Kawasaki (wörtlich „Flusskap“; ) ist eine Stadt auf der japanischen Hauptinsel Honshū im Nordosten der Präfektur Kanagawa.
Geographie
Lage
Kawasaki befindet sich am rechten Ufer des hier in die Bucht von Tokio mündenden Flusses Tama. Wie ein schmales Band liegt die Stadt zwischen Tokio im Nordosten und Yokohama im Südwesten. Die Stadt verbindet die beiden Großstädte miteinander und ist damit Teil der Metropolregion Tokio-Yokohama, eines der größten und dichtest bewohnten städtischen Gebiete der Welt.
Stadtgliederung Das östliche Gebiet entlang der Küste der Bucht von Tokio ist eine dicht besiedelte Industriezone, Teil des Keihin-Industriegebietes. Im Kontrast dazu bestehen die westlichen Stadtteile im Tama-Hügelland größtenteils aus Wohngebieten für Pendler im Großraum Tokio/Yokohama. Kawasaki besteht aus diesen sieben Stadtbezirken (-ku):
Codemit Prüfziffer Name Fläche (in km²) Bevölkerung Bevölkerungs-dichte (Ew./km²) 3 lat. Transkription jap. 01.10.2015 3 14131-3Kawasaki-ku 223.3785650,85 14132-1Saiwai-ku 160.89016.072,93 14133-0Nakahara-ku 247.52916.793,01 14134-8Takatsu-ku 228.14113.945,05 14135-6Tama-ku 214.15810.446,73 14136-4Miyamae-ku 225.59412.122,19 14137-2Asao-ku 175.5237549,38 14130-5Kawasaki-shi 1.475.213 10.315,45 400px|Karte der Stadtbezirke von Kawasaki
Angrenzende Städte und Gemeinden Im Nordosten grenzt Kawasaki an die Tokioter Bezirke (beginnend an der Bucht von Tokio) Ōta und Setagaya, im Nordwesten umschließen die zur Präfektur Tokio gehörigen Städte (-shi) Komae, Chōfu, Machida, Inagi, Tama den Ort. Die gegenüberliegende Südwestseite wird gänzlich von den Bezirken Tsurumi, Kōhoku, Tsuzuki und Aoba der Stadt Yokohama eingenommen. Durch die Fertigstellung der Tōkyō-wan-Aqua-Line ist die auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Tokyo in der Präfektur Chiba liegende Stadt Kisarazu im Dezember 1997 ebenfalls zum Nachbarn geworden.
Gewässer Zwei Flüsse queren das Stadtgebiet. Der Tama vereinigt sich dabei mit den Nebenflüssen Misawa, Yamashita, Gotanda, Nikaryō Hauptfluss und Hirase; in den Tsurumi münden Katahira, Asao, Shimpukuji, Arima, E, Shibu und Yabumi.
Das Aufschüttungsland am Küstenabschnitt der Stadt ist von einem Kanalnetz durchzogen (Tama-Kanal, Suehiro-Kanal, Chidori-Kanal, Yakō-Kanal, Daishi-Kanal, Mizue-Kanal, Shiohama-Kanal, Iriesaki-Kanal, Asano-Kanal, Ikegami-Kanal, Minami-Watarida-Kanal, Tanabe-Kanal, Shiraishi-Kanal und der Sakai-Kanal). Daneben existiert im Hinterland streckenweise noch der historische Kanal Nikaryō Yōsui.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Archäologische Zeugnisse aus der japanischen Altsteinzeit und der Jōmon-Zeit finden sich nur im nordwestlich gelegenen Tama-Hügelland. Der Verlauf des Tama und der Küste der Bucht von Tokio haben sich auch in historischer Zeit noch verändert, sodass große Teile des Stadtgebiets geologisch jungen Ursprungs sind.
mini|links|Der Heiken-ji ist ein buddhistischer Tempel in Kawasaki, bekannter unter dem Namen Kawasaki-daishi ()
Von der Nara-Zeit bis zum Ende der Sengoku-Zeit Mit der Einführung des Ritsuryō-Rechtssystems kam das Gebiet im 7. Jahrhundert an die Provinz Musashi. Vermutlich lag in der Nara-Zeit das Zentrum des Kreises Tachibana im Bereich des heutigen Stadtbezirks Takatsu. Seit der Heian-Zeit dehnte sich hier der Herrschaftsbereich des Inage-Clans aus. Um den 1128 gegründeten buddhistischen Tempel Heiken-ji (bekannter unter dem Namen Kawasaki-Daishi) entstand bald ein monzen-machi, ein umtriebiges Stadtviertel zur Versorgung der Pilger. Zwischen der Kamakura-Zeit und der Sengoku-Zeit herrschten kleinere Feudalherren über das Gebiet, bis es schließlich unter die Kontrolle der Späteren Hōjō gelangte.
