Der Hinduismus in Deutschland hat ca. 100.000 Anhänger der Glaubensgemeinschaft.Mitgliederzahlen: Hinduismus, in: Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. (Abkürzung: REMID), abgerufen am 4. Februar 2016 Dazu zählen schätzungsweise 42.000–45.000 tamilische Hindus aus Sri Lanka, 35.000–40.000 Hindus indischer Herkunft, 7.500 Hindus deutscher oder anderer europäischer Herkunft und 5.000 afghanische Hindus.
Anfänge des Interesses am Hinduismus Der Hinduismus in Deutschland war lange fast nur in der indologischen und religionskundlichen Literatur vertreten, als Religion lebendig überwiegend nur in der Glaubenspraxis der wenigen z. B. als Händler, Diplomaten oder Gastronomen in Deutschland lebenden Inder und Tamilen. Seit dem 19. Jahrhundert gab es eine kleine Anzahl von deutschen Anhängern hinduistischer Reformbewegungen.web.uni-frankfurt.de Die Rezeption des Hinduismus in Deutschland hatte zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit Hegel, den Brüdern A. W. und F. Schlegel, Herder, W. von Humboldt, A. Schopenhauer und anderen einen kraftvollen Anfang im Zusammenhang des deutschen Idealismus und seiner Religionsphilosophie genommen und war von Anfang an religiös geprägt.Helmuth von Glasenapp: Die Philosophie der Inder, Kröner Verlag, Stuttgart 1974, S. 16ff. Auf diesen Grundlagen entstand die deutsche Indologie, die mit Max Müller und Paul Deussen als bedeutenden Vertretern im späten 19. Jahrhundert die Quellenschriften des Hinduismus erschlossen und in systematischen Darstellungen zugänglich machten. Das Zitat Schopenhauers über die klassischen hinduistischen Lehrschriften, die Upanishaden, die Deussen seiner Ausgabe von 60 Upanischaden voranstellte, zeugt davon: „Es ist die belohnendste und erhebendste Lektüre, die … auf der Welt möglich ist; sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens sein.“Schopenhauer, A., Parerga II, § 185, in: Deussen, Paul, Sechzig Upanishad’s des Veda – Aus dem Sanskrit übersetzt und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen, Leipzig, (3. Aufl.) 1921: F.A. Brockhaus, S. VI
Hare-Krishna-Bewegung seit den 1960er Jahren Aktiv wurde diese vom indischen Subkontinent stammende Religion in kleinem Umfang in den 1960er und 1970er Jahren von mönchisch lebenden Angehörigen der Hare-Krishna-Bewegung verbreitet, die damals von den christlichen Kirchen zu so genannten Jugendreligionen gezählt wurde. Der erste Hare-Krishna-Tempel in Deutschland wurde 1970 in Hamburg eröffnet. In dieser Zeit wandten sich immer wieder junge Deutsche, die aus spirituellen und anderen Gründen nach Indien reisten, verschiedenen, in Deutschland meist als „Sekten“ bezeichneten Glaubensgruppen zu. So schlossen sie sich in Indien z. B. der Bewegung der Neo-Sannyas an, die dann auch in Deutschland Gemeinden unterhielt.
Simhachalam-Tempel in Jandelsbrunn Einer der wichtigsten Tempel der Hare-Krishna-Bewegung in Mitteleuropa, der um 1980 erbaut wurde, ist der ISKCON-Tempel im Ort Jandelsbrunn, Niederbayern. Der Tempel ist der einzige Tempel außerhalb Indiens, bzw. im Westen, der ausschließlich dem 4. Vishnu-Avatara Narasimha Deva, der Halb-Löwe-halb-Mensch-Inkarnation, der vor allem in Süd- und Südost-Indien verehrt wird, und seinem Gottgeweihten oder Bhakta Prahlada Maharaja geweiht wurde. Der Tempel zieht außer Mitgliedern der ISKCON auch zahlreiche Besucher aus den indischen Gemeinden in Deutschland und Österreich an, aber auch europa- und weltweit. Der Tempel mit seinen traditionellen vedischen Zeremonien ist für Besucher jeden Tag geöffnet.
Tamilische Gemeinden seit den 1980er Jahren mini|Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel in Uentrop
Eine große und stabile hinduistische Gemeinde bildete sich ab 1983, als in der Folge des Bürgerkriegs in Sri Lanka etwa 60.000 Tamilen nach Deutschland einwanderten. Davon sind ca. 45.000 praktizierende Hindus, die auch 24 kleine Tempel für ihre Gemeinden einrichteten. Oft waren diese einfach nur umgestaltete Kellerräume oder Wohnungen.
