Geilshausen ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Rabenau im mittelhessischen Landkreis Gießen.
Ortsgeschichte mini|Kirche mit mittelalterlichem Wehrturm Mittelalter Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Orts erfolgte vor 1282/1283 in einem Kopiar, das zwischen 1290 und 1306 angelegt wurde: „... decimam in Gauwoldeshusenn“ (den Zehnten in Geilshausen) und: „... in Gawaldeshusen“ in einem Eppsteinischen Lehnsverzeichnis.Paul Wagner: Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse und Zinsregister des 13. Jahrhunderts. Wiesbaden 1927. Nr. 264; Nr. 333, S. 110. Dabei handelt es sich um das Lehen des Ritters Hermann Kalb, welches vorher im Besitz der Schenck zu Schweinsberg und nachfolgend der Herren von Nordeck zur Rabenau war. Ein weiteres Kopiar beinhaltet einen Eintrag aus der Zeit um 1300, der Mainzer Besitzungen auflistet: „... Sedes in Londorff: item Gewelshusen ...“Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 285.. (Sitze in Londorf, außerdem in Geilshausen.) Das Kopiar selbst wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts angelegt. Im Jahre 1304 verkauften die Grünberger Bürger Sigelo und Sehild dem Kloster Caldern einen Zins zum Martinstag, der von ihren beiden Höfen fällig wurde. Das Kloster Caldern besaß 1359 den sogenannten „Erweyssackisgud“ (Erbsensackgut), welches zu Landsiedelrecht verpachtet war.Friedrich Schunder: Klosterarchive. Regesten und Urkunden. Teil 3. Die oberhessischen Klöster. Band 1: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 9,3. Marburg 1961, Nr. 90, S. 147. Eine Urkunde von 1311 nennt den Ortsadligen „Henricus de Gowilshusen“.StAD, Urkunden Oberhessen, Geilshausen.
Der Ortsname Geilshausen ist von dem Rufnamen „Gawiwald“ abgeleitet wurde. Eine Verkürzung führte dem heutigen Namen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 128 f, S. 129.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Geilshausen:
Die bis dahin selbständige Gemeinde Geilshausen wurde zum 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Rabenau eingegliedert. Für den Ortsteil Geilshausen wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Geilshausen angehört(e): Staatszugehörigkeit Land oder Verwaltungseinheit Dauer der Zugehörigkeit Landgrafschaft Hessen-Marburg 1567–1604 Landgrafschaft Hessen-Darmstadt 1604–1806 Großherzogtum Hessen Fürstentum Oberhessen 1806–1815 Provinz Oberhessen 1815–1870 Provinz Oberhessen 1871–1918 Volksstaat Hessen,Landkreis Gießen 1918–1945 , US-Zone Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt,Landkreis Gießen 1945–1949 Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt,Landkreis Gießen 1949–1976 Hessen Regierungsbezirk Darmstadt,Lahn-Dill-Kreis 1977–1978 Hessen Regierungsbezirk Darmstadt,Landkreis Gießen 1979–1980 Hessen Regierungsbezirk Gießen,Landkreis Gießen seit 1973
Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Geilshausen das „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Londorf zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Rechte am Patrimonialgericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Geilshausen zuständig war.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Vom 1. Januar 1977 bis zum 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Geilshausen 756 Einwohner. Darunter waren 12 (1,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 108 Einwohner unter 18 Jahren, 315 zwischen 18 und 49, 174 zwischen 50 und 64 und 159 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 303 Haushalten. Davon waren 75 Singlehaushalte, 90 Paare ohne Kinder und 117 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 57 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 192 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.
Einwohnerentwicklung • 1577: 48 Hausgesesse • 1669: 88 Seelen • 1742: 1 Geistlicher/Beamter, 52 Untertanen, 15 Junge Mannschaften, 21 Beisassen/Juden • 1800: 363 Einwohner • 1804: 372 Einwohner • 1806: 387 Einwohner, 69 Häuser • 1829: 443 Einwohner, 86 Häuser • 1867: 406 Einwohner, 83 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 438 evangelische (= 98,9 %), ein römisch-katholischer (= 0,2 %), 4 jüdische (= 0,9 %) Einwohner • 1961: 617 evangelische (= 88,1 %), 76 römisch-katholische (= 10,8 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 153 Land- und Forstwirtschaft, 144 Prod. Gewerbe, 38 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 23 Dienstleistungen und Sonstiges.
Politik Für Geilshausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Geilshausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 62,48 %. Dabei wurden gewählt: je ein Mitglied der CDU und SPD sowie drei Mitglieder der Liste „Bürger für Ragenau“. Der Ortsbeirat wählte Markus Titz (BfRab) zum Ortsvorsteher.
Dorfkirche Die Evangelische Kirche hat einen gotischen Chorturm aus dem 15. Jahrhundert, der wehrhaften Charakter hat. Der 21 Meter hohe Kirchturm auf quadratischem Grundriss erhält sein ungewöhnliches Äußeres durch vier Pechnasen. In den 1950er Jahren wurde westlich ein Langhaus mit Satteldach angebaut.
Weblinks
Ortsteile In: Webauftritt der Gemeinde Rabenau.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Rabenau, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971