mini|hochkant=1.5|Die Plastiken Herkules und Megara im Blüherpark Der Blüherpark ist eine öffentliche Grünfläche in Dresden. Die Anlage, deren Ursprünge auf das 17. Jahrhundert zurückgehen, liegt in Innenstadtnähe. Bei der weitgehenden Zerstörung dieses Kulturdenkmals im Zweiten Weltkrieg gingen die ursprünglichen Strukturen zum Großteil verloren. Seit 2006 erfolgt die Wiederherstellung des Blüherparks. Im Mai 2008 wurde als erster Schritt sein zentraler Teil der Öffentlichkeit übergeben. Der Blüherpark steht als Sachgesamtheit unter Denkmalschutz, vgl. die Liste der denkmalpflegerischen Sachgesamtheiten in Dresden #Parks und Plätze.

Lage mini|hochkant=1.5|Karte des heutigen Blüherparks aus dem Jahr 1895. Hier befand sich damals das Palais des Prinzen Georg. Der Blüherpark befindet sich etwa 800 m südöstlich des Altmarkts und liegt damit in unmittelbarer Nähe des historischen Stadtkerns. In seiner Mitte steht das Deutsche Hygiene-Museum. In der näheren Umgebung befinden sich außerdem die Bürgerwiese, die Güntzwiesen mit dem Rudolf-Harbig-Stadion, das Rathaus, die Gläserne Manufaktur und der ehemalige Kombinatsstammsitz des VEB Robotron. Auf Höhe des östlich der Zinzendorfstraße gelegenen Blüherparks geht die ursprünglich dicht bebaute Innenstadt in die großen zentrumsnahen Grünflächen des Großen Gartens über. Nördlich begrenzt wird der Blüherpark von der Lingnerallee, östlich von der Blüherstraße. Somit liegt er eigentlich in der Pirnaischen Vorstadt und mit dieser in der Gemarkung Altstadt I und dem Stadtbezirk Altstadt.

Im Zuge der Neugliederung des Dresdner Stadtgebiets im Jahr 1991, als Ortsamtsbereiche (seit 2018: Stadtbezirke) und statistische Stadtteile geschaffen wurden, ordnete man den südlichen Teil der Pirnaischen Vorstadt als statistischen Bezirk 036 dem statistischen Stadtteil Seevorstadt-Ost/Großer Garten mit Strehlen-Nordwest zu. Das Parkgelände hat seine ursprünglich klare Abgrenzung zur Umgebung verloren und wird zudem durch das Hygiene-Museum in zwei Teile geteilt, von denen heute nur noch der mit einer Fläche von 4,7 ha etwas größere südliche Teil als der eigentliche Blüherpark bezeichnet wird. Der statistische Bezirk 036, also der Blüherpark und sein weitgehend unbebautes Umland, hatte im Jahr 1992 weniger als zehn Einwohner. Über die Straßenbahnlinien 10 und 13 (Haltestelle Großer Garten) ist der Blüherpark ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden.

Geschichte Vom Rechenbergschen zum Zinzendorfschen Garten mini|Feier zum Namenstag des Kurprinzen im Lusthaus im Rechenbergischen Garten (24. Juni 1653) Der kursächsische Oberhofmarschall Johann Georg von Rechenberg erwarb 1639 das Grundstück des heutigen Blüherparks, das damals außerhalb der Dresdner Stadtmauern südöstlich des Johanniskirchhofs vor dem Pirnaischen Tor lag, und ließ darauf 14 Jahre später ein Lustschloss errichten. Am nördlichen Ende befand sich ein Vorwerk. Im Jahr 1682 kaufte Kurfürst Johann Georg III. den sogenannten Rechenbergschen Garten und legte ihn mit dem benachbarten Taubeschen Garten zusammen, um hier von Johann Friedrich Karcher den Kleinen Lustgarten für höfische Festlichkeiten ausgestalten zu lassen. Dies geschah, entsprechend der damaligen Mode, nach französischem Vorbild. Der entstandene Barockgarten wurde ob seiner langgestreckten Form auch als Langer Garten bezeichnet. Unter anderem legte man ein 280 m langes Gondelbecken mit zwei Teichen an seinen Enden an, das vom Kaitzbach gespeist wurde. Dieser floss, vom Großen Garten aus kommend, südlich des Gartens vorbei. Die vom Kurfürsten verehrte Gräfin Margarethe Susanne von Zinzendorf (1660–1722) erhielt im Januar 1688 den Garten als Liebesgabe geschenkt, weshalb er später als Zinzendorfscher Garten bezeichnet wurde. Bis 1694 blieb er im Besitz der Familie von Zinzendorf.

