Birkelbach (mundartlich Baerkelbach) ist ein Ortsteil von Erndtebrück im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen mit etwa 820 Einwohnern.
Nachbarorte Birkefehl Schameder Aue Berghausen Röspe Womelsdorf Zinse
Geschichte mini|Birkelbach zwischen 1896 und 1900 mini|hochkant|Die evangelische Kirche in Birkelbach
Der erste urkundliche Beleg für Birkelbach findet sich im Jahr 1475.Günther Wrede: Territorialgeschichte der Grafschaft Wittgenstein. N. G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg 1927, S. 136–137. In einer Urkunde (Nr. 1058 im Fürstlichen Archiv Berleburg) verpfändete Graf Johann zu Wittgenstein am 9. Februar 1475 einige Wiesen in Birkelbach (Bergkelbach). Zu diesem Zeitpunkt war Birkelbach wahrscheinlich immer noch eine Wüstung. Angaben, die die erste urkundliche Erwähnung Birkelbachs auf das Jahr 1344 datieren, haben sich mittlerweile als Irrtum herausgestellt. links|mini|Henschel Glocke 1853 Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgte die Wiederansiedelung. 1538 gehört der Ort zum Hause Erndtebrück. 1590 erfolgt die Zuschlagung zum Amt Berleburg. Birkelbach wurde 1607 in das Kirchspiel Wingeshausen eingepfarrt. Ab dem Jahr 1619 besteht das eigene Kirchspiel. Die Evangelische Kirche in Birkelbach ist seit September 1991 in die Denkmalliste der Gemeinde Erndtebrück eingetragen.
Eine Glocke aus der ehemaligen Kirchengemeinde Birkelbach befindet sich im Henschel-Museum in Kassel. Sie wurde 1853 von Henschel und Sohn in Cassel gegossen und trägt die Inschrift „Kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken“. Gegossen wurde sie aus einer seinerzeit gesprungenen Glocke, die 1629 wahrscheinlich vom Jesuitenkollegium in Siegen für „16 Reichsthaler“ angekauft worden war.
Ab 1733 bestand die Schulzerei Birkelbach. Eine Erweiterung erfolgte 1819 zum Schultheißenbezirk Birkelbach mit Ortschaften Womelsdorf und Birkefehl. Birkelbach gehörte ab 1845 zum Amt Berghausen. 1914 wurde die Bahnstrecke Altenhundem–Birkelbach eröffnet.
Einwohnerentwicklung 1961: 1109 Einwohner 1970: 1016 Einwohner 1974: 1005 Einwohner 1992: 1095 Einwohner 1995: 898 Einwohner 1997: 861 Einwohner 2000: 874 Einwohner 2002: 846 Einwohner 2005: 875 Einwohner 2007: 849 Einwohner 2010: 794 Einwohner 2012: 819 Einwohner 2013: 810 Einwohner 2018: 801 Einwohner 2020: 800 Einwohner 2023: 809 Einwohner
Eingemeindung mini|Ortstafel Birkelbach
Seit der Gebietsreform, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, gehört der Ort, der zuvor eine selbstständige Gemeinde im damaligen Kreis Wittgenstein war, zur Gemeinde Erndtebrück.
Ehemalige Reifensteiner Schule bzw. Christliches Jugenddorf mini|links|Bild der Schulanlagen 1944 mini|Gartenanlagen der Schule 1985
Zu Ostern 1928 wurde eine Reifensteiner Schule eröffnet. Die Schülerinnenzahlen stiegen stetig an, intern lief die Schule unter dem Namen Wittgenstein.Ortrud Wörner-Heil: Frauenschulen auf dem Lande 1997
Ab September 1939 wurde die Schule als Reservelazarett eingeplant und ab 1944 fast alle Schülerinnen in Rüstungsbetrieben zwangsverpflichtet. Erst im November 1945 konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Von 1946 bis 1952 nahm die Schule die Mädchenabteilung der zerstörten Landwirtschaftsschule Erndtebrück auf. Ab Mitte der 1950er Jahre bis 1980 stiegen die Schülerinnenzahlen auf 170 an. Unter anderem Luz Leskowitz war 1960 als Siebzehnjähriger an der Frauenschule in Birkelbach aufgetreten.
Im Jahr 1980 wurde der erste männliche Schüler in die Schule aufgenommen, 1988 ein Buch zu einem festlichen Buffet veröffentlicht.Ingrid Gräfe, Das festliche Buffet der Reifensteiner Schule in Birkelbach. Verlag: Reifensteiner Schule Wittgenstein, Birkelbach, 1988 Mitte der 1980er Jahre allerdings begannen die Schülerinnenzahlen so stark zu sinken, dass trotz stetig veränderter Ausbildungsangebote der Reifensteiner Verband am 1. August 1990 seine Schule an das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e. V. übergab.
Die Schule wird als „Jugenddorf Wittgenstein – Reifensteiner Schule“ weitergeführt. Seitdem hat sich das Aufgabenspektrum auf die Jugendhilfe, Bildungsmaßnahmen, Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sowie Maßnahmen im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit erweitert.
Wirtschaft und Infrastruktur In Birkelbach gibt es das Beuter Holzenergiezentrum, welches Energieholz herstellt und vertreibt.
Verkehr mini|Haltepunkt Birkelbach
Der Haltepunkt Birkelbach liegt an der Bahnstrecke Erndtebrück–Bad Berleburg. Diese wird im Stundentakt von Regionalzügen bedient. Früher mündete hier die 1944 stillgelegte Bahnstrecke Altenhundem–Birkelbach.
Linie Verlauf Takt
Vereine Die Sportfreunde Birkelbach 1921 wurden im Jahr 1921 gegründet.
Im Jahr 1953 wurde der Schützenverein Birkelbach 1953 e. V. gegründet.
Persönlichkeiten Günther Saßmannshausen (1930–2010), Geologe und Manager, in Birkelbach aufgewachsen Waltraud Wende (* 1957), Germanistin, Kultur- und Medienwissenschaftlerin
Literatur Dorflesebuch, 525 Jahre Birkelbach, 1475–2000. Hrsg. Evangelische Kirchengemeinde Birkelbach, Dorfgemeinschaft Birkelbach, Eigenverlag 2000. Andreas Krüger: Die Ersterwähnung Birkelbachs. In: Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins, Jg. 74 (1986), S. 53–55.
Weblinks
Bibliographie Wittgenstein
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Erndtebrück Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Siegen-Wittgenstein) Kategorie:Ersterwähnung 1475 Kategorie:Gemeindeauflösung 1975