Obscura ( für „dunkel“) ist eine deutsche Technical-Death-Metal-Band, die 2002 in Landshut gegründet wurde.

Der Bandname bezieht sich auf das gleichnamige Gorguts-Album, welches seinerzeit wegen der vielen stilistischen Einflüsse innerhalb der Szene nur sehr verhalten aufgenommen wurde. Diese Herangehensweise, unterschiedlichste Stile miteinander zu kombinieren, prägt Obscura bis heute.

Geschichte

Gründung und Stilfindung Gegründet wurde die Band 2002 von Steffen Kummerer (Gitarre) und Jonas Baumgartl (Schlagzeug) unter dem Namen Illegimitation, wobei noch erhebliche Black-Metal-Einflüsse vorhanden waren. Kurz darauf übernahm Martin Ketzer den Gesang und den Bass und Armin Seitz die zweite Gitarre. In dieser frühen Formation wurden die ersten Konzerte, drei Mini-Touren sowie Festivals gespielt und 2003 unter Leitung von V. Santura (Dark Fortress) eine erste, selbstbetitelte Demo aufgenommen. metal-district.deInterview mit Steffen Kummerer. myrevelations.de, 2009.

Während der Vorbereitungen zum Debütalbum Retribution verließ ein Großteil der Mitglieder die Band wieder, sodass sich die Aufnahmen zunächst verzögerten. Schließlich wurde 2004 in einer neuen Besetzung das Debüt Retribution unter Alex Krull (Atrocity) aufgenommen, wobei jedoch wegen organisatorischer und finanzieller Probleme das Album erst 2006 offiziell erschien.CD-Review: Retribution. metal.de, Januar 2007. V. Santura übernahm auf diesem Album den Großteil des Gesangs. blistering.com (englisch). Das Album enthält eine Coverversion des Songs Lack of Comprehension von Death, bei dem laut Aussage der Bandmitglieder besonderer Wert auf eine originalgetreue Wiedergabe gelegt wurde.

Nach erneuten Besetzungswechseln wurde nun mit Markus Lempsch an der zweiten Gitarre und Jonas Fischer am Bass im Jahr 2006 die erste Europatour als Support von Suffocation gespielt. Im selben Jahr wurden außerdem verschiedene größere Festivals wie das deutsche Up from the Ground, Mountains of Death in der Schweiz und das tschechische Brutal Assault bespielt.

Markus Lempsch verließ im Frühjahr 2007 die Band und wurde durch Johannes Rennig (Profanity) ersetzt; im Sommer 2007 verließ auch Gründungsmitglied Jonas Baumgartl die Band. Mittels Seraph von Dark Fortress am Schlagzeug wurde im September 2007 dann die erste 4-wöchige Headliner-Tour durch Europa gespielt, nach deren Ende Jonas Fischer die Band verließ.

Ende 2007 traten Hannes Grossmann (ehemals Necrophagist) am Schlagzeug und Jeroen Paul Thesseling (ehemals Pestilence) am Bass der Band bei. Thesseling war bereits bei den Aufnahmen zu Retribution als Bassist im Gespräch. Anfang 2008 wurde bekannt gegeben, dass Christian Münzner (ehemals Defeated Sanity und Necrophagist) Johannes Rennig (ehemals Profanity) an der E-Gitarre ersetzt. Nach der Aufnahme einer Vorproduktion von drei Stücken des neuen Albums Cosmogenesis konnte ein Vertrag mit Relapse Records unterzeichnet werden.Interview mit Christian Münzner. metalunderground.com, Dezember 2008 (englisch). Nach Necrophagist war dies das zweite Signing einer deutschen Band bei Relapse Records.Interview mit Steffen Kummerer. stormbringer.at, April 2009.

Im Februar 2009 erschien schließlich via Relapse Records das zweite Album Cosmogenesis; es enthält Gastauftritte von Ron Jarzombek (Watchtower, Spastic Ink) und Tymon Kruidenier (Cynic). Neben der normalen CD-Version wurde es auch als Vinyl-LP veröffentlicht. Bei diesem Album war erneut V. Santura als Produzent tätig, er steuerte zudem bei vier Stücken Gesangsspuren bei. Mit dem Songwriting zu dem Album wurde bereits nach der Veröffentlichung von Retribution begonnen und ein großer Teil der Stücke entstand bereits zwischen 2004 und 2007. Insgesamt war die Band für die Aufnahmen etwa drei Monate im Studio, nachdem schon während der Verhandlungen mit Relapse Records erste Vorbereitungen liefen.Interview mit Steffen Kummerer. metalnews.de, März 2009.

