mini| Die Augustusbrücke ist eine Brücke über die Elbe in Dresden und verbindet die historischen Kerne der Altstadt und der Neustadt, die bis ins 16. Jahrhundert die selbstständige Stadt Altendresden war. Ursprünglich war sie der größte Brückenbau des deutschen Hochmittelalters sowie eines der größten mittelalterlichen Verkehrsbauwerke Europas. Unter August dem Starken wurde die Brücke durch Matthäus Daniel Pöppelmann grundlegend umgestaltet und zwischen 1907 und 1910 durch einen Neubau von Hermann Klette und Wilhelm Kreis ersetzt. Seit 2022 ist sie vorrangig für öffentliche Verkehrsmittel, Fuß- und Radverkehr vorgesehen und für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.
Vorgeschichte Die erste Steinbrücke Die erste Steinbrücke an Stelle der heutigen Brücke besaß 25 Pfeiler und 24 Bögen. Sie war 8,50 Meter breit und 561 Meter („800 Schritte“) lang und gehörte zu den längsten und damit aufwändigsten Steinbrücken ihrer Zeit in Europa. Die Konstruktion wies in zwei Feldern jeweils eine Zugbrücke auf sowie eine mittlere Brückenöffnung aus Holz, um diese zur Verteidigung Dresdens im Notfall abbrennen zu können. Von dieser Anlage sind an beiden Enden noch Reste im Untergrund erhalten, die eine Rekonstruktion der Bauweise erlauben.Zuletzt hat der Archäologe Reinhard Spehr seine in den 1980er Jahren begonnenen Forschungen zur mittelalterlichen Brücke dargestellt und ausgewertet. Reinhard Spehr: Die Dresdner Brücke im Mittelalter. In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Die alte Augustusbrücke in Dresden. (= Arbeitsheft 22). Dresden 2014, S. 15–98.
Über den Baubeginn der ersten Steinbrücke herrscht keine Einigkeit in der Wissenschaft. Die erste Steinbrücke wird dem Baumeister Matthaeus Voitius zugeschrieben, hier gibt es jedoch keine konkreten Belege. In der frühen Neuzeit kursierten die eng beieinander liegenden Daten eines Baubeginns von 1169, 1173 (Anton Weck) und 1175. Als Vollendung wurde 1222 angenommen. Die erste Erwähnung einer Brücke in einer zeitgenössischen Urkunde stammt nach neueren Untersuchungen von etwa 1230, als bereits von einer Reparatur gesprochen wird. Die Bauzeit der riesigen steinernen Anlage muss mehrere Jahrzehnte betragen haben. An der Brücke wurden Buckelquader verbaut, und einer der noch erhaltenen Brückenbögen auf der Südseite zeigt einen sehr flachen Spitzbogen.
Der Archäologe Reinhard Spehr vertritt seit längerem die These einer Frühdatierung. Nach seiner Vorstellung wäre die erste steinerne Brücke spätestens um 1180 begonnen worden und hätte im Zusammenhang mit der Anlage einer regelmäßigen Planstadt gestanden, die neben der älteren Siedlung um den Vorgängerbau der Frauenkirche vermessen worden wäre.Spehr 2014 und anderswo. Nach dieser These wäre der Brückenbau und die Anlage der Planstadt als kaiserlicher Ausbau des älteren Gaus Nisan als Reichsland durch Kaiser Barbarossa zu verstehen. Die Dresdener Brücke hätte eine neue Handels- und Heerstraße unterstützt, die von Nürnberg kommend, über Zwickau, Chemnitz und Freiberg nun im nördlichen Vorland des Erzgebirges Dresden erreichte. Dort hätte sie nun auf der neuen Brücke die Elbe überquert und im Norden an die ältere Via Regia (West-Ost-Verbindung) angeschlossen, die nach Schlesien und Polen weiterführte. Für diese These der Frühdatierung von Brücke und Stadt in die Jahre um 1180 gibt es zu Zeit keine zweifelsfreien Beweise.
Bei einer späteren Entstehung wäre die Dresdener Brücke vermutlich erst um 1210/1220 begonnen worden, als an ihrem Südende durch archäologische Grabungen datiert eine Art Stadtburg an der Stelle des späteren Residenzschlosses Dresden entstand. Bauherren wären nun vor allem die Wettiner gewesen, vielleicht Markgraf Dietrich der Bedrängte, der 1221 starb. Der Markgraf hätte durch den Ausbau der Flussüberquerung auf die Übernahme der Markgrafschaft Lausitz 1210 reagiert. Damals kann die intensivere Nutzung der sogenannten Frankenstraße aus Nürnberg über Chemnitz und Freiberg angenommen werden, die über die neue Brücke in die Lausitz weiterführte. Markgraf Dietrich ist als Städtegründer und Auftraggeber extravaganter Architekturen bekannt. Zeitgleich wären auch nun die Erzgebirgspässe südöstlich von Dresden intensiver genutzt worden.
