mini|Blick über die Lahn auf das Grafenschloss

Die Stadt Diez ist ein staatlich anerkanntes HeilbadStatistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten und eine ehemalige Residenzstadt an der Lahn im Rhein-Lahn-Kreis im Land Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

Diez erfüllt nach rheinland-pfälzischer Landesplanung die Funktion eines Mittelzentrums und bildet zusammen mit der unmittelbar angrenzenden hessischen Stadt Limburg an der Lahn ein länderübergreifendes Doppelzentrum mit rund 47.000 Einwohnern.

Geographie Geographische Lage mini|Historischer Stadtkern mit alter (vorne) und neuer Lahnbrücke sowie Schloss (links oben) Das Zentrum von Diez liegt vier Kilometer südwestlich von Limburg an der Lahn und 31 Kilometer östlich von Koblenz. Die Stadt Limburg (Hessen) schließt sich nahtlos an Diez an. Die Landschaft um Diez gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Das Lahntal bildet dabei die Grenze zwischen den Mittelgebirgen des nördlich gelegenen Westerwaldes und des nach Süden ansteigenden Taunus. In der Diezer Pforte verlässt die Lahn das Limburger Becken und geht, von ansteigenden Terrassenfluren begleitet, bei Fachingen in das Untere Lahntal über. Die Stadt Diez liegt an der Mündung der Aar (im Taunus entspringend) in die Lahn. Der einzige Stadtteil Freiendiez liegt östlich des Stadtzentrums an der Aar.

Bodenkunde Die Böden in der Region Diez gehören überwiegend zu den Braun- bzw. Parabraunerden.

Geschichte Erste menschliche Siedlungsspuren für die Altsteinzeit (20.000–12.000 v. Chr.) fand man im Höhlensystem der Wildweiberlei (zwischen Diez und Altendiez). Auch in keltischer Zeit war der Diezer Raum besiedelt; davon zeugen Hügelgräber und Funde von latènezeitlicher Keramik. Ein bei Diez entdecktes Reihengräberfeld deutet auf eine in der Merowingerzeit bestehende Besiedlung hin.

Der Ortsname Diez wandelte sich im Lauf der Zeit vom fränkischen Theodissa über Thidesse/Diedisse und Dietz hin zu der heutigen Schreibweise Diez. Die Siedlung Theodissa wurde 790 in einer Urkunde Karls des Großen als Besitztum der Abtei Prüm erwähnt. In der nach-karolingischen Zeit gehörte Diez, im Bereich des Niederlahngau, zum Herrschaftsbereich der Konradiner.

Die Grafen von Diez wurden im Jahr 1073 zum ersten Mal namentlich in einer Verkaufsurkunde von Gütern in Bodenheim erwähnt. Heinrich II. von Diez (1145–1189) begleitete Friedrich Barbarossa auf dessen Italienzügen und war dort an diplomatischen Verhandlungen beteiligt.Zu Graf Heinrich II. von Diez siehe: H. Keller, W. Paravicini, W. Schieder (Hrsg.): Italia et Germania. Liber amicorum Arnold Esch. Tübingen 2001, S. 425–438. Sein Sohn Heinrich III. gehörte dem Regentschaftsrat und dem Erzieherkreis Heinrichs VII. an.

Graf Gerhard IV. (1276–1308) gründete 1289 ein Kollegiatstift am Fuße des Burgbergs. Die Gründungsgemeinschaft stammte aus dem Chorherrenstift Salz. Das Stift wurde nach der Patronin der Kirche Sankt Marien Stift benannt.

Die Stadt Diez erhielt durch Ludwig den Bayern 1329 das Stadtrecht. Eine Stadtbefestigung mit Mauer und fünf Toren wurde daraufhin errichtet.

Die Dynastie der Grafen von Diez erlosch im Jahr 1386.

Seit dem Jahr 1453, nach dem Tod seines Sohnes, nannte sich Philipp der Ältere Graf von Katzenelnbogen-Diez. In seinen Besitzurkunden findet sich schon 1446 ein Weingarten jenseits der Brücke von Henne Krebs. 1479 starb die männliche Linie der Grafen von Katzenelnbogen aus. Landgraf Heinrich III. von Hessen erbte die Grafschaft und mit ihr auch Diez. Der Titel Graf zu Diez (Dietz) ist bis heute Bestandteil des Familiennamens im Haus Hessen.

