mini|Nördlicher Teil des Schillerplatzes mit Schillerdenkmal, im Hintergrund der Fastnachtsbrunnen und der Osteiner Hof Der Schillerplatz ist einer der zentralen Plätze in der Mainzer Innenstadt. Dieser lag bereits im römischen Mogontiacum im innerstädtischen Bereich und wurde ab dem Mittelalter als Marktplatz genutzt. Er ist umgeben von mehreren Adelshöfen aus der Barock- und Rokokozeit und Standort verschiedener Denkmäler, so auch des berühmten Mainzer Fastnachtsbrunnens. Heute ist der Schillerplatz einer der größeren begrünten Plätze mit angrenzenden Geschäften des Einzelhandels in der Mainzer Innenstadt.

Namensgebung mini|Detailausschnitt des Dietsmarcktes, Plan nach Matthäus Merian dem Jüngeren, 1655 (siehe auch Beschreibung) Aufgrund der bis ins 19. Jahrhundert hinein uneinheitlichen oder noch nicht existierenden Benennung von Straßen und Plätzen wurde auch das Gelände des Schillerplatzes mehrmals umbenannt. Im ausgehenden 13. und beginnenden 14. Jahrhundert wird der Platz als forum gentile und forum gentilium bezeichnet. Der Name Dietmarkt (abgeleitet von Diet = Volk) für den Schillerplatz taucht vorwiegend im Mittelalter auf. Der Geograph Gottfried Mascop verwendet in seinem Plan von 1575 diesen Namen in der Variante Titzet Marck. Als Diets Marckt findet der Platz sich auf dem Stadtplan von Matthäus Merian, der die Stadt um 1633 wiedergibt, als Dietsmarckt auf einem weiteren Plan von 1655.

Im „Grundriss der Kurfürstlichen Haupt- und Residenzstadt Mainz“ von 1784 führt der Platz nun die Bezeichnung Thiermarkt (abgeleitet von der Nutzung des Marktes für den Viehhandel). Die Thiermarkt Straße führt entlang des Schönborner und des Erthaler Hofes zum Münster Tor. Im zweisprachigen „Plan de la Ville de Mayence“ von 1800/1801 trägt der Thiermarkt nun die neue französische Bezeichnung Place verte und die deutsche Bezeichnung Thiermark. Als 1862 das Schillerdenkmal auf diesem Platz aufgestellt wurde, erhielt er den bis heute gültigen Namen Schillerplatz.

Geschichte Der Schillerplatz liegt unweit des nördlichen Fußes des Kästrichs. Mit ihm ist er heute durch die Emmerich-Josef-Straße verbunden. Dort wurde 13/12 v. Chr. von Drusus ein Zweilegionenlager gegründet. Das Gebiet des heutigen Schillerplatzes lag somit in der Nähe des Lagers und im Bereich der um die Zeitwende entstehenden römischen Zivilsiedlungen. Die von der Porta Praetoria des Legionslagers kommende römische Straße zur Rheinbrücke durchschnitt den heutigen Schillerplatz genau in der Mitte. Obwohl es keine eindeutigen archäologischen Funde gibt, wurde früh die Hypothese aufgestellt, dass im Bereich des heutigen Schillerplatzes das Forum und weitere zentrale administrative Bauten des römischen Mogontiacum zu lokalisieren sind, was zu der oben erwähnten späteren Bezeichnung als forum gentile beziehungsweise forum gentilium geführt haben könnte.Armin und Renate Schmid: Die Römer an Rhein und Main. S. 176 Archäologisch fassbar sind allerdings Reste von Wohnhäusern beziehungsweise villenähnlichen Gebäudeanlagen des 1. und 3. Jahrhunderts entlang der heutigen Schillerstraße.

Ab dem Mittelalter ist die Nutzung des Platzes als einziger hochwasserfreier Marktplatz in Mainz nachgewiesen. Hier fand einer der insgesamt drei Frucht- und Kornmärkte sowie der Viehmarkt der mittelalterlichen Stadt statt. Durch das Gautor, eines der Stadttore von Mainz, gelangten Bauern aus dem südwestlich der Stadt liegenden Umland, Händler und Besucher der Stadt schnell zum naheliegenden Schillerplatz. Der Platz grenzte nun an seinem östlichen Ende an die ausgedehnten Weinbergslagen des unbebauten Kästrichs. Nachweisbar ab dem 13. Jahrhundert kam es rund um den Schillerplatz zu Kloster- und Kirchengründungen, so dass der Schillerplatz im Mittelalter als Zentrum der klösterlichen Ansiedlung in Mainz gelten kann.Matthias Dietz-Lenssen: Klöster in Mainz. in: Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte; Heft 4/07, S. 20

