Plüderhausen ist eine Gemeinde östlich von Schorndorf im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage mini|Luftbild von PlüderhausenDie Gemeinde liegt im Remstal, eingebettet zwischen den Höhen des Schurwaldes und des Welzheimer Waldes zwischen 260 und 505 m Höhe, das Zentrum auf 274 m.

Nachbargemeinden An das Gemeindegebiet grenzen im Norden Welzheim, im Osten Lorch-Waldhausen, im Südosten Börtlingen, im Süden Adelberg, im Westen Schorndorf und im Nordwesten Urbach.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Dörfer Plüderhausen und Walkersbach, der Weiler Aichenbachhof und die Höfe Eibenhof, Köshof, Neuweilerhof, Plüderwiesenhof und Schautenhof. Im Gemeindegebiet liegen die abgegangenen Ortschaften Linthalten, Neuweiler und Tannschöpflenshof.Der Tannschöpflenshof lag laut Topographischer Karte westlich der Pfahlbronner Mühle auf der Höhe südlich des Heubergs.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 534–536 Die Gemeinde ist zudem in die beiden Wohnbezirke Plüderhausen (mit Plüderhausen, Plüderwiesenhof, Aichenbachhof und Neuweilerhof) und Walkersbach (mit Walkersbach, Schautenhof, Köshof und Eibenhof) gegliedert.Hauptsatzung der Gemeinde Plüderhausen vom 29. November 2001 (PDF; 30 kB)

Das Gemeindegebiet ist durch einen schmalen Keil Urbacher Gemarkung nach Nordosten zum Walkersbachtal in einen größeren südlichen Teil um Plüderhausen und einen kleinen nördlichen um Walkersbach geteilt. Hinzu kommt eine sehr kleine Gemeindeexklave um den Schautenhof nördlich von Walkersbach.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Plüderhausen.

Geschichte mini|Plüderhausen, Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1685 mini|Walkersbach mit Glashütte, Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1685

Mittelalter Plüderhausen wurde erstmals 1142 als „Pliderhusen“ erwähnt. Der Name soll vom althochdeutschen blidheri hergeleitet sein, was ungefähr „froher Krieger“ bedeutet. Während der Zeit der Staufer unterstand Plüderhausen den auf dem Elisabethenberg bei Waldhausen ansässigen staufischen Ministerialien. Ab 1246 herrschten die Grafen von Württemberg über den Ort, der ab 1421 als Unteramt der württembergischen Vogtei Schorndorf unterstellt war. Der spätere Ortsteil Walkersbach wurde 1262 erstmals erwähnt, ist aber vermutlich viel älter., Gemeinde Plüderhausen, abgerufen am 30. Dezember 2007

Frühe Neuzeit 1519 brannte Jörg Staufer, Mitglied des Schwäbischen Bundes, von Göppingen kommend während eines Feldzuges gegen Herzog Ulrich von Württemberg die Kirche von Plüderhausen und 80 Wohnhäuser nieder. Im selben Jahr wurde die Kirche neu gebaut. 1536 wurde in Plüderhausen die Reformation eingeführt. Als Kurfürst Johann von Sachsen 1546 nach Niederlagen im Schmalkaldischen Krieg den Rückzug einleitete, übernachtete er mit seinem Heer vom 27. auf den 28. November in Plüderhausen, wobei es zu Plünderungen kam., Gemeinde Plüderhausen, abgerufen am 30. Dezember 2007, Gemeinde Plüderhausen, abgerufen am 30. Dezember 2007

1626 wurde der heute noch benutzte Friedhof angelegt. Infolge des Dreißigjährigen Krieges starben viele Plüderhäuser, viele andere flüchteten, so dass von den rund 1800 Einwohnern bei Kriegsbeginn nur noch 57 zu Kriegsende verblieben. Sieben Jahre später waren es wieder rund 700.

mini|hochkant|Margaretenkirche (evang.) von 1804 1804 wurde anstelle der Kirche von 1519 die Sankt-Margarethen-Kirche gebaut; Chor und Turm wurden dabei erhalten. 1805 erhielt Plüderhausen Marktrechte.

Königszeit Plüderhausen mit seinem noch bis 1818 bestehenden Unteramt wurde bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg vom Oberamt Schorndorf getrennt und 1807 dem Oberamt Welzheim unterstellt.

