mini|hochkant=1.5|Baumgartner Friedhof mini|hochkant=1.5|Nordwestlicher Teil des Baumgartner Friedhof mit der Christusstatue Der Baumgartner Friedhof ist ein Friedhof im 14. Wiener Gemeindebezirk Penzing.
Lage Der Baumgartner Friedhof liegt im Penzinger Bezirksgebiet und im Norden und höchstgelegenen Bereich des Bezirksteils Baumgarten (Katastralgemeinde Unterbaumgarten). Die Adresse lautet Waidhausenstraße 52. Der Friedhof wird im Norden vom Flötzersteig, im Westen von der Waidhausenstraße, im Osten von der unregelmäßig verlaufenden Linie Donhartgasse – Wawragasse – Stauffergasse – Donhartgasse und im Süden von einem Grünstreifen (Waidhausenpark) begrenzt. Der Friedhof umfasst eine Fläche von 237.500 Quadratmeter und beherbergt 33.200 Grabstellen (ca. 14 Gräber je 100 m²).Friedhof Baumgarten, Friedhöfe Wien GmbH, abgerufen am 9. September 2026. Er ist der Fläche und der Gräberzahl nach der drittgrößte Friedhof Wiens (Stand 2026).
Geschichte 18./19. Jahrhundert Der heutige Friedhof geht auf eine benachbarte Anlage zurück, die 1786 im Bereich der heutigen Hütteldorfer Straße und Seckendorfstraße von den Gemeinden Ober- und Unterbaumgarten errichtet wurde, nachdem die Baumgartner Kirche St. Anna im Zuge der josephinischen Reformen zur eigenständigen Lokalkaplanei erhoben wurde. Die beiden Gemeinden statteten den inmitten von Feldern und Gärten gelegenen Friedhof mit einer Friedhofsmauer und einem Kreuz aus und ließen ihn am 15. Jänner 1786 weihen. Die erste Beisetzung fand am 10. Februar statt. 1839 wurde eine neue Totenkammer erbaut und die Mauer instand gesetzt.
Die westliche Erweiterung des Friedhofs um das Ried Unter-Waidhausen weihte am 31. Oktober 1874 Dechant Emanuel Paletz, der damaligen Pfarrer von Hütteldorf. 1877 wurde der Friedhof neuerlich erweitert.
Nach der Sperrung ihres bisherigen Friedhofs kauften die an der Linzer Straße liegenden Vorstadt-Gemeinden Fünfhaus, Sechshaus und Rudolfsheim (heutiger 15. Wiener Gemeindebezirk) ein Grundstück im Ausmaß von „sechs Joch und 486 Quadratklaftern“, das teilweise auf dem Baumgartner Friedhof, teilweise an ihn angrenzend lag, um hier ihre Toten zu bestatten und vereinbarten vertraglich mit der Gemeinde Baumgarten 1884 die Schaffung eines gemeinsamen Friedhofs. 1888 wurden daraufhin die Leichen aus dem Schmelzer Friedhof (Neulerchenfelder Ortsfriedhof, heute Märzpark) exhumiert und in ein Massengrab nach Baumgarten überführt.
Für den Bau der Hütteldorfer Straße wurde 1884 ein Teil des Friedhofs aufgelöst. 1896 räumte man diesen Teil ab und ebnete ihn ein, um dort die Kaiser-Franz-Joseph-Landwehr-Kaserne zu errichten.
Im Gegenzug wurde der Friedhof in den 1890er Jahren noch drei Mal um insgesamt rund 54.000 m² erweitert. Der Friedhof erhielt 1902/03 ein Totengräberhaus und eine gedeckten Halle (Wartesaal und Aufbahrungshalle). Stadtbaumeister Josef Münster spendete 1903 eine große Christusstatue, die ursprünglich von Andreas Halbig geschaffen wurde und für die Kathedrale von Esztergom bestimmt war. Auch Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Friedhofsareal laufend, teilweise auch durch Enteignungen, erweitert. Die Friedhofsgebäude musste mehrmals umgestaltet und renoviert werden.
Ab 1945 Im Zeitraum 1945 bis 1955 wurden in drei Sektoren des Baumgartner Friedhofs Einzelgräber von Angehörigen der Sowjetarmee angelegt. Beim Tor 3 bzw. Verwaltungsgebäude (Gruppe B, Reihe 6) befinden sich die Gräber von 25 Rotarmisten, darunter einem Tschechen. Unweit davon, an der Friedhofsmauer zur Waidhausenstraße, befindet sich ein Grab in Gruppe B Reihe 9 Grab 20, daneben in Reihe 11 vier weitere Gräber.
Mitte 1945 musste die Neuvergabe von Gräbern aus Platzmangel vorübergehend eingestellt werden. Mehrere Maßnahmen zur Verfügbarmachung von Gräbern wurden ergriffen: Ab 1947 wurden heimgefallene Gräber neu zugewiesen, 1948/49 Urnengräber angelegt und Anfang der 1950er Jahre Schachtgräber aufgelassen und Erweiterungsflächen gewidmet. 1964 folgte die Eröffnung eines eigenen Urnenhains.
