mini|Herstellerplakette 1903 mini|Herstellerplakette 1913 mini|Selbstklebende Herstellerplakette Emil Hammer Orgelbau war eine deutsche Orgelbauwerkstatt, die ihren Sitz ab 1966 im Hemminger Ortsteil Arnum hatte.
Geschichte Die Vorgängerin wurde 1838 von Philipp Furtwängler gegründet. Nach dem Erlöschen des väterlichen Betriebs gründete der zweite Sohn Philipps, Pius Furtwängler (* 14. Juli 1841; † 16. Januar 1910 in Hannover), gemeinsam mit dem Orgelbauer Adolf Hammer (* 6. April 1854 in Herzberg am Harz; † 5. März 1921 in Hannover) 1883 die Orgelbauwerkstatt P. Furtwängler & Hammer. Die Werkstatt wurde von Elze nach Hannover verlegt. Pius Furtwängler schied 1892 aus. Adolf Hammer bekam 1910 den Titel Hoforgelbaumeister verliehen. Er hatte die Orgel für den Braunschweiger Dom erbaut, die 1960 in die St.-Marien-Kirche in Hannover umgesetzt wurde.Winfried Gburek: Wie gemacht für diese Kirche. In: KirchenZeitung – Die Woche im Bistum Hildesheim, Ausgabe 1/2021 vom 10. Januar 2021, S. 10. Nach dem Tod von Adolf Hammer übernahm sein Sohn Walter Hammer (* 7. Juli 1901; † 30. August 1990) den Betrieb mit 120 Beschäftigten, der in der Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten geriet.
Der Neffe Adolf Hammers, Emil Hammer (* 22. Februar 1878 in Geestemünde; † 11. Dezember 1958 in Hannover) arbeitete ab 1904 als Prokurist im Betrieb seines Onkels und übernahm diesen 1937 als Alleininhaber. Die Firma lautete seitdem Emil Hammer Orgelbau.Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9. Nach Emils Tod übernahm dessen Enkel Christian Eickhoff (* 23. Dezember 1935 in Shanghai; † 09. September 2022 in Hemmingen) den Betrieb mit rund 20 Mitarbeitern. 1966 zog der Betrieb in einen Werkstattneubau in Arnum mit zunächst 25 Mitarbeitern, später waren es über 40. Im Zuge der Altersnachfolge von Christian Eickhoff verkaufte dieser zum 1. Juli 2007 den Betrieb mit sechs Beschäftigten an die Orgelbaugesellschaft Reichenstein (einen Zusammenschluss der Werkstätten Gebr. Oberlinger Orgelbau und Emil Hammer Orgelbau), die den Betrieb zunächst als Niederlassung unter dem neuen Namen weiterführte. 2009 wurde die Niederlassung in eine kleinere Werkstatt nach Hiddestorf verlegt. 2011 wurde die Gesellschaft aufgrund der Eröffnung des Insolvenzverfahrens aufgelöst. Seit Mai 2011 existiert das Nachfolgeunternehmen E. Hammer Orgelbau mit Sitz in Hiddestorf.
Nach der Gründung des Betriebs Ende des 19. Jahrhunderts wurden Orgelwerke mit mechanischen, später mit pneumatischen Kegelladen gebaut. Ab 1893 wurden Werke mit Röhrenpneumatik und Taschenladen gefertigt, 1907 wurde die erste Orgel mit elektro-pneumatischer Traktur fertiggestellt. In dieser Schaffensperiode wurde in der Stadthalle Hannover auch die größte Orgel der Werkstatt Hammer geschaffen, die in dieser Zeit zu den großen deutschen Werkstätten des spätromantischen Orgelbaus zählte.
Von 1921 bis 1931 stellte Hammer neben Kirchen- und Konzertorgeln in Gemeinschaftsarbeit mit den Unternehmen Walcker und Sauer auch Oskalyd-Kinoorgeln her.
Eine neue Phase von orgelgeschichtlicher Bedeutung begann durch die Zusammenarbeit mit Christhard Mahrenholz und die damit verbundene Weiterverfolgung der Orgelbewegung. Disposition und Mensurierung wurden nun an deren Idealen ausgerichtet. Als erster Neubau dieser Art gilt die Orgel in der St.-Marien-Kirche in Göttingen.
