Die Streitkräfte der Republik China sind die Armee der Republik China (Taiwan). Sie bestehen aus vier Teilstreitkräften. Ihre Aufgabe besteht heute hauptsächlich darin, die Republik China (Taiwan) vor einer möglichen Invasion durch die Volksrepublik China zu schützen (siehe: Taiwan-Konflikt).

Die Streitkräfte stehen in einer historischen Kontinuität zur Nationalrevolutionären Armee der Nationalisten im chinesischen Bürgerkrieg. Bis in die 1970er-Jahre war die offizielle Militärdoktrin darauf ausgerichtet, offensive Operationen gegen die Volksrepublik durchführen zu können, um das chinesische Festland zurückzuerobern („Projekt Nationale Glorie“, ). Dieses Konzept wurde mit der Zeit aufgegeben, so dass die taiwanesischen Streitkräfte heute nur noch defensiven Charakter besitzen. Einmal im Jahr findet die Militärübung Han Kuang statt, bei welcher eine Invasion durch die Volksrepublik China simuliert wird.

Geschichte 1911 bis 1949: Auf dem Festland Verschiedene Armeen werden mit dieser Epoche assoziiert, wie unter anderem die der Kuomintang und der KPCh. Es gab innerhalb dieses Zeitraums zwei Armeen mit dem Titel „Nationalarmee“ (). Die Beiyang-Armee einer „Warlord-Regierung“ und später die „Nationalrevolutionäre Armee“ () der Republik.

Die Gründung der ersten Republik Chinas wurde erst durch die Meuterei der „Neuen Armee“ () der Qing mit Yuan Shikai als Kommandeur der modern gerüsteten Beiyang-Armee, die Nordchina kontrollierte, ermöglicht. Nach seinem Tod 1916 zerbrach diese Armee in verschiedene Fraktionen und die Generäle der Armee wurden zu Warlords, die die großen Lehen während der folgenden Jahrzehnte kontrollierten. Berufssoldaten dieser Armeen trugen oft keine Uniformen, was den optischen Unterschied zwischen Kombattanten und Rebellen oder Banditen aufhob.

Mit Hilfe der Kommunistischen Internationale reorganisierte Sun Yat-sen 1925 die Nationalrevolutionäre Armee in Guangdong mit dem Ziel der Wiedervereinigung Chinas unter Führung der Kuomintang. Zu diesem Zweck kämpfte die Armee gegen die Warlords, die China teilten. 1925, nach dem Tod von Sun Yat-sen, übernahm Chiang Kai-shek das Oberkommando. Er führte mit dem erfolgreichen Nordfeldzug den Kampf fort und vereinigte die von den Warlords kontrollierten Teile Chinas. Einen der größten Einsätze stellte für die Streitkräfte der Republik China 1929 der Sowjetisch-Chinesische Grenzkrieg dar. Ziel der Republik China war es, die sowjetische Machtausbreitung zurückzudrängen. Der Krieg begann am 17. August 1929 mit dem Einmarsch der Roten Armee in der Mandschurei und endete militärisch mit einer chinesischen Niederlage.Gerald Mund: Ostasien im Spiegel der deutschen Diplomatie. Franz Steiner Verlag, 2006, S. 46 f.

Vor dem Hintergrund der Kriegsgefahr mit Japan versuchte die KMT-Regierung ein modernes Rekrutierungswesen zu etablieren. 1929 wurde Wehrunterricht an den weiterführenden Schulen eingeführt. 1934 wurde ein dreimonatiges militärisches Training Voraussetzung für einen Universitätsabschluss. 1933 beschloss die Regierung ein Wehrpflichtgesetz, dass ab 1936 umgesetzt werden sollte. Die Umsetzung der Wehrpflicht wurde aber stark durch Korruption behindert, nur rund 40 % der Rekruten folgten der Wehrpflicht freiwillig. Die Streitkräfte hatten mit Desertionen, mangelnder Ausrüstung und Krankheiten zu kämpfen. Vor dem Krieg mit Japan erkrankten rund zehn Prozent der Soldaten pro Jahr. Die Sterblichkeitsrate der Erkrankten betrug rund 5 %.Chang Jui-Te: The Nationalist Army on the Eve of the War. in Mark Peattie, Edward Drea, Hans van de Ven (Hrsg.) The Battle for China - Essays on the Military History of the Sino-Japanese War of 1937-1945. Stanford, 2011, S. 91, S. 94–97

Die Nationalrevolutionäre Armee kämpfte im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg (1937–1945), der Teil des Zweiten Weltkrieges wurde. Die militärische Führung während des Krieges war verflochten mit der politischen Führung und der Unterschied zwischen Partei, Staat und Armee war wie im Leninismus fließend. Als die Rote Armee den Chinesischen Bürgerkrieg gewann, flüchteten große Teile der Nationalen Revolutionsarmee, meist die Elite, mit der Führung der Kuomintang nach Taiwan. Sie wurde später auf Taiwan zur „Armee der Republik China“ reformiert. Überlebende Einheiten, die nicht nach Taiwan oder ins „Goldene Dreieck“ fliehen konnten, wurden aufgelöst.

