mini|A Topas or Mardick with his wife (J. Nieuhof im 17. Jahrhundert)

Die Topasse (singular Topass, auch Schwarze Portugiesen oder Bidau) sind Nachkommen indischer und malaiischer Frauen und hauptsächlich portugiesischer Soldaten, Seeleute und Händler. Der Begriff wurde im Laufe der Zeit für verschiedene Mischbevölkerungen verwendet, bezeichnete aber schließlich bei den Portugiesen nur die Larantuqueiros, die katholische Mischbevölkerung auf den Kleinen Sundainseln. Dort gelang es den Topasse, sich innerhalb einer Generation im 17. Jahrhundert de facto unabhängige, kleine Reiche zu schaffen, die bis ins 19. Jahrhundert nur noch nominell der portugiesischen Krone unterstanden. (PDF; 824 kB) Niederländische Quellen verwenden die Bezeichnung Topasse sowohl für die Mischbevölkerung als auch für Einheimische, die den christlichen Glauben angenommen hatten und im europäischen Stil lebten.Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650-1769

Die Bezeichnung Topasse leitet sich vermutlich vom malaiischen topashe oder Hindi-Wort dobashi ab, was so viel wie „zwei Sprachen“ oder „Übersetzer“ bedeutet. Eine weitere Erklärung leitet sich vom Wort Topi für einen Hut ab. Demnach bezeichneten sich die Topasse auch als Gente de Chapeo (gente de chapéu, port.: Leute der Hüte). (PDF; 70 kB)

Geschichte Erste Berichte 1604 berichtet der Dominikaner Gabriel Quiroga de San Antonio erstmals von „Topasse“ an der Koromandelküste. 1619 berichtet der Vizekönig von Indien dem portugiesischen Hof in einem Brief, dass aufgrund des Mangels an portugiesischen Soldaten topazes im Fort von Malakka „lästige“ Japaner, Javaner und Malaien ausschalten würden.

Niederländische Aufzeichnungen von 1648 berichten von einer Gruppe der toupas neben den Mestizen, und nach der portugiesischen Niederlage am 7. Januar 1663 in Cochin wurden die Rechte von gefangenen Toepassen festgelegt. 1690 berichtete der im niederländischen Dienst stehende Deutsche Engelbert Kaempfer von einem Dorf bei Ayutthaya im heutigen Thailand, in dem eine „portugiesische Rasse mit schwarzen Frauen“ zusammenlebe. Der englische Kapitän Alexander Hamilton schreibt in seinem Buch 1727 von 200 Topasse oder indischen Portugiesen, die in Kambodscha siedelten.

Kleine Sundainseln Die Topasse der Kleinen Sundainseln stammen von Frauen aus Larantuka auf den heute indonesischen Inseln Flores und Solor und Portugiesen, aber auch Holländern ab. Hier bezeichnen sie sich selbst als Larantuqueiros.

Nach niederländischen Berichten beherrschten die Topasse von Larantuka aus bereits 1623 die Häfen an der Nordküste Timors. Einen Aufbruch erlebten die Topasse mit Ankunft von Jan da Hornay (auch João de Hornay, d’Ornay, da Ornai, de Horney). Selbst Mestize, war er ab 1627 niederländischer Kommandant der Festung auf Solor, doch zwei Jahre später lief er zu den Portugiesen über, woraufhin die portugiesischen Dominikaner wieder die Kontrolle über Solor übernahmen. Hornay ging nach Larantuka, heiratete eine timoresische Sklavin und gründete mit seinen zwei Söhnen António und Francisco einen mächtigen Familienclan. Mateus da Costa, ein Waffengefährte von António da Hornay, heiratete die Tochter eines westtimoresischen Herrschers (je nach Quelle von Amanuban oder Ambeno) und gründete den rivalisierenden Clan der Costas. Die Clans verbanden sich durch Heirat mit vielen Herrscherfamilien Westtimors, außerdem nahmen einige Herrscher deren Familiennamen an, um sich ihre Autorität anzueignen.