Hindutempel in Hamm-Uentrop 1993 feierten tamilische Gläubige in Hamm das jährliche Tempelfest mit einer öffentlichen Prozession für die Göttin Kamakshi. Das im Mai/Juni stattfindende Fest, das Jahr für Jahr 15.000 bis 20.000 Gläubige aus ganz Europa anzog, ermöglichte 1997 bis 2002 den Bau eines 27 mal 27 Meter großen hinduistischen Sri-Kamadchi-Ampal-Tempels im Hammer Stadtteil Uentrop mit einer Fläche von 700 m². Während der zweitgrößte Hindutempel in Europa, der Neasden-Tempel in London, im nordindischen Stil errichtet wurde, ist dieser drittgrößte Hindutempel in Europa originalgetreu im tamilischen Stil gebaut. (PDF)
Sri-Ganesha-Hindu-Tempel in Berlin mini|Ganesha-Skulptur im Museum für Indische Kunst, Berlin-Dahlem mini|Sri-Muthumariamman-Tempel in Hannover In Berlin, wo nach Angaben der Tempelbaugemeinschaft etwa 30.000 Hindus aus Indien, Sri Lanka und Bangladesch leben, wurde 2007 der erste Spatenstich für eine 4.600 m² große Tempelanlage ausgeführt im Volkspark Hasenheide im Bezirk Neukölln. Der Trägerverein Sri Ganesha Hindu Tempel e. V. plant den Bau des Sri-Ganesha-Hindu-Tempels Berlin.Peter Gärtner: „Unsere Religion ist offen für alle“ Spatenstich für den zweitgrößten Hindu-Tempel Europas in Berlin, in die Rheinpfalz, 5. November 2007
Sri-Sithivinayagar-Tempel in Stuttgart-Bad Cannstatt Der seit 12 Jahren in Stuttgart befindliche Tempel beherbergt zahlreiche Götter, unter anderem den Elefantengott „Ganesha“. Dieser Tempel ist in der Bad Cannstatter Innenstadt angesiedelt, wenige Gehminuten von der S-Bahnhaltestelle entfernt.
Sri-Mahamariamman-Tempel in Sulzbach-Altenwald Der Sri-Mahamariamman-Tempel Saar wurde im Jahre 1994 in dem Gebäude und auf dem Gelände einer ehemaligen Gaststätte in Sulzbach-Altenwald errichtet. Damit ist er einer der ältesten Hindutempel in Deutschland und flächenmäßig der größte im Südwesten. Die Gemeinde umfasst das Saarland, Luxemburg und angrenzende Ortschaften in Frankreich, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Der Tempel ist Sri Maha Mariamman, der hauptindischen Muttergöttin, gewidmet. Die Gläubigen sehen in der Göttin ihre eigene Mutter. Sie sorgt für Wohlergehen und Gesundheit, sie ist Begleiterin in schweren Tagen. Sri Maha Mariamman sitzt in dem großen, prachtvollen Schrein in der Mitte des Raumes, ist mit prunkvollen Gewändern angetan und mit Blumen geschmückt. In Schreinen werden zudem Gottheiten wie Ganesha, Murugan, Shiva, Vairavar und andere verehrt.
Kalyana-Thiru-Murugan-Tempel in Bielefeld Vor etwa zwölf Jahren hatte der Tamilische Kultur- und Bildungsverein mit Sitz in Bielefeld die Immobilie am Begaweg 11 gekauft. Bereits 2006 stellte der Verein einen Bauantrag, um die Räume in einen großen Gebetsraum umzugestalten. Im Oktober 2012 wurden die Arbeiten dazu abgeschlossen. Jetzt verfügt der Tempel auch über eine Fußbodenheizung und wurde am 27. Januar 2012 eröffnet.
Sri-Kurinchikumaran-Tempel in Gummersbach In Gummersbach wurde 2008 mit dem Sri-Kurinchikumaran-Tempel der nach dem Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel in Hamm flächenmäßig größte hinduistische Tempel Deutschlands fertiggestellt. Namensgebend sind die Gottheit Murugan und die Pflanze Kurinji.
Sri-Muthumariamman-Tempel in Hannover In Hannover wurde 2009 der Sri-Muthumariamman-Tempel eingeweiht, der mit 140 m² der größte in Norddeutschland ist. Er liegt in einem Gewerbegebiet und ist äußerlich sehr schlicht gestaltet.
Sri-Sithivinayagar-Hindu-Tempel in Nürnberg In Nürnberg wurde 1998 der Sithivinayagar-Tempel in der Imbusstraße 24 eingeweiht. Dies war in Bayern der erste Hindu-Tempel mit einer Fläche von 200 m² gewesen. Aufgrund unzureichender Fläche zog der Tempel im Jahre 2012 in die Humboldtstraße 103 um und wurde dabei in „Sri-Sithivinayagar-Tempel“ umbenannt. mini|Idol of Venkateswara
Sri-Venkateswara-Perumal-Vishnu-Tempel in Hamm In Hamm wurde 2017 der Sri-Venkateswara-Perumal-Vishnu-und-Krishna-Tempel in der Nassauerstraße 20 eingeweiht. Es ist der einzige Venkateswara-Tempel in Deutschland, nach dem Vorbild des Tirumala-Tirupati-Tempels in Indien. Es gibt einen jährlichen Wagenumzug, bei dem ca. 1000 Gläubige aus Deutschland und dem Ausland anreisen. Die Zeremonien sind öffentlich und jeder Mensch, der den Prinzipien des Tempels folgt, kann zum Darshan kommen.
Sri-Navadurgadevi-Tempel in Wuppertal In Wuppertal-Unterbarmen steht der Sri-Navadurgadevi-Tempel in der Hünefeldstraße 63b im Hinterhof. Er ist der Göttin Dhurga gewidmet. Der Umzug zu Ehren der Göttin findet jährlich Ende Mai / Anfang Juni statt und zieht bis zu 3.000 Gläubige (2024) an.
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