Streitkräfte in Taiwan mini|Ehrenwache am Märtyrerschrein mini|CM11-Panzer des Heeres der Republik China mini|Fregatte Kang Ding (PFG3-1202) mit S-70C-Hubschrauber der Marine der Republik China mini|Marineinfanterie der Republik China mini|AIDC F-CK-1 Ching-kuo der Luftstreitkräfte der Republik China mini|Militärpolizei der Republik China

Seit 1949 verfügt die Republik China über eine zum Zeitpunkt der Gründung verhältnismäßig große und gut ausgerüstete Armee, die wegen des Anti-Abspaltungsgesetzes der Volksrepublik China ständig auf eine Invasion durch Streitkräfte der Chinesischen Roten Armee vorbereitet sein soll.

Von 1949 bis in die 1970er-Jahre zielte die Strategie des Militärs auf eine mögliche Eroberung des Festlands ab, danach wandelte sich die bestehende Nationale Revolutionsarmee zu einer Verteidigungsarmee mit stehender Luftwaffe und Marine. Die Kontrolle der Streitkräfte wurde der zivilen Führung übergeben. Da das Militär der Republik auf dem der Revolutionsarmee beruht, tendiert die ältere hochrangige Offiziersgeneration zu pan-blauen politischen Ansichten.Michael Swaine, James C. Mulvenon: Taiwan’s Foreign and Defense Policies: Features and Determinants. (PDF) Rand Corporation, ISBN 0-8330-3094-9, Englisch, Letzter Zugriff am 5. Dezember 2007 Diese Generation, deren Familien meist noch vom Festland stammen, ist jedoch größtenteils im Ruhestand und das Militär nähert sich zunehmend der öffentlichen Meinung an.

Im Falle einer Invasion der Volksrepublik China würde die Berufs- und Wehrpflichtigenarmee der Republik China die erste Verteidigungslinie bilden, bis Verstärkung von den USA die Fronten der Republik unterstützen würde. Eine entsprechende Invasion wird jährlich bei der Militärübung Han Kuang simuliert.

Der 2005 unterzeichnete Verteidigungspakt der USA mit Japan bedeutet eine Unterstützung der Republik durch Japan. Andere Verbündete der USA, wie Australien könnten theoretisch die Republik weiter unterstützen, werden jedoch nicht erwartet.William Tow: ANZUS: Regional versus Global Security in Asia?. In: Oxford Journals, abgerufen am 5. Dezember 2007 Weiter ist die Beteiligung der USA selbst in Frage zu stellen, da es keine Garantie durch den Taiwan Relations Act gibt. , sfgate.com, abgerufen am 14. März 2005

Ein im März 2010 veröffentlichter taiwanischer Regierungsbericht nimmt an, dass im Falle eines Konfliktes die Luftstreitkräfte der Volksrepublik China aufgrund deren langjährigen Rüstungsbestrebungen im Kriegsfall voraussichtlich die Luftüberlegenheit hätten.Agence France-Presse: Taiwan says China now has edge in air power, 9. März 2010. Abgerufen am 9. März 2010.

Seit 2001 besteht als Alternative zur bestehenden Wehrpflicht die Möglichkeit eines Zivildienstprogrammes ()., Radio Taiwan International, 23. November 2007 Beide Dienste dauern 1 Jahr. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, den Zivildienst bei einem privatwirtschaftlichen Unternehmen abzuleisten, jedoch wird dieser Dienst auf 4 Jahre verlängert.

Ausrüstung und Personal Die taiwanesischen Streitkräfte verfügten im Jahr 2025 laut World Factbook über rund 180.000 aktive Soldaten.The World Factbook: Taiwan, abgerufen am 30. Dezember 2025 Die Regierung gibt die Personenstärke hingegen mit 230.000 Armeeangehörigen an, wobei unklar ist, ob in dieser Zahl auch Zivilbeschäftigte enthalten sind. Hinzu kommen rund zwei Millionen registrierte Reservisten. Acht Jahre nach Ausscheiden aus dem Militär müssen ehemalige Armeeangehörige für Auffrischungskurse zur Verfügung stehen, was rund 700.000 Reservisten betrifft. Tatsächlich trainiert werden pro Jahr allerdings nur etwa 110.000 Reservisten. Beobachter bewerten diese Zahl als zu gering und haben sowohl die Dauer des Trainings (früher fünf bis sieben Tage, inzwischen 14 Tage) als auch dessen Qualität kritisiert. Bemängelt wurde zudem, dass es einfach sei, sich den Übungen zu entziehen.

