mini|300px|Oberes und Unteres Schloss mini|300px|Weiße Elster mit der Friedensbrücke

Greiz (amtlich Greiz im Vogtland) ist eine Stadt im Südosten Thüringens, unmittelbar an der Landesgrenze zu Sachsen gelegen. Sie ist die Kreisstadt des Landkreises Greiz und Mittelzentrum für den südlichen Teil des Landkreises. Die Stadt liegt im Tal der Weißen Elster im thüringischen Vogtland. Wegen ihrer reizvollen Lage in einem Talkessel und ihrer zahlreichen historischen Bauten trägt sie den Beinamen „Perle des Vogtlandes“. Greiz war bis 1918 die Residenzstadt des vom Haus Reuß regierten Fürstentums Reuß älterer Linie. Von 1922 bis 1950 war Greiz kreisfreie Stadt im Land Thüringen.

Geographie Geographische Lage Die Kernstadt liegt im engen Tal der Weißen Elster, unterhalb der Mündung der Göltzsch. Die Altstadt und der größte Teil der Kernstadt liegen östlich und die Neustadt mit dem Bahnhof westlich der Weißen Elster. Im Norden liegt der Greiz-Werdauer-Wald.

Die wichtigsten größeren Städte in der Nähe von Greiz sind Gera, Zwickau und Plauen. Weitere nahe Städte sind Berga/Elster und Zeulenroda-Triebes sowie in Sachsen die Städte Reichenbach im Vogtland, Netzschkau, Elsterberg und Werdau.

Stadtbild Greiz wird von großen Häusern aus der Gründerzeit im Historismus und Jugendstil geprägt, die vom einstigen Reichtum der Stadt infolge der Textilindustrie zeugen. Zuvor waren in mehreren Stadtbränden die mittelalterlichen Bürgerhäuser weitgehend zerstört worden (siehe: Geschichte).

Stadtgliederung

Greiz ist territorial untergliedert in die Kernstadt sowie 10 Ortsteile, die jeweils eine Ortsteilverfassung und einen eigenen Ortsteilbürgermeister und Ortsteilrat besitzen.

Die unbewohnten Wälder direkt westlich und nordwestlich der Greizer Kernstadt gehören zu keinem Ortsteil, sondern bilden den innerhalb der Stadt eigenständigen Waldbezirk Heinrichsgrün.

Ortsteil Eingemeindung Orte, Weiler und Siedlungen Erste Eingemeindung Gemarkung Greiz (Kernstadt) Altstadt, Neustadt, Reißberg, Laagweg und Kupferhammer Greiz1856ObertannendorfUntertannendorf 1. April 1921Pohlitz mit Herrenreuth PohlitzIrchwitz mit Aubachtal, St. Adelheid und Thalbach Irchwitz 1. Oktober 1922Schönfeld SchönfeldCossengrün/Hohndorf/Schönbach 31. Dezember 2012Cossengrün 1. Juli 1999 nach Vogtländisches Oberland CossengrünEubenberg mit Kesselmühle 1. Juli 1950 nach Arnsgrün EubenbergGablau 1. Juli 1950 nach Leiningen Gablau-LeiningenHohndorf mit Landesgrenze und Steinermühle 1. Juli 1999 nach Vogtländisches Oberland HohndorfLeiningen 22. Januar 1994 nach Hohndorf Gablau-LeiningenPansdorf 1. Juli 1958 nach Tremnitz PansdorfSchönbach mit Kölbelmühle 1. Juli 1999 nach Vogtländisches Oberland SchönbachTremnitz22. Januar 1994 nach Hohndorf TremnitzGommla 1. Oktober 1922 Gommla mit Pommeranz GommlaKurtschau 1. Oktober 1922 Kurtschau mit Neukurtschau KurtschauMoschwitz 1. Oktober 1922 Moschwitz mit Lindenhäuser, Krellenhäuser, Mühlenhäuser und Neu‑Moschwitz MoschwitzNeumühle/Elster 31. Dezember 2019 Neumühle, Bretmühle, Grüne Eiche, Knottengrund, Krebsmühle, Lehnamühle, Neuhammer 1. Januar 1960 nach Neumühle/Elster Neumühle/ElsterObergrochlitz/Caselwitz 1. Oktober 1922Obergrochlitz mit Schleußengut 1. April 1922 nach Caselwitz-Grochlitz GrochlitzCaselwitz mit Eichleite 1. April 1922 nach Caselwitz-Grochlitz Caselwitz, DölauRaasdorf 1. Oktober 1922 Raasdorf RaasdorfReinsdorf 30. Juni 1994 Reinsdorf ReinsdorfWaltersdorf 1. Juli 1950 nach Reinsdorf Waltersdorf b. GreizSachswitz/Dölau/Rothenthal 1. Oktober 1922Dölau DölauRothenthal 1. April 1922 nach Dölau RothenthalSachswitz 1. April 1922 nach Dölau SachswitzUntergrochlitz 1. Oktober 1922 Untergrochlitz Grochlitz, Moschwitz War ein Ort nie eine eigenständige Gemeinde, wird er in der Spalte „Orte, Weiler und Siedlungen“ bei dem Ort aufgeführt, zu dem er anfänglich gehörte.

