mini|Volker Kauder (2015) Volker Kauder (* 3. September 1949 in Hoffenheim, Baden) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war zwischen 1990 und 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages sowie dort von 2005 bis 2018 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und damit der am längsten amtierende in der Geschichte der Fraktion. Zuvor war er von Januar bis Dezember 2005 CDU-Generalsekretär.

Leben Herkunft, Ausbildung und Beruf Volker Kauder wurde als Sohn des Rektors Hans Kauder im badischen Hoffenheim (heute Stadtteil von Sinsheim) geboren. Die ungarnstämmigen Großeltern waren wohlhabende Fabrikbesitzer und Viehzüchter gewesen. Seine Eltern waren evangelische Donauschwaben und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus Nova Pazova, einer Siedlung evangelischer Donauschwaben im heutigen Serbien, von Partisanen und nachrückenden Russen vertrieben. Sie zogen zunächst nach Hoffenheim und später nach Singen (Hohentwiel), wo sein Vater eine Anstellung als Lehrer, später als Rektor, an einer Hauptschule fand und als CDU-Mitglied im Stadtrat und im Kreisrat saß.VIII. Flucht, Vertreibung, Vernichtung, Integration. In: donauschwaben-bayern.de

Nach dem Abitur 1969 am Hegau-Gymnasium in Singen (Hohentwiel) leistete Volker Kauder zunächst den Wehrdienst bei der ABC-Abwehrtruppe in Immendingen und Sonthofen ab und schied 1971 als Fähnrich der Reserve aus. Danach studierte Kauder Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und erwarb 1975 das erste juristische Staatsexamen. Nach dem Referendariat legte er 1977 das zweite Staatsexamen ab und trat 1978 in die Verwaltung des Landes Baden-Württemberg ein. Von 1980 bis 1990 war er unter Landrat Hans Volle Erster Landesbeamter und Sozialdezernent des Landkreises Tuttlingen.

Partei mini|Kauder auf dem CDU-Parteitag 2012 Kauder wurde 1966 im Alter von 17 Jahren Mitglied der Jungen Union und blieb es bis 1984. Von 1971 bis 1973 war er Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Konstanz und von 1973 bis 1976 ehrenamtlicher Geschäftsführer und Bezirksvorstandsmitglied der Jungen Union Südbaden.

Von 1975 bis 1991 war Kauder Pressesprecher und Mitglied des Vorstandes der CDU Südbaden. Von 1984 bis 1986 war er Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Tuttlingen und überdies von 1985 bis 1999 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Tuttlingen. 1991 wurde Kauder Generalsekretär der baden-württembergischen CDU. Mit dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Erwin Teufel im April 2005 gab er dieses Amt ab.

Kauder wird immer wieder als „rechte Hand“ Angela Merkels bezeichnet. Sie designierte ihn nach dem Rücktritt von Laurenz Meyer am 22. Dezember 2004 für das Amt des Generalsekretärs der CDU Deutschlands, in das er am 25. Januar 2005 gewählt wurde.

Am 28. August 2005 wurde Kauder mit 97,7 % der gültigen Stimmen als Generalsekretär bestätigt. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion übernahm am 1. Dezember 2005 Ronald Pofalla zunächst kommissarisch und später offiziell das Amt des CDU-Generalsekretärs.

Kauder ist neben seiner Tätigkeit in der CDU auch Ehrenmitglied in der CSU.Äußerung auf dem CSU-Parteitag am 20. November 2015, ca. 16:48 Uhr, in München.

