Die Atlantische Hurrikansaison 2011 begann offiziell am 1. Juni und endete am 30. November. Während dieser Periode bilden sich die meisten tropischen Stürme, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, existieren, um die Bildung von Tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen.
Saisonprognosen +Voraussagen tropischer Wirbelsturmaktivitäten für die Saison 2011QuelleDatumStürmeAnzahl derHurrikaneKat. 3+CSUDurchschnitt (1950–2000)9,65,92,3NOAADurchschnitt (1950–2005)11,06,22,7Rekordwerte (hoch)28158Rekordwerte (niedrig)420––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––TSR6. Dezember 201015,68,44,0CSU8. Dezember 20101795CSU6. April 20111695CPC19. Mai 201112–186–103–6TSR24. Mai 201110–185–102–5UKMO26. Mai 201113N/AN/ACSU1. Juni 20111695FSU COAPS1. Juni 2011179N/ACSU3. August 20111695NOAA4. August 201114–197–103–5––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––Tatsächliche Aktivität 19 7 4
Voraussagen über die Aktivität der kommenden Hurrikansaison werden jedes Jahr durch die Hurrikanexperten Philip J. Klotzbach und William M. Gray und ihren Mitarbeitern an der Colorado State University und separat durch die Meteorologen der NOAA sowie vom Konsortium Tropical Storm Risk erstellt.
Klotzbachs Team definierte die durchschnittliche Anzahl von Stürmen pro Saison im Durchschnitt (1950–2000) auf 9,6 tropische Stürme, 5,9 Hurrikane und 2,3 schwere Hurrikane (also solche, die auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala zumindest in die Kategorie 3 eingestuft werden). Eine normale Saison, wie sie durch die NOAA festgelegt wurde, besteht aus 9–12 benannten Stürmen, von denen 5–7 Hurrikanstärke erreichen und 1–3 schwere Hurrikane werden.
Prognosen vor Beginn der Saison Am 8. Dezember 2010 sagte Klotzbachs Team in einer ersten Prognose für die atlantische Hurrikansaison 2011 eine überdurchschnittliche Aktivität mit 17 benannten Stürmen voraus. Von dem Team wird erwartet, dass davon neun Stürme zu einem Hurrikan werden, wobei fünf von ihnen zumindest die Kategorie 3 erreichen. Außerdem ging das Team von einer Accumulated Cyclone Energy (ACE) von etwa 165 aus und gab an, dass die Bildung von El-Niño-Bedingungen vor Beginn der Hurrikansaison unwahrscheinlich sei. Schließlich gab das Team in seiner Vorhersage an, dass die Wahrscheinlichkeit von Stürmen, die das Festland der Vereinigten Staaten erreichen werden, größer sei als 2010.
Tropical Storm Risk (TSR), ein Konsortium am University College London, dem Experten auf den Gebieten Versicherungen, Risikomanagement und klimatischen Saisonvorhersagen angehören, gab einige Tage vor dem Team von der CSU eine ähnliche Einschätzung bekannt. TSR geht von einer tropischen Wirbelsturmaktivität aus, die etwa vierzig Prozent höher liegen könnte, als der Durchschnitt der Jahre 1950–2010. In der Prognose rechnet TSR mit 15,6 (±4,3) tropischen Stürmen, 8,4 (±3,0) Hurrikanen und 4,0 (±1,7) schweren Hurrikanen (die Angaben in Klammern geben die Fehlerbandbreite an), der ACE wurde von TSR auf 141 (±58) prognostiziert.
Die am 6. April veröffentlichte Vorhersage von Klotzbachs Team umfasste nur geringe Änderungen. Der April-Vorhersage zufolge könnten in der Saison 2011 sechzehn benannte Stürme auftreten, von denen sich neun zu Hurrikanen und davon fünf zu Hurrikanen der Kategorie 3 oder höher entwickeln würden.
Das Climate Prediction Center der NOAA gab am 19. Mai seine vorsaisonale Prognose bekannt. Demnach rechnet die NOAA bei einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent mit 12–18 benannten Stürmen, darunter 6–10 Hurrikanen, von denen sich drei bis sechs zu schweren Hurrikanen entwickeln dürften. Die zu erwartende Accumulated Cyclone Energy (ACE) wird auf 105–200 Prozent des Medians der Jahre 1981–2010 geschätzt. Der Prognose legten die Klimatologen der NOAA das Andauern der 1995 begonnenen warmen Phase der Atlantischen Multidekaden-Oszillation (AMO), die weiterhin hohen Wasseroberflächentemperaturen im tropischen Atlantischen Ozean und in der Karibischen See sowie den im Laufe des Sommers abklingenden La-Niña-Effekt und die Annahme der folgenden Normalphase der El Niño-Southern Oscillation zugrunde.
Das Met Office (UKMO) veröffentlichte am 26. Mai seine Vorhersage einer leicht überdurchschnittlich aktiven Hurrikansaison mit 13 benannten Stürmen und einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass deren Zahl zwischen 10 und 17 liegen würde. Das Met Office macht jedoch keine Unterscheidungen hinsichtlich der Intensität, wies also keine Zahl für Hurrikane und schwere Hurrikane aus. Das Institut sagte einen ACE-Wert von 151 voraus und dass der ACE-Wert mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 89 und 212 liegen werde.
Stürme Sturmnamen In der atlantischen Hurrikansaison 2011 wurden die nachfolgenden Namen verwendet: Arlene, Bret, Cindy, Don, Emily, Franklin, Gert, Harvey, Irene, Jose, Katia, Lee, Maria, Nate, Ophelia, Philippe, Rina und Sean. Nicht verwendet wurden die Namen Tammy, Vince und Whitney.
Diese Namen wurden im Jahre 2017 wieder verwendet, mit Ausnahme des Namens Irene, der von der World Meteorological Organization im Frühjahr 2012 von der Liste der Namen tropischer Wirbelstürme gestrichen und durch Irma ersetzt wurde. Diese Liste ist identisch mit der Liste für die Atlantische Hurrikansaison 2005, mit Ausnahme der Namen Don, Katia, Rina, Sean und Whitney, die Dennis, Katrina, Rita, Stan und Wilma ersetzt haben.
Tropischer Sturm Arlene
Am Abend des 28. Juni (Ortszeit) formierte sich im Golf von Mexiko der erste tropische Sturm der Saison. Er bewegte sich mit 11 km/h in westnordwestlicher Richtung auf die mexikanische Küste zu. Sein zentraler Druck betrug 1003 Hektopascal und die Windgeschwindigkeit im Zentrum lag bei rund 65 km/h.Tropical Storm ARLENE Special Advisory 1, National Hurricane Center vom 28. Juni 2011 Später verstärkte sich das System auf bis zu 100 km/h,Tropical Storm ARLENE Advisory 7A, National Hurricane Center vom 30. Juni 2011 bevor es am Vormittag des 30. Juni (Ortszeit) beim Cabo Rojo zwischen Tuxpan und Tampico mexikanisches Festland erreichte.Tropical Storm ARLENE Advisory 8, National Hurricane Center vom 30. Juni 2011 Am Abend (Ortszeit) desselben Tages löste sich Arlene in den Bergen der Sierra Madre Oriental auf.Tropical Storm ARLENE Advisory 10, National Hurricane Center vom 30. Juni 2011 Durch die vom verbliebenen Resttief verursachten schweren Regenfälle sind nach Angaben der mexikanischen Behörden im zentralen Bergland Mexikos zwei Menschen ums Leben gekommen.Tropical storm Arlene kills 2 in Mexico, CBC/Radio-Canada vom 1. Juli 2011
Tropischer Sturm Bret
Mitte Juli erstreckte sich westwärts über den Nordatlantik eine Kaltfront, deren westlichste Komponente stationär in der Nähe Floridas lag. Am 16. Juli entwickelte sich entlang der schwächer werdenden Front nördlich der Bahamas ein Tiefdruckgebiet, das unter geringer werdender Windscherung sich besser organisierte. Es bildete sich eine geschlossene Zirkulation, so dass das NHC am 17. Juli um 21:00 Uhr UTC die Bildung des zweiten tropischen Tiefdruckgebietes der Saison meldete, als sich das Zentrum rund 160 km nordwestlich von Great Abaco Island befand. Es verstärkte innerhalb von drei Stunden zu einem tropischen Sturm und erhielt den Namen Bret. Das System bewegte sich nur gering, während sich Bret weiter intensivierte und die Gewittertätigkeit um das Zentrum zunahm. Der Sturm entwickelte am 18. Juli ein augenähnliches Merkmal und entwickelte mit Windgeschwindigkeiten um 100 km/h seine größte Stärke, bevor er sich in nordöstlicher Richtung davonbewegte. Obwohl starke Windscherung und trockene Luftmassen die weitere Entwicklung behinderten, behielt Bret in den beiden nachfolgenden Tagen eine wohlorganisierte Zirkulation und eine anhaltende Gewittertätigkeit bei. Das Zentrum löste sich jedoch von der Konvektion und so schwächte sich Bret am 22. Juli zum tropischen Tiefdruckgebiet ab. Trotz sehr ungünstiger Bedingungen blieb Bret noch mehrere Stunden ein tropisches System, löste sich dann etwa 600 km nördlich von Bermuda auf.
Tropischer Sturm Cindy
Am 19. Juli entstand aus der Wetterfront, die an der Entstehung des Tropischen Sturms Bret beteiligt war, ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik. Das System zog rasch ostwärts und bildete um sein Zirkulationszentrum nur minimale Konvektion aus, dennoch sah das NHC das Potential zu einer weiteren tropischen oder subtropischen Entwicklung. Das Tief verstärkte sich und erschien besser definiert, sodass es, nachdem die Konvektion näher am warmen Zentrum der Zirkulation auflebte, am 20. Juli um 21:00 Uhr UTC als Tropischer Sturm Cindy klassifiziert wurde. Das Zentrum befand sich zu diesem Zeitpunkt 1065 km ostnordöstlich von Bermuda. Zum Zeitpunkt der Bildung befand sich der Wirbelsturm in einer starken südwestlichen Luftströmung entlang des subtropischen Rückens, sodass für den Großteil der Existenz des Systems eine schnell, stetig nordostwärts gerichtete Wanderung zu erwarten war. Cindy intensivierte sich bis zum Höhepunkt mit Windgeschwindigkeiten von 110 km/h und einem minimalen Zentralluftdruck von 994 hPa. Die Zuggeschwindigkeit des Systems nahm zu, und eine ausgeprägte Front im Nordwesten sorgte für Windscherung. Spät am 22. Juli wurde die letzte Warnung zu Cindy ausgegeben, da sich das System durch die starke Windscherung auflöste. Das Resttief raste nach Nordosten davon, bis es im südlichen Bereich des außertropischen Systems aufging.
Tropischer Sturm Don
Das vierte tropische Tiefdruckgebiet der Saison bildete sich am 27. Juli 2011 nördlich der Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko aus einer tropischen Welle, die lange Zeit unentwickelt in westliche Richtung durch die Karibik zog. Hurricane Hunters haben bei ihrer Mission Windgeschwindigkeiten von rund 39 Stundenmeilen und 1001-mb zentralen Druck gemessen, weshalb das System zum Tropensturm erklärt wurde. Das System bewegte sich in Richtung West-Nordwest auf die Küste des US-Bundesstaats Texas zu. Für die Küstengebiete wurde sofort eine Sturmwarnung ausgegeben.
Tropischer Sturm Emily
Eine starke tropische Welle zog Ende Juli über mehrere Tage hinweg über den offenen tropischen Atlantik. Die Welle blieb jedoch ziemlich desorganisiert und es fehlte eine wohldefinierte Zirkulation. Das System organisierte sich langsam besser, als es sich am 31. Juli den Inseln über dem Winde annäherte, wo der Sturm zu heftigen Wetterbedingungen führte. Spät am 1. August fanden die Hurricane Hunters bei einem Aufklärungsflug eine geschlossene Zirkulation vor. Das System wurde daraufhin vom National Hurricane Center direkt als Tropischer Sturm Emily klassifiziert, kurz nachdem das Zentrum des Sturmes den Antillenbogen überquert hatte.
Das System bewegte sich weiter in Richtung Haiti, wobei es sich nur leicht verstärkte. Jedoch war es dort bei Ankunft am 4. August noch immer nicht gut organisiertTROPICAL STORM EMILY DISCUSSION NUMBER 11, NHC vom 4. August 2011, so dass Emily bei der Überquerung des haitianischen Festlandes stark an Kraft verlor und sich nur noch als sogenannte tropische Welle in Richtung Kuba bewegte.REMNANTS OF EMILY DISCUSSION NUMBER 13, NHC vom 4. August 2011Cuba: Emily es ahora una onda tropical, Cubadebate vom 4. August 2011 Dennoch brachte das Resttief starke Regenfälle im Westen der Insel Hispaniola (Haiti, Dominikanischen Republik) und dem Osten Kubas.Emily se disipa pero siguen las lluvias en el Oriente de Cuba, Cubadebate vom 5. August 2011
Zwei Tage später reaktivierte sich das Resttief über den nördlichen Bahamas-Inseln und wurde erneut als tropisches Tiefdruckgebiet klassifiziert.TROPICAL DEPRESSION EMILY ADVISORY NUMBER 14…CORRECTED, NHC vom 6. August 2011 Am nächsten Tag löste sich das System wieder auf.
Tropischer Sturm Franklin