mini|Auferstehung Christi, 1499, von Perugino. Als Auferstehung oder Auferweckung Jesu Christi bezeichnet das Christentum das im Neuen Testament (NT) bezeugte Ereignis, Jesus Christus, Sohn Gottes, sei am dritten Tag seit seiner Kreuzigung von den Toten erweckt worden und seinen Jüngern in leiblicher Gestalt erschienen.

Das NT beschreibt den Vorgang der Auferstehung nicht, sondern setzt ihn als von keinem Menschen beobachtete und beeinflusste, alleinige Tat Gottes voraus . Es bezeugt die Folgen dieser Tat für einige der ersten Jünger und andere Menschen: Nach der sehr frühen Osterzeugenliste sahen sie den auferstandenen Jesus. Auf diesem Zeugnis beruht der Glaube des Urchristentums an die Messianität Jesu Christi und an die Rettung derer, die seinen Namen bekennen, zum ewigen Leben :

Das Christentum feiert Jesu Auferstehung jedes Jahr zu Ostern, dem wichtigsten christlichen Fest. Die Geschichtlichkeit der Auferstehung Jesu bzw. Entstehung, Inhalt und Bedeutung des Auferstehungsglaubens werden seit der Neuzeit kontrovers diskutiert.

Neues Testament Alle Schriften des NT stammen von Urchristen, die von der leiblichen Auferstehung Jesu Christi überzeugt waren und sie als Ursache und Hauptinhalt ihres Glaubens betrachteten, der alle übrigen Glaubensinhalte trägt. Siebzehn der 27 NT-Schriften erwähnen Jesu Auferstehung. Fast alle übrigen setzen sie implizit voraus,Jacob Thiessen: Die Auferstehung Jesu in der Kontroverse: Hermeneutisch-exegetische und theologische Überlegungen. 2009, S. 11, Fn. 2. auch die hypothetische Logienquelle und das apokryphe Thomasevangelium, die sie nicht explizit erwähnen. Kein NT-Zeuge beschrieb den Vorgang selbst, kein NT-Autor beanspruchte fremde, nichtchristliche Zeugen dafür. „Wer den Auferstandenen sah, wurde personal beansprucht“: Daher konnten die Urchristen Jesu Auferstehung nicht distanziert darstellen, sondern nur als von Gott geschenkte wunderbare Erkenntnis gelten lassen, bekennen, verkünden und nacherzählen.Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Göttingen 1998, S. 25 f.

Die NT-Forschung versucht, die Entstehung und Entwicklung dieser Glaubenszeugnisse aufzuhellen. Schon die ersten Christen, die Jesus von Nazaret zum Teil noch erlebt und begleitet hatten, prägten kurz nach dessen Tod um das Jahr 30 formelhafte Glaubens- und Bekenntnissätze. Paulus von Tarsus zitierte solche Sätze aus der Jerusalemer Urgemeinde in seinen erhaltenen Paulusbriefen (entstanden ab 50 n. Chr.) als bereits etablierte urchristliche Überlieferung (Tradition). Diese Sätze gelten als Keimzelle der Entstehung des NT.

Längere Ostererzählungen am Ende der vier kanonischen Evangelien und am Anfang der Apostelgeschichte gelten als jüngere, narrative Entfaltung dieser frühen Glaubenssätze. Ihre gemeinsamen Anteile und ihre Abfolge werden auf einen ersten, schriftlichen Passionsbericht aus der Urgemeinde zurückgeführt. Diesen fand der Verfasser des Markusevangeliums vor, nahm ihn auf und erweiterte ihn (um 70). Die späteren Evangelisten haben diesen erweiterten Bericht in Grundzügen übernommen und jeweils abgewandelt oder ergänzt.

Formeltradition In den Paulusbriefen findet man eingliedrige Formeln mit dem griechischen Verb ἐγείρω (Aktiv „aufwecken“, „aufrichten“, „entstehen lassen“; Passiv: „aufwachen“, „auf[er]stehen“):Friedrich Rehkopf: Griechisch-deutsches Wörterbuch zum Neuen Testament. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, ISBN 3-525-50118-8, S. 36.

„Gott hat Jesus von [aus] den Toten erweckt“: ; ; ; . „Gott, der Jesus von den Toten erweckt hat“: ; ; ; . Hier ist Gott Subjekt, der sich durch sein Auferwecken des getöteten Jesus „definiert“, so dass das Substantiv „der Gott“ in sogar entfallen kann. Sein Handeln an Jesus erscheint als einzigartige Ausnahme von allen anderen Toten (exklusiv).