Abgeordneter mini|Volker Kauder im Deutschen Bundestag, 2014 Kauder war von 1990 bis 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2002 bis Januar 2005 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Am 21. November 2005 wurde er mit 93,3 % der abgegebenen Stimmen zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt. Bei der turnusmäßigen Wahl ein Jahr nach der Bundestagswahl erzielte Kauder am 26. September 2006 ein Ergebnis von 92,1 %. Seit dem 13. Januar 2015 war Kauder der am längsten amtierende Vorsitzende der Unionsfraktion. Kauder ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Rottweil-Tuttlingen in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2009 erreichte er hier 48,1 % der Erststimmen. Am Tag nach der Wahl wurde er mit über 96 % der Stimmen als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt. Bei der Bundestagswahl 2013 konnte er wiederum in seinem Wahlkreis mit 57,8 % sein Direktmandat verteidigen. Nach dem für die Union enttäuschenden Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017, bei der Kauder mit 43 % sein Direktmandat verteidigen konnte, wurde er ohne Gegenkandidat mit nur 77,3 % der abgegebenen Stimmen als Fraktionsvorsitzender wiedergewählt. Am 25. September 2018 verlor er überraschend bei der turnusmäßigen Neuwahl des Fraktionsvorsitzenden eine Kampfabstimmung gegen Ralph Brinkhaus mit 112 zu 125 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Kauder hatte mehrfach die Flüchtlingspolitik der Regierung Merkel verteidigt.

Im Bundestag war Kauder eines von 12 Mitgliedern des Wahlausschusses, der bis 2015 die Hälfte der Richter des Bundesverfassungsgerichts bestimmte bzw. seit 2015 dem Plenum vorschlägt.

Er unterhielt ein Wahlkreisbüro zusammen mit dem Abgeordneten im Europäischen Parlament (MdEP) Andreas Schwab und dem CDU-Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg (MdL) Stefan Teufel in Rottweil und ein weiteres Wahlkreisbüro zusammen mit dem CDU-Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg Guido Wolf in den Räumen des Bahnhofs Tuttlingen.

Im September 2019 gab Kauder bekannt, dass er auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag verzichten werde.

Religiosität Volker Kauder wurde als Jugendlicher in der Evangelischen Landeskirche in Baden konfirmiert und zeigt Sympathien mit der evangelikalen Bewegung und der liturgischen Ausrichtung der katholischen Kirche. Die Welt zählt ihn zu den Evangelikalen, wobei Kauder diese Bezeichnung, in Worten der Welt, „über sich selbst nicht so gern“ hört, denn „sein Glaube [sei] mit der Bezeichnung ‚Evangelikaler‘ nicht ausreichend beschrieben“. Nach seinen Worten sind „Erbauung, Ermahnung und Trost“ Hauptsäulen des Evangelikalen. Des Weiteren sind für ihn zentral: „die Bibel als Gottes unmittelbares Wort, der Auftrag zur Mission, die große Bedeutung des Lebens Jesu für den eigenen Alltag, die Sündhaftigkeit des Menschen, die nur durch einen Gnadenakt Gottes und durch den Opfertod Jesu erlöst werden kann.“ Kauder erklärte unter anderem, Glaubenskraft habe er auch bei den Evangelikalen gefunden und er fühle sich bei der Evangelischen Allianz wohl. Es sei „schon beeindruckend“, dass die Evangelische Allianz es schaffe, Tausende bekennende Gläubige bei Veranstaltungen zusammenzubringen. Es gelte, diese „Glaubenskraft“ sehr ernst zu nehmen, und er sei froh, daran teilhaben zu können.„Die CDU ist keine Kirche“, pro-medienmagazin.de, 23. November 2011 Georg Brunnhuber sagte über Kauder: „Der Kauder ist der katholischste Protestant, den ich kenne. Wenn’s ums C geht, wird der zur Dampfwalze.“

2009 erhielt er eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI.; ein Foto dieser Begegnung hing danach hinter Kauders Schreibtisch.

Wegen seines Einsatzes für verfolgte Christen erhielt er im September 2010 den Medienpreis Goldener Kompass des evangelikal orientierten Christlichen Medienverbundes KEP.https://web.archive.org/web/20131006005554/http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/39139/medienpreis-qgoldener-kompassq-verliehen/http://www.pro-medienmagazin.de/journalismus.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=3285%5D, Für gelebten Glauben eintreten, 29. September 2010, abgerufen am 30. September 2010Evangelikaler Medienpreis für Volker Kauder, idea.de, Meldung vom 2. September 2010.

