mini|Denkmal vor der Alten Regierung in Minden. Erinnert wird u. a. an Gefallene des Infanterieregiments Nr. 55 mini|Liste der Gefallenen des IR 55 (rechte Seite) mini|55er-Denkmal auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold

Das Infanterie-Regiment „Graf Bülow von Dennewitz“ (6. Westfälisches) Nr. 55 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte Der Verband wurde am 5. Mai 1860 im Rahmen der Roonschen Heeresreform aufgestellt. Dazu gab das Mutterregiment, das Infanterie-Regiment Nr. 15, aktives Personal an das Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 15 ab. Dieses gruppierte anschließend zum 15. Kombinierten Infanterie-Regiment um und stellte drei Bataillone Infanterie auf. Dazu gehörten zwei Musketier- (I. und II. Bataillon) und ein Füsilierbataillon (III. Bataillon). Erst nach vollendeter Formierung erhielt es seine endgültige Bezeichnung Infanterieregiment Nr. 55. Da es in Westfalen stationiert und dem VII. Armee-Korps in Münster unterstellt werden sollte, erhielt es als 6. Regiment in Westfalen die Provinzialbezeichnung 6. westfälisches. Nach seiner Formierung verlegte das Regiment seine ersten Standorte nach Ostwestfalen.

Mit Inkrafttreten der Militärkonventionen zwischen Preußen und den Lippischen Fürstentümern 1867 wurde das III. Bataillon herausgelöst und durch Kontingentstruppen der Fürstentümer Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe („Lipper Schützen“) ersetzt. Ab 1897 war das III. Bataillon alleiniger Kontingentsverband des Fürstentums Lippe(-Detmold), während das Schaumburg-Lippische Kontingent zum Westfälischen Jäger-Bataillon Nr. 7 in der Residenzstadt Bückeburg wechselte.

Das Regiment lag niemals geschlossen an einem Standort. Aufstellungsorte waren Minden, Paderborn und Bielefeld. Zunächst lag das Regiment in Minden, Höxter und Herford in Garnison. Vor dem Ersten Weltkrieg lagen der Regimentsstab und das III. Bataillon in Detmold (Residenzstadt des Fürstentums Lippe), das I. Bataillon in Höxter an der Weser und das II. in Bielefeld.

Kaiser Wilhelm II. ordnete am 27. Januar 1889 an, dass der Verband in Gedenken an den zweimaligen Retter von Berlin in den Koalitionskriegen nach dem General der Infanterie Friedrich Wilhelm von Bülow zu benennen sei.

Der Verband führte ab diesem Zeitpunkt den Namen Infanterie-Regiment „Graf Bülow von Dennewitz“ (6. Westfälisches) Nr. 55.

Deutsch-Dänischer Krieg Das Regiment zog 1864 erstmals vier Jahre nach seiner Gründung in den Deutsch-Dänischen Krieg. Der Verband verlegte nach Minden, um sich dort zu sammeln und wurde anschließend per Zug nach Harburg bei Hamburg verlegt. Es gehörte zum deutsch-österreichischen Expeditionskorps, das im Rahmen einer Bundesexekution im Auftrag des Deutschen Bundes die Aufgabe hatte, gegen Dänemark vorzugehen.

Durch die fortgeschrittenen Dänisierungsmaßnahmen wollte das Königreich Dänemark, dessen König auch Herzog von Schleswig, Holstein und Lauenburg war, Schleswig endgültig in das Königreich integrieren. Da aber die Schleswiger und die Holsteiner beschlossen hatten, „up ewig ungedeelt“ zu sein und der König dies auch anerkannt hatte, war seine Handlung rechtswidrig gegen die Einheit von Schleswig und Holstein gerichtet, da sie dann nicht mehr ungeteilt waren. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Holstein seinerzeit schon zum Deutschen Bund gehörte, Schleswig aber nicht.

Die Schleswiger und Holsteiner riefen daher den Deutschen Bund zu Hilfe. Dieser beschloss, dass nach Scheitern der politischen Versuche, die Einheit der beiden Staaten wiederherzustellen, militärisch eingegriffen werden sollte. Daher wurde von den beiden ewigen Kontrahenten um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, Preußen und Österreich, ein gemeinsames Expeditionskorps aufgestellt und in Marsch gesetzt.