Andere Varianten definieren Christus durch Gottes Handeln an ihm: „Jesus, den Gott aus den Toten auferweckt hat“: (gilt als älteste schriftliche Auferstehungsnotiz des NT); . „Christus wurde auferweckt von den Toten“: . „der, der [von den Toten] auferweckt ist“: ; .

Daneben stehen mehrgliedrige Formeln, die das griechische Verb ἀνίστημι (transitiv: „aufrichten“, „aufwecken“; intransitiv: „aufstehen“, „auferstehen“)Friedrich Rehkopf: Griechisch-deutsches Wörterbuch zum Neuen Testament. Göttingen 1992, S. 11 verwenden und die Auferstehungsaussage mit anderen Aussagen verbinden: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier“: . „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen“: . „Jesus ist gestorben und auferstanden“: ; ; . „Der Menschensohn […] muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen“: ; ; . Hier handelt es sich um die „Passionssummarien“ der Evangelien, in denen der vorösterliche Jesus in wörtlicher Rede Leiden, Tod und Auferstehung des Menschensohns ankündigt. Diese Varianten beziehen Jesu Auferstehung auf sein vorheriges Sterben, das ihn mit allen Sterblichen verbindet (inklusiv).

Beide griechischen Verben übersetzen in der Septuaginta das hebräische und aramäische Lexem קום für „aufstehen“, welches nicht im Passiv gebildet werden kann. Passivische und aktivische Formeln kommen schon in den ältesten Paulusbriefen vor. Die Form „Gott erweckte“ zog laut Martin Karrer die Form „Jesus erstand“ unmittelbar nach sich und drückt dasselbe aus: Der passiv allein durch Gottes Macht vom Tod Erweckte stand auf.Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Göttingen 1998, S. 24ff.; zur unklaren Traditionsgeschichte Gerd Theißen, Annette Merz: Der historische Jesus. Ein Lehrbuch. Göttingen 32001, S. 422. Für die Priorität von „er stand auf“ argumentierten Jacob KremerJacob Kremer: Auferstanden – auferweckt, Biblische Zeitschrift N.F. 23, 1979, S. 97 f. und Otfried Hofius.Otfried Hofius: Paulusstudien, Band 2, Mohr Siebeck, Tübingen 2002, S. 202 ff.

Mit den bildhaften Verben „Aufwachen“ bzw. „Auferwecktwerden“ und „Aufstehen“ wählten die Urchristen aus den damals verfügbaren Ausdrücken für Leben nach dem Tod gerade jene aus, die den konkreten Bezug zur ganzen, real gestorbenen Person einerseits, zur jüdisch-apokalyptischen Zukunftshoffnung auf die leibhafte Auferweckung der Toten andererseits herstellten. So widersprach bereits ihre Wortwahl anderen damaligen Vorstellungen: Im Tod verlasse eine unsterbliche Seele den Körper, dieser verwese unwiderruflich; Menschen hätten Jesus befristet wiederbelebt; er sei als andere Person wiedergeboren worden; er lebe in seinen Nachfolgern weiter, die ihn als gerechten Märtyrer heroisieren; er sei gar kein Sterblicher gewesen und daher nicht wirklich gestorben. Dagegen verstanden die Urchristen die Auferstehung dieses gekreuzigten und bestatteten Menschen als reales, ganzheitliches, einzigartiges, von Gott allein vollzogenes Ausnahmegeschehen, durch das seine Schöpfermacht in die Geschichte des Todes eingebrochen sei und mit eigener, vorwärtstreibender Kraft alles verändere ().Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament. Göttingen 1998, S. 28–31.

Die Urchristen übernahmen dabei sprachlich die Form biblischer Grundaussagen über das rettende Schöpfer- und Exodushandeln des Gottes Israels (etwa ; ; ; ; und öfter). Sie drückten damit aus, dass dieser Gott „in Fortführung und Überbietung seines Schöpfungshandelns an der Welt und seines geschichtlichen Handelns an Israel durch seine die Toten erweckende Macht unerwartet und exzeptionell an dem gekreuzigten und toten Jesus gehandelt“ habe (Hans Kessler).Hans Kessler: Sucht den Lebenden nicht bei den Toten. Die Auferstehung Jesu Christi in biblischer, fundamentaltheologischer und systematischer Sicht. Erweiterte Neuausgabe, Würzburg 2002, S. 110–115; ähnlich Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testament, Göttingen 1988, S. 26f.