Nach den Erweiterungen der Friedhofsanlage wurden ab August 1966 die bestehenden Aufbahrungsgebäude abgebrochen. Der Neubau wurde wie auch in vielen anderen Wiener Friedhöfen nach den Plänen des Städtischen Friedhofsarchitekten Oberbaurat Josef Strelec ausgeführt. Die Innenausstattung erfolgte nach Plänen des Architekten Erich Boltenstern, die künstlerische Ausgestaltung durch den Maler Hermann Bauch. Die neue Halle konnte 1967 eröffnet werden. 1993 bis 1995 wurde die Aufbahrungshallen gemeinsam mit den Zeremonienräumen renoviert und neu gestaltet. 1995 erfolgte die Enthüllung des Mahnmals für die Opfer des Faschismus, das von Leopold Grausam geschaffen wurde und in der Gruppe 1 des Friedhofs gelegen ist.
Am 23. Juli 2008 ereignete sich auf dem Friedhofsgelände ein tödlicher Unfall, bei dem eine Frau von einem rund 200 kg schweren Grabstein erdrückt wurde. Dieser Todesfall inspirierte die in Penzing lebende Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zu dem Text „Wenigstens die Erde sei ihr leicht und lieb“.
Am 23. Februar 2026 kam es im Friedhofsgelände zu einem Mord. Ein 14-jähriges psychisch instabiles Mädchen griff eine dort zufällige anwesende 64-jährige Frau von hinten mit einem Taschenmesser an und verletzte diese durch Stich- und Schnittverletzungen tödlich und zeigte sich kurz darauf selbst an. Nach Feststellung ihrer Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt wurde sie im Juni 2026 zu acht Jahren Haft in einem forensisch-therapeutischen Zentrum verurteilt. Eine gleichaltrige Freundin, die die Täterin zum Mord ermuntert hatte, wurde im September 2026 wegen Beitrags zum Mord zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingter Haft, verurteilt.
Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten
Ehrenhalber gewidmete Gräber mini|Ehrenhalber gewidmetes Grab von Willy Hesch mini|hochkant|Ehrenhalber gewidmetes Grab von Kurt Horeischy mini|hochkant|Ehrenhalber gewidmetes Grab von Heinz Zemanek mini|hochkant|Ehrengrab von Heinrich Swoboda Der Baumgartner Friedhof weist 26 ehrenhalber gewidmete Gräber sowie eine historische Grabstelle auf.Friedhöfe Wien GmbH – Ehrenhalber gewidmete Gräber des Friedhofs Baumgarten, Februar 2016 (PDF, abgerufen am 22. Juli 2016; 54 kB)Friedhöfe Wien GmbH – Ehrenhalber gewidmete Gräber des Friedhofs Baumgarten, Jänner 2020 (PDF, abgerufen am 16. Jänner 2021; 136 kB) Name Lebensdaten Tätigkeit Franz Binder 1911–1989 Fußballspieler Leopold Brauneiss 1847–1920 Stadtrat Josef Gangl 1868–1916 Schriftsteller, Schauspieler Franz Glaserer 1904–1983 Politiker Karl Glossy 1848–1937 Literaturhistoriker Willy Hesch 1860–1908 Opernsänger Kurt Horeischy 1913–1945 Chemiker und Widerstandskämpfer Ernst Jirgal 1905–1956 Lehrer und Schriftsteller Josef Ferdinand Künstler 1792–1857 Pfarrer von Reindorf Trude Mally 1928–2009 Sängerin und Dudlerin Rudolf Much 1862–1936 Germanist Dionys Schönecker 1888–1938 Fußballspieler und -funktionär Friedrich Schönpflug 1873–1951 Maler und Karikaturist Rolf Schwendter 1939–2013 Schriftsteller Friederike Seidl 1936–1987 Politikerin Heinrich Swoboda 1861–1923 Theologe und Kunsthistoriker Johann Tabarelli 1898–1956 Schriftsteller und Journalist Karl Terkal 1919–1996 Opernsänger (historische Grabstelle) Gerhard Weißenberg 1920–1980 Politiker Maria Weith 1884–1950 Malerin Heinz Zemanek 1920–2014 Computerpionier Heinrich Zita 1882–1951 Bildhauer
Gräber weiterer Persönlichkeiten mini|Grab von dem Bildhauer Andre (Andreas) Roder mit dem „Denkmal der Mütter“ mini|Grabstätte der Familie Zeman und Götzinger in dem Walter Zeman beigesetzt ist
Weitere bedeutende Persönlichkeiten, die am Baumgartner Friedhof begraben sind:
