Burkheim am Kaiserstuhl (früher: Burkheim am Rhein) ist eine Teilgemeinde der Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl und liegt am Westrand des Kaiserstuhls. Bekannt ist Burkheim vor allem für seine historische Altstadt und seinen Wein. Bis zur Gemeindereform am 1. Januar 1975 hatte Burkheim ein eigenes Stadtrecht. Dieses wurde an die neue Gemeinde Vogtsburg übertragen.
Geografie Die Altstadt von Burkheim sowie das Schloss liegen am Humberg,Witt 1971, S. 199. einer Anhöhe der Vorläufer des Kaiserstuhlmassivs. Die Gemarkungsfläche von Burkheim beträgt insgesamt 573 ha und teilt sich auf in 232 ha Obst- und Ackerbau, 184 ha Wald und 157 ha Reben. Überwiegend für den Weinbau genutzt werden der Schlossberg in nordwestlicher Richtung sowie der Feuerberg in nördlicher Richtung. Weitere Reblagen befinden sich im flacheren Gebiet östlich in Richtung Bischoffingen und Oberrotweil. Der Süden der Stadt läuft in Richtung Breisach in die Rheinebene aus. Diese Gebiete werden landwirtschaftlich durch Obst- und Ackerbau genutzt.
Westlich von Burkheim befindet sich der Rheinwald. Davor erstreckt sich ein Hochwasserdamm auf der gesamten Strecke von Breisach bis an die Gemarkung von Jechtingen. Zahlreiche Altwasser und Rheinauen durchziehen den Wald, wo auch das Naturschutzgebiet Rappennestgießen liegt. Weiterhin befinden sich dort die Sportstätten des SV Burkheim, die Kläranlage der Stadt Vogtsburg und ein Kieswerk mit zugehörendem Baggersee. Ein Kulturwehr teilt den Rhein in Altrhein und den schiffbaren großen Elsässer Rheinseitenkanal. Zwischen Burkheim und Jechtingen befindet sich der 291 Meter hohe Haberberg.vogtsburg-im-kaiserstuhl.de: Der Burkheimer Baggersee am Altrhein ist mit 182 m. ü. M. der niedrigste Punkt des ganzen Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald.Ekkehard Liehl: Die Lage des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald im Verwaltungsraum des Landes und im Landschaftsgefüge. In: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Hrsg.): Breisgau-Hochschwarzwald. Land vom Rhein über den Schwarzwald zur Baar. Karl Schillinger, Freiburg im Breisgau 1980, ISBN 3-921340-44-6, S. 11.
Die Burkheimer Gemarkung grenzt an die von Breisach, Jechtingen, Bischoffingen und Oberrotweil. Auf der elsässischen Seite grenzen die Gemeinden Baltzenheim und Kunheim an.
Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter
Die erste Siedlung auf dem Burkheimer Schlossberg wird auf ca. 2000 v. Chr. datiert.Witt 1963, S. 15. Zahlreich sind die archäologischen Funde aus der Urnenfelderzeit zwischen 1200 und 800 v. Chr., die 1984 freigelegt wurden. Warum und zu welchem Zeitpunkt diese Siedlung aufgegeben wurde, ist nicht bekannt.Witt 1963, S. 16.
Im 3. Jahrhundert n. Chr. wurden die rechtsrheinischen Gebiete infolge des Limesfalls durch die Alemannen erobert und besetzt und der Rhein wurde zur Grenze des Römischen Reiches. Nachdem die Franken die Alemannen im 4. Jahrhundert spätestens durch ihren Sieg in der Schlacht von Zülpich hinter Lauter und Murg verdrängt hatten, entstanden zahlreiche fränkische Siedlungen am Oberrhein. Die Silbe „-heim“ im Ortsnamen ist fränkischen Ursprungs und bezieht sich auf eine merowingische Siedlung, die um 700 entstanden sein dürfte. Ein Motiv für die Ansiedlung dürfte die Lage am Rhein und die dadurch bestehenden Verbindungen zum alten Stammesgebiet der Franken gewesen sein. Zudem war der Ort, bedingt durch seine Lage am Gebirgsbogen aus Humberg, Mondhalde und Totenkopf, vor Nord- und Ostwinden geschützt.Witt 1971, S. 202.