Urchristliches Credo und Zeugenliste gilt wegen seines Alters und Gewichts als das wichtigste Auferstehungszeugnis des NT.Jürgen Roloff: Neues Testament. 6. Auflage, Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1999, ISBN 3-7887-0516-7, S. 254 Denn Paulus, der einzige NT-Autor, dessen Identität historisch gesichert ist, führt es als von ihm empfangenes Glaubensfundament ein:

Mindestens die Verse 3 bis 4 gelten als Zitat des ältesten urchristlichen Glaubensbekenntnisses, das Paulus von der Urgemeinde wohl bei einem ersten Jerusalembesuch übernommen hatte .Wolfgang Schrage: Der erste Brief an die Korinther (1 Kor 15,1 – 16,24): Evangelisch-katholischer Kommentar zum Neuen Testament Band 7/4. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2001, ISBN 3-7887-1822-6, S. 18; Jacob Thiessen: Die Auferstehung Jesu in der Kontroverse, 2009, S. 89 Es war in Jerusalem wahrscheinlich ursprünglich Aramäisch verfasst und mit der Liste schon schriftlich fixiert worden.Bertold Klappert: Zur Frage des semitischen oder griechischen Urtextes von IKor XV, 3—5, NTSt 13, 1966/67, S. 168–173 Es bekennt stellvertretenden Sühnetod, Grablegung und Auferweckung Jesu am „dritten Tag“ als „schriftgemäß“, das heißt als gottgewollte Stationen der Heilsgeschichte, die biblische Verheißungen erfüllen. Diese Stationen bildeten für die Urchristen eine untrennbare und unumkehrbare Einheit, die auch die Gliederung des vormarkinischen Passions- und Osterberichts bestimmte.Ulrich Wilckens: Auferstehung. Das biblische Auferstehungszeugnis historisch untersucht und erklärt. 3. Auflage, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1981, ISBN 3-579-03880-X, S. 48

Damit verknüpfte die Urgemeinde in Vers 5–7 eine Liste der Empfänger einer Jesuserscheinung in zeitlicher Reihenfolge. Sie beginnt mit „Kephas“ (Simon Petrus), dann „den Zwölf“, gefolgt von „mehr als 500 Brüdern“ (Mitchristen) sowie „Jakobus und allen Aposteln“. Demnach umfasste der Kreis der Osterzeugen ursprünglich noch mehr Personen als den Zwölferkreis der ersten Jünger Jesu und war zugleich begrenzt und abgeschlossen.Jörg Frey: Von Jesus zur Neutestamentlichen Theologie: Kleine Schriften II. Mohr Siebeck, Tübingen 2018, ISBN 978-3-16-155982-2, S. 374 und Fn. 48

In Vers 6 fügte Paulus wahrscheinlich den Hinweis auf die noch lebenden Zeugen hinzu, die befragt werden konnten. Denn er und viele seiner Adressaten kannten den historischen Jesus nicht.Martin Hengel, Anna Maria Schwemer: Jesus und das Judentum. Tübingen 2007, S. 634 In Vers 8 reihte sich Paulus als letztes Glied in die Zeugenliste ein und betonte damit, dass der Auferstandene selbst ihn trotz seiner Vergangenheit als Christenverfolger ebenso wie die Apostel der Urgemeinde zur universalen Völkermission beauftragt habe. So ist der älteste authentische Schriftzeuge des NT zugleich der einzige, der in Ich-Form von einer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtete.Andreas Lindemann: Paulus, Apostel und Lehrer der Kirche: Studien zu Paulus und zum frühen Paulusverständnis. Mohr Siebeck, Tübingen 1999, ISBN 3-16-147189-X, S. 4 Im Galaterbrief hatte Paulus Jahre zuvor betont, er habe seine Berufung zum Völkerapostel unabhängig von der Urgemeinde erhalten und diese erst später besucht: Das erhärtet die Echtheit seiner eigenen Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und zugleich deren Übereinstimmung mit den früheren Jesusvisionen der Urchristen, deren Glaubensbekenntnis Paulus dann übernahm.Moises Mayordomo: Argumentiert Paulus logisch?: Eine Analyse vor dem Hintergrund antiker Logik. Mohr Siebeck, Tübingen 2005, ISBN 3-16-148793-1, S. 100 Anschließend behandelte er das Thema Auferstehung in einem grundlegenden theologischen Traktat .