mini|Vijaya Mehta (2012) Vijaya Farrokh Mehta (geboren Vijaya Jaywant; * 4. November 1934Abhijit Varde: Daughters of Maharashtra: Portraits of Women who are Building Maharastra : Interviews and Photographs, 1997, S. 87 in Baroda, Präsidentschaft Bombay, Britisch-Indien; † 30. Juni 2026 in MumbaiVeteran Marathi theatre legend Vijaya Mehta passes away at 91, indiatimes.com, 1. Juli 2026) war eine indische Schauspielerin und Regisseurin am Theater und im Film.
Biografie Vijaya Mehta wurde im heutigen Gujarat in eine bildungs- und kunstaffinen Kayastha-Familie der Mittelschicht geboren und besuchte die St Columba Girls’ High School in Gamdevi (Stadtteil von Mumbai). Sie graduierte an der Bombay University, schloss sich zunächst der von Adi Marzban geprägten Theaterarbeit in Mumbai an und studierte Schauspiel bei Ebrahim Alkazi in Delhi. Im Alter von 21 Jahren führte sie bei Vijay Tendulkars Stück Shrimant Regie. Ihre erste Schauspielrolle war die Desdemona in einer marathischen Übersetzung von Shakespeares Othello. Mehta konzentrierte sich auf die nach der Unabhängigkeit entstandene New-Theatre-Bewegung des marathischen Theaters, die unter anderem von Mama Warerkar und M. G. Rangnekar vorbereitet worden war. In den 1960er Jahren war sie eine der führenden Persönlichkeiten des experimentellen marathischen Theaters: sie gründete 1960 gemeinsam mit den Autoren Vijay Tendulkar, Arvind Deshpande und Shreeram Lagoo die Theatergruppe Rangayan und führte die Regie bei etwa 30 Stücken der Gruppe. Zum engeren Kreis von Rangayan gehörten zudem Damu Kenkre, Sulabha Deshpande und Madhav Watve. Die Zusammenarbeit von Mehta, Tendulkar und Lagoo veränderte Stil und Themen des indischen Theaters, indem sie zeitgenössische Stoffe über öffentliche Moral, Macht und Patriarchat auf die Bühne brachte. Studienreisen und Einladungen führten sie ins Vereinigte Königreich, nach Frankreich sowie in die BRD, DDR, UdSSR und USA.
Anfang der 1960er Jahre führte sie Brechts Der kaukasische Kreidekreis und Ionescus Die Stühle auf. Zu ihren wichtigen modernen Bühnenproduktionen auf Marathi gehörten C. T. Khanolkars Ek Shoonya Bajirao (1966) sowie die Stücke Sultan, Yatanaghar und Holi von Mahesh Elkunchwar im Jahr 1970. Nach einer zweijährigen Auszeit in London, die auf einen Bruch innerhalb von Rangayan folgte, kehrte Mehta nach Mumbai zurück und arbeitete auch im kommerziellen Theater, wobei sie Stücke bevorzugte, die gesellschaftlichen Wandel, Mittelschichtserfahrungen und Urbanisierung im Indien nach der Unabhängigkeit differenziert behandelten. Sie förderte neue Dramatiker wie C. T. Khanolkar, Jaywant Dalwi, Mahesh Elkunchwar und Anil Barwe und inszenierte mit Ajab Nyay Vartulaacha eine marathische Fassung von Brechts Der kaukasische Kreidekreis. Zu den Schlüsselarbeiten ihres späteren Theaters gehörten Mee Jinklo, Mee Harlo, Baiee, Khulabai, Barrister, Hamidabaichi Kothi, Wada Chirebandi, Ajab Nyaay Vartulaachaa und Purush. Besonders Barrister, Wada Chirebandi und Purush brachten ihr als Schauspielerin und Regisseurin neue Anerkennung, weil sie persönliche Beziehungen mit Fragen nach Staat und Individuum sowie Tradition und Moderne verbanden. Sie arbeitete an deutsch-indischen Theaterprojekten mit dem Regisseur Fritz Bennewitz, die Aufführungen von Bhasas Mudrarakshasa und Kalidasas Shakuntala mit deutschen Akteuren in Deutschland hervorbrachten. Später arbeitete sie auch mit Peter Brook bei dessen Filmprojekt Mahabharata zusammen. Zu den von ihr geförderten Schauspielerinnen und Schauspielern gehörten Nana Patekar, Reema Lagoo, Ashok Saraf, Bharati Achrekar, Vandana Gupte, Suhas Joshi, Neena Kulkarni, Vikram Gokhale, Mangesh Kulkarni und Pratima Kulkarni.