Im Jahr 1634 näherte sich der Infant Don Fernando mit seinen Truppen der Stadt und Grafschaft von Diez. In die Stadt hatten sich die gesamten Einwohner mit ihrer besten Habe geflüchtet. Mutig trat ihm die Fürstin Sophie Hedwig von Braunschweig-Wolfenbüttel (1592–1642) (die Witwe von Ernst Casimir von Nassau-Dietz 1573–1632) mit ihrem Hofstaat entgegen und lud ihn mit seinen höheren Offizieren zur Tafel. Der ritterliche junge Herr nahm die Einladung an und verschonte auf die Fürsprache der Fürstin Stadt und Land mit jeglicher Contribution. Er hielt, um alle etwaigen Plünderungen zu verhüten, beim Abzug auf der Straße, bis alle seine Truppenteile die Lahnbrücke passiert hatten.

Die Schweden versuchten 1634 vergeblich, die Lahnbrücke zu sprengen (die Pulverladung war zu schwach; nur ein Brückenpfeiler verschob sich von seiner Stelle).August Spieß, Das Lahntal, Verlag L.J.Kirchberger, Januar 1866, Seite 134 u. 137 mini|Diez – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655 Diez wurde später der Stammsitz der Grafen von Nassau-Diez, die im 17. und 18. Jahrhundert als Statthalter in den Niederlanden Dienst taten und auf die das heutige niederländische Königshaus zurückgeht.Nassau-Diez und die Niederlande. Dynastie und Oranierstadt Diez in der Neuzeit. Historische Kommission für Nassau : Wiesbaden 2012. ISBN 978-3-930221-27-1.

Am 16./17. September 1796 kam es im Zuge des Ersten Koalitionskrieges zwischen Österreichern und Franzosen in der Gegend zwischen Diez und Limburg (vor allem in der Diersteiner Aue) zur Schlacht bei Limburg. Nach dem Gefecht auf dem Mensfelder Kopf zogen sich die Franzosen vor den heranrückenden Österreichern über die Lahnbrücke zurück durch die Stadt Diez. Um die Verfolger aufzuhalten, setzten sie die Häuserreihen in der engen Straße vor der Brücke in Brand. Sie erschossen jeden, der versuchte, die Flammen zu löschen; deshalb brannten große Teile der heutigen Altstadt ab.August Spieß, Das Lahntal, Verlag L. J. Kirchberger, Januar 1866, Seite 135 Diez diente den Österreichern und den Franzosen abwechselnd als Einquartierungsort. mini|Dietz an der Lahn, 1912 Ende des 18. Jahrhunderts gingen alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich („Franzosenzeit“) und das Fürstentum Oranien entstand. 1806 ging die Grafschaft Nassau-Diez im Herzogtum Nassau auf. 1810 bis 1818 bestand das Oberappellationsgericht Diez. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen im Deutschen Krieg im Jahr 1866 wurde das „Nassauer Land“ und damit auch Diez preußisch. Aufgrund der preußischen Verordnung vom 22. Februar 1867 wurde das Amt Diez aufgelöst und der Unterlahnkreis mit der Kreisstadt Diez gebildet. Anfangs gehörte auch Limburg zum Unterlahnkreis; Limburg bekam im Jahr 1886 den Sitz des neu errichteten Kreises Limburg.

Im Jahr 1874 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Diez. In der Folge bildete sie mit den Freiwilligen Feuerwehren Limburg, Hadamar und Elz den 3. Löschbezirk im Feuerwehr-Verband für den Regierungsbezirk Wiesbaden, innerhalb dessen sie erstmals am 12. Oktober 1890 in Diez ihr Verbandsfest feierten.

Im Zuge der Gebietsreform von 1969 wurden der Unterlahnkreis und der Loreleykreis (Sitz: St. Goarshausen) zum Rhein-Lahn-Kreis zusammengelegt; zu seinem Sitz wurde die Kurstadt Bad Ems ernannt. Damit verlor Diez seine Funktion als Kreisstadt.

Philipp von Hessen, der Oberpräsident der ehemaligen Provinz Hessen-Nassau, verfügte 1938 die Eingemeindung der finanzstarken Gemeinde Freiendiez in die Stadt Diez. Damals zählte Freiendiez über 3000 Einwohner und hatte mehr als 900 ha Gemarkungsfläche. Die ehemalige selbstständige Gemeinde wurde zum Stadtteil Diez-Ost.Website der Stadt Diez: , abgerufen am 7. Juli 2011 1988 konnte eine Bürgerinitiative die offizielle Umbenennung des Stadtteils in „Freiendiez“ erreichen.freiendiez.de: , abgerufen am 7. Juli 2011

An die Hinrichtung von sechzehn jungen Luxemburgern im Herbst 1944Die Hinrichtung von 16 Luxemburgern in Diez im Herbst 1944 von Adolf Morlang erinnert im Robert-Heck-Park ein Denkmal. Unmittelbar daneben befindet sich ein Gedenkstein für NS-Opfer.

Am 7. Februar 1984 verursachte ein Hochwasser Schäden in Millionenhöhe.