Bürgerlicher Besitz und Wohnungsnutzung Leutnant Christoph Winkler kaufte den Garten 1703 und brachte ihn damit erstmals in bürgerlichen Besitz. Damit verbunden war seine Nutzung für gewerbliche Zwecke. So wurden hier Wohnungen eingerichtet und vermietet.

Palais des Chevalier de Saxe und Prinz-Georg-Garten mini|Park des Palais Prinz Georg Am 27. November 1764 erwarb Prinz Johann Georg, ein illegitimer Sohn Augusts des Starken mit dem Titel Chevalier de Saxe, für 14.000 Taler den noch immer außerhalb der Stadt gelegenen Garten, um im Zentrum des Geländes eine Maison de plaisance errichten zu lassen. Dazu beauftragte er Friedrich August Krubsacius, der für ihn den 1770 komplett vollendeten Neubau eines Palais vorantrieb. Dieses sogenannte Palais des Chevalier de Saxe oder auch Palais des Prinzen Johann Georg wurde in einem schlichten und zurückhaltenden spätbarock-frühklassizistischen Stil ausgeführt. Der Gebäudeschmuck stammte vom Bildhauer Johann Gottfried Knöffler (1715–1779). Die Innenräume waren für die damalige Zeit nicht übermäßig groß. Man hatte trotz aller fürstlichen Eleganz ein Augenmerk auf bequeme Wohnlichkeit und erschuf somit insgesamt ein Klima der vornehmen Einfachheit. Direkt seitlich an das Palais schlossen sich lange Nebengebäude an, in denen Wirtschafts- und Funktionsräume untergebracht waren.

Unter Einbeziehung einiger ohnehin auf dem Grundstück liegender Felder wurde die Gartenanlage erweitert und völlig umgestaltet. Dazu wurde eine auf das Palais ausgerichtete Hauptachse angelegt und der Garten nach französischen Architekturprinzipien streng achsensymmetrisch ausgeführt, so dass vom Salon aus alle wesentlichen Gartenteile dieses sogenannten Prinz-Georg-Gartens überschaubar waren. Nach seinem Abschied vom Militär siedelte Johann Georg am 30. Januar 1770 ganz auf sein Landhaus über. Entsprechend dem zeitgemäßen Wunsch nach Intimität wohnte er hier sehr zurückgezogen, hielt sich aber weiter einen großen Hofstaat. Nach seinem Tod am 25. Februar 1774 entwickelte sich ein Erbschaftsstreit zwischen seiner testamentarisch als Alleinerbin eingesetzten Halbschwester Friederike Alexandrine Gräfin von Moszyńska und dem Malteserorden, dessen Mitglied der Chevalier de Saxe seit 1728 war und an den gemäß der Ordensprivilegien sämtlicher Besitz hätte fallen müssen. Den folgenden Gerichtsprozess gewann der Orden und erhielt somit das Grundstück samt Palais und Garten.

Garten der Sekundogenitur mini|Lage im Stadtplan von Heinrich Lesch, 1828

Ab 1781 gehörte das Grundstück nach einer Stiftung von Maria Antonia Walpurgis, der Witwe Kurfürst Friedrich Christians, jeweils dem zweitgeborenen sächsischen Prinzen und trug dessen Namen, weshalb es auch als Palais der Sekundogenitur bezeichnet wurde. Diese Anlage ist nicht zu verwechseln mit der Sekundogenitur an der Brühlschen Terrasse, die dem zweitgeborenen Prinzen lediglich als Bibliothek und zur Aufbewahrung seiner Grafiksammlung diente. Zuerst wurde das Palais im Garten der Sekundogenitur der Hauptwohnsitz des Prinzen Anton, der 1827 sächsischer König wurde. Als ersten Garten Dresdens ließ ihn Anton 1782 bis 1783 entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack zu einem englischen Landschaftsgarten umgestalten.

