St. Peter (Petersberg) 400px|St. Peter (Liobakirche) St. Peter (Liobakirche), vom Rauschenberg aus gesehenOrt PetersbergKonfession römisch-katholischDiözese Bistum FuldaPatrozinium St. Peter Baujahr 830er Jahre Bautyp Saalkirche mit Krypta Funktion Pfarrkirche
mini|Eingang von St. Peter Die Kirche St. Peter ist eine dem Heiligen Petrus zwischen 836 und 838 geweihte,Manuel Raisch: Lioba, S. 76. mittelalterliche Bergkirche des ehemaligen Benediktinerklosters in Petersberg bei Fulda in Osthessen, die zum Bistum Fulda gehört.
Seit etwa 1020 wurde die Anlage als Mons sanct Petri bezeichnet.Dehio, S. 741. Ihre Gewölbe gehören zu den ältesten oberirdischen Kirchenbauten Deutschlands und enthalten bauzeitliche und damit die ebenfalls ältesten erhaltenen Wandmalereien Deutschlands.Kenner: Die vorromanischen Wandmalereien, S. 371.
In der Krypta war die Heilige Lioba bestattet, weshalb sie auch Liobakirche genannt wird. Seit 1995 befindet sich das Schädel-Reliquiar der Heiligen wieder in der Kirche.Manuel Raisch: Lioba, S. 78.
Am 25. September 2016 wurde eine multimediale Kirchenführung eröffnet. Sie ist immer zu den Öffnungszeiten der Kirche zugänglich. 52 Filme zwischen einer und drei Minuten erklären die Kirche und ihre Geschichte im Detail, die Krypta sowie das Leben der Heiligen Lioba.
Geografische Lage mini|links|Die ältesten erhaltenen Wandmalereien Deutschlands
Die Bergkirche liegt auf dem alleinstehenden Petersberg, einer Basaltkuppe, im Zentrum des gleichnamigen Ortes bei Fulda und ist durch ihre exponierte Lage weithin sichtbar. Von der Kirche bietet sich ein weiter Ausblick über das Fuldaer Becken mit dem Fluss Fulda, der gleichnamigen Stadt, Petersberg, Künzell und weiteren umliegenden Orten sowie auf das westliche Rhönvorland und die hessische Kuppenrhön.
Von der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und der in nur knapp einem Kilometer Entfernung vorbeiführenden Bundesautobahn 7 ist die Kirche auf dem Petersberg gut zu sehen. Seit 2011 weisen dort zwei touristische Hinweisschilder auf die „Grabeskirche der hl. Lioba“ hin.
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Geschichte Eine erste Kirche an dieser Stelle wurde vermutlich unter dem Abt Baugulf von Fulda an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert errichtet. Der Fuldaer Abt Rabanus Maurus ließ in den 830er JahrenBauzeitliches Holz aus den Jahren 834/835 konnte dendrochronologisch bestimmt werden. Vgl. Kenner: Die vorromanischen Wandmalereien. auf dem Petersberg in der Nähe des Klosters Fulda eine dreischiffige Basilika und ein Benediktinerkloster errichten. Zur Weihe der Kirche, die am 28. September 836, 837 oder 838 stattfand,Susanna Bullido del Barrio: „Iuxta decreta“. Überlegungen zu Hrabanus Maurus und seinem Martyrologium. In: Marc-Aeilko Aris, Susanna Bullido del Barrio (Hrsg.): Hrabanus Maurus in Fulda. Mit einer Hrabanus Maurus-Bibliographie (1979–2009) = Fuldaer Studien 13. Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-7820-0919-5, S. 189–218 (S. 194, Anm. 21). ließ Rabanus Maurus die Gebeine der Heiligen Lioba von der Fuldaer Stiftskirche in die Krypta der Peterskirche überführen.
Nach der Zerstörung der Gebäude auf dem Petersberg durch einen Überfall von Ungarn 915 ließ der Fuldaer Abt Haicho die ausgebrannten Gebäude wiederherstellen. Weitere Beschädigungen erfolgten 1327/1331, in den Bauernkriegen des 16. Jahrhunderts und im Dreißigjährigen Krieg. Die Gebeine der Heiligen Lioba wurden zu einem unbekannten Zeitpunkt wieder in die Stiftskirche nach Fulda gebracht. Der zurückgebliebene leere Steinsarkophag der Heiligen wurde selbst zu einer Stätte, von der Wunderheilungen erwartet wurden.Leinweber: St. Lioba, S. 26f. Dazu gibt es in der Krypta der Peterskirche ein barockes Wandbild, das die entsprechende Zeremonie zeigt:Christine Kenner: Die Petersberger Kirche zwischen Kontinuität und Wandel. In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 10–34 (15). Mütter legten die Kleider ihrer kranken Kinder in den leeren Sarkophag, um so die Fürbitte der Heiligen und Heilung für sie zu erlangen, und für einen kurzen Moment auch die Kinder selbst. Die Kinder schrieen vor Schreck, wenn sie in den kalten, dunklen Sarkophag gebettet wurden. Dieser wurde deshalb im Volksmund auch „Schreistein“ genannt.Jürgen Sauerbier: Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen – St. Peter. In: Susanne Bohl und andere (Hrsg.): Fulda. 50 Schätze und Besonderheiten. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0425-0, S. 42–46, hier S. 46. 1915 verbot der damalige Pfarrer diese Praxis.