In diesem Zusammenhang begann das Unternehmen 1932 auch wieder mit dem Bau von Schleifladen (z. B. für die Versöhnungskirche in Leipzig) und ab 1942 mit dem Bau von mechanischen Tontrakturen (z. B. für die St.-Michaelis-Kirche in Lüneburg).
Schon Mitte der 1970er Jahre erkannte Christian Eickhoff den historischen und musikalischen Wert der einst geschaffenen romantischen Orgelwerke und setzte sich in der Fachwelt für deren Erhalt ein. Mehrere der Instrumente wurden durch die Werkstatt restauriert, so z. B. in Zusammenarbeit mit Jan Jargon historische Orgeln in Polen.
Zuletzt wurden nur noch Restaurierungs- und Wartungsarbeiten ausgeführt, das Neugeschäft stagnierte. Bis zum Zeitpunkt ihres Verkaufs wurden durch die Werkstatt einschließlich ihrer Vorgängerbetriebe über 2.200 Orgelwerke weltweit errichtet, davon etwa 700 seit 1950, viele dieser Orgeln in den nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebauten Kirchen.
Inhaber des Nachfolgeunternehmens ist Orgelbaumeister Georg Schloetmann.
Werke (Auswahl) Diese Liste beinhaltet ausgewählte Orgelneubauten der Werkstätten sowie einige zerstörte oder durch Neubauten anderer Orgelbauer ersetzten Orgeln.
Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ für ein angehängtes Pedal. Eine Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr erhalten ist oder lediglich noch der Prospekt aus einer der beiden Werkstätten stammt.
P. Furtwängler & Hammer Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register BemerkungenBeschreibung, Disposition1898LangelsheimSt. Andreaszentriert|160x160pxII/P19Opus 19, → 1890MarientalKlosterkirche Marientalzentriert|160x160pxII/P18mehrere Umbauten, 2002 von Christoph Grefe restauriert1893EgenstedtSt. NikolausII/P142001 von Martin ter Haseborg restauriert1893KönigslutterKaiserdomzentriert|160x160pxIII/P43 → 1894LahdeEvangelische Kirche Lahdezentriert|160x160pxII/P23Op. 317 → OrgelDie Prospektpfeifen sind 1994 erneuert worden.Alle anderen Pfeifen sind original erhalten.1895KrummaselChristuskirchezentriert|160x160pxII/P12Op. 337Die Orgel verfügt noch über ihre originalen Prospektpfeifen und wurde 2011 restauriert.1896Hallendorf (Salzgitter)Evangelische KircheII/P13Op. 340→ 1897Berlin-WilmersdorfAuenkirchezentriert|160x160pxII/P41Op. 359 → Orgel auf www.organindex.de1897LehmkeSt. Dionyszentriert|160x160pxII/P14Op. 366Dispositionsänderung eines Registers um 1970, Restaurierung auf den Originalzustand 2010 durch die Orgelbaugesellschaft Reichenstein (Hemmingen und Windesheim)→ Orgel1898BolzumSt. Josefzentriert|160x160pxlaut DenkmaltopographieCarolin Krumm (Bearb.): Region Hannover. Nördlicher und östlicher Teil. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Band 13.2.) CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln 2005, ISBN 3-8271-8255-7.1899LüneburgSt. Nicolaizentriert|160x160pxIII/P48Op. 3961900MachtsumSt. Nikolauszentriert|160x160pxOrgelneubau, restauriert 2015 durch Orgelbauwerkstatt Florian Fay (Braunschweig)1900PlateSt.