Das Magdalenenhochwasser von 1342 und ein Hochwasser 1343 beschädigten die Brücke erheblich, woraufhin sie wieder instand gesetzt wurde.
Unter Kurfürst Moritz wurden bei Umbauten der Befestigungsanlagen 1534 und 1547 fünf Pfeiler und vier Bögen auf einer Gesamtlänge von etwa 150 Metern zugeschüttet, die heute noch unterhalb des Georgentores und des Schlossplatzes erhalten, aber nur teilweise archäologisch erschlossen sind; außerdem wurde über dem ersten Pfeiler am Altstädter Ufer ein neues Brückentor (das Schöne Tor) errichtet. Im Jahre 1670 wurde auf dem dritten Brückenpfeiler ein 4,5 Meter hohes Kruzifix aufgestellt, welches 3 Zentner wog.
Zweiter Bau (1731) mini|Augustusbrücke nach dem Umbau (1733) Unter August dem Starken gestaltete der berühmte Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann gemeinsam mit dem Ratsbaumeister Johann Gottfried Fehre die Brücke 1727–1731 aufwendig um. Sie war danach 402 Meter lang und hatte noch 17 Bögen. Bei einer Breite von 11,04 Meter zwischen den Brüstungen betrug die Fahrbahnbreite 6,8 Meter. Sie war für damalige Verhältnisse wegen ihrer Größe, insbesondere ihrer Fahrbahnbreite, eindrucksvoll und wurde nach ihrem Bauherrn Augustusbrücke genannt. Sie zählte zu den historischen Monumenten des barocken Dresden. Zur selben Zeit wurden sowohl Dresden als auch die Neue Königliche Stadt zur Stadtfestung ausgebaut. Die heutige Altstadt erhielt dabei einen umlaufenden Wassergraben, die Neustadt eine massive Stadtmauer. Die Augustusbrücke verband die beiden Festungen. Etwa zur selben Zeit baute Sachsen das System der Postwege aus. Die Augustusbrücke war dabei über die Grenzen von Dresden hinaus eine wichtige Querungsstelle der Elbe.
Auf ihrem Rückzug sprengten Truppen Napoleon Bonapartes am 19. März 1813 den vierten Pfeiler der Brücke nach dem Altstadtufer, was die benachbarten Bögen IV und V zum Einsturz brachte.Siehe dazu das Gemälde von Kilian Ponheimer dem Jüngeren. Durch ein Elbhochwasser stürzte am 31. März 1845 der fünfte Pfeiler ein, auf dem ein großes, 1670 von Andreas Herold gegossenes Kruzifix angebracht war. An einem Pfeiler der Dresdner Elbbrücke befand sich vor der teilweisen Zerstörung derselben durch den französischen Marschall Davoust das Wappen der Burggrafen von Dohna (gekreuzte Hirschstangen), die an den Zolleinnahmen der Brücke beteiligt waren. Das war ein wichtiger Hinweis für die Zuordnung der doninschen Brakteaten.Karl Friedrich Wilhelm Erbstein: Numismatische Bruchstücke in Bezug auf sächsische Geschichte, 10. Bruchstück (1828), S. 24–42 Am 26. März 1906 kam es auf dem Elbkahn Alwine Auguste (Schiffseigner Emil Krause, Pretzsch) zu einer Havarie. Der mit rund 300.000 Ziegeln (18.500 Ctr.) beladene Kahn prallte daraufhin an die Pfeiler der Augustusbrücke und zerbrach.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genügte die Fahrbahnbreite (zusammen mit den Fußwegen elf Meter) dem Straßenverkehr nicht mehr. Auch die Weite der 16 Bögen und die Höhe der 17 Pfeiler entsprachen nicht mehr den Anforderungen des Schiffsverkehrs, weshalb sie 1907 trotz ihres Charakters als Baudenkmal abgebrochen wurde. Noch erhalten sind die Brücke zu beiden Elbseiten flankierenden Gebäude Altstädter Wache (Schinkelwache) und Neustädter Wache (Blockhaus). Auf der Ostseite des nördlichen (neustädtischen) Brückenkopfs stand das Wohnhaus von Joseph Fröhlich, dem Hofnarren Augusts des Starken. Es wurde 1755 errichtet und im Volksmund „Narrenhäusel“ genannt. – Bei einem der Luftangriffe auf Dresden brannte es 1945 aus.
