Die Burgruine Hauenstein, auch Hanstein und im Volksmund auch Pflegerschloss genannt, ist die Ruine einer Höhenburg auf einem Ausläufer der Gleinalpe im Nordosten der österreichischen Gemeinde Kainach bei Voitsberg in der Weststeiermark. Die Geschichte der Burg reicht bis zum Ende des 12. Jahrhunderts oder dem Beginn des 13. Jahrhunderts zurück, als sie von den Landesfürsten zum Schutz des Handelsweges vom Kainachtal über die Gleinalpe ins obere Murtal errichtet wurde. Vom 13. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts saßen die vermutlich namensgebenden Hanauer auf der Burg, ehe es in den folgenden Jahrhunderten zu häufigen Besitzerwechseln kam. Die Burganlage verlor im 15. und 16. Jahrhundert zusammen mit dem Handelsweg, an dem sie lag, zunehmend an Bedeutung und es gab auch keine zugehörigen Untertanen oder Einkünfte mehr. Ein Brand am Ende des 16. oder zu Beginn des 17. Jahrhunderts führte schließlich vermutlich zur Aufgabe der Burg. Seit 1982 finden Instandhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen statt, welche auch von archäologischen Grabungen begleitet wurden.
Die Burg selbst wurde in zwei oder drei Bauphasen errichtet und behielt dabei ihren gotischen Charakter.
Namensherkunft Für die Herkunft der Namen Hauenstein und Hanstein gibt es mehrere Erklärungsversuche. Laut Ernst Reinhold Lasnik leitet sich der Name wahrscheinlich von den ursprünglichen Erbauern oder Besitzern, also der Adelsfamilie der Hanauer ab. Der Name lässt sich aber auch als Burg am behauenen Stein deuten. Eher unwahrscheinlich ist eine Ableitung vom althochdeutschen Personennamen Hûn oder Hûni oder dem mittelhochdeutschen hanen für Hahn.
Standort Die Burg befindet sich im nordöstlichen Teil der Gemeinde Kainach bei Voitsberg, im Norden der Katastralgemeinde Gallmannsegg auf einer schmalen, nach Westen, Osten und Süden hin steil abfallenden, felsigen und bewaldeten Rückfallkuppe. Diese ist der letzte Ausläufer eines vom Brendlstall auf der Gleinalpe nach Süden streichenden Rückens und erhebt sich etwa 200 Meter über das Tal der Kainach. Das Burgplateau selbst befindet sich auf einer Seehöhe von etwa Im Westen und Süden wird das Plateau von der Kainach und im Osten vom Siebbrunnenbach begrenzt. Der Burgzugang erfolgte von Norden über eine schmale Verbindung zum Hinterland, welche zudem durch einen künstlich angelegten Halsgraben mit vermuteter Zugbrücke geschützt wurde. Nach dem Graben verläuft der Zugang zur Burg westlich an dieser und dem Siebbrunnenbach vorbei. Die Burg lag an der alten Handelsstraße vom Kainachtal über den Gleinalmsattel ins obere Murtal und nach Knittelfeld.
Nördlich der Burg befindet sich mit dem Haus Pfleger ein Anwesen, welches aus einem Jägerhaus, einem Stallgebäude sowie einem Brunnen und einer hölzernen Kapelle besteht und vermutlich auf einen Meierhof der Burg zurückgeht. Vom Anwesen führt ein Saumpfad zur Burgruine und es gibt auch einen alten, teilweise in den Fels gehauenen Weg.
Geschichte mini|Grundriss der Burg Hauenstein von Josef von Scheiger in Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark, 1868 Errichtung und frühe Geschichte der Burg, Besitzverhältnisse Die Quellenlage über die Burg Hauenstein ist spärlich, vor allem für die frühe Geschichte. Die Gegend, in der die spätere Burg erbaut wurde, gehörte vermutlich ursprünglich den Eppensteinern und kam von diesen an die Babenberger, welche die steirischen Landesfürsten stellten. Der erste urkundliche Nachweis eines Burgherren stammt aus dem Jahr 1222 und nennt einen Wulfing von Hanau bzw. von Hannŏwe als landesfürstlichen Lehensträger von Hauenstein. Diese Erwähnung lässt auf eine Errichtung der Burganlage zum Schutz des vom Kainachtal über den Gleinalmsattel in das obere Murtal führenden Handelsweges durch die Landesfürsten am Ende des 12. Jahrhunderts oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts schließen.
