In vielen Teilen Westafrikas gibt es die alte Tradition des Regententums.

So haben auch die verschiedenen Gruppen der Akan in der Elfenbeinküste und in Ghana eigene Hierarchiestrukturen entwickelt, welche in der Vergangenheit die politische Herrschaft regional und teilweise überregional ausübten. Sie existieren auch heute noch teilweise parallel zu den demokratischen Strukturen der Länder. In der Kolonialzeit bezeichneten die Briten die einheimischen Herrscher des Landes allgemein als Chief (Häuptling), was sich im gesamten anglophonen Sprachraum als Bezeichnung für einen Träger der Häuptlingswürde eingebürgert hat. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch King (König) gebraucht.

Geschichte Über die Wurzeln der Regentschaft bei den Akan-Völker weiß man nicht allzu viel. Häufig geht die Häuptlingswürde auf die Abirempon zurück, d. h. jene Pioniere, welche einstmals ihre Familiengruppen (inklusive die sie begleitenden Sklaven) an den späteren Wohnort führten. Sie und die Leute in ihrer Begleitung waren es, die mit Waldrodungen oder ähnlichen Arbeiten zur Sicherung der allgemeinen Überlebensbasis begannen. Bezüglich der Kernfamilien entstand schließlich eine Art privilegierter Status. Kam dabei noch eine militärische Komponente hinzu, z. B. hinsichtlich einer realen Verteidigung gegenüber eindringenden Raumkonkurrenten, kann man durchaus von einem Adelsstand sprechen, den diese Familien gegenüber den anderen lokalen oder regionalen Gruppen erlangten. Das war in Westafrika nicht anders als in Europa oder anderswo, nur etwa mit einer zeitlichen Verschiebung.

Allerdings waren die realen Machtverhältnisse meistens sehr unterschiedlich und mehr oder weniger nur vorhanden, wenn es auch tatsächlich zur Bildung eines staatlichen Gemeinwesens gekommen ist. Allerdings fielen viele Akan-Staaten auch wieder auseinander oder wurden erobert. Andere teilten sich, wie im Falle von Akim, in mehrere Teilstaaten, welche zwar politisch mehr oder weniger unabhängig waren, aber in Fällen von Kriegen gemeinsam agierten. Im Allgemeinen erschütterten immer wieder innere und äußere Kriege die Akan-Staaten und zwangen bestimmte Akan-Gruppen zum Abwandern, was zur Neugründung eigener Gemeinwesen in fremden Territorien führte, wie z. B. im Falle der Baulé im Gebiet der heutigen Elfenbeinküste oder im Falle der Stadt Anecho (das frühere Klein-Popo) an der Küste des heutigen Togo. Die dortigen Führer oder Oberhäupter kann man jedoch nicht (mehr) mit ihren Herkunftsregionen und deren Machthabern in Verbindung bringen, denn häufig waren es Bürgerkriege, die aufgrund von Streitigkeiten zwischen verfeindeten und um die Macht konkurrierenden Familiengruppen entstanden waren und die diese Gruppen zum Abwandern veranlasst hatten. Im Falle von Akwamu sah sich im Jahre 1730 sogar eine ganze Nation veranlasst, großflächig ihr bisheriges Siedlungsgebiet zu verlassen.

Die Europäer hatten in der Vergangenheit hinsichtlich der Häuptlingshierarchien zumindest ein gewisses Verständnisproblem, weil man geneigt war, europäische Adelsstrukturen auf Westafrika zu übertragen. Dies war aber nur teilweise gerechtfertigt. In diesem Zusammenhang kann man zum Beispiel den Asantehene als Führer des Volkes der Aschanti durchaus als wirklichen König bezeichnen, da er territorial über zahlreiche akanische und nicht-akanische Gruppen geherrscht hat. Bei anderen westafrikanischen Herrschern, wie zum Beispiel dem Mogo Naba, wäre sogar der Begriff Mossi-Kaiser gerechtfertigt oder beim Alafin von Oyo Yoruba-Kaiser.

Als 1957 die Republik Ghana gegründet wurde, kam man überein, dass die traditionellen Regentschaftssysteme respektiert werden sollten. Als Präsident Rawlings 1982 an die Macht kam, änderte sich die Lage. In den 20 Jahren seiner Amtszeit wurden einzelne Chiefs verfolgt und angeklagt, häufig unter Anklage der Korruption und Veruntreuung von Staatsgeldern und das oft zu Recht, wie z. B. im Falle von Geldern, die von Bergbauunternehmen an die Kommunen flossen als Entschädigung für durch den Bergbau geschädigte Bauern.

Als im Jahr 2001 John Agyekum Kufuor Präsident wurde, erfuhr das System der Regentschaft eine erneute Rehabilitation.