Name Lebensdaten Tätigkeit Hanns Abele 1941–2016 Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Alzinger 1928–1998 Archäologe Johannes Bischko 1922–2004 Mediziner Renato Attilio Bleibtreu 1893–1964 Schriftsteller Fritz Brandstetter 1891–1936 Fußballspieler (Grab aufgelassen) Kurt Bretterbauer 1929–2009 Geodät Wolfgang Bruneder 1941–2022 Musikpädagoge Edmund Daniek 1892–1966 Schriftsteller Doddy Delissen 1904–1987 Tänzerin, Diseuse und Filmschauspielerin Leopold Deutsch 1853–1930 Schauspieler Auguste Dick 1910–1993 Mathematikhistorikerin Louis Dité 1891–1969 Komponist Irmgard Egger 1953–2015 Germanistin Franz Eppel 1921–1976 Kunsthistoriker Ernst Exner 1934–2019 Rundfunkjournalist Ernst Fettner 1921–2021 Journalist Anton Figl 1895–1963 Politiker Alfred Eduard Forschneritsch 1872–1917 Schriftsteller Anton Frisch 1889–1963 Politiker Leopold Gernhardt 1920–2013 Fußballspieler Wolfgang Glüxam 1958–2020 Cembalist Josef Haist 1894–1950 Fußballspieler Heinrich Hartl 1840–1903 Geodät Alfred Heinrich 1930–2016 Autor Karl Hirschbold 1908–1994 Sprachpfleger Joseph Eugen Hörwarter 1854–1925 Maler und Kunstpädagoge Alfred Hofmann 1879–1958 Bildhauer (Grab aufgelassen) Erich Hofstetter 1912–1987 Politiker Oskar Huemer 1916–1993 Politiker Erich Kabesch 1905–1992 Politiker Rupert Karner 1896–1928 Motorradrennfahrer Götz Kauffmann 1949–2010 Schauspieler Johann M. Kauffmann 1910–1965 Orgelbauer Josef Klein 1870–1933 Komponist Ernst Klimt 1864–1892 Maler, Bruder von Gustav Klimt Josef Kohout 1915–1994 KZ-Überlebender Alfred Körner 1926–2020 Fußballspieler Robert Körner 1924–1989 Fußballspieler Franziska Krämer 1899–1988 Politikerin Michael Kreißl 1958–2004 Politiker Paul Kronegg 1885–1935 Operettensänger und Schauspieler Wolfgang Kummer 1935–2007 Physiker Karl Kurzmayer 1902–1972 Kameramann Richard Kuthan 1891–1958 Fußballspieler Alfred Lehner 1913–1997 Schauspieler Fritz Leitermeyer 1925–2006 Komponist und Violinist Hannes Lintl 1924–2003 Architekt Gerhard May 1898–1980 evangelisch-lutherischer Bischof Gerhard May 1940–2007 evangelisch-lutherischer Kirchenhistoriker Armin Medosch 1962–2017 Medienkünstler Wilhelm Meissel 1922–2012 Schriftsteller Erich Miksch 1901–1970 Generaldirektor Maria Mizzaro 1925–2009 Grafikerin und Fotografin Anton Moser 1872–1909 Sänger Hans Müller 1896–1971 Schachspieler Moriz Nähr 1859–1945 Fotograf Horst Nemec 1939–1984 Fußballspieler Wilhelm Neusser 1924–1994 Politiker, Stadtrat Leopold Nitsch 1897–1977 Fußballspieler Rudolf Nussgruber 1918–2001 Regisseur Camillo Öhlberger 1921–2013 Fagottist und Autor Eduard Cuny de Pierron 1808–1883 Wohltäter, Namensgeber der Pierrongasse (Oberbaumgarten) Bobby Pirron 1918–2007 Musiker (Pirron und Knapp) August Pitzl 1920–2000 Basketballfunktionär Lois Pregartbauer 1899–1971 Maler (Grab aufgelassen) Franz Rauscher 1900–1988 Politiker Andre Roder 1900–1959 Bildhauer Gunter Schnaubelt 1942–2012 Fußballschiedsrichter Eduard Schönecker 1885–1963 Fußballspieler (Grab aufgelassen) Karl Schwerzek 1848–1918 Bildhauer Stefan Skoumal 1909–1983 Fußballspieler Josef Sliskovic 1901–1984 Elektroingenieur, Pionier des Radios Herbert Steininger 1933–2005 Jurist Mimi Stelzer 1900–1957 Schauspielerin Karl Sterrer 1844–1918 Bildhauer Gustav Tögel 1907–1981 Fußballspieler Joe Trummer 1922–2007 Schauspieler Hildegard Wondratsch 1921–2020 Politikerin Michael Weinzierl 1950–2002 Historiker Walter Zeman 1927–1991 Fußballnationaltormann
Literatur Herta Wohlrab: Penzing. Geschichte des 14. Wiener Gemeindebezirkes und seiner alten Orte. Jugend und Volk, Wien 1985, ISBN 3-224-16209-0, S. 153–154.
Weblinks
Friedhof Baumgarten
Einzelnachweise
Kategorie:Friedhof in Wien Kategorie:Penzing (Wien)