Bei der Eroberung von Mainz 1462 durch Adolf von Nassau fanden auf dem Dietmarkt die letzten Kämpfe gegen die über die benachbarte Gaustraße eingedrungenen Feinde statt. Während der Kampfhandlungen gingen zahlreiche Gebäude vor allem im Bereich Dietmarkt, Emmeransstraße und Schusterstraße in Flammen auf. Insgesamt sollen dabei 150 Häuser zerstört worden sein.Karl-Michael Sprenger: Die Mainzer Stiftsfehde 1459-1463., S. 206–207 in: Dumont, Scherf und Schütz (Hrsg.): Geschichte der Stadt Mainz, 1990 Nach Abschluss der Kampfhandlungen, am 30. Oktober 1462, fand auf dem Dietmarkt eine große öffentliche Gerichtssitzung durch Adolf von Nassau statt, nach deren Ende 800 Mainzer Bürger als Parteigänger Diether von Isenburgs ausgewiesen wurden.Günther Gillessen: Wenn Steine reden könnten. Mainzer Gebäude und ihre Geschichten. S. 144 Für das Jahr 1480 ist auf dem Dietmarkt ein Ritterturnier belegt, ein Zeichen der sich langsam wieder einstellenden Konsolidierung der Verhältnisse in der Stadt sowie der deutlich zunehmenden Präsenz adeliger Familien in Mainz. Insgesamt sollen 350 Teilnehmer aus Schwaben, Franken, Bayern und dem Rheinland dem Turnier ein festliches Gepränge verliehen haben.Wolfgang Dobras: Die kurfürstliche Stadt (1462-1648)., S. 236 in: Dumont, Scherf und Schütz (Hrsg.): Geschichte der Stadt Mainz, 1990 (archiv.twoday.net).

Auch bei einem anderen politisch bedeutsamen Anlass stand der Dietmarkt wieder im Mittelpunkt städtischen Geschehens. Nach einer Kirchenprozession kam es am 26. April 1525 zu einer Versammlung von Bürgern der zünftischen Unter- und Mittelschicht auf dem Dietmarkt. Hintergrund war das Übergreifen des Bauernkrieges Anfang 1525 auf den benachbarten Rheingau. Auch ein Teil der Mainzer Bürger solidarisierte sich mit den Aufständischen. Ihre Anführer, an deren Stelle ein Mainzer Bürger namens Heinz Fladenbäcker stand, erstellten über Nacht einen Forderungskatalog mit 31 Artikeln, dem am nächsten Tag von der versammelten Bürgerschaft sowie den Ratsherren zugestimmt wurde.

mini|Kloster St. Agnes. Die Klosterkirche fiel der Grande Rue Napoléon zum Opfer Bei der Rückeroberung des seit 1792 französisch besetzten Mainz im Rahmen des Ersten Koalitionskrieges kam es 1793 auch im Bereich des Dietmarktes wieder zu größeren Zerstörungen. Im Rahmen der Nationalgüterversteigerung des seit 1798 wieder französisch besetzten Mainz wurde auch das ganze Viertel rund um den Schillerplatz versteigert. In den groß angelegten Planungen des Départmement-Baudirektor Eustache de St. Far Anfang des 19. Jahrhunderts spielte der Place verte eine bedeutende Rolle. Er sollte als Endpunkt einer neu angelegten Prachtstraße, der Grande Rue Napoléon (der heutigen Ludwigsstraße), dienen. Im Zuge der teilweisen Realisierung dieser Pläne wurde 1809 die frühbarocke Klosterkirche St. Agnes abgerissen, um den Durchbruch zwischen Platz und Straße herzustellen. In der Biedermeierzeit war der Thiermarkt, wie er nun genannt wurde, einer der wenigen Orte in Mainz mit einer innerstädtischen Begrünung durch Bäume. In einem größeren Musikpavillon spielten sonntags die Musikkapellen der preußischen und österreichischen Bundestruppen und rund um den Platz hatten sich Warengeschäfte und Confiserien der gehobenen Klasse angesiedelt. Der Osteiner Hof fungierte nun bis 1866 als Gouvernement und somit als Sitz des Militärgouverneurs und der davor liegende Thiermarkt war eine der Sammelstellen der Festungssoldaten bei Alarm.