Auf Flores gründeten die Topasse einen eigenen losen, aber mächtigen Staat, der im Kern aus dem Dreierbund Larantuka, Wureh und Konga bestand. Die Oberhoheit Portugals bestand nur nominell. Es gab keine portugiesischen Beamten, und es wurden keine Steuern abgeführt. Briefe der Regierung in Lissabon wurden ignoriert. Die Topasse übten über die ursprünglichen Völker von Flores die Kontrolle aus, indem sie diese zu ihren „Verbündeten“ machten. Die Eroberung der einzelnen Völker lief immer nach dem gleichen Muster ab: Der angesehenste Raja wurde durch militärischen Druck zum Katholizismus bekehrt. Er musste einen Treueeid auf den König von Portugal schwören und bekam daraufhin den Titel Dom verliehen. Der Raja konnte sein Volk weiter autonom regieren, aber bei Kriegen mussten Hilfstruppen gestellt werden. Diese Methode wandten auch die Portugiesen in ihren Kolonien an. Da die Topasse die Herrschaft ausübten, führten sie Portugiesisch als Amtssprache ein, um sich von den Einheimischen abzugrenzen. Als Handelssprache verwendeten sie das Malaiische, das auf den umliegenden Inseln verstanden wurde.

Von Larantuka aus siedelten die Topasse zusammen mit den Portugiesen ab 1640 in Lifau in der heutigen osttimoresischen Sonderverwaltungsregion Oe-Cusse Ambeno. Ab 1641/42 residierte auch der Führer der Topasse zeitweise in Lifau. Den Titel erhielt er von den Portugiesen, als Zeichen, dass er der regionale Vertreter Portugals war. Von hier aus übernahmen die Topasse die Kontrolle über den Handel mit Sandelholz. Um 1642 lebte bereits eine große Anzahl von Topasse auf Timor und drang in das Inselinnere vor. Durch starke Truppen wurden Verhandlungen mit den dortigen Liurais (Kleinkönige) erzwungen. Dabei drangen sie in das Machtvakuum ein, das nach Zerstörung von Wehale durch den in portugiesischen Diensten stehenden Topass Francisco Fernandes zurückgeblieben war. Viele ehemalige Verbündete von Wehale schlossen sich nun den Topasse an. Gegen die Lieferung von Musketen erhielt man die Kontrolle über den größten Teil der Sandelholzproduktion und konnte die Preise bestimmen. Auch hier kämpften die Familienclans Costa und Hornay um die Vorherrschaft.

In einem niederländischen Bericht aus dem Jahre 1659 heißt es:

Herrscher der Topasse 1665 † Simão Luis 1666–1669 António da Hornay 1670–1673 Mateus da Costa (ab 1671 Generalkapitän) 1673 Manuel da Costa Viera (interim) 1673–1693 † António da Hornay 1693–1696 Francisco da Hornay (ab 1694 Generalkapitän) 1697–1722(?) † Domingos da Costa 1722–1730 Francisco da Hornay II. 1730–1734 João Cave 1734–1749/1751 † Gaspar da CostaHistory of Timor – Technische Universität Lissabon, S. 40ff 1749/51 – 1757 João da Hornay 1757–1777 Francisco da Hornay III. und Domingos da Costa II. (mindestens bis 1772)History of Timor – Technische Universität Lissabon, S. 44ff 1782–1796 Pedro da Hornay (ab 1787 wieder unter portugiesischer Oberhoheit) ab 1816 José da Hornay ab etwa 1835 Filippe da Hornay 1868–1879 João da Hornay Madeira nach 1893–1896 Domingos da Costa III. nach 1898 Pedro da Costa nach 1911–1948 Hugo Hermenegildo da Costa 1948–1999 João Hermenegildo da Costa (bis 1990) und (ab 1949) José Hermenegildo da Costa († 4. November 1999) seit 1999 António Hermenegildo da Costa

Die Topasse sahen sich von mehreren Seiten bedroht: einmal durch portugiesische Händler, die durch die Krone eine Erlaubnis erhielten, die Kontrolle über den Sandelholzhandel zu übernehmen, sodann durch die Dominikaner, die versuchten, eine eigene unabhängige Machtbasis auf Timor zu schaffen, und schließlich durch die einheimischen Liurais, die regelmäßig rebellierten, sowohl gegen die Topasse als auch die Portugiesen. Jedoch einte alle der Kampf gegen die Expansion der Niederländer. 1656 vernichteten die Topasse unter António da Hornay und Mateus da Costa eine niederländische Militärexpedition beim Dorf Amarasi, die gegen sie ausgeschickt worden war, und zwangen sie so, die gerade eroberte Festung von Kupang wieder aufzugeben. Der portugiesische Vizekönig in Goa nutzte schließlich die Rivalität zwischen den Familienclans. Er sandte sowohl an António da Hornay als auch an Mateus da Costa den gleichen Brief, in dem er sie zu seinem Generalkapitän (Capitão-mor) erklärte, sofern derjenige die Macht innehabe. Diese lag zu diesem Zeitpunkt bei António, Mateus akzeptierte dies aber nicht und berief sich dabei auf eine frühere Ernennung. Ein blutiger Machtkampf zwischen den Familien begann und führte später zur Machtteilung innerhalb der Topasse. Zwischen 1668 und 1670 unterwarf Mateus da Costa für Portugal mehrere Königreiche der Tetum im Küstengebiet Belus. Von 1671 an konnte Mateus auch den Titel des Capitão-Mor für sich beanspruchen, doch starb er 1673.Worldstatesman Nach einem kurzen Intermezzo durch Manuel da Costa Vieira gewann António da Hornay noch im selben Jahr den Titel zurück und regierte de facto als Fürst über Larantuka, Solor und Teile Timors. Er wird von den Niederländern als so rücksichtslos beschrieben, dass sie hofften, die Timoresen würden sich deswegen gegen ihn und die Portugiesen wenden. Nach dem Tod von António da Hornay 1693 wurde er von Pater António de Madre de Deus und schließlich von Antónios Bruder Francisco da Hornay abgelöst.Marques, A.H. de Oliveira: História de Portugal, Band II, Lissabon, Palas Editores, 1984, S. 474. Schließlich kam es zur Vereinigung der Hornays und der Costas durch die Heirat von Francisco da Hornay mit einer Tochter von Domingos da Costa, dem Sohn von Mateus. (portugiesisch).