Neuzeit mini|links|Nikaryō Yōsui in Shukugawara (Bezirk Tama) zur Kirschblütenzeit 1611 ließ Koizumi Jidayū den Nikaryō Yōsui bauen, ein Kanalsystem am rechten Ufer des Tama zur Bewässerung der Felder, das sich teilweise bis heute durch die inzwischen dicht bebaute Stadt zieht. An den durch das Edo-Bakufu errichteten Fernstraßen Tōkaidō und Nakaharakaidō entstanden auf dem Gebiet des späteren Kawasaki Stationen, wodurch seine Bedeutung wuchs. Die Station Kawasaki (Kawasaki-juku, in der Nähe des heutigen Bahnhofs Kawasaki) an der Tōkaidō wurde erst 1623 als letzte der 53 Tōkaidō-Stationen offiziell anerkannt. Das Bakufu ließ die Brücken über den Tama verfallen und es entstanden an mehreren Stellen im heutigen Kawasaki Fährverbindungen ins nahe gelegene Edo, die den Grundstein der Entwicklung der Stadt legten.
Moderne mini|Karte der Gemeinden im ehemals zu Musashi gehörenden Teil von Kanagawa 1889 (am Tamagawa aber in den Grenzen von 1912, d. h. vollständig inklusive rechtem, ohne linkes Ufer), nummeriert die Gemeinden im Kreis Tachibana, davon auf dem Gebiet der heutigen Stadt Kawasaki: 7. Stadt (-machi) Kawasaki und die Dörfer (-mura) 8. Daishigawara (), 9. Tajima (), 11. Miyuki (), 12. Sumiyoshi (), 13. Hiyoshi (), 14. Takatsu (), 15. Nakahara (), 16. Tachibana (), 17. Mukaoka (), 18. Miyasaki (, die Lesung wurde erst später zu Miyamae geändert), 19. Ikuta () und 20. Inada (); zusätzlich umfasst das heutige Stadtgebiet von Kawasaki noch die damaligen Dörfer Kakio () und Okagami (; bis heute Exklave) aus dem Kreis Tsuzuki.Universität Tsukuba, Prof. Yūji Murayama (englische Seite): (jährliche Karten der Verwaltungsgliederung aller 47 Präfekturen in ihren heutigen Grenzen seit 1889), (auch vor 1893/1912 ohne Tama-Gebiet und am Unterlauf ohne linkes, inklusive rechtem Tama-Ufer) In der Meiji- und Taishō-Zeit begann die bis heute anhaltende rasante Verstädterung des Gebiets. 1872 wurde der Bahnhof Kawasaki an der ersten Eisenbahnlinie Japans eingerichtet. 1889 entstand nach dem im Jahr zuvor eingeführten japanischen Gemeindesystem die Stadt (machi) Kawasaki im Kreis (gun) Tachibana. 1901 zog die Kreisverwaltung von Tachibana aus dem nach Yokohama eingemeindeten Kanagawa nach Kawasaki um. (japanisch; Standort der ehemaligen Kreisverwaltung Tachibana) als „Schatz“ (; Denkmäler, historische Stätten, kulturelle Highlights und ähnliches) des Kawasaki-ku von Kawasaki-shi, abgerufen am 12. Mai 2021. 1912 wurde die Grenze zwischen den Präfekturen Kanagawa und Tokio im Tama festgelegt. Am 1. Juli 1924 entstand durch Zusammenschluss mit der Stadt Daishi (vormals Daishigawara) und dem Dorf Miyuki die kreisfreie Stadt Kawasaki mit 48.394 Einwohnern.Stadt Kawasaki: Profil, 8. HISTORY einfach (Zeittafel zur Stadtgeschichte)
Zweiter Weltkrieg Im Rahmen des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zwischen April 1945 und Juli 1945 dreimal durch die United States Army Air Forces (USAAF) bombardiert. Der folgenschwerste Angriff war ein Flächenbombardement mit Napalmbomben am 15. April 1945. Die Angriffe zerstörten rund 35 % des Stadtgebietes und forderten 1.520 Tote und 8.759 Verletzte. Durch die Angriffe wurden 9,3 km² der Stadt niedergebrannt (siehe Luftangriffe auf Tokio).
Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Am 15. April 1945 wurden große Teile des Gebiets um den Bahnhof und das Industriegebiet am Hafen durch Luftangriffe zerstört. Seit den 1950er Jahren entstanden im nordöstlichen Teil der Stadt Wohngebiete für Pendler, die durch neue Bahnlinien direkt mit den Zentren Tokios verbunden wurden. Am 1. April 1972 wurde Kawasaki zur dekretal designierten Stadt (seirei shitei toshi) mit 5 Stadtbezirken. 1973 überschritt die Einwohnerzahl die Millionengrenze. 1982 entstanden die neuen Bezirke Miyamae und Asao durch Abspaltung von den Bezirken Takatsu und Tama. In jüngster Zeit werden im Zuge der Deindustrialisierung verstärkt Industrieflächen in Wohngebiete (meist Mehrfamilienwohnhäuser) umgewandelt, sodass mit einem weiteren Anstieg der Bevölkerungsdichte zu rechnen ist.
