mini|Historischer Rollladen in Bozen-Gries mit der Produktionsbezeichnung Wien-Währing, XVIII. Weinhauserstrasse 55, ca. 1910 Die Währinger Straße ist eine der wichtigsten Ausfallstraßen in Wien. Sie verläuft mit einer Länge von 3,14 Kilometer von der Maria-Theresien-Straße im 9. Bezirk, Alsergrund, nach Gersthof im 18. Bezirk, Währing.

Lage Die Währinger Straße beginnt beim Schottentor, an der Grenze zwischen der Inneren Stadt und dem Alsergrund. Bei der Volksoper kreuzt sie den Währinger Gürtel, die Grenze zwischen 9. und 18. Bezirk, und ändert ihre Richtung leicht von Nordwest auf Westnordwest. Hier befindet sich auch die U-Bahn-Station Währinger Straße-Volksoper der auf dem Gürtel zumeist in Hochlage verlaufenden Linie U6.

Weitere öffentliche Verkehrsmittel, durch die die Währinger Straße erschlossen ist, sind im 9. Bezirk die Straßenbahnlinien 37, 38, 40, 41 und 42, im 18. Bezirk die Linien 40 und 41. Vom Aumannplatz in Währing westwärts zur Station Gersthof verlaufen die Gleise in der parallelen Gentzgasse. Schließlich endet die Straße bei der Station Gersthof der Vorortelinie.

Straßenname Benannt ist die Währinger Straße nach der bis 1892 selbstständigen Gemeinde Währing. Im 9. Bezirk wurde der Name 1862 amtlich, im 18. Bezirk 1894.

Der Name wurde erstmals etwa 1170 als Warich urkundlich verzeichnet. Über die Herkunft des Namens gibt es nur Vermutungen. Möglicherweise ist er slawischen (var für warme Quelle) oder germanischen Ursprungs (werich für Tagwerk, d. h. ein Feld in einer Größe, wie es ein Mann an einem Tag bearbeiten kann), womöglich leitet er sich auch von Werigandus, dem ersten Abt des Klosters Michelbeuern, ab. Ein weiterer möglicher Ursprung des Namens könnte sich auf die slawische Landnahme zurückführen, gehen doch Döbling (Toplica = warmer Bach) und Währing (Varica = dunkler Bach) auf slawische Toponyme zurück.

Der Teil von der heutigen Sensengasse bis zur Als (Spitalgasse) hieß ab 1801 Hohlweg bzw. Hollweg. Die Bezeichnung Neuburgerstraße – erstmals 1314 als Niuwenburger straze erwähnt – für die Währinger Straße scheint in den Grundbüchern bis zur Gegend der heutigen Boltzmanngasse auf. Das Gebiet von der heutigen Van-Swieten-Gasse bis zur Lazarett- bzw. Spitalgasse hieß um 1818 Herzogspeint bzw. Herzogspeundt. Im 18. Bezirk hieß die Straße früher Zwanzigerzeile und Zweiunddreißigerzeile, später in Währing Hauptstraße und in Weinhaus Währing-Weinhauser Straße.

Geschichte mini|Der Anfang der Währinger Straße (rechts) bei Schottentor und Votivkirche, anno 1900 mini|Der Verlauf der Währinger Straße auf einem Stadtplan von 1856 mini|Provisorisches Abgeordnetenhaus auf Nr. 2–4, 1861–1883, dahinter der noch unverbaute Schottenring Die Straße wurde urkundlich zum ersten Mal 1314 erwähnt. Damals wurde im Urbar des Schottenklosters eine Neuburger Straße genannt. Bis in das 19. Jahrhundert stellten sich weite Teile des neunten Bezirks als Aulandschaft mit zahlreichen, später begradigten, zugeschütteten oder eingewölbten Wasserläufen dar; deshalb verlief diese Neuburger Straße nicht direkt am späteren Donaukanal nach Norden.

Nach den beiden Türkenbelagerungen wurde die Gegend im 18. Jahrhundert beliebter Ort für Gärten des Adels, – wie den direkt an der Währinger Gasse gelegenen, großen Dietrichsteingarten, in dem später das Palais Dietrichstein, heute Palais Clam-Gallas, gebaut wurde, und das nordöstlich anschließende, tiefer gelegene Gartenpalais Liechtenstein. Südwestlich der Währinger Gasse etablierten sich medizinische Institutionen, an die das Allgemeine Krankenhaus anschloss. Wo sich heute die zentrumsnächsten Häuserblöcke der Straße befinden, erstreckte sich bis 1858 bis zur Hausnummer 9, Ecke Schwarzspanierstraße, bzw. 16, Ecke Berggasse, das Glacis als freies Schussfeld und Landschaftspark vor der Stadtmauer.

