mini|Wolfgang Bosbach (2014) rahmenlos|zentriert|100px|klasse=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Wolfgang Bosbach deutscher Politiker Wolfgang Walter Wilhelm Bosbach [] (* 11. Juni 1952 in Bergisch Gladbach) ist ein deutscher Politiker (CDU) und Rechtsanwalt. Bosbach war von Februar 2000 bis November 2009 stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union und von November 2009 bis Juli 2015 Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages. Von 1994 bis 2017 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.
Leben Herkunft und Ausbildung Wolfgang Bosbach wurde als Sohn des kaufmännischen Angestellten Alfred Bosbach und dessen Frau Else in Bergisch Gladbach geboren. Sein Vater war später Personalleiter eines großen Unternehmens. Nach der Mittleren Reife 1968 machte Bosbach eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei der Konsumgenossenschaft Köln und war von 1972 bis 1974 Leiter eines Supermarktes der COOP West. Anschließend besuchte er die Rheinische Akademie Köln, die er 1977 als staatlich geprüfter Betriebswirt abschloss. Auf dem zweiten Bildungsweg holte er 1979 am Köln-Kolleg in Köln-Deutz das Abitur nach. Danach absolvierte Bosbach ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Köln, das er 1988 mit dem ersten und 1991 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Bis zu seinem Rentenbeginn war er neben seinem Abgeordnetenmandat als Rechtsanwalt zugelassen und auch in diesem Beruf tätig.
Politik Bosbach ist seit 1972 Mitglied der CDU. Von April 2003 bis 2005 war er stellvertretender Landesvorsitzender seiner Partei in Nordrhein-Westfalen. Des Weiteren ist er Mitglied im Berliner Kreis, einem Zusammenschluss von Abgeordneten der CDU/CSU aus dem Bundestag und den Länderparlamenten, die wertkonservative, marktliberale Standpunkte sowie die Abkehr von den in der Bundesrepublik geltenden Klimazielen vertreten.
Von 1975 bis 1979 gehörte Bosbach dem Kreistag des Rheinisch-Bergischen Kreises und von 1979 bis 1999 dem Rat seiner Heimatstadt Bergisch Gladbach an.
1994 und 1998 zog er als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Rheinisch-Bergischer Kreis I und von 2002 bis 2013 für den Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis in den Deutschen Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er hier 49,3 % der Erststimmen. 2009 holte er mit 50 % der Stimmen seines Wahlkreises erneut das Direktmandat. Trotz seiner Krebserkrankung kandidierte Bosbach erneut bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 und zog mit 58,5 % zum sechsten Mal als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestagswahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis in den Deutschen Bundestag ein.
Von Februar 2000 bis November 2009 war er stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union und damit innerhalb der Fraktion zuständig für die Bereiche Recht, Petition, Innenpolitik, Sport, Vertriebene und Flüchtlinge, Kunst, Kultur und Medien. Seit November 2009 war er Vorsitzender des parlamentarischen Innenausschusses. Bundestag online, abgerufen am 18. September 2014. Am 23. Juli 2015 legte er diesen Posten mit Wirkung zum 22. September nieder, da er auch künftig seiner Überzeugung folgen und abweichend vom Kurs seiner Parteivorsitzenden gegen weitere Rettungspakete für Griechenland stimmen wolle, was mit dem Ausschussvorsitz nicht vereinbar sei. Sein Bundestagsmandat wolle er jedoch behalten, da er für seine politische Überzeugung nur im Parlament werben und kämpfen könne.
2016 erklärte Bosbach, sich im Herbst 2017 aus der Politik zurückziehen zu wollen. Dafür gebe es sowohl politische als auch persönliche Gründe. In einigen wichtigen politischen Fragen könne er die Haltung seiner Partei nicht mehr mit der Überzeugung vertreten, die bei einer erneuten Kandidatur für den Bundestag erforderlich wäre. Er wolle seine restliche Kraft nicht dafür aufwenden, „gegen meine eigene Partei zu argumentieren und gegen meine eigene Partei anzutreten.“ Im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 unterstützte Bosbach den Wahlkampf des CDU-Spitzenkandidaten Armin Laschet als Experte für innere Sicherheit. Er erklärte gegenüber der Presse, im Fall einer Regierungsübernahme solle er die Leitung einer Kommission zur Neuaufstellung der inneren Sicherheit (als Bosbach-Kommission bekannt) in Nordrhein-Westfalen übernehmen. Für das Amt des Innenministers stehe er jedoch nicht zur Verfügung.
