Tasitolu (auch Taci Tolu) ist ein Außenbezirk der osttimoresischen Landeshauptstadt Dili. Er liegt acht Kilometer westlich des Stadtzentrums in der Aldeia 12 de Outubro (im äußersten Westen des Sucos Comoro, Verwaltungsamt Dom Aleixo, Gemeinde Dili). Tasitolu (Tetum für Drei Wasser oder Drei Meere)[ Birdlife IBA Factsheet - Tasitolu Peace Park] ist nach den drei dort liegenden Salzseen benannt und liegt zwischen den Hügeln im Landesinneren und der Küste der Straße von Wetar. Die drei Seen sind von West nach Ost die João-Paulo-Lagune (nach Papst Johannes Paul II.), die Klaranlagune () und die Santa-Maria-Lagune.M. J. Faria et al.: Assessing Future Flooding Risk in a Coastal Lagoon Using Hydrogeological Approaches and Analysis of the 2021 Flood Event: A Case Study of Tasi-Tolu Lagoon, Dili, Timor-Leste, Journal of Water Resource and Protection, 2023, 15, 276–298.
Geographie Tasitolu bildet keine geschlossene Siedlung oder eigenständige Verwaltungseinheit, sondern die Region um die namensgebenden Salzseen. Das Gebiet hat eine Fläche von 1540 Hektar und reicht von Meereshöhe bis auf Höhe.Tasi Tolu Peace Park project kicks off with tree planting ceremony, abgerufen am 25. Juli 2012 Entlang der Küste führt eine Überlandstraße, die grob dem gesamten Verlauf der Nordküste Osttimors folgt und einer der wichtigsten Verkehrswege des Landes ist. Südlich der Straße liegen die Kapelle von Tasitolu und ein mit Bäumen bepflanzter Bereich. Ihm folgen ein großer Bereich, der für Großveranstaltungen dient, und die drei Seen.Google-Maps Von Süden führen in der Regenzeit einige Zuflüsse zu den Seen, darunter der Mota Tasitolu (Tasitolu-Fluss). Die Seen treten dann über die Ufer und können benachbarte Straßen und Siedlungen überfluten. Die Pläne für einen Kanal, der das überschüssige Wasser direkt ins Meer geleitet hätte, wurden aufgegeben, da sie das anliegende Tauchgebiet durch mitgeführte Sedimente gefährdet hätten. In der Trockenzeit schrumpfen die Seen wieder, trocknen aber nicht komplett aus. Rund um das Areal befinden sich Siedlungen, so südlich Lih Baulelo. Da sie keine eigenständige administrativen Einheiten bilden, gibt es keine genauen Angaben über die Bevölkerungszahl in Tasitolu. 2015 lebten in 12 de Outubro 14.025 Menschen, wovon aber ein Teil auch weiter östlich hinter der nächsten Erhebung lebt.Direcção-Geral de Estatística: Dilis internationaler Flughafen Presidente Nicolau Lobato liegt etwa anderthalb Kilometer nordöstlich von Tasitolu.Karte von DiliDiving Timor Leste: Diving Timor Leste (East Timor): Dili Dive Sites – Tasi Tolu, abgerufen am 25. Juli 2012
Geschichte
mini|Die Kapelle von Tasitolu im timoresischen Stil mini|links|Denkmal für Johannes Paul II. in Tasitolu mini|Die Seen von Tasitolu und ihr Volumen am 23. April 2020 (vor der Flut von 2021)
Zahlreiche timoresische Opfer der indonesischen Invasion im Jahr 1975 und der nachfolgenden Besetzung bis 1999 wurden in Tasitolu verscharrt. Das Areal galt als ein „well-known killing place“ (allgemein bekannter Ort, an dem getötet wird). Menschen wurden von indonesischen Soldaten hierher verschleppt, hingerichtet und vergraben.Rei, Naldo (2007). Resistance: A Childhood Fighting for East Timor. Univ. of Queensland Press. S. 62 ff., ISBN 978-0-7022-3632-7
Während der Besatzungszeit wechselte Tasitolu vom Kabupaten Liquiçá zu Dili.Maxibiano Soares: Istória Sidade Díli, Timor Lorosa’e, abgerufen am 13. Oktober 2023.
