Die japanische Besetzung Hongkongs () im Zweiten Weltkrieg begann mit der Kapitulation der britischen und kanadischen Truppen, die Hongkong 18 Tage lang gegen die angreifende Kaiserlich Japanische Armee verteidigt hatten. Am 25. Dezember 1941 übergab der Gouverneur der Kronkolonie, Sir Mark Young, Hongkong dem Kaiserreich Japan. Die folgende Besetzung wurde von vielen Überlebenden und Zeitzeugen später nur entsprechend ihrer Dauer umgangssprachlich als die „Drei Jahre und acht Monate“ () bezeichnet.

Hintergrund zur Schlacht um Hongkong

mini|Karte Hongkongs Im Herbst 1941 hatten die vom Deutschen Reich eroberten Gebiete ihre größte Ausdehnung erreicht: Weite Teile Westeuropas standen unter deutscher Besetzung, die Wehrmacht war im Krieg gegen die Sowjetunion bis vor Leningrad, Moskau und bis zum Don vorgerückt und die deutsche Luftwaffe war trotz der verlorenen Luftschlacht um England noch handlungsfähig.

Nach den Anfangserfolgen der Kaiserlichen Armee im Krieg gegen China hatte sich eine Pattsituation eingestellt. Seit dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 befand sich Japan auch im Krieg gegen die USA und die Westalliierten (Pazifikkrieg). Weniger als acht Stunden später begann am 8. Dezember gegen 8 Uhr morgens Hongkonger Ortszeit mit dem Angriff der 38. Division der Kaiserlichen Armee mit etwa 50.000 Mann unter Generalleutnant Sakai Takashi die Schlacht um Hongkong. Die rund 15.000 Verteidiger gehörten zu Einheiten des britischen Heeres, der Canadian Active Service Force, der British Indian Army, der Royal Air Force und dem aus Freiwilligen zusammengestellten Royal Hong Kong Regiment, sie wurden von Generalmajor Christopher Michael Maltby kommandiert. Eine wichtige Verteidigungsstellung war die Gin-Drinkers-Linie.

Nachdem die japanischen Truppen die New Territories und Kowloon überrannt hatten, überschritten sie am 18. Dezember Victoria Harbour und eröffneten damit den Kampf um Hong Kong Island. Nach heftigen Kämpfen um den einzigen Frischwasservorrat und eine letzte Verteidigungsstellung an der Wong Nai Chong Gap erfolgte am 25. Dezember die Kapitulation. Beamte der Kolonialverwaltung, angeführt von Gouverneur Sir Mark Aitchison Young, vollzogen sie persönlich im dritten Stockwerk des Peninsula Hotels in Kowloon. Am 20. Februar 1942 begann mit der Ernennung von Isogai Rensuke zum ersten japanischen Gouverneur Hongkongs die fast vierjährige Besatzungsverwaltung.

Politik mini|Isogai Rensuke, 1942–1945 Gouverneur der Besatzungsverwaltung Während der gesamten japanischen Besatzungszeit stand Hongkong unter Kriegsrecht. General Isogai Rensuke leitete den Aufbau der Verwaltung von einem Kommandoposten im Peninsula Hotel. Die Militärverwaltung gliederte sich in Abteilungen für Politik, zivile Angelegenheiten, Wirtschaft, Justiz und Marine. Sie erließ strenge Anordnungen und errichtete Exekutivbüros, um umfassende Kontrolle über alle Bewohner Hongkongs auszuüben. Neben Gouverneur Young wurden 7000 britische Soldaten und Zivilisten in Kriegsgefangenen- und Internierungslagern festgehalten, in denen Unterernährung und Krankheiten die Regel waren. Schwere Fälle von Unterernährung wurden zum Beispiel 1945 bei den Insassen des Lagers von Stanley festgestellt. Die japanische Militärregierung übte Kontrolle über die Lagerhäuser der Stadt aus und blockierte Victoria Harbour.

Anfang Januar 1942 wurden ehemalige Angehörige der Hongkonger Polizei, darunter auch Inder und Chinesen, für die japanische Militärpolizei, die Kempeitai, rekrutiert. Die übernahm alle Polizeiwachen und unterteilte Hongkong in fünf Polizeibezirke: Ost-Hongkong, West-Hongkong, Kowloon, New Territories und Küstenpolizei. Das Hauptquartier der Polizei wurde im ehemaligen Gebäude des Obersten Gerichtshofs errichtet.