Gegenwart Das System der Regentschaft ist heute offiziell anerkannt. Politiker fragen die Regenten um Rat, weil diese gewöhnlich dem Volk näher sind. Das höchste Gremium der Regenten ist das National House of Chiefs in Accra. Daneben gibt es auch regionale Komitees. Bei Problemen zwischen den Regenten übernimmt das House of Chiefs eine Schiedsfunktion.

Hierarchie miniatur|rechts|Aschanti chiefs, Mampong Der höchste Rang ist der des Paramount Chief (Oberster Häuptling). Innerhalb des Volks der Akan gibt es Untergruppen wie zum Beispiel die Aschanti und die Fante. Die Aschanti haben nur einen Paramount Chief, den Asantehene. Der gegenwärtige Asantehene heißt Otumfuo Osei Tutu II. Gewöhnlich besuchen ausländische Staatsgäste außer dem Präsidenten auch noch den Asantehene.

Die Fante dagegen haben mehrere Paramount Chiefs, ein jeder mit eigenen kleinen Territorien. So ist der Einfluss eines Fante-Paramount Chiefs im Vergleich zum Asantehene nur ein sehr geringer.

In der Hierarchie unter den Paramount Chiefs stehen die übrigen Häuptlinge (Chiefs) und unter denen Unter-Häuptlinge (Sub-Chiefs oder Unter-Regenten).

Ein Unter-Häuptling hat in etwa die Funktion eines Dorf-Bürgermeisters. Die meisten Regenten haben ein eigenes Territorium und darüber hinaus zumeist noch eine Funktion am Hof des Paramount Chief. Der größte Teil dieser Funktionen ist traditionell, es sind aber in den letzten Jahren einige Neuschöpfungen hinzugekommen. Häuptlingswürde und Amtsfunktion sind in den meisten Fällen erblich an bestimmte Familien gebunden. Solche Häuptlinge werden auch Odekro, Odikrofo, Odikro oder Odekuro (Plural: A-...) genannt und kennzeichnen sowohl in Asante als auch in Akim zumeist einen Stuhlinhaber und Häuptling, der auch Dorfoberhaupt ist. Mitunter ist aber Odikro auch nur die allgemeine Bezeichnung irgendeines Unterhäuptlings, ohne dass dieser das Amt irgendeines Stuhles bekleidet. Letztere stehen in der politischen Hierarchie eines Akan-Staates zumeist unter einem Safohene (Plural: Nsafohene) oder sind direkt dem Omanhene (König) unterstellt. Die Adikrofo als auch die Nsafohene bilden die Beamtenschaft eines Akan-Staates. Ihre Aufgaben können von unterschiedlicher Natur sein und bspw. von der lokalen, zivilen Verwaltung bis hin zu religiösen oder militärischen Ämtern reichen.

Ein Häuptling schlichtet in bedeutenden Rechtsfragen und entscheidet über alle wichtigen politischen und ökonomischen Fragen, die seine Region betreffen. Wenn jemand in ein Amt eingesetzt wird, erhält er neben seinen eigenen Namen auch einen Amtsnamen. Normalerweise ist das der Name eines seiner Amtsvorgängers, der dann durch eine Ordnungszahl ergänzt wird. Zum Beispiel hieß der ab Mai 1970 amtierende Asantehene (König der Aschanti) Otumfuo Opoku Ware II., sein bürgerlicher Name lautete jedoch J. Matthew Poku.

Königinmutter Eine Ohemmaa ist die Königinmutter. Je nach Akan-Staat wurde in der Namensbezeichnung das Präfix „O-...“ (kennzeichnet den Singular) mitunter auch durch den Landesnamen ersetzt, so dass zum Beispiel die Königinmutter von Asante auch gleichzeitig als Asantehemmaa bezeichnet wurde. Die Königinmutter gilt bei den Akan als Repräsentantin des Schöpfergottes Nyame, bzw. seiner weiblichen Seite (= des Mondes), d. h., eine Königin-Mutter gilt als Tochter der Mond-Mutter, in der sich die weibliche Seite von Nyame personifiziert darstellt. So, wie Nyame der Eigner des Universums ist, und sein Sohn Nyankopon der Herrscher des Universums, der eigentlich Nyame gehört, so ist auch die Königin-Mutter der „Eigner“ des Akan-Staates, über den ihr Sohn, der König regiert. Der Akan-König verwaltet praktisch nur ihren Besitz. Da Nyankopon, d. h. der Sohn des Nyame, in der Sonne (Owia) personifiziert gesehen wird, wird bei den Akan der Sohn der Königin-Mutter auch als Sonnen-König bezeichnet bzw. tituliert.