Dritter Bau (1910) Planung mini|hochkant|Abbruch der Augustusbrücke und Interimsbau (1907) mini|Einweihung der Friedrich-August-Brücke am 30. August 1910, Honoratioren vor dem Königlichen Pavillon (1910)
Die Planungen für einen Brückenneubau begannen im Jahr 1902 und lagen zunächst in den Händen des Ingenieurs und Stadtbaurats Hermann Klette. Da an dieser wichtigen Stelle im Stadtbild auf die architektonische Gestaltung der Brücke besondere Sorgfalt verwandt werden sollte, zog die Stadt 1906 den bekannten Architekten Wilhelm Kreis hinzu. Für den Bau standen etwa 6 Millionen Mark zur Verfügung. Damit der Verkehr während der Bauarbeiten weiter laufen konnte, entstand kurzfristig neben dem bisherigen Bauwerk eine provisorische Brücke, deren Bau am 15. Oktober 1906 begonnen wurde. Das Bauwerk bestand aus Stahl und Holz, die Pläne und die Bauaufsicht lagen in der Verantwortung des Zimmermeisters Ernst Noack. Die Behelfsbrücke wurde am 3. Februar 1907 eröffnet. Sie verfügte über eine Fahrbahn, auf der zwei Straßenbahngleise eingebaut waren, und einen Fußweg. Die Kosten der Behelfsbrücke betrugen etwa 450.000 Mark (das entspricht heute etwa EuroDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 100.000 EUR gerundet und bezieht sich auf Januar (im Vergleich zu 1907).). Mit der Eröffnung der Behelfsbrücke begann der Abriss der alten Augustusbrücke. Hierfür wurden die Pfeiler an Land gesprengt und die Pfeiler im Strom konventionell abgetragen. Insgesamt wurden bis September 1908 26.000 Kubikmeter Mauerwerk abgerissen und 10.000 Kubikmeter Erde abgetragen.Hilfsbrücke beim Bau der Augstusbrücke im Inhaltsverzeichnis, Deutsche Bauzeitung, 1907, S. 161.
Ausführung Die Firmen Philipp Holzmann und Dyckerhoff & Widmann führten den Brückenbau von 1907 bis 1910 aus. Das heutige Bauwerk besteht aus neun Bögen (statisch als Dreigelenkbögen ausgelegt), von denen vier über Strompfeiler (bei Normalwasserstand) getragen werden. Die Gesamtlänge des Bauwerks beträgt etwa 390 Meter, die Bögen haben lichte Weiten von 17,6 bis 39,3 Meter. Die Breite der Brücke ist 18 Meter, in den Pfeilerkanzeln sind es 25 Meter. An der Augustusbrücke wird sehr deutlich, wie stark sich die Ufer am innerstädtischen Elbbogen unterscheiden. Auf Altstädter Elbseite setzt die Brücke direkt am Prallhang an und führt bereits unter dem dritten Bogen den Schiffsverkehr in der Fahrrinne. Im Norden fällt das Ufer sehr flach ab, weshalb dort vier Bögen die Elbwiesen überspannen. Das Bauwerk weist bei Talfahrt eine lichte Durchfahrtshöhe von 6,92 Meter beim höchsten schiffbaren Wasserstand auf., Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Dresden, im März 2021 aufgegangen im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe Für den Bau wurden 41.000 Kubikmeter Beton in Pfeiler und Bögen eingebaut.
Die Brücke ist als massive Gewölbebrücke mit Dreigelenkbogen gebaut und besteht im Kern aus Stampfbeton, die Ansichtsflächen sind mit 7300 Kubikmetern Sandstein verblendet, wofür man teilweise die Steine der abgebrochenen Augustusbrücke verwenden konnte. Die Bauplastik (Wappen und Schlusssteine) schuf der in Hamburg ansässige Bildhauer Karl Weinberger. Im Zuge des Neubaus wurde die Straße Terrassenufer, unter dem ersten Bogen hindurch, weiter an der Elbe entlang bis zum Basteischlösschen geführt. Bei seiner Verkehrsübergabe am 30. August 1910 erhielt das Bauwerk den Namen Friedrich-August-Brücke nach dem damaligen König Friedrich August III. von Sachsen, der der Eröffnungszeremonie auch beiwohnte. Tausende Dresdner kamen zu diesem Fest. Die Rede zur Eröffnung hielt Oberbürgermeister Otto Beutler.
Kunstwerke mini|Das Dresdner Brückenmännchen