Im Jahr 1298 wurde in Petersberg aus Abtretungen der Großpfarrei Margretenhaun eine eigene Pfarrei errichtet; die Klosterkirche diente nunmehr auch als Pfarrkirche. Der Grundbesitz der Kirche bildete das Propsteiamt Petersberg.
Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster im Jahre 1802 aufgelöst. Von den alten Klostergebäuden blieb nur die Orangerie erhalten. Die Pfarrei blieb weiter bestehen, bekam 1957 mit der Rabanus-Maurus-Kirche aber eine neue Hauptkirche, St. Peter ist weiterhin aber Pfarrkirche. Im September 2007 wurde zum 1225. Todestag der Heiligen Lioba mit der Cella St. Lioba eine neue Niederlassung der Benediktinerinnen von der heiligen Lioba begründet, die in einem modernen Klosterbau auf den Überresten der Orangerie untergebracht ist.Cella St. Lioba – Petersberg/Fulda, Homepage. 1995 wurde die Schädelreliquie der Heiligen Lioba in die Krypta der Peterskirche zurückgebracht. Das Reliquiar und der Deckel des Steinsarkophages von 836 sind Werke der Fuldaer Benediktinerin Lioba Munz.
Baubestand mini|Innenraum, Blick auf den Altar mini|Der barocke Hauptaltar mini|Südwand des Kirchenschiffs
Der dreiteilige Chor, die Vierung und die ebenfalls dreiteilige Krypta weisen zu einem erheblichen Teil aufgehendes Mauerwerk aus der Karolingerzeit auf.Kenner: Die vorromanischen Bauteile; Schopf: Ergebnisse; Weiß: Die Ausgrabung. In der Krypta befinden sich drei Apsiden mit je einem Altar. Hinter dem mittleren Altar befindet sich der heute leere Sarkophag der Heiligen Lioba. Chorturm und westlicher Glockenturm sind romanisch. Das ursprünglich dreischiffige, ebenfalls romanische Langhaus wurde 1479 durch eine einschiffige, spätgotische Halle ersetzt.Dehio, S. 743. Die Dachlandschaft der Kirche besteht aus sechs voneinander unabhängigen Dächern. Die ältesten, die der Kirchenhalle und von Sakristei und Nebenchor, stammen von 1478/80.Zwicker: Die Dachwerke, S. 234.
Im Barock wurde das Innere der Kirche „modernisiert“, was in späteren Restaurierungsphasen teilweise zurückgenommen wurde. Restaurierungen fanden 1889, 1907, 1930, 1954, 1974Dehio, S. 742. und zuletzt von 2002 bis 2007 statt.Sichau u. Hangleiter: Die Instandsetzungsmaßnahmen. Von der Ausstattung hervorzuheben sind acht romanische Steinreliefs aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.Fozi: Herrscher und Heilige.
In der Kirche befinden sich auch Grab und Grabplatte des Fuldaer Chronisten Apollo von Vilbel († 1536). Er war hier Propst und zudem Abt des Klosters Limburg in der Pfalz.Webseite zur Grabplatte des Apollo von Vilbel
Orgel mini|links|hochkant=1|Die Orgel in St. Peter
Die Orgel der Kirche wurde 1895 als op. 523 von Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) erbaut. Das Instrument hat eine mechanische Kegelladen-Traktur und verfügt über folgende Disposition:Orgel von St. Peter auf der Webseite des Bistums Fulda
I. Manual Bordun 16′ Principal 8′ Viola di Gamba 8′ Hohlfloete 8′ Gedeckt 8′ Octave 4′ Floete 4′ Rauschquinte II ′, 2' Mixtur IV II. Manual Geigenprincipal 8′ Salicional 8′ Lieblich Gedeckt 8′ Flauto dolce 4′ Pedal Violon 16′ Subbass 16′ Octavbass 8′ Koppeln: Pedalcoppel, Manualcoppel, Collectivpedal (als Pedaltritte).