1980 trat sie in einer kleinen Rolle in Shyam Benegals Kalyug auf, um Benegals Regiestil zu studieren. Ihre Hinwendung zum Film stand auch im Zusammenhang mit dem indischen Parallelkino, insbesondere mit den Arbeiten Satyajit Rays, Benegals Ankur und Govind Nihalanis Aakrosh. Diese Erfahrung gab ihr genügend Rückhalt für ihr Regiedebüt beim Film. Für den staatlichen indischen Fernsehsender Doordarshan verfilmte sie 1983 unter dem Titel Smritichitre die Autobiografie von Lakshmibai Tilak, der Frau des Philosophen Narayan V. Tilak. Im Folgejahr trat sie in Govind Nihalanis Elkunchwar-Verfilmung Party auf. Mit dem auf einer Kurzgeschichte von B. K. Karanjia aus den frühen 1950er Jahren basierenden Pestonjee (1987) – einer im Bombayer Parsen-Milieu spielenden Geschichte – schuf sie einen vieldiskutierten Klassiker des Hindi-Films. Außer Pestonjee besteht das meiste ihres filmischen Werkes aus Fernsehadaptionen ihrer Bühnenstücke. In den 1980er Jahren inszenierte sie außerdem die medizinische Fernsehserie Life Line, die den Alltag in einem Krankenhaus abbildete.
1987 wurde sie zur Präsidentin des Akhil Bharatiya Natya Parishad gewählt. Von 1988 bis 1992 war sie Leiterin der National School of Drama in Delhi. 1993 wurde sie geschäftsführende Leiterin des National Centre for the Performing Arts in Mumbai. In diesen Funktionen gehörte sie zu den bedeutenden Theateradministratorinnen an zwei der wichtigsten indischen Kulturinstitutionen.
Sie war in erster Ehe mit Durga Khotes jüngerem Sohn Harin verheiratet und wurde bereits mit 27 Jahren Witwe. Danach ehelichte sie den Bühnenschauspieler Farrokh Mehta. Mehta war eine Nichte der Schauspielerin Nalini Jaywant und eine Kusine von Nutan und Tanuja. Sie starb am 30. Juni 2026 nach längerer Krankheit in ihrer Wohnung an der Nepean Sea Road in Mumbai im Alter von 91 Jahren. Sie hinterließ ihre Tochter Anahita, die ebenfalls im Theater tätig war, und zwei Söhne.
Filmografie 1980: Kalyug (Darsteller) 1983: Smritichitre (Regie, Darsteller) – Fernsehfilm 1984: Party (Darsteller) 1986: Rao Saheb (Regie, Darsteller) 1986: Shakuntala (Regie, Darsteller) – Fernsehfilm 1987: Sher Shivaji (Darsteller) 1987: Hamidabai Ki Kothi (Regie, Darsteller) – Fernsehfilm 1987: Haveli Bulund Thi (Regie, Darsteller) – Fernsehfilm 1987: Pestonjee (Regie) 1991: Lifeline (Regie, Darsteller) – Fernsehserie 2006: Quest (Darsteller)
Theater 1980: Kalidasa: Shakuntala (Regie) (Schauspielhaus Leipzig)
Auszeichnungen 1975: Sangeet Natak Akademi Award für ihre Theaterregien 1987: Padma Shri 1985: Beste Nebendarstellerin beim Asia-Pacific Film Festival für ihre Rolle in Party 1986: National Film Award als Beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in Rao Saheb
Weblinks
Biografie (Text überwiegend identisch mit dem in Encyclopaedia of Indian Cinema!)
Einzelnachweise
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