Nach den Plänen von Johann August Giesel, einem Schüler des Oberlandbaumeisters Krubsacius, wurde der damals noch teils erhaltene Rechenbergsche Gondelkanal zugeschüttet und stattdessen der Kaitzbach mäandrierend durch den Park geleitet. Außerdem errichtete man eine künstlich antikisierende Ruine, eine Voliere, eine Grotte sowie verschiedene Pavillons und eine Eremitage. Den Figurenschmuck steuerte Thaddäus Ignatius Wiskotschill bei. Als englischer Garten erlangte der Garten der Sekundogenitur seinerzeit einige Berühmtheit. In dem Palais wurden im Laufe der Zeit mehrere bedeutende Wettiner geboren, so auch König Johann am 12. Dezember 1801 und dessen Enkel Friedrich August III., der letzte König von Sachsen, am 25. Mai 1865.Genia Bleier: Das alte Dresden im Blüherpark ausgegraben. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 5. Mai 2008, S. 15. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an das Palais eine kleine Hauskapelle angebaut. Im Jahr 1888 kaufte die Stadt Dresden den nördlichen Teil des Gartens, um hier die heutige Lingnerallee, damals Johann-Georgen-Allee, anzulegen. Bis 1918 blieb das Palais der offizielle Hauptwohnsitz des jeweiligen zweitgeborenen Wettinerprinzen. Zwischen 1902 und 1926 war Johann Georg Prinz von Sachsen der letzte wettinische Eigentümer. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ er die Anlage unter der Oberaufsicht von Friedrich Bouché nochmals umgestalten. Im vorderen Teil des Gartens befand sich das Vergnügungslokal Zinzendorfs.

Deutsches Hygiene-Museum und Blüherpark Die Stadt Dresden erwarb 1926 auch den damals noch etwa 9 Hektar großen Rest des Grundstücks von den Wettinern. Es folgten tiefe Eingriffe in dessen bis dahin noch weitgehend aus dem 18. Jahrhundert erhaltene Struktur. Bereits ein Jahr später stellte die Stadt einen Großteil der Anlage, etwa 3 Hektar, als Baugrund für das neue Hygiene-Museum zur Verfügung. Dieser Entscheidung gingen lange Diskussionen der Dresdner Stadtplaner über dessen Standort voran. Ausschlaggebend für die Einigung auf dieses sensible Gelände als Bauplatz waren die Nähe zum Großen Garten sowie zum Ausstellungsgelände und dem bereits seit 1896 vorhandenen Stadion, das 1923 als Ilgen-Kampfbahn erneuert worden war. Als wesentliche stadtplanerische Leitlinie wurde die Hauptallee des Großen Gartens in Richtung Stadtzentrum verlängert und das Hygiene-Museum an deren Ende platziert. Damit wollte man der pädagogischen Bedeutung des Gebäudes und seiner erhofften internationalen Ausstrahlung gerecht werden. Es wurde schließlich zwischen 1927 und 1930 unter Leitung von Wilhelm Kreis (1873–1955) ohne Rücksicht auf Standort und Kubatur des alten Palais erbaut, das an sich zwar unangetastet blieb, fortan aber wie ein Hinterhaus dieser neuen städtebaulichen Dominante wirkte und völlig entwertet wurde.

Diese Veränderungen wirkten sich drastisch auf den Garten aus, dessen Gesamtheit nun nicht mehr zu erfassen war. Im Zuge der Fertigstellung des Deutschen Hygiene-Museums im Jahr 1930 und aus Anlass der II. Internationalen Hygiene-Ausstellung gestaltete man ihn zum öffentlichen Volkspark um. Im Vordergrund dieser neuen Konzeption, über deren Zusammenhang mit dem Hygiene-Museum recht wenig bekannt ist, stand wohl die Volkserholung. Man vereinfachte das Wegesystem, schüttete den künstlichen Wasserlauf zu und richtete Spielplätze ein. Ein Pavillon wurde als Kindergarten weitergenutzt. Im Jahr 1931 erhielt das Gelände schließlich den heutigen Namen Blüherpark, der an Bernhard Blüher erinnert, den Dresdner Oberbürgermeister von 1915 bis 1931. Damit erhielt fünf Jahre nach dem Beutlerpark ein zweiter Volkspark den Namen eines vormaligen Stadtoberhaupts. Schon wenige Jahre später, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde die Umgestaltung des Südens der Pirnaischen Vorstadt zum neuen sächsischen Gauforum geplant. Davon wäre auch der Blüherpark betroffen gewesen. Dem alten Palais, das nicht im rechten Winkel zur Hauptachse stand und den neuen Machthabern an diesem Standort missfiel, drohte der Abriss. Zur Umsetzung der Pläne kam es wegen des Zweiten Weltkriegs allerdings nicht. Kurz vor dessen Ende wurde das Gelände durch die Luftangriffe auf Dresden zerstört. Das Palais brannte dabei völlig aus.

Nachkriegszeit bis um 2000 mini|hochkant=1.5|Das einzige bis heute erhaltene Gebäude aus der Zeit der Neugestaltung des ausgehenden 18. Jahrhunderts ist dieses Torhaus an der Lingnerallee.