Niederadel In Diez waren im Hochmittelalter mehrere Ritterfamilien angesiedelt. Vermutlich handelte es sich bei ihnen um einstige Burgmannen der Grafen von Diez, die aus der Schicht der Ministerialen hervorgegangen waren. Allerdings hatten sie sich im frühen 13. Jahrhundert, in dem die Familien erstmals fassbar werden, schon weitgehend aus der Verbindung zum Grafenhaus gelöst.

Das bedeutendste und langlebigste Haus wird meist nur von Diez oder nach ihrem Hauptsitz Burg Ardeck benannt. Sie führten einen goldenen oder silbernen Löwen in einem roten Schild. Die Familie führte den Titel der Erbmarschälle der Grafschaft Diez und nutzte diesen auch lange nach dem Ende der Grafschaft bis ins 18. Jahrhundert hinein. Ihr ältestes Mitglied wurde im Jahr 1291 erwähnt. Zahlreiche Mitglieder treten als Amtleute Kurtriers und verschiedener nassauischer Linien in der Region auf, vereinzelt auch im gesamten Rheinland und bis in das heutige Saarland. Bedeutende Mitglieder waren Dietrich der Alte († zwischen 1543 und 1569), Burggraf zu Ehrenbreitstein, Anna, 1545 Äbtissin des Klosters Dierstein, Emmerich († wohl 1560), Verweser des Klosters Dierstein, Johann Valentin († zwischen 1610 und 1612), kurmainzischer Prokurator und markgräflich badener Rat zu Mainz. Das letzte Mitglied im Mannesstamm starb 1733, das letzte weibliche Mitglied 1778. Durch die lange Existenz sammelte das Haus umfangreichen Besitz in der Region an, der sich von Diez aus insbesondere nach Norden, Osten und Südosten ausdehnte. Es sind aber auch Besitzungen unter anderem in Darmstadt, Ochtendung, Kobern an der Mosel, Kreuznach und Bergzabern nachgewiesen.

Die Specht von Diez werden im Jahr 1215 erstmals erwähnt, tauchen aber bald vor allem als von Bubenheim oder Specht von Bubenheim nach dem heute wüsten Ort Bubenheim nahe Kirberg auf. Die Familie führte einen schräg gegitterten Balken im Schild. Sie dürften Verwandte der von Ahlbach und der von Kirchdorf-Kirberg gewesen sein. Die Familie ist nur bruchstückhaft nachweisbar und taucht mit Ämtern und Lehen in Diez, Montabaur, Netzbach, Fachingen, Holzheim, Aull, Erbach bei Camberg und Freiendiez auf. Letzte Nachkommen der Familie lassen sich 1352 in Montabaur fassen.

Die Rödel von Diez (nicht zu verwechseln mit der Familie Rödel nach dem gleichnamigen Hof bei Welterod) waren möglicherweise aus einer unebenbürtigen Verbindung eines Grafen von Diez hervorgegangen. Darauf deuten zwei übereinanderschreitende Leoparden in ihrem Schild hin. Im Jahr 1263 werden die Rödel erstmals erwähnt. Neben Diez waren eine vor 1362 erbaute Burg bei Hahnstätten und eine Ganerbschaft auf Burg Reifenberg die Sitze der Familie. Bedeutendes Mitglied war Dietrich oder Tilmann († 1323), Dekan zu St. Florin in Koblenz. Letztmals ist die Familie 1395 erwähnt. Die Familie war mit Streubesitz in der Region bis nach Steinbach und Thalheim bei Hadamar, Burglehen in Montabaur, Balduinstein und Rheineck und größeren Besitzungen in Rhens, Breisig und Andernach begütert.

Kleinere, kaum fassbare Familien sind die vom Turm in Diez, die von 1253 bis 1326, und die Nail von Diez, die von 1299 bis 1367 erwähnt werden.

Einwohnerentwicklung

Religionen

Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 44,7 % evangelisch, 26,8 % römisch-katholisch und 28,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stadt Diez Stichtag: 30. Juni 2005 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 % gesunken. Ende März 2026 hatten 27,9 % der Einwohner die evangelische Konfession und 19,3 % die katholische. 52,8 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder konfessionslos.Gemeindestatistik Stadt Diez (PDF; 0,3 MB), abgerufen am 15. April 2026

mini|hochkant|Wetterhahn auf der Stiftskirche mini|hochkant|Stiftskirche Diez

Christentum Römisch-katholische Kirche Die Stadt Diez ist der römisch-katholischen Pfarrei St. Christophorus Diezer Land in Diez zugeordnet und gehört mit ihr zum pastoralen Raum Diez, welcher selbst wiederum dem Bezirk Limburg im Bistum Limburg eingegliedert ist.