Am 13. März 762 wurde der Ort als Burchheim in einem Testament Bischofs Heddo von Straßburg zum ersten Mal urkundlich erwähnt, der ein Gut am Ort an das Kloster Ettenheimmünster abgab. Der Weinbau wird erstmals am 24. Juni 778 anlässlich der Schenkung eines Heibo an das Kloster Lorsch im Lorscher Codex erwähnt. Im 9. Jahrhundert existierte am Ort bereits eine Petrikirche.
952 ging der Ort als Teil des Königshofes von Riegel zum Kloster Einsiedeln (Schweiz) über, nachdem er Otto I. ihn Guntram dem Reichen wegen Hochverrats entzogen hatte. Das entfernte Kloster ließ die Besitztümer durch Schirmvögte verwalten, darunter als erster Dietrich von Rimsingen, der erste überlieferte Üsenberger.Witt 1963, S. 17. Um 1150 wechselte der Besitz als Folge der Aufteilung des Kammerguts in Riegel an die Herren von Hachberg. Heinrich I. von Hachberg vermachte Vergabungen in castro Burcheim 1231 an das Kloster Tennenbach. Seine Vorfahren hatten die Burg zwar ausgebaut, sie war dennoch nicht für einen längeren Aufenthalt ausgelegt. Ebenfalls in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts existierte ein Ortsadel, der bis Anfang des 15. Jahrhunderts mehrfach als von Burgheim oder de Burchaim erwähnt wird und als Ministeriale der Zähringer tätig war.Burkheim (Teilort). leo-bw.de; abgerufen am 2. Januar 2013. Heinrich IV. verpfändete indes zeitweise Stadt und Burg an seinen Schwiegervater Burkhart III. von Üsenberg, um seine Schulden bei einem Breisacher Juden bezahlen zu können.
Die Gemeinden Burkheim, Jechtingen, Ober- und Niederrotweil, Oberbergen und Vogtsburg wurden vermutlich unter den Hachbergern zur Herrschaft Burkheim zusammengefasst. In diese Zeit fällt vermutlich die Verleihung des Stadtrechts, die jedoch mangels Auffindbarkeit der entsprechenden Urkunde nicht mehr genau datiert werden kann. Sie muss jedoch vor 1348 geschehen sein. Gerechtfertigt wurde dies durch Burkheims Rolle als eine von 44 Zollstätten am Rhein, der dort bereits seit langer Zeit durch die Burg kontrolliert werden konnte.
1330 erwarb der Habsburger Herzog Otto IV. von Österreich von den Hachbergern Rudolf II. und Otto I. die Stadt Burkheim zusammen mit deren restlichem Besitz am westlichen Kaiserstuhl. In der Folgezeit unter habsburgischer Herrschaft wurde Burkheim mehrfach an verschiedene Pfandherren aus der Schweiz, dem Elsass und dem Breisgau verliehen. Der mit der Herrschaft verbundene Grundbesitz war nicht besonders umfangreich und bestand noch 1548 lediglich aus zwei Jauchert Acker (heute: Schlossgarten), einer Wiese neben dem Rhein sowie einer im Rotweiler Bann, dem Herrenwald und einem Weinberg. Dies könnte erklären, weshalb Berthold von Staufen zusammen mit seinen Mit-Pfandherren Hans und Lützelmann von Rathsamhausen um das Jahr 1427 ein Schiff aus Basel um 4,5 Tonnen Heringe erleichterten, als dieses wegen Eisgangs auf dem Rhein in Burkheim gelegen war.Witt 1971, S. 203.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1347 übernachtete Kaiser Karl IV. in Burkheim, als dieses unter der Pfandherrschaft von Eppo von Hattstatt stand. Im folgenden Jahr übertrug der Kaiser der Stadt einige Privilegien, darunter die Gerichtsbarkeit für den Pfandherren, das Recht zum Betrieb einer Fähre (die es jedoch schon früher gegeben haben dürfte), zur Erhebung eines Umgelts (50 % erhielt die Herrschaft) sowie das Recht, ein eigenes Siegel führen zu dürfen. Letzteres wurde bis in das 16. Jahrhundert hinein geführt und hatte nur drei Türme, statt der heutigen fünf. Deren Giebel und Türme wurden von Kugeln gekrönt, statt der heutigen Fähnchen.Witt 1963, S. 19.Witt 1963, S. 20. 1472 erhielt die Stadt von Sigmund von Österreich das Marktrecht für den Wochenmarkt an jedem Samstag. 1479 kamen unter Friedrich III. zwei Jahrmärkte hinzu: an St. Ulrich (4. Juli) und einen an St. Gallus (16. Oktober).Alemannisches Jahrbuch 1999–2000. Alemannisches Institut, Freiburg im Breisgau 2001, S. 183, Landesarchiv Baden-Württemberg, 21 Nr. 1332. Die genannten Rechte wurden zwar bis in das 17. Jahrhundert mehrfach bestätigt, jedoch nicht mehr erweitert.