Am 12. Oktober 1989 feierte Papst Johannes Paul II. in Tasitolu eine Großmesse auf Tetum und Englisch.Vatican.va: Holy mass at Tasi-toli in Dili, abgerufen am 25. Juli 2012 Der Besuch stärkte das Selbstbewusstsein der Bevölkerung und rückte die indonesische Besetzung Osttimors für kurze Zeit wieder in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Nach der Messe entfaltete eine Gruppe junger Leute Transparente. Sie demonstrierten für Selbstbestimmung und gegen Menschenrechtsverletzungen. Diesem für Indonesien peinlichen Moment folgte eine Welle von Verhaftungen und Folter., S. 165, Technische Universität Lissabon (englisch, PDF, 805 KiB) Daran erinnert eine Kapelle mit dem Dach eines Uma LulikTony Wheeler, Xanana Gusmao, Kristy Sword-Gusmao: East Timor Lonely Planet, London 2004, ISBN 1-74059-644-7 und seit 2008 eine sechs Meter hohe Monumentalstatue von Papst Johannes Paul II. Sie steht auf einem Hügel und bildet so ein Gegenstück zur Jesusstatue auf der Ostseite der Bucht von Dili in Cristo Rei.Kirsty Sword-Gusmao, Pat Walsh: “Opening up”: travellers' impressions of East Timor, 1989-1991, 1991, Australia East Timor Association
Nach dem Abzug der Indonesier wurden 1999 internationale Friedenstruppen im Gebiet von Tasitolu stationiert. Die UN-Verwaltung Osttimors (UNTAET) stellte im Jahr 2000 700 Hektar Tasitolus, zusammen mit 14 anderen als Wildschutzgebiet (Protected Natural Areas PNA) unter Schutz.
Am 20. Mai 2002 wurde in Tasitolu in einer Zeremonie Osttimor aus der UN-Verwaltung in die Unabhängigkeit entlassen. Aufgrund der historischen und gesellschaftlichen Bedeutung erklärte Präsident Xanana Gusmão am 12. Februar 2004 das Areal zum Friedenspark. Zu diesem Anlass wurden 200 Bäume gepflanzt; insgesamt plante man, 40 Hektar wiederaufzuforsten.
mini|links|Versorgung der Flutopfer per Boot (22. April 2021)
Während der Unruhen in Osttimor 2006 wurden in Tasitolu etwa hundert Häuser niedergebrannt., abgerufen am 26. Juli 2012 Man errichtete drei Lager, in denen mehrere hundert Flüchtlinge untergebracht wurden. (PDF; 310 kB) Im größten Lager, westlich der Seen, fanden 371 Familien Zuflucht. Die Lager wurden 2009 geschlossen., abgerufen am 25. Juli 2012
Nach 2006 breitete sich die Besiedlung bis in den geschützten Berich rund um die Seen aus. Durch die schweren Überschwemmungen am 4. April 2021 traten die drei Seen über die Ufer und vereinigten sich zu einer großen Lagune, die unter anderem den großen Festplatz der Stadt überschwemmte. Die Bewohner des Gebietes flohen in die dahinterliegenden Hügel und müssen dort mit Hilfe von herangebrachten kleinen Fischerbooten (Beiros) übers Wasser mit Lebensmitteln versorgt werden.Lusa: REPORTAGEM: Timor-Leste/Cheias: Beiros e botes de borracha para apoiar as populações de Tasi ‘Ida’ (C/ VÍDEO), 6. April 2021, abgerufen am 6. April 2021.
Bereits im September 2023 wurde den illegalen Bewohnern des Gebiets eine Räumung angekündigt.BBC: Homes bulldozed in Timor-Leste ahead of Pope visit, 30. August 2024, abgerufen am 12. September 2024. 2024 kündigte der Staatssekretär für Toponymie und Städteplanung Germano Santa Brites Dias an, dass das Schutzgebiet von den illegalen Bauten wieder geräumt werden soll. Im April begann die Prüfung, wie viele Häuser davon betroffen sind.Tatoli: Ekipa SEATOU sei tun organiza área protejida Tasi-tolu iha inísiu maiu, 18. April 2024, abgerufen am 21. April 2024. Auf der Pferderennbahn wurde für den Papstbesuch in Osttimor 2024 ein Altar errichtet und das Gelände für 164.777 registrierte Zuschauer vorbereitet. Insgesamt wohnten etwa 600.000 Menschen der Papstmesse bei.Missa em Tasi-Tolu: Papa Francisco apela ao regresso à pureza e simplicidade, 13. September 2024, abgerufen am 14. September 2024. Im Vorfeld waren bereits 90 illegale Bewohner aus ihren Hütten auf dem Gelände vertrieben und die Häuser mit Bulldozern zerstört worden. Die elf Familien hatten dafür zwischen 7.000 und 10.000 US-Dollar als Entschädigung erhalten. Nach dem Papstbesuch sollten weitere 1300 illegal siedelnde Familien von dem Land entfernt werden.Tatoli: Ekipa SEATOU sei tun organiza área protejida Tasi-tolu iha inísiu maiu, 18. April 2024, abgerufen am 21. April 2024.