mini|hochkant=5|zentriert|Panorama der Kernstadt

Nachbargemeinden Die nachfolgenden Gemeinden grenzen an Greiz: Im Landkreis Greiz: Zeulenroda-Triebes, Langenwetzendorf, Mohlsdorf-Teichwolframsdorf, Berga-Wünschendorf Im Vogtlandkreis (Sachsen): Reichenbach im Vogtland, Netzschkau, Elsterberg, Pöhl, Plauen, Rosenbach/Vogtl.

Geschichte Ursprung bis 1800 Bereits seit der jüngeren Steinzeit war der Talkessel der Weißen Elster bewohnt. Auf Kelten und Germanen folgten ab dem 7. Jahrhundert slawische Bewohner. Der heutige Name Greiz, ehemals Grewcz, ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs (slawisch: gradec, „befestigter Ort“) und wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt.Matthias Werner: Die Ersterwähnung von Greiz im Jahre 1209: „pars nemoris prope Graitz“. Die Anfänge von Greiz und die älteste Geschichte der Vögte von Weida. Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Frankfurt am Main 2009. Bei den Überlegungen zum Ursprung des Namens wird von der früheren Schreibweise Grouts ausgegangen. mini|Oberes Schloss, 2022 mini|Sommerpalais, 2022 mini|Greiz vom Galgenberg

Im Jahr 1225 wird für Greiz erstmals eine Burganlage und ein Vorgängerbau der Stadtkirche St. Marien, erbaut durch die Weidaer Vögte, erwähnt.Heimatbote Greiz. 1985, Heft 8, S. 148. Bei der Teilung des Vogtlandes 1237 erhielt der jüngste der drei Weidaer Vögte Heinrich V. (geb. um 1209) das Gebiet um Greiz-Werdau-Reichenbach. Er verlegte seinen Sitz auf die Greizer Burg und nannte sich Vogt von Greiz. Damit war Greiz erstmals Sitz einer Herrschaft. Bereits 1240 kinderlos verstorben, fiel sein Besitz an Heinrich I. von Plauen, den ältesten Sohn seines älteren Bruders, Heinrich IV. von Gera. 1269 wird Greiz erstmals urkundlich als Dorf erwähntHeimatbote Greiz. 1986, Heft 3, S. 50. und im Jahr 1302 zwei Bürger von Greiz. Nachdem Vogt Heinrich I. von Plauen, der seine drei Söhne überlebt, 1303 starb, teilten seine zwei lebenden Enkel, Heinrich (III.) von Seeberg, Sohn Heinrichs (II.) des Böhmen, und Heinrich II. Reuß von Plauen, Sohn von Heinrich Ruthenus (des Ruszen oder Reußen) im Jahr 1306 das bisher gemeinsam verwaltete Gebiet auf. Heinrich Ruthenus wurde durch seinen Sohn Heinrich (II.) Reuß zum Gründer der jüngeren Linie, der Reußen von Plauen zu Greiz, der die Herrschaft Greiz mit Greiz als Residenz, Werdau, Reichenbach, Mylau, Ronneburg und Schmölln erhielt.Greizer Heimatkalender. 2002, S. 18.

Im Vogtländischen Krieg 1354/55 unter die Lehnshoheit der wettinischen Markgrafen zu Meißen geraten, schlichteten die Markgrafen zu Meißen im Juni 1359 einen Bruderzwist der Reußen in einem „Aussöhnungs- und Erbteilungsvertrag“, in dem Greiz erstmals urkundlich als Stadt erwähnt wird.Heimatbote Greiz 1984, Heft 2, S. 28. Am 23. Mai 1449 belehnte Kurfürst Friedrich II. der Sanftmütige von Sachsen die beiden reußischen Brüder Heinrich IX. und Heinrich X. mit der Herrschaft Greiz in den beiden Teilen Hinter- und Vorderschloß, benannt nach den beiden Hauptflügeln des Herrschaftssitzes auf dem Greizer Schlossberg. Diese Teilungsurkunde ist insofern wichtig, da alle dazugehörenden Dörfer aufgeführt werden und so für viele Dörfer eine urkundliche Ersterwähnung erfolgte.Friedrich Schneider: Ausgewählte Urkunden zur allgemeinen Geschichte des Reußenlandes (= Veröffentlichungen des Thüringischen Staats-Archivs Greiz. Band 2). Greifenverlag, Rudolstadt 1924.