Die Geschichte der Währinger Straße in der heutigen Form begann, als die Als, die die Straße an der heutigen Kreuzung mit dem Straßenzug Spitalgasse–Nussdorfer Straße im 9. Bezirk kreuzte, 1840 eingewölbt und als 1850 die Vorstädte innerhalb des Linienwalls nach Wien eingemeindet wurden. Nun wurde die Währinger Straße begradigt und 1855 vom Tal der Als bergauf bis zum Linienwall verlängert.

Der Währinger Teil zwischen Gürtel und Martinstraße war jahrhundertelang die Hauptstraße eines ländlich geprägten (aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Kleinstadt gewachsenen) Vorortes, was heute noch am verschlungenen Verlauf im Kontrast zum sichtachsenartig angelegten Teil am Alsergrund gut zu erkennen ist. Dort wurde die Straße 1862 amtlich Währinger Straße benannt. In Währing hieß sie nach wie vor Hauptstraße und wurde dort in den 1870er Jahren gepflastert; in Weinhaus wurde sie als Währing-Weinhauser Straße bezeichnet.

Mit der Eingemeindung vieler Vororte nach Wien, darunter Währing und Weinhaus, die 1890 beschlossen und am 1. Jänner 1892 wirksam wurde, erhielt die Straße ihre heutige Länge und 1894 auch in Währing den heutigen Namen. Das Linienamt an der bisherigen Stadtgrenze wurde 1891 geschlossen, der Linienwall 1893–1901 eingeebnet. 1898 wurde die Volksoper an der Kreuzung Währinger Straße / Währinger Gürtel fertiggestellt.

In dieser Zeit wurde auch die k.k. Stadtbahn (Architektur: Otto Wagner) gebaut, deren 1898 eröffnete Gürtellinie (seit 1925, von der Gemeinde Wien gepachtet, elektrifiziert und im Tarifverbund mit der Straßenbahn, Wiener Elektrische Stadtbahn, seit 1989 U-Bahn-Linie U6) die Währinger Straße als Hochbahn überquert und dort die Station Währinger Straße-Volksoper bedient. (Unter dem Viadukt hindurch sieht man vom Straßenteil im 9. Bezirk den Beginn des Straßenteils im 18. Bezirk; da die Straße hier stadtauswärts nach links knickt, ist der weitere Straßenverlauf in Währing aber nicht zu sehen.)

Die Vorortelinie der Stadtbahn am westlichen Ende der Währinger Straße wurde ebenfalls 1898 in Betrieb genommen; nach jahrzehntelangem Fehlen des Personenverkehrs wurde dieser 1987 von den ÖBB mit der S-Bahn-Linie S 45 wieder aufgenommen.

Die Bezirksgrenze zwischen 9. und 18. Bezirk verlief hier einen Häuserblock innerhalb des Währinger Gürtels, so dass die Volksoper zum 18. Bezirk zählte. Durch das niederösterreichische Landesgesetz vom 28. Dezember 1904 wurde festgelegt, dass diese Bezirksgrenze an die Gürtelstraße verlegt sei.Art. VII § 2 Abs. 2 lit. b Gesetz vom 28. Dezember 1904, Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Wien, Nr. 1 / 1905 In der dazugehörigen Kundmachung des niederösterreichischen Statthalters vom 7. Juni 1905Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Wien, Nr. 104 / 1905 wurde konkretisiert, dass die neue westliche Grenze des 9. Bezirks an der „westlichen Grenze des Stadtbahnkörpers“ verlaufe (somit der innere Gürtel und die heutige U-Bahn-Trasse zum Bezirk Alsergrund gehöre) und ab 1. Juli 1905 gelte. Seither ist die Volksoper im 9. Bezirk.

Wichtige Adressen Gebäude mit ungeraden Nummern befinden sich an der südwestlichen bzw. südlichen Straßenseite, Gebäude mit geraden Nummern an der nordöstlichen bzw. nördlichen Seite.