Nutzung der Region mini|Pferderennen in Tasitolu (1970)
700 Hektar von Tasitolu stehen als Friedenspark unter besonderem Schutz, womit er in Osttimor das dritte Großschutzgebiet nach den beiden Nationalparks Nino Konis Santana und Kay Rala Xanana Gusmão ist.
Ende Oktober 2008 wurden Pläne für ein Fünf-Sterne-Hotel mit 350 Zimmern in Tasitolu bekannt. Dieses erste Luxushotel im Land mit Namen Pelican Paradise Hotel sollte zwischen zwei Bergrücken bis 2012 errichtet werden. Zum Hotel sollte auch ein Golfplatz mit 27 Löchern zwischen den Seen und ein Business Park entstehen.Rahil, S. 2008. East Timor To Get Its 1st Luxury Resort. East Timor & Indonesia Action Network Bei den Erdarbeiten für das Hotel wurden die sterblichen Überreste von neun Menschen gefunden. Die Toten waren gefesselt und man fand Hinweise darauf, dass sie erschossen worden waren. Es handelt sich bei ihnen um Opfer aus der indonesischen Besatzungszeit. Zwei trugen portugiesische Militäruniformen, weswegen man vermutet, dass es sich bei ihnen um Freiheitskämpfer der FALINTIL handelt.Meldung von Timor Newsline, 1. März 2010, Pelican Paradise workers discovered fifteen human skeletons in Tasi-Tolu auf easttimorlegal.blogspot.com, abgerufen am 25. Juli 2012Forgotten Diaries: The Tasi Tolu Exhumations, 25. März 2010, abgerufen am 25. Juli 2012
Die Umsetzung der Baupläne des Luxushotels zogen sich aber hin. Widersprüchlich dazu war im September 2016 die Ankündigung von Romão Guterres, des Nationalen Direktors für Land und Eigentum, dass die Bewohner Tasitolus spätestens 2017 das Gebiet räumen müssten, da die Regierung dort einen Nationalpark schaffen wolle. Es werde eine 30-Tage-Frist für die Einwohner geben, bevor notfalls mit der Polizei das Wohngebiet geräumt werden würde. Entschädigungen gäbe es mangels einer gesetzlichen Grundlage nicht, aber würde man humanitäre Unterstützung anbieten.The Dili Weekly: , abgerufen am 14. September 2016. 2022 fand ein offizieller erster Spatenstich für das Projekt statt und 2025 wurden Wasser- und Strominfrastruktur bereitgestellt, aber im März 2026 verkündete die Regierung Osttimors das Aus für das Projekt.
2012 wurden am 20. Mai die Feiern zum 10. Jahrestag der Unabhängigkeit und die Vereidigung des neuen Präsidenten Taur Matan Ruak in Tasitolu begangen., abgerufen am 25. Juli 2012
Jährlich finden in Tasitolu Pferderennen statt.
Fauna und Flora mini|links|Das Hinterland Tasitolus mit Blick auf die Insel Atauro
IBA-"Trigger" Vogelarten in TasitoluVogelart Status In der Region Timor/WetarColin R. Trainor und Thomas Soares: Birds of Atauro Island, Timor-Leste (East Timor), Forktail 20 (2004), S. 41–48 Timortaube (Schwarze Timortaube, Turacoena modesta) gering gefährdet endemisch Sundafruchttaube (Ducula rosacea) gering gefährdet nicht endemisch Gelbkopflori (Trichoglossus euteles) nicht gefährdet endemisch Timorsittich (Aprosmictus jonquillaceus) gering gefährdet endemisch Temminckhonigfresser (Meliphaga reticulata) nicht gefährdet endemisch Timorlederkopf (Philemon inornatus) nicht gefährdet endemisch Timorhonigfresser (Lichmera flavicans) nicht gefährdet endemisch Dreifarben-Honigfresser (Myzomela vulnerata) nicht gefährdet endemisch Timorgerygone (Gerygone inornata) nicht gefährdet endemisch Orpheusdickkopf (Pachycephala orpheus) nicht gefährdet endemisch Sundapirol (Oriolus melanotis) nicht gefährdet endemisch Timorschmätzer (Saxicola gutturalis) gering gefährdet endemisch Blauwangen-Mistelfresser (Dicaeum maugei) nicht gefährdet endemisch Sonnennektarvogel (Cinnyris solaris) nicht gefährdet nicht endemisch Timorreisamadine (Padda fuscata) gering gefährdet endemisch