Taiwan besitzt eine Wehrpflicht für alle Männer ab 18 Jahren. Die Dauer betrug zunächst 20 Monate und wurde im Jahr 2008 auf zwölf Monate und 2016 auf vier Monate gesenkt. Angesichts zunehmender Spannungen mit China beschloss die taiwanesische Regierung unter Tsai Ing-wen den Zeitraum beginnend mit dem Jahr 2024 wieder auf zwölf Monate zu erhöhen. Die Wehrpflichtigen werden durch Berufssoldaten ergänzt. Frauen sind zwar nicht von der Wehrpflicht betroffen, können jedoch auf freiwilliger Basis Soldat werden und machen 13,6 Prozent des Militärpersonals aus. Rund 17 Prozent der Wehrpflichtigen werden ausgemustert.

Die Qualität des Wehrdienstes, der mitunter in Büroarbeit oder der Betreuung von Behinderten bestand, war in der Vergangenheit Gegenstand von Kritik. Eine Refokussierung der Ausbildung auf militärische Aufgaben wird durch einen Mangel an Waffensystemen erschwert. Aus Materialmangel erfolgt etwa keine praktische Einweisung in die aus den USA stammende Flugabwehrrakete Stinger oder die gleichfalls von dort stammende Antipanzerwaffe Javelin, so dass lediglich technisches Wissens über beide vermittelt wird.

Die Personalstärke der Armee, die einmal bei 700.000 Soldaten lag, ist in den letzten Jahrzehnten deutlich geschrumpft. Waren in den 1980er-Jahren noch 600.000 Soldaten unter Waffen, so waren es zwischen 1997 und 2001 nur noch 265.000 und 2002 lediglich 215.000 Militärangehörige. Die hierdurch möglichen Einsparungen sollten in moderne Ausrüstung und Waffensysteme investiert werden.o. V.: The Incredibly Shrinking Taiwan Military. 20. März 2009. Abgerufen am 22. März 2009. Im Jahr 2025 war vor dem Hintergrund einer möglichen Invasion durch China zum ersten Mal wieder eine Erhöhung der Truppenstärke zu verzeichnen.

Angesichts von sinkenden Geburtenraten und Konkurrenz durch die Privatwirtschaft hat das taiwanesische Militär zunehmend Probleme ausreichend Berufssoldaten zu rekrutieren. Um die Attraktivität des Soldatenberufs zu erhöhen, wurden daher diverse Maßnahmen wie höhere Gehälter, die Renovierung von Kasernen sowie das priorisierte Boarding von Soldaten an Flughäfen umgesetzt. Auch wurden als veraltet angesehene Ausbildungsinhalte wie Stechschritt und Bajonettübungen gestrichen. Erschwert werden entsprechende Bemühungen durch die Wahrnehmung staatlicher Institutionen als dysfunktional und eine generelle Skepsis der taiwanesischen Gesellschaft gegenüber Militär, die insbesondere unter jungen Leuten ausgeprägt ist. Angesichts der Gefahr eines Krieges mit China wollen manche Familien ihre Kinder nicht in der Armee sehen. Ein weiteres Problem ist, dass gut ausgebildete Berufssoldaten das Militär vorzeitig verlassen. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei der Luftwaffe, aus der Piloten in die besser zahlende Privatwirtschaft wechseln.

Wichtige Rüstungskooperationspartner sind die USA, Frankreich und die Niederlande. Teilweise werden auch Eigenentwicklungen wie der CM-32-Panzer eingesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil der Ausrüstung stammt aus den USA und fußt auf dem Taiwan Relations Act.Executive Summary of Report to Congress on implementation of the Taiwan Relations Act, Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten, abgerufen am 5. März 2005

Heer

Das Heer der Republik China umfasste 2020 rund 90.000 Soldaten. Es ist die größte Teilstreitkraft der Streitkräfte der Republik China und gliedert sich schwerpunktmäßig in drei Armeen: Armee Nord (6. Korps, HQ: Taoyuan), Armee Mitte (10. Korps, HQ: Taichung) und Armee Süd (8. Korps, HQ: Chisan). Diesen drei Armeen unterstehen sieben Panzerbrigaden, zwei mechanisierte Infanteriebrigaden, zehn Infanteriebrigaden, drei mobile Divisionen und zwei Flugabwehrgruppen.

Luftstreitkräfte