Mit dem Amtsantritt des japanischen Gouverneurs Isogai begann eine systematische Neubesetzung der Verwaltung. Japanische Beamte, die weisungsabhängig von Tokyo waren, übernahmen alle wichtigen Posten im Büro des Gouverneurs und seinen Abteilungen, Chinesen konnten nur niedere und mittlere Posten einnehmen. Administrativ unterteilten die Japaner Hongkong Island in zwölf Bezirke, Kowloon in sechs.

Wirtschaft mini|Westliche Bankangestellte nach der Verhaftung durch die japanische Armee Alle wirtschaftlichen Aktivitäten wurden streng überwacht und die Mehrheit der Industriebetriebe fiel unter direkte japanische Kontrolle. Der Hongkong-Dollar wurde verboten und sein Besitz mit Folter bestraft. Alle Banken und Geschäfte verloren ihre Vermögen. Stattdessen führten die Besatzer japanisches Militärgeld (, kurz jap. Gun’yō Shuhyō, kurz gunpyō) durch einen Zwangsumtausch ein. Die dadurch gewonnenen Hongkong-Dollar wurden zur Finanzierung der Kriegswirtschaft verwendet. Das neue Militärgeld wurde im Juni 1943 einziges amtlich gültiges Zahlungsmittel. Wegen seiner zunehmenden Entwertung stiegen die Preise rasant, bis das Militärgeld praktisch wertlos wurde.

Angesichts der Treibstoffknappheit und zunehmender Luftangriffen der USAAF wurden die Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen der Stadt zunehmend unbrauchbar. Zehntausende Einwohner wurden obdachlos, viele von ihnen wurden von den Japanern für Schiffbau und Bauprojekte rekrutiert. Die Rennbahn von Fanling und der Flugplatz in Kam Tin wurden zu experimentellem Reisanbau genutzt. Um zusätzliche Flächen zu gewinnen, erwogen die Japaner auch ein Landgewinnungsprojekt im Hafen von Tai Po Hoi.

Um den japanischen Einfluss auf die Wirtschaft Hongkongs zu erhöhen, wurden zwei Banken, die Yokohama Specie Bank und die Bank of Taiwan, wiedereröffnet, während die übrigen Banken von den Japanern liquidiert wurden. Britische, amerikanische und niederländische Bankangestellte wurden in einem kleinen Hotel einquartiert, einige wurden als Feinde Japans exekutiert. Ab Mai 1942 wurde die Ansiedlung japanischer Unternehmen gefördert. Im Oktober 1942 wurde ein Kartell japanischer Firmen errichtet, das den gesamten Überseehandel kontrollieren sollte.

Umsiedlung, öffentlicher Dienst und Gesundheitswesen Nahrungsmittelknappheit und Umsiedlungen mini|Rückgang der Einwohnerzahl nach „Repatriierungen“ Während der gesamten Besatzungszeit betrieben die Japaner eine „Repatriierungspolitik“, Zwangsumsiedlungen insbesondere von arbeitslosen Hongkongern auf das chinesische Festland, um dem chronischen Nahrungsmangel entgegenzuwirken und die Stadt vor einem möglichen alliierten Gegenangriff zu entvölkern. Die Einwohnerzahl nahm bis 1945 von 1,6 Millionen auf 600.000 ab.Keith Bradsher, New York Times, 18. April 2005: , In: commondreams.org, Common Dreams, abgerufen am 27. Juni 2020. (englisch) Die Besatzer nutzten staatliche und private Einrichtungen ohne Rücksicht auf zivilen Bedarf für ihre Zwecke. Für die Erweiterung des Flughafens Kai Tak wurden zum Beispiel die historische Stätte des Sung-Wong-Toi-Denkmals (Song Bing) und Teile der Kowloon Walled City zerstört. Einige renommierte weiterführende Schulen wurden zu Militärlazaretten umfunktioniert, darunter die Jesuitenschule Wah Yan College, die Diocesan Boys’ School, die Central British School (heute: King George V School), das anglikanische St. Paul’s Girls’ College und das La Salle College.

Viele Bewohner Hongkongs hatten nicht genug zu essen, und es gab viele Todesfälle durch Unterernährung. Wegen der Lebensmittelknappheit wurden Grundnahrungsmittel von den japanischen Behörden rationiert. Den Familien standen pro Person und Tag 6,4 Tael (0,24 kg) Reis gegen Lebensmittelkarten zu. Das Rationierungssystem wurde 1944 aufgegeben.

