mini|Papierwerdinsel 1792 auf dem Stadtmodell von Hans Langmack Die Papierwerd oder manchmal auch Papierwerd-Insel war bis 1950 eine Insel in der Limmat in der Stadt Zürich.
Name Werd geht auf das althochdeutsche Wort werid beziehungsweise das mittelhochdeutsche wert zurück, das «Insel, Flussinsel; Niederung zwischen Flüssen und Seen» bedeutete.Werd. In: Schweizerisches Idiotikon, Band XVI, Spalte 1299 f.Stephan Bopp: Worth, Werth, Werd und Werder, Canoonet Der Name Papierwerd verweist auf die Zürcher Papiermühle, die jahrhundertelang auf der Insel stand.
Geschichte Am 15. Mai 1320 wird erstmals der «Werdsteg» urkundlich erwähnt, der als niederer Mühlesteg das rechte Limmatufer (Limmatquai) mit den ehemaligen fünf Mühlen auf der Flussinsel verband. Auf dieser waren unter anderem auch Pulver- und Papiermühlen angesiedelt, wie bereits auf dem Murerplan (1576) von Jos Murer zu erkennen ist.Gang dur alt-Züri: Der untere Mühlesteg mit Holzbrücke, abgerufen am 12. November 2008. Die Mühlen in Limmat und Sihl gehörten im Mittelalter zum umfangreichen Grundbesitz der Fraumünsterabtei.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Christoph Froschauer die Pacht der städtischen Papiermühle auf der Papierwerd inne. Als ab 1642 bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts die dritte Stadtbefestigung erbaut wurde, bezog man beim Schanzengraben die Papierwerd in die Befestigung mit ein. mini|Papierwerd und das gedeckte Brüggli um 1780 mini|Ansicht von Zürich um 1859; Lithografie von Charles Fichot. Die Papierwerd liegt direkt hinter dem Bahnhof, erkennbar am geschwungenen gedeckten Brüggli. mini|Limmatraum zwischen Urania, Bahnhof und Central um 1910. In der Bildmitte deutlich sichtbar die Magazine zum Globus auf der und die Bahnhofbrücke rittlings über die Papierwerd, darunter gegen das Central die Mühlen des unteren Mühlesteges. Ballonaufnahme von Eduard Spelterini. mini|Der Neubau der Bahnhofbrücke in den 1950er-Jahren. Die neue Brücke ist zwischen Werdinsel und Central fertiggestellt. Der Limmatarm links der Werdinsel wird durch die Motorfahrzeugunterführung ersetzt. Es sind noch die Bögen der alten Brücke zu sehen. mini|Das ehemalige Globusprovisorium, Ansicht vom Mühlesteg, am linken Bildrand ist das «Du Pont» zu erkennen.
Am 29. August 1865 verpflichtete sich die «Aktiengesellschaft der mechanischen Papierfabrik an der Sihl» gegenüber der Stadtgemeinde Zürich vertraglich «... das Stück Gartenland, zum Papierwerd genannt, abzutreten, damit dort eine öffentliche Promenade errichtet werden kann. Auf diesem Areal sollen keinerlei Hochbauten errichtet werden ...» Stadtarchiv Zürich; abgerufen am 12. November 2008.
1882 baute Josef Weber auf der Papierwerd den «Bazar ohne Grenzen», aus dem später das Warenhaus Globus wurde.
Am 12. September 1948 nahmen die Stimmbürger der Stadt den Kredit für die Neugestaltung von Bahnhofplatz, Bahnhofbrücke und Leonhardplatz, dem späteren Central, an. Dem Kredit über 10,65 Mio. Franken wurde mit einem Mehr von 68 % zugestimmt.
1950 wurden das Warenhaus und das gedeckte Brüggli beim Restaurant «Du Pont» abgebrochen sowie der trockengelegte Limmatarm zur Strassenunterführung umgebaut; die Papierwerd war damit keine Insel mehr. Diese Arbeiten waren Voraussetzung für den Neubau der Bahnhofbrücke Zürich.
1951 wurde ein geplanter Neubau des Globus-Warenhaues, um einen freien Limmatraum zu gewinnen, in einer Volksabstimmung abgelehnt. Stattdessen erfolgte der Bau eines Provisoriums, um dem Warenhaus an seinem neuen Standort einen Neubau zu ermöglichen.