1695 versuchte Portugal erstmals, dem Capitão-mor einen Gouverneur für Timor und Solor voranzustellen. António de Mesquita Pimentel zog aber schnell nach seiner Ankunft 1696 den Zorn der Einheimischen auf sich. Er plünderte sie schamlos aus und ermordete zwei Kinder des Francisco da Hornay. (französisch; PDF; 887 kB) Domingos da Costa, nun der neue Capitão-mor, ließ Pimentel 1697 in Ketten legen und nach Goa zurückschicken. Pimentels Nachfolger André Coelho Vieira wurde von Domingos da Costa 1698 bereits in Larantuka gefangen genommen und nach Macao zurückgeschickt. Erst António Coelho Guerreiro gelang es 1702, wieder in Lifau sein Amt anzutreten, auch wenn die Mehrheit der Topasse sich ihm feindlich gegenüberstellten. Unterstützt wurde Guerreiro dabei vom ansässigen und allgemein verehrten Bischof Manuel de Santo António, der mit Lourenço Lopes, dem Schwager von Domingos da Costa, verhandelte. Lopes wurde als Gegenleistung zum Generalleutnant ernannt. Guerreiro machte Lifau 1702 zum Verwaltungssitz der Kolonie, der aber ständig von den Topasse belagert wurde. Bis 1705 hielt Guerreiro durch, bevor er abziehen musste. Nachdem Lourenço Lopes (1705 bis 1706) und Manuel Ferreira de Almeida (1706 bis 1708) die Geschicke der Kolonie geführt hatten, sorgte Manuel de Santo António bei Domingos da Costa dafür, dass auch der neue portugiesische Gouverneur Jácome de Morais Sarmento (1708 bis 1709) anerkannt wurde. Doch es kam zum Streit zwischen Morais Sarmento und Manuel de Santo António. Morais Sarmento ließ 1708 gegen jedes Recht Dom Mateus da Costa, den Liurai von Viqueque, festnehmen und erniedrigte ihn. Domingos da Costa belagerte daraufhin Lifau bis 1709. Manuel de Santo António rettete die Situation, indem er in das Lager von Domingos da Costa ging und den Topass-Herrscher überredete, sich doch der portugiesischen Krone zu unterwerfen. Der nachfolgende Gouverneur Manuel de Souto-Maior (1709–1714) rehabilitierte Dom Mateus.

1722 wurde António de Albuquerque Coelho zum Gouverneur ernannt, wurde aber drei Jahre lang in Lifau von den Topasse unter Francisco da Hornay II. in Lifau belagert, ebenso Coelhos Nachfolger António Moniz de Macedo (1725–1729 und 1734–1739) für eine längere Zeit. Die Topasse kontrollierten weiterhin den Sandelholzhandel im Inselinneren und den Großteil des Westens Timors. Besser wurde die Lage für die Portugiesen, als 1734 Gouverneur Macedo seine zweite Amtszeit antrat. Der amtierende Capitão mor Gaspar da Costa empfing Macedo freundlich. Gaspar ermöglichte auch den Bau des ersten Priesterseminars auf Timor in Lifau. Er residierte zu diesem Zeitpunkt in Animata, einem Ort mit 1800 Hütten, wenige Kilometer südlich von Lifau, in dem Portugiesen und Einheimische lebten. Ein weiteres Zentrum der Topasse auf Timor war Tulang Ikan.

Der Niedergang auf Timor