Zum Song Anticosmic Overload wurde kurz nach Erscheinen des Albums ein Musikvideo veröffentlicht. Dieses stellte gleichzeitig eine frühe Semesterarbeit von Kummerer dar, der Medientechnik mit Schwerpunkt Audio-/Videotechnik studiert.

Die Cosmogenesis Worldtour startete im April 2009 in den USA/Kanada als Support der Band Cannibal Corpse. Mit weit über 160 Konzerten in den USA, Europa und Japan beendeten Obscura ihre Welttournee mit einem abschließenden Auftritt in Mexiko nach über zwölf Monaten kontinuierlichen Tourens.

Im Februar 2010 erschien das zweite Re-Release des Debüts Retribution via Relapse Records, remastered und mit zwei neuen Coversongs (je ein Song von Suffocation und Morbid Angel) als Bonus. Eine Japantour zusammen mit Nile und Triptykon folgte im Sommer 2010. Auf dieser wurde Thesseling wegen terminlicher Probleme durch Steve DiGiorgio vertreten.Interview mit Steffen Kummerer. vampster.de, Juni 2010. Eine spezielle Japan-Ausgabe von Retribution enthält zwei weitere Coversongs (je ein Song von Behemoth und Vader). Im Juni 2010 begannen schließlich die Aufnahmen zum Nachfolgewerk zu Cosmogenesis.

Das dritte Studioalbum Omnivium erschien am 1. April 2011 in Deutschland und den Benelux-Ländern, im restlichen Europa am 4. April;Obscura-Blog: Omnivium contest! myspace.com, 2. März 2011 (englisch). in den USA erschien es bereits am 29. März.Obscura-Blog: Omnivium Available Now in North America… myspace.com, 30. März 2011 (englisch). Vorab wurde bereits das Stück Seaptuagint sowie ein Album-Teaser mit dem Stück Vortex Omnivium veröffentlicht. Seit dem 23. März ist das Album zudem komplett als Stream auf Myspace zu hören.Obscura-Blog: Omnivium Streaming Online Now! myspace.com, 23. März 2011 (englisch). Im Anschluss an die Albumveröffentlichung findet eine Europatour zusammen mit Hate Eternal und Beneath the Massacre statt,Obscura-Blog: Brand New Track From ‘Omnivium’ Debuts! myspace.com, 19. Januar 2011 (englisch).Obscura-Blog: New Track Debut and European Tour Dates Announced! myspace.com, 24. Februar 2011 (englisch). auch eine Nordamerika-Tour ist geplant. Wie die vorherigen Alben wurde auch Omnivium in den Woodshed Studios von V. Santura aufgenommen. Insgesamt war die Band dafür fast 5 Monate im Studio.Interview mit Steffen Kummerer. metal.de, März 2011. Das Album enthält Gastauftritte von Tommy Talamanca (Sadist) und Morean (Dark Fortress).

Im September 2011 stellte die Band in einer Videobotschaft Linus Klausenitzer (Noneuclid, Fall of Serenity) als ihren neuen Bassisten vor, der Obscura bereits zuvor auf Konzerten und auf der Omnivium-Europatournee unterstützt hatte.

Im Juli 2014 verließen sowohl Gitarrist Christian Münzner als auch Schlagzeuger Hannes Grossmann die Band. Münzner gab die langwierige und mit anstrengenden und umfangreichen Tourneen unvereinbare Genesung seiner Fokalen Dystonie, welche ihn bereits seit Jahren teilweise massiv einschränkte, an. Er gab weiterhin an, mit dem Herzen nicht mehr vollständig in der Musik der Band zu sein. Hannes Grossmann begründete seinen Ausstieg mit Differenzen zwischen ihm und Steffen Kummerer hinsichtlich der musikalischen Konzeption des neuen Albums, die zu groß zu werden begannen. Beide scheidenden Musiker betonten, dass es kein böses Blut zwischen ihnen und der Band gebe.Statements von Christian Münzner und Hannes Grossmann. facebook.com/RealmOfObscura, Juli 2014.

Im April 2020 gaben Obscura auf ihrer Webseite bekannt, dass Gitarrist Rafael Trujillo, Bassist Linus Klausenitzer und Schlagzeuger Sebastian Lanser aufgrund musikalischer Differenzen die Band verlassen. Kummerer kündigte im selben Atemzug die bevorstehende Produktion des sechsten Albums an, welches zudem das erste unter dem neuen Label Nuclear Blast werden würde. Eine Woche später wurde seitens Obscura die Rückkehr von Bassist Jeroen Paul Thesseling bekanntgegeben. Im Mai stieß mit David Diepold ein neuer Schlagzeuger hinzu und wenig später wurde auch die Rückkehr von Münzner als Gitarrist bestätigt. Am 19. November 2021 wurde schließlich das sechste Studioalbum A Valediction veröffentlicht.