9. Bezirk mini|Nr. 10: Das alte Chemische Institut mini|Nr. 25: Josephinum mit dem Museum für Geschichte der Medizin Abschnitt von der Maria-Theresien-Straße bis zu Spitalgasse / Nussdorfer Straße (Nummern bis 69 und 78) Nr. 2–4: Hier stand 1861–1883 das als Schmerlingtheater ironisierte provisorische Abgeordnetenhaus des Reichsrates, bis 1866 Parlament der Gesamtmonarchie, ab 1867 nur der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder. Der Reichsrat beschloss 1867 die bis zum Ende der österreichischen Monarchie 1918 gültige Dezemberverfassung. Nr. 6–8: Hier befand sich 1887–1908 der Sitz der Marinesektion des k.u.k. Kriegsministeriums. Das Ministerium selbst hatte seinen Sitz damals Am Hof. Nr. 10: Altes Chemisches Institut, 1869–1872 von Heinrich von Ferstel im Stil der Neurenaissance (Sichtziegel) erbaut. Nr. 13: Anatomisches Institut der Medizinischen Universität Wien (1950 / 1951) mit erhaltenem Mittelteil des im Bombenkrieg 1945 ansonsten zerstörten historistischen Gebäudes. Nr. 11–13 bis 1852 k.k. Feuergewehrfabrik, nach deren Verlegung in das Wiener Arsenal Unterkunft für Militärmannschaften; später in den 1850er-Jahren Ort verschiedener k.k. Ämter, dann auch von Hörsälen der medizinischen Fakultät der Universität Wien, einer Abteilung der Militär-Polizeiwache sowie der Kunstgewerbeschule des Museums für Kunst und Industrie Nr. 13A: Pharmakologisches Institut; Backsteinbau, erbaut 1898. Nr. 19, Ecke Lackierergasse: Quartier für Obdachlose und Studierende unter dem Namen VinziRast mittendrin in einem Biedermeierhaus; initiiert von Cecily Corti (Vinzenzgemeinschaft St. Stephan). Nr. 25: Im barockklassizistischen Josephinum befindet sich das Institut für Geschichte der Medizin mit einer außergewöhnlichen Sammlung anatomischer Wachspräparate aus dem 18. Jahrhundert. Nr. 26: Gedenktafel für Mozart, der hier 1789 / 1790 in einem Gartenhaus Così fan tutte komponierte. Nr. 30–36: Palais Clam-Gallas, zuvor Palais Dietrichstein, heute vom Lycée Français de Vienne genutzt, in einem großen Privatpark. Nr. 38–42: Vor dem Chemischen und dem Physikalischen Institut der Universität Wien, 1908–1915 bei der Abzweigung der Boltzmanngasse auf dem Platz eines ehemaligen Armenversorgungshauses bzw. der k.k. Tabakregie errichtet, steht das von Wilhelm Frass gestaltete und 1935 enthüllte Denkmal für den erfolgreichen Chemiker und Unternehmer Carl Auer von Welsbach, Erfinder des Gasglühlichts. Nach ihm sind eine Gasse, ein Park und eine Straße benannt, 1956–1966 war sein Porträt auf dem 20-Schilling-Schein zu sehen. Nr. 41: Hier wohnte 1868–1876 der Komponist Anton Bruckner. Nr. 43: Im Gebäude der Bezirksvorstehung für den 9. Bezirk befindet sich das Bezirksmuseum Alsergrund, das eine Doderer-Gedenkstätte, einen Erich-Fried-Gedenkraum und ein Schnitzler-Memorial umfasst. Nr. 45: Auf dem Grundstück Ecke Spitalgasse stand einst ein Bürgerversorgungshaus, das 1928 abgerissen wurde. Dann legte die Stadtverwaltung hier den 1949 so benannten, großen Arne-Karlsson-Park an, in dem sich Denkmäler für den Röntgenologen Guido Holzknecht und für den schwedischen „Engel von Sibirien“, Elsa Brandström, befinden. Unter dem Park erstreckt sich ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Nr. 48: Wohnhaus der Musikerfamilie Sirota mit ihrer Tochter Beate Sirota, die 1945 Teile der japanischen Verfassung zu Frauenrechten konzipierte.Irene Suchy: Engagierte Grenzgängerin. wienerzeitung.at, 15. Januar 2013, abgerufen am 25. März 2013 Nr. 50: Gegenüber dem Arne-Karlsson-Park wohnte unweit der Strudlhofstiege, die er als Titel für seinen bekanntesten Roman wählte, von 1956 bis zu seinem Tod 1966 der Autor Heimito von Doderer. Einrichtungsgegenstände seines Arbeitszimmers wurden von seiner Witwe dem Bezirksmuseum (siehe Nr. 43) geschenkt.

Abschnitt von Spitalgasse / Nussdorfer Straße bis zum Währinger Gürtel Nr. 59: Eindrucksvolles Zeugnis der Frühindustrialisierung Wiens ist die ehemalige Lokomotivfabrik Georg Sigls auf Nummer 59. Bis 1873, als das Werk infolge der sogenannten Gründerkrise schließen musste, wurden hier Lokomotiven, Dampfmaschinen und Dampfkessel erzeugt. Von der Währinger Straße aus ist das ehemalige Direktions- und Wohngebäude mit zwei allegorischen Figuren, Technische Wissenschaft bzw. Maschinenbau darstellend, über dem Rundbogeneingang zu sehen. Von 1884 bis 1979 / 1980 befand sich in der weitläufigen, aus mehreren Höfen bestehenden Anlage die Technologisches Gewerbemuseum genannte höhere Lehr- und Versuchsanstalt. Seit 1981 beherbergen die Gebäude das alternative Kultur- und Veranstaltungszentrum WUK (Stiege 1–5) und das FZ – FrauenLesbenMigrantinnenMädchenZentrum („Frauenturm“, Stiege 6).