Im selben Jahr wurde das rund 5 Kilometer nordwestlich gelegene Walkersbach ein Ortsteil von Plüderhausen. Die Beschreibung des Oberamtes Welzheim von 1845 hebt die Bedeutung des Obstbaus hervor.

1861 wurde der Abschnitt Cannstatt–Wasseralfingen der Remsbahn eingeweiht, wodurch Plüderhausen Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatseisenbahnen erhielt. 1863 begann der Bäcker Jakob Friedrich Schüle mit der maschinellen Erzeugung von Spätzle und Nudeln, und begründete damit die spätere Eierteigwarenfabrik Schüle-Hohenlohe AG.

1907 wurde die Schlossgartenschule gebaut, 1914 das neue Rathaus.

Zeitgeschichte Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Plüderhausen 1938 zum Landkreis Waiblingen.

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde Plüderhausen nicht beschädigt, der Ort wurde am 20. April 1945 kampflos der US-Armee übergeben.

1945 wurde die Gemeinde Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

1953 wurde die Eierteigwarenfabrik Schüle-Hohenlohe AG stillgelegt, die zum größten Arbeitgeber des Ortes geworden war.

1963 fanden die ersten Plüderhäuser Festtage statt.

1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der Plüderhausen zum Rems-Murr-Kreis kam.

Eingemeindungen 1807: Walkersbach (Exklave)

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1630 1825 1655 600 1825 1800 1871 1725 1890 1816 1900 1788 1910 2038 1925 2373 1939 2579 1950 2724 1961 4088 1970 5545 Jahr Einwohner 1975 7108 1976 7704 1985 8422 1990 9187 1995 9332 2000 9549 2005 9585 2010 9252 2015 9368 2019 9552

Religionen Eine Kirche ist in Plüderhausen seit 1295 bezeugt und gehörte zum Bistum Augsburg. Die Kirche war zunächst Peter und Paul geweiht, ab 1537 St. Margareta. Den Kirchensatz hatten die Staufer 1142 dem Kloster Elchingen geschenkt. Die heutige evangelische Margaretenkirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Unter Herzog Ulrich wurden 1536 die Rechte des Klosters Elchingen durch ein Tauschgeschäft abgelöst und sodann die Reformation durchgeführt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die altwürttembergische Gemeinde überwiegend evangelisch geprägt. Die evangelische Kirchengemeinde gehörte zum Kirchenbezirk Welzheim bis zu seiner Auflösung 1978; seitdem gehört sie zum Kirchenbezirk Schorndorf.

mini|Katholische Herz-Jesu Kirche (2010) Eine nennenswerte Anzahl von Katholiken kam erst durch die Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Plüderhausen. Die Kirche zum Heiligsten Herzen Jesu wurde 1960 erbaut und 1967 als eigene Pfarrei eingerichtet. Diese gehört zum Dekanat Rems-Murr der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

In Plüderhausen gibt es heute insgesamt sieben verschiedene Kirchen: die evangelische Margaretenkirche die evangelische Petruskirche in Walkersbach die katholische Herz-Jesu-Kirche die Evangelisch-methodistische Kirche Gemeinde Gottes – Christliches Zentrum Life Neuapostolische Kirche Süddeutsche Vereinigung Volksmission entschiedene Christen.

Politik mini|Rathaus Mitgliedschaft in wichtigen Organisationen Plüderhausen ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbands Plüderhausen-Urbach, in dem Plüderhausen und Urbach Mitglied sind. Plüderhausen ist Mitglied des Tourismusverein Remstal-Route e. V. Plüderhausen ist Mitglied des Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald e. V.

Bürgermeister Andreas Schaffer wurde im Februar 2018 im ersten Wahlgang mit 68,3 % der Stimmen wiedergewählt. Es war seine fünfte Amtszeit. Seit Juli 2021 ist Benjamin Treiber neuer Bürgermeister. Schaffer hatte seine letzte Amtszeit nicht beendet.