Bevor das ehemals habsburgerische Freiburg im Üechtland 1452 an das Haus Savoyen gefallen war, erhielt Thüring II. von Hallwyl durch Friedrich IV. und Albrecht V. Burkheim sowie „Rechte auf den Strom“ als Lehen. Er war den Habsburgern sehr treu gewesen und hatte sein Burglehen Lenzburg verloren, als Bern 1415 infolge des Konzils von Konstanz den westlichen Aargau übernommen hatte.C. Brunner: Hans von Hallwil, der Held von Granson und Murten. In: Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 6, H.R. Sauerländer, Aarau 1871, S. 193; . Nach dessen Tod fiel Burkheim wieder an Österreich.Ed. Mayer: Der kaiserliche Feldhauptmann Lazarus von Schwendi. In: Schau-ins-Land 16. Herder, Freiburg im Breisgau 1890, S. 23.
1454 lieh sich Albrecht VI. von der Stadt Breisach 400 rheinische Gulden gegen Burkheim als Pfand. 1472 trat Breisach das Pfandrecht an die Grafen von Tübingen ab.Landesarchiv Baden-Württemberg, 21 Nr. 1336 Das Verhältnis zwischen Stadt und Pfandherren war seit länger Zeit durch mehrere Streitigkeiten geprägt, die 1504 durch ein Abkommen mit Konrad von Tübingen (1482–1510)Julius Kindler von Knobloch und Badische Historische Kommission (Hrsg.): Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1: A–Ha. Heidelberg 1898, S. 255 (digi.ub.uni-heidelberg.de). beigelegt werden konnten. Darin enthalten waren beispielsweise Regelungen zum Erteilen des Bürgerrechts, zur Überprüfung diverser Handwerker und von Gewichten, zur Leistung von Diensten für Stadt und Pfandherr, zum Fluchen und Lästern sowie die entsprechenden Strafen für Verstöße.Witt 1963, S. 21. Zudem bestimmte der Vertrag, dass Burkheim in Kriegszeiten für eine Truppe von 24 Mann aus dem Talgang Fähnrich und Hauptmann zu stellen hatte.
Burkheim war kleiner als der Rest der Herrschaft und besaß 1475 lediglich 34 Herdstätten.
Im Deutschen Bauernkrieg wurden laut Witt weder die Stadt, noch die ohnehin baufällige Burg wesentlich in Mitleidenschaft gezogen.Witt 1963, S. 22. Bernd Ottnad vertritt hingegen die Meinung, Burkheim sei von Hans Ziler von Amoltern zerstört worden.Bernd Ottnad: Die politische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart in: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Hrsg.): Breisgau-Hochschwarzwald. Land vom Rhein über den Schwarzwald zur Baar. Karl Schillinger, Freiburg im Breisgau 1980, ISBN 3-921340-44-6, S. 126. 1548 erhielt Christoph von Sternsee von Ferdinand I. Burkheim als Pfand gegen 10.000 Gulden.Landesarchiv Baden-Württemberg: 21 Nr. 1337 Während seiner Herrschaftszeit wurde der Colmarer Dichter Jörg Wickram (um 1505–1562) ab 1554 als Burkheimer Stadtschreiber eingesetzt.
Blütezeit unter Lazarus von Schwendi