Das Regiment war bei der Besetzung Holsteins beteiligt, das vollständig durch die Dänen geräumt worden war. Die erste Verteidigungsstellung hatten die Dänen am sogenannten Danewerk errichtet. Nach dem Übergang über die Schlei drängten die Truppen der Verbündeten schnell nach Norden vor und besetzten Kiel. Nördlich davon verlief das Danewerk, das jedoch beim Herannahen der Preußen vom 3. bis 5. Februar 1864 geräumt wurde. Nur eine dänische Brigade sicherte den Rückzug des Gros der dänischen Armee nach Düppeln. Dort belagerte u. a. das Regiment die Schanzen, die im Vorfeld von Sonderburg errichtet worden waren. Am 17. März 1864 begannen dann die Vorbereitungen zum Sturm auf die Düppeler Schanzen am 18. April 1864. Das I. Bataillon war dabei sehr erfolgreich im Süden der Stellungen und war das erste, das eine Schanze nach dem Gardekorps bestieg. Die Dänen zogen sich im Verlauf des Sturmes auf die Insel Alsen zurück.

Nach einem kurzen Waffenstillstand begann am 29. Juni 1864 eine bis dahin nie dagewesene amphibische Aktion, bei der das II. Bataillon als eines der ersten Regimenter den Boden der Insel Alsen betrat. Mit allen nur greifbaren Booten, Schiffen und teilweise mit Flößen setzte man über den Alsensund, und nach kurzem Kampf kapitulierten die letzten dänischen Truppen auf Alsen.

Das Regiment beteiligte sich dann noch am Schleifen der Befestigungen von Sonderburg und den Düppeler Schanzen und kehrte wieder in seine Friedensstandorte zurück. Die beteiligten Bataillone erhielten für ihre Beteiligung am Sturm auf die Düppeler Schanzen und auf die Insel Alsen das Düppeler Sturmkreuz bzw. das Alsenkreuz. Ein entsprechendes Fahnenband befand sich an den Fahnen des I. und des II. Bataillons.

Deutscher Krieg Während des Deutschen Krieges 1866 war das Regiment zunächst an der Besetzung Hannovers beteiligt, nachdem die Hannoversche Armee bei Langensalza in Thüringen kapituliert hatte. Anschließend wurde das Regiment der so genannten Mainarmee unterstellt und verlegte Richtung Fulda, was es jedoch nicht erreichte. Es wurde Richtung Dermbach in Marsch gesetzt, wo es am dortigen Gefecht am 4. Juli einen mitentscheidenden Anteil hatte. Von dort ging es im Fußmarsch in Richtung Kissingen, wo die mit Österreich verbündeten bayerischen Truppen auf die Preußen warteten. Jedoch dauerte die Schlacht bei Kissingen am 10. Juli, an der das Regiment erfolgreich an der Spitze kämpfte, nicht lange. Die bayerischen Truppen zogen sich über Hammelburg nach Würzburg zurück. Von Garlitz marschierte das Regiment in Richtung Kissingen und fand einen Übergang über die Saale und drang von Südwesten und Süden in die Stadt ein. Das Infanterie-Regiment Nr. 15 und das Füsilierbataillon „Lippe“ zog gegen die Höhen um Kissingen während die Masse des Regiments in die Stadt eindrang. Dies musste allerdings ohne die Unterstützung durch die Artillerie geschehen, da General von Goeben die Beschießung der Kurstadt verboten hatte. In einem heftigen Straßenkampf kämpfte sich das Regiment durch die Stadt, in die die Bayern nach und nach zurückwichen. Mit Hilfe von Teilen des Infanterie-Regiments Nr. 15 drang man immer tiefer in die Stadt ein und nahm viele Gefangene. Inzwischen drang auch das Infanterie-Regiment Nr. 53 in die Stadt ein und unterstützte die beiden anderen Verbände. Gegen 1 Uhr nachmittags hatte man die Stadt gesäubert und drang gegen den Kirchhof an der Chaussee nach Nüdlingen vor. Hier entstanden dann die heftigsten Kämpfe in Kissingen. Das Regiment hielt die Stellungen, bis sie nach einiger Zeit durch die Infanterie-Regiment Nr. 15 und 53 verstärkt wurden. Erst als das Infanterie-Regiment Nr. 19 aus der Reserve mit frischen Kräften herangeführt wurde, konnte sich die beteiligten Kräfte des Regiments zurückziehen und ausruhen. Andere Kräfte des Regiments waren aber zusammen mit anderen Teilen der Brigade auf den Höhen in Kämpfe verwickelt. An einem Obsthang am Sinnberg kam es zu Kämpfen, bei denen Leutnant Friedrich von Papen gefangen genommen wurde und der Portepee-Fähnrich und spätere Generalfeldmarschall Max von Bock und Polach sich nur mit Mühe schwer verletzt retten konnte. Gegen halb 2 marschierten das II. und III. Bataillon gegen die Stadt, griffen aber nicht mehr in die Kämpfe ein. Sie sollten die Saalebrücken nehmen. Jedoch wurden sie auf dem Stationsberg von der Winterleite unter Feuer genommen und folgten den bayerischen Jägern nach Winkels, wo in der Nacht der Abzug der Bayern und damit ihre Niederlage besiegelt wurde.