Im Herbst 1967 verliess Globus das Provisorium auf der Papierwerd und die seit den 1950er Jahren bestehende Idee eines Jugendhauses auf der Bahnhofbrücke kam wieder ins Gespräch. An einer Vollversammlung am Wochenende vom 14. und 15. Juni 1968 forderte die Fortschrittliche Arbeiter und Studentenschaft (FASS) von der Stadt, die leerstehende Liegenschaft «Globusprovisorium» oder ein vergleichbares Gebäude bis zum 1. Juli 1968 als Jugendzentrum zur Verfügung zu stellen. Kurz zuvor, am 13. Juni, hatte der Stadtrat bekannt gegeben, dass das Globusprovisorium der ETH und dem Lebensmittelverein Zürich (LVZ, seit 1969 Coop) vermietet wird. Da der Stadtrat den Vertrag nicht mehr auflösen wollte, kam es am Samstag, 29. Juni zu einer Kundgebung, die schliesslich im sogenannten Globuskrawall mündete, dem Höhepunkt der Zürcher 68er-Unruhen.
Direkt oberhalb der Papierwerd wurde 1982 mit dem neuen Mühlesteg die Verbindung geschlossen, welche seit dem im gleichen Zusammenhang («freie Limmat») erfolgten Abbruch des oberen (1943) und unteren (1949) Mühlestegs gefehlt hatte.Rudolf Schilling: Ideen für Zürich.Alfred Cattani: Ein Zürcher Provisorium von Dauer: Der Irrweg des Projektes «Freie Limmat». In: NZZ, 24./25. Februar 2001. Mit zeitgenössischen Fotos. Abgerufen am 5. September 2018.
Projekte Unzählige Projekte zur Nutzung, Umnutzung und Neunutzung der Papierwerd wurden in den vergangenen hundert Jahren lanciert. Eine «Hausbrücke» zwischen der Bahnhofbrücke und einer neuen Beatenbrücke etwa in der Lage des heutigen Mühlestegs wurde von Bischoff und Weideli 1915/18 im Auftrag von Stadt und Kanton projektiert.Rudolf Schilling: Ideen für Zürich. S. 92. Stadtbaumeister Friedrich Wilhelm Fissler und Prof. R. Rittmeyer griffen diese Idee in den Jahren 1943/45 unabhängig voneinander wieder auf. Fissler vertrat im Schweizer Baublatt die Meinung, mit einem Querbau als Neubau für den Globus könne das Raumbild gewahrt bleiben.Rudolf Schilling: Ideen für Zürich. S. 93. Weitere Projekte stammen etwa von Dolf Schnebli, Ralph Baenziger, Claudia Bersin, Esther und Rudolf Guyer (alle 1979).Rudolf Schilling: Ideen für Zürich. S. 94–97. Zwei neuere Nutzungsvorschläge beispielsweise von der ETH Zürich sind die Projektideen Art & Shopping Papierwerd-Areal und Pairi-daeza: Tür, Tor, Schwelle. ETH Zürich, Departement Architektur, Professur Miroslav Sik, Wintersemester 2001–2002; abgerufen am 12. November 2008. ETH Zürich, Institut für Landschaftsarchitektur, Professur Günther Vogt; abgerufen am 12. November 2008. Verwirklicht wurde bisher nichts davon, und noch immer steht das Globus-Provisorium auf der Papierwerd. «… Alle Anläufe für eine Aufwertung des Papierwerd-Areals sind nicht an den architektonischen Visionen gescheitert, sondern es fehlte ein überzeugendes, tragfähiges Nutzungskonzept …»Antwort des Stadtrats auf die Motion vom 16. Januar 2008 (PDF; 48 kB), abgerufen am 12. November 2008.
Aktuelle Entwicklung Eine am 16. Januar 2008 vom Gemeinderat (Legislative) der Stadt Zürich dem Stadtrat (Exekutive) vorgelegte Motion forderte:
Die Motion wurde vom Stadtrat zwar abgelehnt, dieser führt aber in seiner Stellungnahme vom 18. Juni 2008 an den Gemeinderat aus:
2022 führte der Stadtrat eine Onlineumfrage durch, um die zukünftige Nutzung des Geländes auszuloten.
Bilder
Literatur Rudolf Schilling: Ideen für Zürich. Orell Füssli, Zürich 1982, ISBN 3-280-01307-0. Vom Papierwerd an die Sihl: 500 Jahre Papierfabrikation. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Juli 1971.
Weblinks
Globus-Provisorium: Leere ist keine Qualität. In: NZZ, 20. März 2018
Einzelnachweise
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