-Marien-Kirchezentriert|160x160pxII/P15Orgelneubau1902PlauenHerz-Jesu-Kirchezentriert|160x160pxII/P28Original erhalten, restauriertUwe Pape (Hrsg.): Lexikon norddeutscher Orgelbauer, Band 2, Sachsen und Umgebung. Pape Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-921140-92-5, S. 101.1903BenzingerodeErlöserkirchezentriert|160x160pxII/P14Orgelneubau1903BraunschweigSt. Josephzentriert|160x160pxII/P24später umgebaut → Orgelrestaurierung auf www.orgelfayfe.de1904Nörten-HardenbergSt. Martinzentriert|160x160pxII/P241905BraunschweigSt. Johanniszentriert|160x160pxIII/P382005 generalüberholt durch die Orgelbauwerkstatt Eule1906Dortmund-AsselnLutherkirchezentriert|160x160pxII/P24Op. 5611907Rüper, Landkreis PeineJerusalemkircheII/P8→1907SchladenSt. Marienzentriert|160x160pxII/P15Op. 5841907BenkendorfSt. MichaelII/P6Op. 607, original erhalten, unspielbar→Orgel auf orgel-verzeichnis.de1908SchöningenMaria Hilfe der ChristenII/P20Op. 6211908BlankenhainSt. Severizentriert|160x160pxII/P27Neubau im Schulze-Prospekt von 1782, 2008 generalüberholt von Werkstatt Eule→ Orgel auf www.organindex.de1908KleinwittenbergChristuskircheII/P27→ Orgel auf orgel-verzeichnis.de1909EschershausenSt. MartinII/P30→ 1909VelbertChristuskirchezentriert|160x160px1909HarriehausenSt. Remigiuszentriert|160x160pxII/P17Op. 652→ Orgel auf organindex.de1910KaarßenSt.-Marien-Kirche1911WeberstedtSt. UlriciiII/P192012/2013 restauriert1912HildesheimBasilika St. Godehardzentriert|160x160pxIII/P43 + 2Op. 732, 1946/1971 neobarock umgebaut; 2021/2022 restauriert und erweitert (nahe Originalzustand)→ Orgel auf organindex.de1913ReiserSt. Johanneszentriert|160x160pxII/P11nicht mehr spielbar1913SalzwedelMarienkirche160x160pxIII/P64hinter dem Prospekt von Joachim Wagner→ Orgel auf www.organindex.de1914HannoverStadthalleIV/P124im Zweiten Weltkrieg zerstörtDie große Konzertorgel in der Stadthalle zu Hannover. In: Zeitschrift für Instrumentenbau, 37. Jahrgang 1916/1917, S. 82–85.1914EltzeEvangelische KircheII/P17original erhalten1914NordhausenSt. PetriIII/P45im Zweiten Weltkrieg zerstört1915Wustrow (Wendland)St. LaurentiusII/P191992 restauriert durch Orgelbaumeister Franz Rietzsch (Hiddestorf), 2008 für Hauptwerk (virtuelle Pfeifenorgel) aufgenommen1916VerdenDomzentriert|160x160pxIII/P51+3Die Romantische Orgel im Dom zu Verden; 2009; TB,DDD,1993; EAN 00000859610981916BraunsbedraGnadenkircheII/P18+1Tr.im Trampeli Gehäuse von 1803, neobarock umdisponiert zu DDR-Zeiten, Trompete8' auf Man.1 entfernt.1916Aurich-OldendorfSt.-Petri-Kirche1973 ersetzt durch Neubau von VEB Jehmlich Orgelbau (Dresden)1921/1922Berlin-WilmersdorfAuenkirchezentriert|160x160pxIII/P62Opus 890, Neubau unter Verwendung von Teilen der Orgel von 1897 (Opus 359)→ Orgel auf www.organindex.de1925–1926GöttingenSt. Marienzentriert|160x160pxIII/P48 (45)→ Orgel1927SchochwitzSt. Benediktzentriert|160x160pxII/P15Opus 1026 Gehäuse von 1817 (Orgelbauer unbekannt)
Beitrag zur Orgel1928Doberschütz (Kreis Nordsachsen)II/P10einfacher Freipfeifenprospekt1928Königsberg (Ostpreußen)DomIII/P681944 kriegszerstört1929RitterhudeSt.-Johannes-KircheII/P161999 restauriert durch Orgelbaumeister Franz Rietzsch (Hiddestorf)Die Furtwängler & Hammer Orgel der Sankt Johannes-Kirche Ritterhude; 1999; Bcc.//Blue.Calvin.Classics (Bella Musica)1929NordhausenSt. BlasiiIII/P491945 schwer beschädigt, später abgetragen. Orgel1930MansfeldSt. Georgzentriert|160x160pxIII/P35Orgel1931LüneburgSt. Michaeliszentriert|160x160pxIII/P48Neubau hinter dem historischen Gehäuse von Matthias Dropa (1708)1932LeipzigVersöhnungskircheIII/P331935HannoverEhemalige Pädagogische AkademieIII/P33Opus 1161, vollständig erhalten, aber aktuell nicht spielbar→ Beschreibung und Disposition auf www.pages-hemmingen.de
Emil Hammer Orgelbau