Eine Ohemmaa hat auch eine eigene spezielle Dienerschaft, die in Asante Nkotimsefo genannt wird und welche nur aus Mädchen und jungen Frauen besteht. Ihre Symbole bzw. die ihrer Dienerinnen sind das liegende, rechtwinklige Andreaskreuz, bzw. die Flügel eines „weiblichen“, d. h. nach rechts gezeichneten Hakenkreuzes, dessen Flügel den Lauf des Mondes versinnbildlichen sollen.

Der Titel einer Königinmutter kann sich heute sowohl auf den Paramount-Rang sowie auch auf die Ränge darunter beziehen. Diese Frau muss nicht unbedingt die Mutter des amtierenden Königs sein. Ihre Herrschaftsrolle liegt heute vornehmlich im sozialen Bereich.

Traditionelle Ämter auf Staatsebene Fast alle Amtsbezeichnungen besitzen in der Twi-Sprache die Endung „...-hene“, historisch auch „...-hin“ oder „...-hen“. Dies ist von „Ohéne“ (Plural: „Ahemfo“) abgeleitet, was in der Vergangenheit mit König, Prinz, Häuptling etc. übersetzt wurde. Ohene steht aber auch gleichzeitig für das mit dem Titel verbundene Amt. Der Machtbereich eines Regenten definiert sich bei den Akan jedoch eher nach ethnischen als nach territorialen Gesichtspunkten. Besonders in den Randbereichen des Akanlandes, wo es regional zu Vermischungen mit anderen Völkern kommt, aber nicht nur hier, hat jede Volksgruppe ihren eigenen Häuptling mit eigenen Machtbefugnissen.

Das Konzept eines Staatsdienstes wird in der Twi-Sprache als Esom bezeichnet und dessen Verwaltung daher auch Esomdwuma (wörtl. „Beschäftigt in Diensten“) genannt. Hinzu kommt noch, dass man Senior-Beamte (Esomfo-panyin) von den übrigen Amtsträgern Esomfo oder Ahenkwa (letzteres bedeutet „Diener des Königs“) abgrenzt. In der Vergangenheit hat man auf der Gold- und Sklavenküste seitens der Europäer wichtige Staatsbeamte als Captains bezeichnet.

Wichtigste zivile Ämter Omanhene Omanhene ist ein allgemeiner Ausdruck für den obersten Regenten einer sich als Nation definierenden Volksgruppe der Akan. Die angelsächsische Übersetzung des Titels Omanhene ist Paramount Chief („Oberster Regent“). Der Omanhene von Nkusukum ist beispielsweise einer von fünf Paramount Chiefs im Mfantsiman District.

Gyasehene, Gyaasewahene „Gyase“ heißt „Küche“ und der Gyasehene ist derjenige, der für das Wohlbefinden des Omanhene und für alle inneren Angelegenheiten verantwortlich ist. Besucher des Omanhene müssen sich über den Gyasehene anmelden, der die Besuche kontrolliert und organisiert.

Im speziellen Fall von Asante war der Gyaasehene der Schatzmeister, oder besser gesagt der „Leiter des Schatzmeisteramtes“ am Hofe des Königs. Er war verantwortlich für die Durchführung einer allgemeinen finanziellen Budget- und Ausgabenkontrolle und er führte den Vorsitz am Finanzgericht (englisch: Exchequer Court). Das vom Gyaasehene besetzte Amt nannte sich auch der „Pinanko-Stuhl“, ein Begriff der parallel zu „Gyaasewa“ als Stuhlbezeichnung verwendet wurde. Ihm unterstellt waren der Sanaahene, der für die Routineverwaltung der „Großen Truhe“ oder Schatzkammer verantwortlich war. Dem Sanaahene unterstellt, und somit auch dem Gyaasehene war der Fotosanfohene, welcher der Chef der Kassierer oder Wiegemänner war. (Als Zahlungsmittel diente in der Vergangenheit zumeist Goldstaub, für dessen Abwiegen der Fotosanfohene und seine Männer zuständig waren.) Das Amt des Fotosanfohene wurde auch als der „Nnimbi-Stuhl“ bezeichnet.

Speziell in Asante der Gyaasehene auch der Befehlshaber der Leibgarde des Königs.

Okyame Ein Häuptling hat zumeist einen oder mehrere Sprecher (Twi: Okyeame, Sg.) an seiner Seite. Ein Häuptling spricht nicht selbst, sondern lässt Nachrichten durch seinen Sprecher überbringen. Man kann in ihn einen Vertreter des diplomatischen Dienstes sehen, aber auch einen Gesetzessprecher. Der Sprecher ist daneben aber auch zuständig für die Ausübung von Trankopfern.

Obaatan