1474 wird erstmals ein Schulmeister und 1486 ein Greizer Gemeinderat erwähnt. Bürgermeister, Rat und Stadtsiegel sind nachweisbar.Werner Querfeld: Greiz – Geschichte einer Stadt. Mediatect, Greiz 1995. 1494 wurden bei einem großen Stadtbrand 51 Häuser zerstört. Das älteste vorhandene Stadtprivileg, das auf den 15. März 1527 datiert, ist eine Erneuerung älterer, nicht mehr vorhandener Greizer Stadtprivilegien durch Heinrich XIII. Am 14. Oktober 1537 erfolgte eine Neubestätigung. Ab Herbst 1533 begann die vom sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen angeordnete Kirchenvisitation zur Einführung der Reformation, die spätestens im Frühjahr 1534 abgeschlossen wurde. Infolge eines Blitzschlags brannte das Obere Schloss am 3. Juni 1540 in größeren Teilen ab.Greizer Heimatkalender 1959, S. 14.

Nach der Niederlage der Protestanten unter der Führung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547, an der Heinrich XIV., der Ältere Reuß teilnahm, verfielen die drei reußischen Brüder der Reichsacht und verloren ihren Greizer Besitz. Wohnsitz nahmen sie in Oberkranichfeld, welches sie behalten durften.Alfred Pasold: Geschichte der reußischen Landesteilungen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Einführung der Primogenitur im Jahr 1690. Wagner, Neustadt/Orla 1934, S. 52. Gleichzeitig ging, entsprechend dem auf die reußischen Lande bezogenen Artikel des Prager Vertrages vom 14. Oktober 1546, die Lehnshoheit vom Kurfürstentum Sachsen an das Königreich Böhmen über. Mit dem feierlichen Lehnsbrief über die reußische und die gerischen Herrschaften wurde Heinrich IV. von Plauen aus der burggräflichen Linie der Plauener Vögte, am 21. Januar 1549 vom böhmischen König Ferdinand offiziell als Landesherr von Greiz eingesetzt.Berthold Schmidt: Burggraf Heinrich IV. zu Meißen, Oberstkanzler der Krone Böhmens und seine Regierung im Vogtland. Gera 1888, S. 232. Nach Heinrichs Tod am 19. Mai 1554 wurde sein Sohn Heinrich V. von Plauen Landesherr in Greiz. Nach langem Kampf hatten die Bemühungen der Reußen zur Rückgabe ihrer Gebiete Erfolg. Am 14. März 1562 erhielten die Brüder Reuß durch kaiserlichen Schiedsspruch das Greizer Gebiet als Neubelehnung zurück.

mini|Sommerpalais um 1760

Im Jahr 1564 kam es zu der folgenschweren Landesteilung der reußischen Gebiete: Untergreiz mit Heinrich XIV., dem Älteren Obergreiz mit Heinrich XV., dem Mittleren Gera mit Heinrich XVI., dem Jüngeren Noch im selben Jahr begann der Bau der Residenz Heinrich XIV. in der Stadt, des zweiten Schlosses in Greiz, dem späteren „Unteren Schloss“.Hubertus Blase: Das Untere Schloß zu Greiz und seine Kulturschätze. Kreisheimatmuseum, Greiz, 2., erweiterte Aufl. 1985.

Wie alle Reußen teilten auch die älterer Linie, am 26. August 1673 in den erblichen Reichsgrafenstand unter Lehnshoheit zur böhmischen Krone erhoben, immer weiter und erst 1768 kam es zur Vereinigung der beiden verbliebenen Linien zur Grafschaft Reuß älterer Linie, die 1778 Fürstentum wurde.

1800 bis heute Ein großer Brand zerstörte Greiz am 6. April 1802 fast gänzlich. Insgesamt brannten etwa 430 Gebäude nieder, darunter 237 Bürgerhäuser, der Rest waren Nebengebäude und Scheunen. Viele weitere Gebäude wurden während des Brandes abgerissen, um das rasch anwachsende Feuer aufzuhalten.Ulrich Jugel: Der große Greizer Stadtbrand vom 6. April des Jahres 1802. In: Jahrbuch. 10. Jahrgang, Plauen 1993, S. 39–42.

mini|Greiz von der Elster aus 1838