Gemeinderat In Plüderhausen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Plüderhausen hat nach der letzten Wahl 20 Mitglieder (vorher 18). Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Parteien und Wählergemeinschaften % 2024 Sitze 2024 % 2019 Sitze 2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 30,6 6 30,7 6 FW-FD Freie Wähler – Freie Demokraten Plüderhausen e. V. 27,7 5 26,5 5 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,4 3 23,7 5 GLU Grüne Liste Umwelt 15,3 3 19,1 4UBPUnabhängige Liste Plüderhausen11,02 -- -- gesamt 100,0 20 100,0 20 Wahlbeteiligung 63,0 % 57,9 %

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Marktbrunnen und Staufenhalle Verkehr In Plüderhausen halten RegionalBahn-Züge der Remstalbahn zwischen Stuttgart und Aalen. Zudem verkehren die Buslinien 243 und 248 zwischen Plüderhausen, Urbach und Schorndorf. Alle öffentlichen Verkehrsmittel sind in den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) integriert.

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Plüderhausen über Lorch mit Schwäbisch Gmünd und in der anderen Richtung über Urbach mit Schorndorf verbunden. Durch Plüderhausen führt der Remstal-RadwegDer Remstal-Radweg auf einer Internetseite des Remstal Tourismus e. V., abgerufen am 11. Juni 2025., der als Landes-Radfernweg von Aalen kommend zur Mündung der Rems in den Neckar in Remseck führt und dann noch durch Fellbach und Kernen im Remstal nach Weinstadt verläuft.

Plüderhausen hat eine Anschlussstelle zur hier vierspurig ausgebauten Bundesstraße 29 zwischen Stuttgart und Aalen.

Ansässige Unternehmen Plüderhausen ist Produktionsstandort der Oskar Frech GmbH & Co KG, eines Herstellers von Druckgießmaschinen. Oskar Frech hat Ende 2007 das Areal von Schuler Hydrap mit über 12.000 m² Produktionsfläche übernommen. Die Produktion von Schuler Hydrap wurde im Schuler-Konzern an andere Standorte verlagert.

Historische Unternehmen Eierteigwarenfabrik Schüle-Hohenlohe bis 1953, damals größter Arbeitgeber in Plüderhausen. Erhardt Bischoff – Die Firma wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Stuttgart gegründet und fertigte zuerst Bowdenzüge. In den 1950er Jahren erfolgte der Umzug nach Plüderhausen in die Birkenallee. Aufgrund der Drahtseilprodukte wurde die Firma bei den Einheimischen meist als Drahtseilbischoff bezeichnet. Diese Produkte wurden in den nächsten Jahrzehnten schrittweise ersetzt durch kaltgeformte Blechteile und gebogene Rohre. Mit diesen Artikeln und auch Baugruppen wie Abgasanlagen und Wärmetauschern wurde die Firma Bischoff ein bedeutender Zulieferer von deutschen und französischen Automobilherstellern. Zeitweise wurden bis zu 600 Personen beschäftigt und Zweigwerke in Adelmannsfelden und Schechingen betrieben. Anfang der 1990er Jahre kam das Aus für den Kfz.-Teile-Zulieferer.

Bildungseinrichtungen Hohbergschule mit Grund-, Haupt- und Werkrealschule, Realschule. Sieben Kindergärten (vier gemeindliche, zwei evangelisch-lutherische, ein römisch-katholischer), darunter ein Waldkindergarten in Walkersbach und eine Ganztagesbetreuung. Die Volkshochschule Schorndorf bietet vor allem für die Erwachsenen viele Kurse in Plüderhausen an. Gemeindebücherei

Freizeit- und Sportanlagen Östlich von Plüderhausen befindet sich ein Freizeitgelände mit einem Badesee, einer Minigolf-Anlage, Angelteichen und Tennisplätzen. Eine Schießanlage und ein Beach-Volleyball-Feld befinden sich am Schützenhaus.

Plüderhausen besitzt zwei Sportanlagen: den Gänswasen (Austragungsort der Fußballspiele des SV Plüderhausen) und den Sandbühl (Waldsportplatz). Sporthallen sind die Hohbergsporthalle mit einem Außenplatz für Handball und Fußball, einer Weit- und Hochsprunganlage und einer 100-Meter-Sprintbahn und die Staufenhalle mit Gymnastikraum.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Altes Rathaus, erbaut 1569 mini|Naturdenkmal „Teiche in den Bäderwiesen“