Am 13. Juli kam es beim Vormarsch auf Frankfurt bei Laufach und Frohnhofen zu weiteren Gefechten, bei denen die 55er, die 15er und die Lipper beteiligt waren. Gegner waren hier aber nicht die Bayern, sondern die ersten Hessen des VIII. Bundeskorps.

Anschließend drängte man die Hessen in Richtung Aschaffenburg zurück. Am 14. Juli kam es zum Gefechte bei Aschaffenburg. Über Hösbach und Goldbach marschierte man auf Aschaffenburg. In schweren Kämpfen nahmen die Infanterie-Regimenter Nr. 15 und 55 die Stadttore. Die durch eine Brigade Österreicher verstärkten Hessen schossen aus allen Fenstern der Häuser der Stadt auf die eindringenden Preußen. Nach und nach zeichnete sich ab, dass die Bundestruppen immer mehr in Bedrängnis gerieten, da die Stadt nicht genug für die Verbündeten bot. Als das Regiment schließlich die Mainbrücke freigekämpft hatte und über 600 Gefangene gemacht hatte, kamen die Generale von Falkenstein und von Goeben und wurden mit jubelndem Hurra bedacht. Gegen 11 Uhr endete das Gefecht.

Nassauer und hessische Truppen versuchten den darauf begonnenen Marsch der Mainarmee auf Frankfurt bei Hanau zu verhindern. Sie wurden insbesondere durch das VII. Armeekorps, dem das Regiment unterstellt war, geschlagen. Die Bundesfestung Frankfurt, die von Bundestruppen besetzt war, kapitulierte beim Anmarsch der Preußen und wurde besetzt.

Anschließend marschierte die Mainarmee in Richtung Tauberbischofsheim und kämpfte dort gegen die Reste des VIII. Bundesarmeekorps. Die Schlacht dauerte von 5:30 Uhr bis zur beginnenden Dämmerung gegen 20:30 Uhr. Nach der Niederlage bei Tauberbischofsheim wandte man sich in Richtung Würzburg. Im Zuge der Belagerung, bei der auch die Festung Marienberg beschossen wurde, kam es westlich des Gaus Königshofen in Uettingen und Gerchsheim zu Gefechten am 25. Juli, bei dem auch Soldaten des Regiments fielen. Nachdem der Weg frei war, drängte man die verbliebenen Bayern in Richtung Würzburg zurück, die sich u. a. in der Festung Marienberg verschanzte. Die Division von Goeben marschierte von Höchberg auf Würzburg zu. Während das Regiment am Nikolausberg unterhalb des Käppeles die Festung beschossen wurde, antwortete die Festungsartillerie auf das preußische Artilleriefeuer sowie die Artillerie vom anderen Mainufer. Am späten Nachmittag stellte die Festung das Feuer ein und man bemerkte den Abzug der bayerischen Armee aus der Stadt.

Nach kurzer Verweilzeit in der Nähe Würzburgs marschierte das Regiment zunächst nach Württemberg, um dort den Friedensschluss abzuwarten. Ende August marschierte das Bataillon dann über Frankfurt wieder in seine Heimatstandorte zurück.

Deutsch-Französischer Krieg Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 war das Regiment als Teil der 26. Infanterie-Brigade unter von der Goltz der 13. Division bei den Gefechten bei Spichern und Colombey beteiligt und gehörte danach zum Belagerungsring von Metz.

Nach der Kapitulation von Metz wurde das Regiment als Teil des neu aufgestellten Detachement „Goltz“ dem XIV. Korps unterstellt und kämpfte gegen die Verbände von Garibaldi. In dem Gefecht bei Villersexel und der dreitägigen Schlacht an der Lisaine kämpfte das Regiment gegen die neu aufgestellte französische Ostarmee unter General Bourbaki. Dieses wurde auf ihrem Rückzug nach der Schlacht an der Lisaine in Richtung der Schweizer Grenze verfolgt. In extremer Kälte erlebte das Regiment die letzten Gefechte am 1. Februar 1871 bei Pontalier, kurz bevor die Franzosen in der Schweiz interniert wurden.

Das Regiment verblieb noch längere Zeit als Besatzungstruppe in Frankreich, bevor es nach Deutschland zurückverlegt wurde.

Erster Weltkrieg