Wohltätige Organisationen Unter der japanischen Besatzung wurden wohltätige Aktivitäten stark eingeschränkt. Zwar wurde ein Stiftungsfonds zur Sammlung von mildtätigen Spenden errichtet, die Mittel wurden jedoch an die japanische Regierung weitergeleitet und nicht für die Hongkonger Bevölkerung verwendet. Erst nach einem Appell durch den Bischof und die Chinese Representatives’ Association versprach Gouverneur Isogai im September 1942 Unterstützung durch Regierungsseite, allerdings unter der Bedingung, dass alle gesammelten Mittel durch den neu geschaffenen Far East Foundation Fund zuerst an seine Verwaltung übergeben würden.

Die Organisation Po Leung Kuk spielte eine wichtige Rolle bei der Versorgung von Waisen. Wegen der japanischen Besetzung konnte sie nicht auf ihre Konten zugreifen und hatte mit finanziellen Engpässen zu kämpfen. Nur durch die Spenden von Aw Boon Haw, einem langjährigen Förderer der Po Leung Kuk, konnte sie ihre Arbeit fortsetzen.

Krankenhäuser und Gesundheitswesen Während der Besetzung war der Zugang zu Krankenhäusern für die meisten Menschen stark eingeschränkt. Das Kowloon Hospital und das Queen Mary Hospital wurden ebenso wie das Tung Wah Eastern Hospital von den Japanern als Militärspitäler genutzt.

Trotz des Mangels an Medikamenten und Geldmitteln setzten die zur Tung-Wah-Gruppe gehörenden Krankenhäuser wie das Tung Wah Hospital und das Kwong Wah Hospital ihren Dienst für die Öffentlichkeit eingeschränkt fort. Sie gaben Nahrung, Medikamente und Kleidung an Bedürftige aus und organisierten Beerdigungen. Obwohl sie staatliche Mittel erhielten, hatten sie große finanzielle Schwierigkeiten; sie mussten auf Benefizveranstaltungen wie Musik- und Theateraufführungen Geld sammeln.

Schulen, Presse und Propaganda

Durch die Schulen, die Massenmedien und andere Mittel der Propaganda versuchten die Japaner Kontrolle über die öffentliche Meinung in Hongkong zu erlangen und so ihr Besatzungsregime zu stärken. Die Japanisierung verschiedener Bereiche des täglichen Lebens, die auch in anderen Kolonien und besetzen Gebieten Japans eingesetzt wurde, diente dazu, die einheimische Kultur zu verdrängen und die Überlegenheit Japans zu demonstrieren.

Schulen und Bildungssystem Nach japanischer Überzeugung war die Bildung ein zentrales Mittel zur Stärkung des japanischen Einflusses. Japanischer Sprachunterricht wurde Pflicht, und Schülern mit schlechten Prüfungsergebnissen in Japanisch drohten körperliche Strafen. Neueingerichtete private Sprachschulen sollten den mündlichen Gebrauch des Japanischen fördern. Englisch durfte nicht mehr unterrichtet werden. Die Militärverwaltung kontrollierte auch die Lehrerausbildung und verlangte von allen einen Japanisch-Test; wer den Test nicht bestand, musste an einem dreimonatigen Kurs teilnehmen. Außerdem sollten japanische Kultur, Wertvorstellungen und Gebräuche in die Erziehung eingeführt werden. Diese Japanisierungspolitik sollte die Menschen antreiben, Japanisch zu lernen, die Kontrolle über die Bevölkerung erhöhen und so die Errichtung der großostasiatischen Wohlstandssphäre erleichtern.

Propaganda Die japanischen Besatzungstruppen benutzten ein zweisprachiges System aus Englisch und Japanisch, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Englische Schilder und Werbung an den Geschäften wurden entfernt, und im April 1942 erhielten alle Straßen und Gebäude im Bezirk Central japanische Namen; die Queen’s Road wurde zum Shōwa-dōri, die Des Voeux Road zum Meiji-dōri; das Peninsula Hotel hieß nun Matsumoto und das Kaufhaus Lane Crawford Matsuzakaya.

Ziel der japanischen Propaganda war auch, die Überlegenheit von japanischer Lebensweise und Werten über den westlichen Materialismus herauszustellen. Die Pflege japanischer Rituale anlässlich von Festen, Staatsanlässen, Feiertagen und militärischen Siegen sollte den japanischen Einfluss in Hongkong stärken. Beispielsweise wurden ein Yasukuni-Fest zur Ehrung der Kriegstoten und am 11. Februar ein „Tag des Kaiserreichs“ zur Verehrung von Kaiser Jimmu begangen. Auch neu erbaute Schreine und ein Denkmal sollten die japanischen Kriegshelden ehren.

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