21. Jahrhundert Im Jahre 2020 kam die Stadt nahe Tokyo mit ihrem vergleichsweise hohen Bevölkerungsanteil von Bürgern koreanischer Herkunft (0,4 Prozent) international in die Medien, weil das Stadtparlament mit einer Geldbuße bis zu 4000 Euro, einer Strafanzeige und Online-Namensveröffentlichung bei nachgewiesenem öffentlichen Hassreden zum Vorreiter in ganz Japan wurde. Als die im Dezember 2019 eingeführte lokale Antidiskriminierungsverordnung sich als nicht ausreichend erwies, wurde sie nachgeschärft, so dass ab 1. Juli 2020 ebenfalls Hassreden gegenüber sexueller Orientierung von Mitbürgern darunter fallen sowie alle Verurteilten fortan als vorbestraft gelten.Kawasaki will Bußgelder gegen Hassrede verhängen, sumikai.com vom 21. Juni 2019, abgerufen am 1. Juli 2020.Japan: Kawasaki bestraft Hassrede wegen Herkunft und sexueller Orientierung (mp3), Deutschlandfunk, erschienen und abgerufen am 1. Juli 2020.
Politik und Verwaltung
mini|Karte der Unterhauswahlkreise Kanagawas seit 2024 Bürgermeister von Kawasaki ist seit 2013 Norihiko Fukuda, ein ehemaliger DPJ-Präfekturparlamentsabgeordneter, der 2025 mit rund 62 % der Stimmen gegen fünf Kandidaten für eine vierte Amtszeit wiedergewählt wurde.
Das 60-köpfige Stadtparlament von Kawasaki wurde bei den einheitlichen Wahlen im April 2023 neu gewählt. Die LDP blieb mit 17 Sitzen stärkste Kraft.
Kawasaki war im Juni 2008 die zweite japanische „regierungsdesignierte Großstadt“ (seirei shitei toshi) nach Hiroshima, die Ausländern die Teilnahme an kommunalen Volksabstimmungen erlaubte.
Ins 105-köpfige Präfekturparlament von Kanagawa wählen die als Wahlkreise genutzten Stadtbezirke von Kawasaki zusammen 18 Abgeordnete.Präfektur Kanagawa, Präfekturparlament: Abgeordnete nach Wahlkreis, abgerufen am 22. Mai 2019.
Für das Unterhaus des Nationalparlaments erstreckt sich Kawasaki seit 2024 in die Wahlkreise Kanagawa 9, 10, 18 und 19. 2026 gingen alle an die LDP.
Statistik Beschäftigte im öffentlichen Dienst: 15.280 (Stand 1. Juli 2003) Budget (2004) Allgemeiner Etat: ca. 520 Mrd. Yen Sonderetat: ca. 408 Mrd. Yen Etat der öffentlichen Unternehmen: ca. 201 Mrd. Yen Gedächtnistag für die Ernennung zur Stadt: 1. Juli
512px|Demografie von Kawasaki Bevölkerungsverteilung Kawasakis nach Lebensalter im Jahr 2005. Links: Im Vergleich zur Bevölkerung Japans (violett: Kawasaki, grün: Japan). Rechts: Nach Geschlecht (blau: männlich, rot: weiblich)
Kultur und Sehenswürdigkeiten Tempel und Schreine Kawasaki-Daishi (Heiken-ji). Ein buddhistischer Tempel im Bezirk Kawasaki. Im monzen-machi handwerkliche Herstellung von Bonbons als Souvenir. Mikawari Fudō-Schrein Shinkō-Tempel (Shinkō-ji) im Frühlings- und Herbst-Garten (Shunjū-en) Kotohira-Schrein (Kotohira-jinja) Takaishi-Schrein (Takaishi-jinja) Jōraku-Tempel (Jōraku-ji) Tenshōkō daijin-Schrein (Tenshōkō daijin) Kanayama-Schrein
Museen und Galerien mini|Freilichtmuseum Nihon Minka-en (Bezirk Tama) mini|Staatsbahn-D51-Dampflokomotive im Ikuta Ryokuchi Freilichtmuseum Nihon Minka-en im Bezirk Tama mit Bauernhäusern aus verschiedenen Regionen Japans. Eisenbahn- und Bus-Museum Toshiba-Museum Bürgermuseum Kawasaki Okamoto Tarō Kunstmuseum Fujiko F. Fujio Museum
Musik Myūza Kawasaki Symphonic Hall – Heimat des Tokyo Symphony Orchestra CLUB CITTA Yomiuri-Land EAST (Open Air Music Theater)
Freizeiteinrichtungen Pferderennbahn Kawasaki Keirin-Radrennbahn Kawasaki Kawasaki Marien (Freizeitzentrum) Yomiuri-Land
Parks Parkanlage Ikuta Ryokuchi Grünanlage Todoroki (Todoroki ryokuchi) Tierpark Yumemigasaki (Yumemigasaki dōbutsu kōen)
Regelmäßige Veranstaltungen Daruma-Markt in Shimo-Asao Tamagawa-Großfeuerwerk Sannō-Fest am Inage-Schrein Shin-Yuri Kunstfest Bürgerfest Kawasaki Kawasaki Fantasy-Night Kawasaki Roboter-Kongress In Unity Kanamara-Fest
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Landwirtschaft