Das Geschlecht der Hanauer selbst stammte vermutlich aus dem heutigen Deutschland. Wulfing folgten 1243 seine Söhne Konrad und die 1245 genannten Walter und Wulfing als Burgherren im vermutlich gemeinsamen Besitz nach. Herzog Albrecht I. ernannte Wulfing 1292 zum Schlosshauptmann auf dem Grazer Schloßberg. Nach Wulfings Tod kam Hauenstein an seine Witwe Alhaidis sowie an seine Söhne Friedrich, Weygant und Otto. Als Lohn für Wulfings Treue erhielten seine Söhne zudem die Herrschaft Obervoitsberg verliehen. Otto von Hanau vereinigte schließlich den gesamten Hanauer Besitz in seiner Hand und hinterließ Hauenstein 1334 seinem Sohn Wolfhart. Wolfharts Söhne Otto und Walter sowie seine zwei Neffen Friedrich und Jörg verzichteten am 17. Dezember 1376 gegenüber Herzog Albrecht III. auf die Feste Hannstain, da sie ihnen eigentümlich erschien. Der Herzog verlieh ihnen diese aber am 17. September 1378 wieder als Lehen, so dass die Hanauer selbst nicht mehr dort saßen, sondern Hauenstein von einem kleinen Rittergeschlecht als Burggrafen verwalten ließen. Nach Walter von Hanau ging das Anwesen an dessen Sohn Friedrich sowie seinen Neffen Jörg, welche im Jahr 1401 das Karmeliterkloster in Voitsberg gründeten. Friedrich kämpfte in der Walseer Fehde gegen Herzog Ernst den Eisernen, wurde deshalb 1409 gefangen genommen und starb an den Folgen der zweijährigen harten Haft im Jahr 1413.
Nach dem Tode Friedrichs 1413 folgte ihm sein Schwiegersohn Hans von Laun als Burgherr von Hauenstein nach, welcher sich 1414 im Gefolge des Landesfürsten Herzog Ernst des Eisernen bei dessen Pilgerfahrt ins Heilige Land und nach Jerusalem befand. Hans und seine Frau Grüna gelten als weitere Gründer und auch als Erbauer des Voitsberger Karmeliterklosters. Am 16. November 1443 wurde Hans von Laun mit der Veste Haunstein sowie den dazugehörigen Almgebieten und Fischrechten in der Kainach belehnt. Hans Laun, der in zweiter Ehe mit Dorothea Lembacher verheiratet war, befand sich auch 1446 unter den Rittern im Aufgebot gegen Ungarn. Über Launs Tochter oder Nichte Margarethe kam die Burg am 20. Juli 1458 an seinen Schwiegersohn Andreas von Greißenegg. Spätestens seit dem Jahr 1463 ist belegt, dass Hauenstein über einen eigenen Burgfrieden verfügte. Andreas von Greißenegg und das Stift St. Lambrecht fochten 1469 einen Streit über die Besitzrechte an einer zu Hauenstein gehörigen Alm sowie den Fischrechten in der Kainach aus, welcher aber zugunsten des Greißeneggers ausgegangen sein dürfte, da das Hansteiner Urbar von 1468 diese Gebiete erwähnt. Weil Greißenegger an der Baumkircherfehde gegen Kaiser Friedrich III. beteiligt war, wurde er im Jahr 1471 in Graz hingerichtet und all seine Besitzungen, darunter auch Hauenstein, vom Kaiser eingezogen. Dieser verlieh es an Wilhelm von Saurau, welcher damals Verweser der Steiermark war und der im kaiserlichen Auftrag 1478 Hans Gutensteiner als Pfleger einsetzte. Im Jahr 1479 gehörte das Lehen Jörg oder Georg von Hollenegg und nachdem dieser 1480 von Kainacher Bauern erschlagen worden war, ging es 1480 oder 1482 an Andrä Peuerl. Nach Peuerl verpfändete Kaiser Friedrich III. Hauenstein am 26. Juni 1483 an das Stift St. Lambrecht, welches Ekhart Muttmann als Verwalter einsetzte. Im Jahr 1515 wurde die Burg bereits als baufällig bezeichnet, und es wurde erwähnt, dass zu ihr weder Untertanen noch eine Gült, also ein Einkommen aus dem Herrschaftsbesitz, gehörten.