Im Februar 2020 wurde bekannt, dass Bosbach Anzeige gegen den Sportreporter Werner Hansch wegen unvollständiger Rückzahlung eines Darlehens in Höhe von 5000 Euro gestellt habe. Bosbach sei von Hansch um das Geld gebeten worden, um einen Unfall ohne Polizei zu regeln, da Hansch Alkohol getrunken haben soll. Die SPD forderte, dass Bosbach vor der Bosbach-Kommission die Umstände erklären solle, warum er Hansch 5000 Euro geliehen habe.
Im August 2019 erklärte Bosbach er könne kein parteischädigendes Verhalten bei Hans-Georg Maaßen (inzwischen aus der CDU ausgetreten) erkennen. Im August 2021 kündigte Bosbach an, zukünftig keinen Wahlkampf mehr für die CDU machen zu wollen. Als Grund nannte er die heftige, auch innerparteiliche Kritik an einem Wahlkampf-Auftritt in Südthüringen mit Hans-Georg Maaßen.„Das ist nicht meine Welt“ – Bosbach will für CDU keinen Wahlkampf mehr machen welt.de vom 6. August 2021, abgerufen am 7. August 2021.
Bosbach ist Mitglied des innerhalb der CDU isolierten Berliner Kreises in der Union neben anderen konservativen Politikern wie Philipp Lengsfeld (inzwischen aus der CDU ausgetreten), Sylvia Pantel (inzwischen aus der CDU ausgetreten) und Arnold Vaatz.
Unterstützung einer Kampagnenplattform Bosbach unterstützte 2021 den Versuch eine Kampagnenplattform mit Namen „The Republic“ aufzubauen. Diese sollte dazu dienen, den Konservatismus in die Breite zu tragen. Die Pressearbeit für das Portal machte dabei seine Tochter Caroline, die dort auch als Kolumnistin auftrat. Das Portal verursachte auch innerhalb der Union Proteste. Das CDU-Mitglied Peter R. Neumann bezeichnete die beginnenden Kampagnen des Portals, die sich gegen „Gender-Ideologie“ und den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk richteten, als „AfD-affine[n] Ramsch“.
Sonstiges Engagement und Tätigkeit Vorstandsmitglied der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie von Juni 2007 bis 2019 Verwaltungsratsmitglied des Kölner Eishockeyclubs „Die Haie“ e. V. abgerufen am 18. März 2013. Mitglied im Fernsehrat des ZDF als Vertreter der CDU und Mitglied im Programmausschuss Programmdirektion vom 9. März 2010 bis zum 5. Juli 2016 Juror bei der Wahl der Miss Germany 2015 Aktiver Spieler beim FC Bundestag bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2016 beim FC Bundestag. 1990–2012 Präsident und späterer Ehrenpräsident der KG Große Gladbacher 2016: Schirmherr der Festspiele Balver Höhle Alexander Bange, Richard Elmerhaus: Wolfgang Bosbach lobt Ritter-Rost-Ensemble in Balver Höhle, wp.de, 8. Mai 2016, abgerufen am 8. März 2025. ab 2017 wöchentlicher Kolumnist bei der BILD-Zeitung Mitglied im Berliner Kreis Als Schirmherr der bundesweit tätigen Initiative Hits fürs Hospiz unterstützt Bosbach seit 2007 die Hospizbewegung und damit die Versorgung lebensverkürzend erkrankter Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt.Vereinshomepage Hits fürs Hospiz e. V. Abgerufen am 2. Dezember 2017. 2017: Ehrenmitglied der KAJUJA Bergisch Gladbach
Talkshows Bosbach ist bekannt dafür, dass er seine politische Meinung, die oft im Gegensatz zur CDU-geführten Bundesregierung stand, gern in Talkshows kundtut. Zwischen 2012 und 2016 war er der Politiker, der an den meisten Talkshows teilnahm. Aufsehen erregte sein vorzeitiger Abgang aus der Sendung Maischberger im Juli 2017, als er aufgrund des Verhaltens und der politischen Meinung von Jutta Ditfurth aus Protest die Sendung verließ. Bosbach kündigte an, nie wieder mit Ditfurth in einer TV-Runde sitzen zu wollen.TV-Talk zu G20-Gipfel: Wolfgang Bosbach: "Nie wieder mit Ditfurth in einer Talkshow", rp-online.de, 13. Juli 2017. Die taz nannte ihn im August 2016 „eitle Labertasche“ und unterstellte ihm „geschwätzige Selbstverliebtheit“, attestierte ihm aber gleichzeitig, er sei „einer der wenigen im politischen Betrieb, die eine wichtige, aber schwer zu definierende Grenze kennen und einhalten: die Grenze zwischen konservativer Traditionspflege auf der einen und menschenverachtendem Rechtspopulismus auf der anderen Seite“; ihm gelänge es intuitiv, „auf diesem schmalen Grat zu wandeln“.Der Ströbele der CDU. Rückzug von Wolfgang Bosbach. In: taz, 23. August 2016 online.