2014 zeichnete Papst Franziskus Kauder für sein Engagement für verfolgte Christen mit dem päpstlichen Gregoriusorden aus., Radio Vatikan, 4. Juni 2014

Lehrtätigkeit an der FTH Gießen Volker Kauder ist mit Wirkung vom 4. September 2022 zum Honorarprofessor an der Freien Theologischen Hochschule Gießen ernannt worden. Er lehrt in den Bereichen Politische Ethik und Religionsfreiheit.

Sonstiges Engagement mini|Volker Kauder als Vorsitzender des Kuratoriums, Aachen 2026 In Tuttlingen, das zu seinem Bundestagswahlkreis gehört, gründete er einen Förderverein zugunsten von psychisch Kranken. Zudem war er vier Jahre lang Vorsitzender der Bundesvereinigung „Aktion Psychisch Kranke“. Seit 2008 ist er Schirmherr der Spendenaktion „Wir machen Schule. Machen Sie mit.“ der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn.

Volker Kauder war Stadtpate für die Stadtinitiative „Tuttlinger helfen Afrika“ im Rahmen des Hilfsprojektes Wir helfen Afrika. Seit September 2021 ist Kauder Vorsitzender des Kuratoriums der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung. Kauder ist zudem 1. Vorsitzender der Lobbyorganisation Bodensee Kreis e. V.

Privates Volker Kauders Bruder Siegfried Kauder war bis zum 22. September 2013 ebenfalls Mitglied des Deutschen Bundestages.

1976 heiratete Volker Kauder die Ärztin Elisabeth Biechele, Tochter des langjährigen Konstanzer Bundestagsabgeordneten Hermann Biechele.

Politische Positionen und Kritik Kernkraft Innerhalb der CDU galt Volker Kauder als kernkraftbefürwortender Gegenspieler zu Norbert Röttgen„In der Unionsfraktion hieß es, vor allem der Streit zwischen dem Fraktionsvorsitzenden Kauder und Röttgen drohe die Arbeiten an künftigen Energiekonzepten zu belasten.“ FAZ, 16. März 2011. Kauder galt im Herbst 2010 als einer der bedeutendsten Befürworter der Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke neben Michael Fuchs.zeit.de, 12. April 2011 Der gespaltene Kern der Union – Die Energiewende entzweit die Union: Der Umweltminister will mehr Geld für den Umbau – und stößt auf Widerstand in der Fraktion

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima sagte er – im Gegensatz zu anderen führenden Unions-Kernkraftbefürwortern –, es sei ein „Fehler“ gewesen, im Herbst 2010 ein Rennen um die längsten Laufzeiten zu inszenieren und so aus einem Konzept für den Umstieg ein Atom-Revival zu machen.zeit.de und Tagesspiegel vom 28. Mai 2011

Korruption Kauder lehnt den Vorschlag eines Gesetzes gegen die Korruption bei Abgeordneten ab, auch den neuen Vorstoß (Frühjahr 2013) seines Bruders, des Rechtsausschuss-Vorsitzenden Siegfried Kauder.Gesetz gegen Abgeordneten-Korruption: Ausgebremst vom eigenen Bruder, von Robert Roßmann, Süddeutsche, 8. April 2013

Volksentscheide Ebenfalls ablehnend steht Kauder der Einführung von direkter Demokratie in Form von Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheiden auf Bundesebene gegenüber, da die Bundesrepublik seiner Ansicht nach gezeigt habe, dass ihre repräsentative Demokratie erfolgreich sei. Den Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrates, die Frage des Atomausstiegs mittels Volksentscheid zu klären, bezeichnete Kauder als „Irrweg“ und gab zu bedenken, dass der CDU-Wirtschaftsrat ja dann auch Volksabstimmungen beispielsweise über Mindestlöhne akzeptieren müsse.

Waffenexporte