Bedeutungsverlust im 15. und 16. Jahrhundert Obwohl Hauenstein im 15. und 16. Jahrhundert durch den Ausbau der Befestigungen von Voitsberg sowie der Burgen Krems und Neu-Leonroth seine strategische Bedeutung verlor, kam ihm aufgrund seiner mit ihm verbundenen Almgebiete wie der 1574 erwähnten Pister oder Pistor und der Albm im Schrott noch immer eine gewisse Bedeutung zu. Eine versuchte Übertragung der Burg an die Kainacher scheiterte im Jahr 1522. Nach zwei in den Jahren 1548 und 1549 erfolgten landesfürstlichen Aufforderungen durch Ferdinand I. konnte das Stift St. Lambrecht nicht nachweisen, dass es im Besitz der Anlage war, weshalb es 1551 beauftragt wurde, Hauenstein an Christof Resch, in Vertretung des Landesfürsten, zu übergeben. Von Resch wurde das Gut an Helferich von Kainach überantwortet. Nach der Aushändigung an Resch verlangte das Stift St. Lambrecht die Erstattung der bisher von ihnen gezahlten Burghut und Sigmund Kogler, der Abt des Stiftes, wandte sich mit der Bitte an den Kaiser Ferdinand I., die Burg nicht an den Kainacher zu vergeben, mit dem das Stift im Streit lag. Es verzichtete auch auf die geforderte Rückzahlung und zahlte einen Betrag für die Weiterverlehnung von Hauenstein an St. Lambrecht. Es kam aber zu einer Beilegung des Streites zwischen den Kainacher und St. Lambrecht und das Stift stimmte 1552 zu, die Burg gegen eine Gebühr an Helferich von Kainach abzutreten. Es kam allerdings nie zu einer Übergabe, da Helferich nicht in der Lage war, die Gebühr zu bezahlen. Ferdinand I. unternahm 1557 einen erfolglosen Versuch, die Burg einzuziehen. Der Verwalter der Herrschaft Piber, Hans Stübich, pachtete ab 1575 die als öde und verlassen bezeichnete Anlage des Geslos Haustein. Zumindest im Jahr 1586 traten auch die Bürger von Judenburg als Pächter auf, welche einen Pachtschilling von elf Gulden zahlten und eine Burgbesatzung zum Schutz der am Handelsweg verkehrenden Säumer unterhielten. Nach den Judenburger Bürgern ging die Pacht wieder an Hans Stübich über. Fridrich Sigmund von Herberstein folgte um 1598 Stübich als Pächter nach und um 1610 wurde Hauenstein wieder unter die Verwaltung des Stiftes St. Lambrecht gestellt. In der Zeit von 1623 bis 1625 oder bis um 1628 hatte Georg Stürgkh, der Besitzer des Storchenschlössels, Hauenstein und die dazugehörigen Almen gepachtet, ehe es vom Stift St. Lambrecht eingezogen und von der Herrschaft Piber aus verwaltet wurde. Christof Freiherr zu Kainach war um 1639 im Besitz der Burg und verweigerte den Untertanen der Herrschaften Obervoitsberg und Piber die von ihnen gewohnte Nutzung der Almgebiete und Fischweiden.
Aufgabe der Burg und neuzeitliche Grabungen Wann genau die Burg aufgegeben und dem Verfall überlassen wurde, ist nicht bekannt. Obwohl sie bereits 1575 als öde und verlassen bezeichnet wurde, lassen archäologische Funde auf eine Aufgabe der Burg am Ende des 16. oder zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach einem Brand des Wohnturmes schließen. Eine erste genaue Beschreibung der verfallenen Burg wurde 1868 von Josef von Scheiger veröffentlicht. Ab 1982 fanden in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und unter der Leitung von Ernst Reinhold Lasnik archäologische Grabungs- und Sicherungsarbeiten statt, bei denen zahlreiche, vor allem aus dem Spätmittelalter stammende Funde gemacht wurden. Daneben finden seither auch Renovierungs- und Bauforschungsmaßnahmen an der Ruine statt. Von Juni 1999 bis 2008 wurden unter der Aufsicht von Bernhard Hebert Grabungen im Innenraum des mit einer ein bis zwei Meter dicken Schuttschicht verfüllten Wohnturmes durchgeführt. Die dabei gemachten Funde sprechen für ein Feuer, bei dem die hölzernen Zwischendecken einstürzten und das gesamte im Turm befindliche Inventar wie Keramiken und Werkzeuge unter sich begruben. Die Fundsituation ließ darauf schließen, dass die Burg bis zum Brand zumindest noch Inventar hatte und es nach dem Feuer zu keinen Aufräumarbeiten kam. Einige größere Löcher, welche die Mauern instabil machten, stammten von Schatzgräbern. Die zahlreichen Funde aus dem 15. und 16. Jahrhundert scheinen teilweise auch den archivalischen Quellen zu widersprechen, welche die Burg im 16. Jahrhundert als öde und verfallen bezeichneten. Im Zuge der Sicherungsarbeiten wurden unter anderem alle vier teilweise eingestürzten Außenmauern des Turmhauses sowie die Mittelmauer im Turminneren wiederhergestellt sowie mehrere Ausbrüche in der Ring- und Stützmauer wieder verschlossen. Auch der Aborterker an der Westseite des Turmes wurde wiederhergestellt. Die Ruine befindet sich seit dem 20. Jahrhundert im Besitz der Österreichischen Bundesforste.
Beschreibung mini|Blick von Norden kommend auf den Zugang zum Zwinger