Podcast Zum Oktober 2020 startete Bosbach gemeinsam mit Fernsehkoch Christian Rach den wöchentlichen, 45-minütigen Podcast "Bosbach & Rach – Die Wochentester", in dem jeweils mit einem Gast diskutiert wurde (Günther Jauch in der ersten Sendung). Zum August 2025 wurde der Podcast um den Journalisten Hans-Ulrich Jörges erweitert und in "Dreimal freie Meinung", umbenannt, wobei das wöchentliche Format mit einem Gast erhalten blieb. Eine Ausgabe dauert nun ca. 60 Minuten und thematisiert vor allem die Bereiche Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zu den Gästen zählten bislang z. B. Sahra Wagenknecht, Harald Martenstein, Peter Maffay und Thomas Gottschalk.
Privates mini|Wolfgang Bosbach mit seinen Töchtern Caroline (links im Bild) und Viktoria bei der Kölner Charity Sports Night am 27. November 2016 Wolfgang Bosbach ist römisch-katholisch.
Er heiratete 1987 Sabine Bosbach, die zufällig den gleichen Nachnamen trug wie er. Zusammen haben sie drei Töchter. Seine Tochter Caroline Bosbach ist ebenfalls politisch in der CDU aktiv und wurde bei der Bundestagswahl 2025 im Bundestagswahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis, in dem auch ihr Vater von 2002 bis 2013 antrat, als Direktkandidatin in den Deutschen Bundestag gewählt. Bosbach lebt mit seiner Familie in Bergisch Gladbach.
Seit 1994 leidet er an einer Herzinsuffizienz und trägt seit 2004 einen Herzschrittmacher mit kombiniertem Defibrillator. Nach einem Landesparteitag der CDU Nordrhein-Westfalen im März 2013 brach Bosbach zusammen. Untersuchungen ergaben, dass ein technischer Defekt des Defibrillators der Auslöser war. In der Talkshow Markus Lanz vom 27. Juni 2013 erwähnte Bosbach, dass ihm ein neues Gerät eingesetzt wurde. In der gleichen Sendung gab Bosbach seine am 3. Juni 2010 erkannte Prostatakrebserkrankung öffentlich bekannt. Im August 2012 gab Bosbach bekannt, dass die Erkrankung wegen fortgeschrittener Metastasen unheilbar sei.Interview, Pro Medienmagazin 3/2014, S. 22 (PDF; 27,0 MB).
In dem Gespräch mit dem Kölner Express, das am 7. November 2016 veröffentlicht wurde, sagte Bosbach zu seinem angekündigten Rückzug aus der Berufspolitik: „Ich habe lange mit mir gerungen. Aber als die Ärzte Anfang März diagnostizierten, dass sich bei mir ein Tumor in der Lunge gebildet hätte, stand meine Entscheidung fest. In Zukunft muss die Gesundheit einen höheren Stellenwert bekommen als die Politik.“Wolfgang Bosbach Lungen-OP! Kurz danach saß ich wieder am Schreibtisch, von Gerhard Voogt Kölner Express, 7. November 2016.
Politische Positionen Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen Anfang 2010 forderte Bosbach die Einführung von Körperscannern an deutschen Flughäfen für das laufende Jahr.Bosbach: Nacktscanner kommen noch 2010. Sächsische Zeitung Online; abgerufen am 20. März 2010.