberung Passaus am 31. Juli 1741 nahm das Regiment mit fünf Eskadrons ohne eigene Verluste teil. Im Gefecht bei Neuhaus am 12. November 1741 kämpften drei Kürassier-Regimenter, die insgesamt einen Offizier und elf Mann verloren. Vom Regiment „Törring“ wurden ein Offizier und 46 Mann gefangen genommen.

Während der Schlacht bei Mainburg am 16. Februar 1742 sind vom Regiment drei Offiziere gefallen und zwei Standarten verloren gegangen. Zusammen mit dem Regiment „Hohenzollern“ erlitt es Verluste an Toten, Verwundeten sowie Gefallenen von 230 Mann und 140 Pferden. Bei Philippsburg gerieten zwei Offiziere und 36 Reiter in ein Scharmützel mit überlegenen Husaren, die acht Mann und fünf Pferde niedermachten und 21 Mann gefangen nahmen. Am 1. Juli 1744 geriet bei Leimersheim-Schröck ein Oberstleutnant mit 22 Kürassieren in Gefangenschaft.

mini|hochkant|Epitaph des Johann Wolfgang von Pflachern († 1767), würckhlichen Ober Lieutenants im Kürassier-Regiment „Graf Minucci“ Im März 1745 hatte das Regiment eine Stärke von 813 Mann und 773 Pferden. Nach dem Tod des greisen Generalfeldmarschalls Graf Törring (23. Juni 1763), der über 48 Jahre Inhaber des Regiments war, wurde am 23. August 1763 Generalmajor Karl Graf von Minucci zum Inhaber des Regiments ernannt, das von da an Kürassier-Regiment „Graf Minucci“ hieß. 1765 war das Regiment in Neustadt an der Donau und in der Hallertau untergebracht. In den folgenden Jahren war abwechselnd geschlossen in Landshut, München, Neumarkt in der Oberpfalz und Wasserburg am Inn stationiert.

1769 wurde die Gliederung in Kompagnien aufgegeben und die Gliederung in Eskadrons eingeführt. Am 29. August 1778 wurde Generalleutnant Friedrich Wilhelm Fürst von Ysenburg zum Inhaber ernannt. Das Regiment wurde erst spät (1. Mai 1785) zunächst in Reiter-Regiment „Graf Ysenburg“, ab 7. Januar 1781 in Kürassier-Regiment „Graf Ysenburg“ umbenannt. Am 28. September 1789 erfolgte die Ernennung von Generalmajor Ferdinand Graf von Minucci zum Inhaber des Regiments, das ab 1. Januar 1790 1. Kürassier-Regiment „Graf Minucci“ hieß. Am 22. Februar 1795 wurde der neunjährige Generalleutnant Ludwig Karl August Pfalzgraf zu Zweibrücken zum Inhaber bestimmt. Es führte zugleich die Bezeichnung 1. Kürassier-Regiment „Pfalzgraf Ludwig“.

Ebenfalls 1795 wurde mit Peter Hermann der erste Bürgerliche zum Oberstkommandant des Regiments ernannt. Nach vier Jahren (am 6. Februar 1799) erhielt der mittlerweile zum Generalleutnant beförderte Ferdinand Graf von Minucci wieder sein Regiment und dieses seine vorherige Bezeichnung zurück. 1800 löste Vincenz Nutius Graf von Minucci seinen Vorgänger Hermann als Oberstkommandanten ab. Das Regiment befand sich zu der Zeit in Vohenstrauß und verlegte im März 1800 nach München.

Koalitionskriege

Zweiter Koalitionskrieg 1800

Im Oktober 1800 stellte das Regiment 608 Mann und 642 Pferde, in 4 Eskadrons gegliedert, an das Korps „Herzog Wilhelm“ ab, das gegen Frankreich zog. Über Kampfhandlungen und Verluste sind nicht bekannt.