Im September 2024 wurde ein weiterer Besetzungswechsel mit der Ankündigung einer Europatour mit Rings of Saturn und Gorod im Februar 2025 bekanntgegeben. Neben Kummerer besteht die Besetzung nun aus Kevin Olasz an der Gitarre, Robin Zielhorst (Exivious) am Bass und James Steward (u. a. Vader, Decapitated) am Schlagzeug. Ihr siebtes Studioalbum A Sonication wurde in dieser Besetzung aufgenommen und am 7. Februar 2025 ebenfalls von Nuclear Blast veröffentlicht. Es folgte eine Tour durch die Vereinigten Staaten im April und Mai desselben Jahres mit Atheist, Origin, Decrepit Birth und Fractal Universe. Zudem wurde eine zweite Europatour für September und Oktober 2025 mit Suicidal Angels, Hideous Divinity und Sadist angekündigt.

Stil

Musik Obscura spielt Technical Death Metal mit sehr abwechslungsreichen Songstrukturen. So gibt es immer wieder Tempowechsel, akustische Zwischenspiele oder mit Vocoder verfremdete Gesangspassagen. Vor allem wegen letzterem wird die Band häufig mit Cynic verglichen; auch eine stilistische Nähe zu Atheist und Death wird gelegentlich attestiert. Diese Bands waren ursprünglich die Haupteinflüsse von Obscura auf technischer Seite; in Bezug auf Harmonie beeinflussten vor allem Emperor, Dissection und Dream Theater die Band.Interview mit Steffen Kummerer. blowthescene.com, 18. März 2011 (englisch).

Die Musik enthält heute vermehrt Merkmale aus Stilen außerhalb des Metals, etwa Fusion, Progressive Rock, Klassik oder auch Flamenco. In verschiedenen Reviews wurde festgestellt und auch seitens der Band bestätigt, dass bei Obscura der eigentliche Song gegenüber der Technik im Vordergrund stehe:

Das Debütalbum Retribution ist im Vergleich zu den Nachfolgern weniger technisch und musikalisch noch eher vom klassischen Death Metal inspiriert. Der Hang zu philosophischen Texten findet sich jedoch bereits hier (Hymn To A Nocturnal Visitor).CD-Review: Retribution (Wiederveröffentlichung), Februar 2010. musikreviews.de metalnews.de metalnews.de, März 2009.CD-Review: Cosmogenesis. In Rock Hard, Nr. 236, Ausgabe 12/2006.

Auf Cosmogenesis ist das Songwriting dagegen weitaus komplexer und stellenweise progressiv, dennoch sind die Songs nachvollziehbar und schlüssig strukturiert. In der Szene wurde das Album äußerst positiv aufgenommen und erreichte vielerorts Höchstnoten.CD-Review: Cosmogenesis. metal.de, Februar 2009. metalnews.de, Februar 2009.CD-Review: Cosmogenesis. musikreviews.de, April 2009.CD-Review: Cosmogenesis. vampster.de, Februar 2009. In: Metal Hammer, Ausgabe 02/2009.CD-Review: Cosmogenesis. In: Rock Hard, Nr. 262, Ausgabe 02/2009. Hin und wieder finden sich Einflüsse aus anderen Musikstilen; so ist etwa das Bassspiel von Thesseling durch seine Mitwirkung in verschiedenen Latin-Musikgruppen teilweise von dieser Musik inspiriert („Incarnated“), oder es finden sich klassische Passagen (etwa der barocke Zwischenteil in Universe Momentum, siehe unten).In the Studio with Obscura – Universe Momentum. youtube.com (englisch; Münzner und Thesseling erläutern den Songaufbau). Celestial Spheres weist Ähnlichkeiten zu typischen Cynic-Songs auf, ist aber in Wirklichkeit von einem Klavierstück Aziza Mustafa Zadehs beeinflusst.

800px|mini|zentriert|Barockes Thema in einem Zwischenspiel im Stück Universe Momentum, gespielt von zwei Akustikgitarren und Bass.

Thesseling hatte bei der Ausarbeitung seiner Bassspuren relativ freie Hand, doch wurden die Grundideen seitens der Band vorgegeben und ausnotiert. Bei der Abmischung des Albums wurde sein Fretless Bass durch die Anhebung einiger Frequenzbänder besonders betont, so dass dieser in den Songs deutlich hervorsticht. Vereinzelt wurde diese starke Betonung negativ aufgefasst, da der Bass dadurch zum Beispiel „zu penetrant […] und damit einfach zu aufdringlich“ sei.CD-Review: Cosmogenesis. chroniclesofchaos.com, August 2009 (englisch). Kummerer dazu: