Die Straßenbahn Straßburg (französisch Tramway de Strasbourg) ist das Straßenbahn-System der Stadt Straßburg im Elsass im Osten Frankreichs. Das Streckennetz umfasst neben der Stadt Straßburg einige Vororte auf der linken Seite des Rheins und reicht über die Staatsgrenze zwischen Frankreich und Deutschland hinaus bis in die Stadt Kehl auf der rechten Rheinseite. Die erste Linie mit 9,8 km Länge nahm 1994 ihren Betrieb auf. Seither erfolgte ein etappenweiser Ausbau des Netzes auf rund 53 km, auf dem sechs Straßenbahnlinien verkehren. Betreiber ist die Compagnie des transports strasbourgeois (CTS).

Bereits von 1894 bis 1960 verkehrte in Straßburg eine elektrische Straßenbahn, die aus der 1878 eröffneten Pferdebahn entstanden war.L’Histoire du Tramway Urbain (französisch) Neben einem umfangreichen städtischen Netz bestanden mehrere Überlandstrecken. Der Niedergang dieses Straßenbahnbetriebes begann in den 1930er Jahren und endete 1960 mit der Stilllegung der letzten Strecken.

Nach einem langwierigen kommunalpolitischen Entscheidungsprozess führte Straßburg 1994 die Tram wieder ein, verbunden mit einer städtebaulichen Neugestaltung. Die in Nantes (seit 1985), Grenoble (seit 1987) und Straßburg gesammelten Erfahrungen trugen zum Neubau von Straßenbahnen auch in anderen französischen Städten wie Montpellier (2000) oder Nizza (2007) bei. Damit gilt Straßburg als herausragendes Beispiel für die Renaissance der Straßenbahn in den 1990er Jahren.

Pferdebahn und Straßenbahn von 1878 bis 1960 mini|hochkant|links|Das Stadtnetz im Zeitraum 1937–47 mini|Pferdebahn in der Weißturmstraße mini|Normalspuriger Straßenbahnzug vor dem Bahnhof Kehl um 1896 mini|Zug der Straßburger Straßenbahn im Mai 1898 in Offenburg mini|Beiwagen 14, um 1906 von der Straßburger Straßenbahngesellschaft in eigener Werkstatt erbaut mini|Triebwagen 91 am Kléberplatz mini|Ausschnitt aus dem Fahrplan des Überlandnetzes (1944)

Die Gesellschaft Am 5. April 1877, als das Elsass zu Deutschland gehörte (Reichsland Elsass-Lothringen), gründete sich die „Straßburger Pferde-Eisenbahngesellschaft“.

Am 25. April 1888 änderte sie ihren Namen in „Straßburger Straßenbahngesellschaft“.Zur Geschichte der Straßenbahn: Born: Schmalspur, passim. Ferner Groneck: Straßenbahnen, S. 66 und Eckehard Frenz: Das Stadtbahn-Projekt von Strasbourg. In: Der Stadtverkehr, Heft 4/1980, S. 155–158

Ab dem 14. Mai 1897 war der Elektrokonzern AEG Hauptaktionär der Straßenbahn, 1912 erwarb die Stadt Straßburg 51 % des Aktienkapitals, um die Interessen der Bevölkerung besser wahrnehmen zu können.

Die heute noch bestehende Compagnie des Transports Strasbourgeois (CTS) entstand aus dieser Straßenbahngesellschaft.

Stadtnetz

Französische Zeit bis 1870 Seit 1848 waren im öffentlichen Nahverkehr von Straßburg Pferdeomnibusse und Pferdedroschken eingesetzt worden.Kurt Seidel: Die Straßburger Straßenbahn – Compagnie des Tramways Strasbourgeois. In: Born, Schmalspur, S. 25–54 Die ersten beiden normalspurigen Strecken der Pferde-Eisenbahngesellschaft wurden 1878 kurz nacheinander eröffnet. Die erste führte bis zur Kehler Rheinbrücke, die zweite nach Hönheim. In der Innenstadt kamen Pferde zum Einsatz, in den Außenbezirken wurden die Züge mit kleinen Dampflokomotiven bespannt. Die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur lieferte die ersten Anlagen der Pferdebahn.

Deutsche Zeit 1871 bis 1918 Ab 1871 bis 1918 gehörten Straßburg und das Elsass zum kaiserlichen Deutschen Reich.

Bis 1885 wurden weitere Strecken in die Stadtviertel Königshofen, Robertsau und Neuhof sowie nach Wolfisheim eröffnet. Im gleichen Zeitraum entstanden mehrere Strecken im Stadtzentrum, so zum 1883 eröffneten „Centralbahnhof“.

1886 kam beim Bau der Strecke nach Grafenstaden erstmals die Meterspur zur Anwendung. Diese Strecke bildete den Abschluss der ersten Ausbauetappe.

Den Auftrag zur Elektrifizierung der Pferdebahn erhielt am 14. Dezember 1894 die AEG. Vorgesehen war der elektrische Betrieb dreier Streckenabschnitte unter Beibehaltung der Normalspur. Im Mai 1897 sagte die AEG als neuer Hauptaktionär der Straßenbahngesellschaft die Umspurung und Elektrifizierung des gesamten Stadtnetzes zu. Dies kam einem Neubau des Netzes gleich. Hiervon betroffen war auch die Strecke zur Kehler Brücke: Am 14. März 1896 nahm die normalspurige Dampfstraßenbahn den Betrieb auf. Nachdem die Schiffsbrücke durch eine feste Rheinbrücke ersetzt wurde, konnte 1898 die Verbindung über den Rhein auf Meterspur bis nach Kehl verlängert und auf elektrischen Betrieb umgestellt werden.

Noch vor 1900 waren Umspurung und Elektrifizierung im Stadtnetz abgeschlossen. In den Jahren 1900 und 1901 gingen Strecken in das Stadtviertel Kronenburg sowie zu den Vororten Lingolsheim und Breuschwickersheim in Betrieb. Im Stadtzentrum entstand nach der Jahrhundertwende eine als „Rundbahn“ bezeichnete Ringstrecke. Noch bis 1913 wurde das Straßenbahnnetz ergänzt, dann unterbrach der Erste Weltkrieg die Entwicklung.

Französische Zeit ab 1919 Ende 1918 nach Kriegsende kam Straßburg mit dem Elsass zu Frankreich. Die Straßenbahngesellschaft wurde in „Compagnie des Tramways Strasbourgeois“ (CTS) umbenannt. Sie konnte 1919 zwei kürzere Neubaustrecken eröffnen.

1923 erhielt Wacken im Norden der Stadt einen Anschluss an die Straßenbahn.

Die letzte größere Neubaustrecke war die 1927 eröffnete Strecke zur Route de Brumath in Schiltigheim.

1930 gingen im Stadtteil Cronenbourg ein neues Hauptdepot sowie eine Zentralwerkstätte in Betrieb. Das Stadtnetz erreichte nach kleineren Ergänzungen 1937 mit 82,7 Kilometern seine größte Ausdehnung. Die erste Autobuslinie verkehrte 1928 nach Wingertheim. Am 27. Mai 1939 kam der O-Bus als städtisches Verkehrsmittel hinzu.

Überlandnetz

Deutsche Zeit bis 1918 Parallel zum Stadtnetz baute die Straßburger Straßenbahngesellschaft von 1886 bis 1909 ein Netz von meterspurigen Überlandbahnen mit einer Gesamtlänge von 194 Kilometern auf. mini|hochkant|links|Das Überlandnetz im Elsass zur Zeit der maximalen Ausdehnung, 1930–44 Das Überlandnetz entstand aus der 1886 gleich in Meterspur angelegten Straßenbahn nach Grafenstaden.zu den Strecken im Elsass: Seidel: Straßenbahn, S. 30ff; ferner Hans Kobschätzky: Streckenatlas der deutschen Eisenbahnen 1835–1892. Alba, Düsseldorf 1971, S. 49f. und Hans Kobschätzky: Streckenatlas der deutschen Eisenbahnen 1893–1935. Alba, Düsseldorf 1975, ISBN 3-87094-028-X, S. 27 Am 6. November 1886 wurde diese Strecke ins 54 Kilometer südlich von Straßburg gelegene Markolsheim verlängert. Dort bestand eine Übergangsmöglichkeit zu der ebenfalls 1886 eröffneten Meterspurbahn ins 27 Kilometer entfernte Colmar. Diese von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen betriebene Strecke bot damit eine Verbindung zur Colmarer Straßenbahn. Von 1907 bis 1914 bestand über Colmar eine durchgängige schmalspurige Verbindung bis zur Straßenbahn in Mülhausen, knapp hundert Kilometer südlich von Straßburg.

Gleichzeitig mit der Markolsheimer Strecke ging 1886 eine 2,5 Kilometer lange Zweigstrecke von der Zwischenstation Boofzheim nach Rheinau in Betrieb. 1893 wurde auf der gegenüberliegenden Rheinseite durch die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Vering & Waechter die Lokalbahn Rhein–Ettenheimmünster eröffnet. Die geplante Verbindung beider Strecken scheiterte an dem nicht zustande gekommenen Bau einer Rheinbrücke; endgültig aufgegeben wurde das Projekt nach dem Ersten Weltkrieg, als der Rhein zur deutsch-französischen Grenze wurde.

Eine zweite Zweigstrecke erschloss ab April 1883 Erstein, das von der Markolsheimer Strecke nur tangiert wurde. Die 5,5 Kilometer lange Strecke endete am Ersteiner Reichsbahnhof. Von besonderer Bedeutung war der Anschluss der Ersteiner Zuckerfabrik. Als am 21. November 1907 die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft eine Kleinbahn von Erstein über Oberehnheim nach Ottrott eröffnete, übernahm diese Gesellschaft vorübergehend den Betrieb der Ersteiner Querbahn. Die 19 Kilometer lange Strecke nach Ottrott blieb unrentabel, da sie nur wenige Dörfer erschloss. Auf Befehl der Obersten Heeresleitung (OHL) wurde die Bahn kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zur Gewinnung von Oberbaumaterial abgebaut.

Im Nordwesten Straßburgs bestand ab dem 1. Oktober 1887 eine 15 Kilometer lange Verbindung nach Truchtersheim. Am 1. April 1908 wurde eine 21 Kilometer lange Strecke nach Westhofen eröffnet, die in Dingsheim von der Truchtersheimer Bahn abzweigte. Im Gegensatz zu anderen Überlandbahnen mied die Westhofener Bahn die geschlossenen Ortslagen. Bedeutung erlangte sie im Ausflugsverkehr, insbesondere zur Weinlese im Anbaugebiet um Westhofen und Marlenheim.

Ab 1892 erschlossen Überlandstraßenbahnen auch das rechtsrheinisch um Kehl gelegene Hanauerland. Am 11. Januar 1892 wurde die Strecke von Kehl über Schwarzach nach Bühl eröffnet.zum rechtsrheinischen Netz: Hans-Dieter Menges, Claude Jeanmaire: Mittelbadische Eisenbahnen. Von der Strassburger und Lahrer Strassenbahn zur Mittelbadische Eisenbahn AG. Villigen 1974, ISBN 3-85649-014-0 Am 1. April 1898 folgte die Strecke von Kehl über Altenheim nach Ottenheim, wo Anschluss an die Lahrer Straßenbahn bestand. Ab 15. Juli 1898 wurde diese Strecke durch eine Verbindung von Altenheim nach Offenburg ergänzt. Im Mai 1901 vereinbarte die Straßburger Straßenbahngesellschaft mit der Lahrer Straßenbahn eine Betriebsgemeinschaft. Fortan gab es durchgehende Zugläufe, die ab Ottenheim über Lahr bis nach Seelbach im Schwarzwald verkehrten. Im Norden des Netzes wurde am 2. Mai 1909 von Schwarzach aus Rastatt, 60 Kilometer von Straßburg entfernt, erreicht.

Innerhalb des Straßburger Stadtgebiets fuhren die Überlandzüge von zwei unterschiedlichen Bahnhöfen ab: Die Züge Richtung Markolsheim begannen im Lokalbahnhof unweit des Hospitaltors, und die Endstation der Züge Richtung Truchtersheim und Westhofen befand sich an der Markthalle in der Hausberger Straße. Richtung Hanauerland wurde im Kehler Nebenbahnhof abgefahren. Alle Überlandstrecken waren nach der Umspurung des Stadtnetzes ab 1898 miteinander verbunden. Diese Möglichkeit wurde im Güterverkehr und für innerbetriebliche Zwecke wie Fahrten zur Hauptwerkstatt in der Gutleutstraße genutzt. Das Überlandnetz wurde überwiegend mit Dampflokomotiven betrieben; für die beiden kurzen Zweigstrecken nach Erstein und Rheinau kamen Pferde zum Einsatz.

Neben dem Personenverkehr bestand ein reger Güterverkehr. Besondere Bedeutung erlangte auf allen Strecken der Transport von Zuckerrüben zur Ersteiner Zuckerfabrik während der Rübenkampagne im Herbst. Für den Transport normalspuriger Güterwagen im Schmalspurnetz standen Rollwagen zur Verfügung. Übergangsmöglichkeiten zum normalspurigen Eisenbahnnetz gab es unter anderem in Neudorf im Süden Straßburgs, in Kehl, Bühl, Rastatt und Erstein sowie in Marlenheim an der Westhofener Bahn. Seltener war die Verladung schmalspuriger Güterwagen auf normalspurige Transportwagen. Sie fand Anwendung bei Transporten in den Kehler Hafen sowie beim Austausch von Wagen zwischen den verschiedenen Überlandstrecken. Bis 1960 wurden offene Güterwagen eingesetzt, um Müll aus der Stadt Straßburg zu einem Gelände südlich von Graffenstaden zu transportieren.Haslauer, Herrenschneider: Straßburg, S. 192

Französische Zeit ab 1919