Liste bekannter Pröpste Gundelahus, 1174, HStAM, Urk. 77, 1105 Berengoz, 1195, HStAM, Urk. 100, 4815 Hartmann, 1212, HStAM, Urk. 77, 1356 Rudolph, 1223, HStAM, Urk. 77, 1106 Berthold, urkundlich erwähnt 1234, HStAM, Urk. 77, 1107 und 1245, HStAM, Urk. 77, 923 Bertho (II von Leibolz), urkundlich erwähnt 1250, HStAM, Urk. 77, 923, 1257 Johann, urkundlich erwähnt 1258, HStAM, Urk. 26, 1273 Gottfried von Steckelberg, um 1299 bis mindestens 1328 Dietrich von Bimbach (Haus Fuchs), um 1353 Giso (Gyse) von Haun (Hune), um 1387–1401 Johann von Buchenau, um 1443–1449 Johann Nasse von Linsingen, um 1471Hessisches Staatsarchiv Marburg, Bestand Urkunden 77, Nr. 1147 Wilkin von Küchenmeister, 1475–1488 Philipp von Herda, um 1492 Apollo von Vilbel, um 1515–1522 Philipp Schenck zu Schweinsberg, 1536–1550, wurde 1541 Fürstabt und behielt die Propstei bei, auch Propst von Rasdorf, Johannesberg und Frauenberg Wolfgang Dietrich von Eusigheim, 1550–1558, gleichzeitig Fürstabt, gleichzeitig Propst von Johannesberg, Frauenberg, zuvor Propst von Holzkirchen, auch von Thulba Wolfgang Schutzbar gen. Milchling, 1558-1567, gleichzeitig Fürstabt und Propst auf dem Johannesberg und auf dem Frauenberg Balthasar von Dernbach, um 1585 Johann Friedrich von Schwalbach, um 1608, zuvor Propst auf dem Michaelsberg, auf dem Andreasberg, in Blankenau, 1606 Fürstabt Petrus von der Feltz (Fels), 1613 bis mindestens 1624 Johann Adolf von Hoheneck, 25. Juli 1625 bis 1635, 1633–1635 Fürstabt und gleichzeitig Propst vom Johannesberg Joachim von Gravenegg, 1635–1638 (verzichtete 1638), danach Propst von Holzkirchen, gleichzeitig Propst von Michaelsberg Matthias Benedikt von Rindtorff, 14. August 1638 bis ? Johann Michael von Hochstetten, 30. Oktober 1643 bis ? Ämilian von Dalwig Gallus von Ostein, 19. Mai 1660 bis ? Johann Michael von Hochstetten, bis 1669 (verzichtete) Odo von Riedheim, 6. Oktober 1669 – 1690 Philipp von Spiegel zu Diesenberg, 20. März 1691 bis 1720 Placidus von Bastheim, 8. Januar 1721 – 1736 Leopold Specht von Bubenheim, 1736–1738, davor in Sannerz, danach Propst von Neuenberg Bonifatius von Hutten, 23. Mai 1738 bis 1739, davor in Holzkirchen und in Thulba Karl von Fechenbach, 1739–1753, danach Johannesberg, und danach Andreasberg Anton (Antonius) von Hagenbach, 22. Oktober 1753 bis 1758, davor und überlappend Propst in Zella, danach Johannesberg Konstantin (Constantinus) Schütz von Holzhausen, 1758-1775, davor in Blankenau Lothar (Lotharius) von Breidbach zu Bürresheim, 30. September 1775 bis 1778, davor in Holzkirchen, danach Andreasberg Adolf (Adolphus) Freiherr von Hövel, 20. März 1778 bis mindestens 1788 Sigismund (Sigismundus) von Bibra, 18. August 1794 bis 1802, letzter Propst
Literatur Georg Dehio / Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf u. a.: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I = Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 741ff. Shirin Fozi: Herrscher und Heilige auf den romanischen Relief in der Liobakirche. . In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 393–404. Christine Kenner: Die Petersberger Kirche zwischen Kontinuität und Wandel. In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 10–34. Christine Kenner: Die vorromanischen Bauteile der Kirche –Forschungsstand und Fragestellungen. In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 127–146. Christine Kenner: Die vorromanischen Wandmalereien der Kirche. In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 283–392. Werner Kathrein: Mons Sancti Petri. In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 35–44. Margit Krenn: Baubeschreibung und Ausstattung – Zeittafel zur Bau- und Restaurierungsgeschichte nach den historischen Quellen. In: Die Kirche St. Peter in Petersberg bei Fulda. Denkmalpflege und Forschung. Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-2609-6, S. 45–50.