Vom Balkon des Osteiner Hof aus verlas der Militärgouverneur der Festung Mainz, Hugo von Kathen, in den frühen Abendstunden des 1. August 1914 die Mobilmachung, der Auftakt des Ersten Weltkrieges. Im Anschluss hielt er eine Ansprache an die auf dem Schillerplatz in großer Zahl versammelte Mainzer Bevölkerung. In der Spätzeit der Weimarer Republik wurde auf dem Schillerplatz das Befreiungsdenkmal des bekannten jüdischen Künstlers Benno Elkan aufgestellt.siehe auch Benno Elkan bei regioNet.de (mit Bild des Denkmals) Das Denkmal, gestaltet in Form einer halbnackten Frau, sorgte bei seiner Enthüllung im Juli 1930 für moralisches, aber auch bereits politisches Aufsehen. Es wurde bereits Ende März 1933 aufgrund einer Anweisung des kommissarischen Mainzer Oberbürgermeisters Philipp Wilhelm Jung entfernt und später aufgrund seiner politischen Aussage und der jüdischen Herkunft des Künstlers zerstört. mini|Das Befreiungsdenkmal (Mainz), 1930.

mini|Einziger reservierter Platz am Rosenmontag In der Neuzeit spielt der Schillerplatz einmal im Jahr eine eher friedlichere Rolle: Seit 1982 wird am 11. November jeden Jahres um 11:11 Uhr vom Balkon des Osteiner Hofes aus die kommende Fastnachtskampagne mit der Verkündung des närrischen Grundgesetzes ausgerufen. Durch den Fastnachtsbrunnen sowie weitere Kleindenkmäler mit Fastnachtsbezug ist der Schillerplatz eng mit der Mainzer Fastnacht verbunden. In der heutigen Zeit gehört der Schillerplatz mit seiner Peripherie zu den beliebtesten Einkaufsplätzen in Mainz; der Platz selbst ist mit Grünanlagen und Blumenrabatten geschmückt. Eingebunden ist der Schillerplatz auch bei zwei großen Mainzer Volksfesten: Im Rahmen der Mainzer Fastnacht führte bis 1994 der Mainzer Rosenmontagszug am Schillerplatz vorbei und bog dort auf die Ludwigsstraße ein, seit 1995 nimmt der Zug den umgekehrten Weg, um sich nach Schillerplatz und Schillerstraße in der Binger Straße aufzulösen. Am Beginn des Schillerplatzes, gegenüber dem Proviant-Magazin und dem Schoppenstecher-Standbild, befindet sich während des Rosenmontagsumzuges der einzige reservierte Platz für eine Vereinigung von Fassenachtern. Auch während der Mainzer Johannisnacht ist der Schillerplatz einer der zentralen Festplätze.

Zentrum der Mainzer Klöster Im Mittelalter entstanden ab dem späten 13. Jahrhundert rund um den heutigen Schillerplatz mehrere Klöster und die dazugehörenden Klosterkirchen und weitere repräsentative Gebäude. Bis auf das zu einem Kloster gehörende Gästehaus sind alle Gebäude spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgebrochen worden.

Altmünsterkloster Etwas entfernt, am heutigen Münsterplatz, stand das Altmünsterkloster, die älteste Klostergründung in Mainz. Es wurde um 693 von der heiligen Bilhildis gegründet und 817 erstmals urkundlich als Benediktinerinnenkloster erwähnt. Später, im Jahr 1243, lebten die Nonnen nach den Regeln der Zisterzienserinnen. 1243 erreichte Erzbischof Siegfried III. von Eppstein, dass Altmünster dem Zisterzienserorden inkorporiert und der Aufsicht der Abtei Eberbach im Rheingau unterstellt wurde.Brigitte Flug: Vom Kloster in der Stadt zum städtischen Kloster. Altmünster von seiner Gründung bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. In: Michael Matheus, Walter G. Rödel (Hrsg.): Bausteine zur Mainzer Stadtgeschichte. Mainzer Kolloquium 2000 (= Geschichtliche Landeskunde. Band 55). Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08176-3 (regionalgeschichte.net). Die ursprüngliche Klosteranlage wurde 1656 im Rahmen der Erweiterung der Stadtbefestigung niedergelegt und bis 1662 weiter südlich neu errichtet. Am 15. November 1781 fiel dieses „zweite“ Altmünsterkloster der ersten Mainzer Klosteraufhebung zum Opfer. Der große Klostergarten zog sich bis zum nördlichen Ende des Schillerplatzes beziehungsweise der Schillerstraße hin und wurde nach und nach in Bauland umgewandelt.

Agnesenkloster und St. Agnes