Die Hebalm ist ein Alm- und Waldgebiet in Österreich an der Grenze von Steiermark und Kärnten. Sie bildet einen Straßenübergang über die Koralpe.
mini|hochkant|Wald und Weide prägen das Hebalmgebiet im Sommer mini|Auf der Hebalm liegen einige Seen
Geografie mini|hochkant=1.4|Das Hebalmgebiet und sein Umfeld ca. 1930: Bezeichnet ist (mit „J. H. HebA.“, also Jagdhaus) das heutige Forsthaus im Zentrum des Gebietes (aus der Landesaufnahme 1:75.000) Allgemein Die Hebalm liegt auf dem Höhenrücken der nördlichen Koralpe. Dieses Gebirge ist ein nord-südlich verlaufender Höhenzug im Südosten der Alpen. Er hat keine ausgeprägten Gipfelprofile, sondern ruhige und sanft verlaufende Gebirgsformen. Die höchsten Erhebungen ragen nicht wesentlich über den Hauptkamm empor.Franz Binder: Metamorphe Gesteine des Koralpenostabhanges. Maschinschriftliche Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Hochschulschrift, kein Verlag, Wien 1966, keine ISBN, S. 1 ff. Literatur zum Gebirge mit Schwerpunkt Geologie auf den Seiten 110–114. Wegen seiner flachen Oberfläche wurde das Hebalmgebiet auch als Platte bezeichnet.Atlas der Steiermark. Kartenblatt Nr. 8: Wilhelm Leitner: Die Oberflächenformen der Steiermark. Graz 1964. Gesamtwerk erschienen bei: Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1953–1970.
Die Hebalm war nie eine Verwaltungseinheit. Sie hat keine klar umschriebenen Grenzen. Das Gebiet ist ca. 13 km² groß. Im Norden liegen das Forstgut Hebalm, die Freiländer Alm und das Filzmoos, im Süden die beiden Stoffhütten mit der See Eben. Im Westen befindet sich das Schigebiet Hebalm, im Osten das Hebalmschutzhaus (Rehbockhütte) und das Schigebiet der Klug‑Schlepplifte.
Die Hebalm liegt in drei politischen Bezirken und vier Gemeinden: Im Bezirk Deutschlandsberg liegt die Hebalm in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg. Der östliche Teil in der Katastralgemeinde Klosterwinkel und ein kleiner Teil im Südosten in der ehemaligen Gemeinde Osterwitz. Im Bezirk Deutschlandsberg liegen die Freiländer Alm und die Stocker Alm sowie das Hebalmschutzhaus mit den Klug-Schiliften. Der Bezirk Voitsberg umfasst den nordwestlichen Teil der Hebalm in den Gemeinden Hirschegg-Pack (Ortsteil Packwinkel) und Edelschrott (Ortsteil Modriach). Im Bezirk Voitsberg liegen die Hebalmkapelle, das Forsthaus Hebalm, die ehemalige Grandner Alm und das Schigebiet Hebalm. Der Bezirk Wolfsberg umfasst den westlichen Teil in Kärnten in der Gemeinde Preitenegg. Im Bezirk Wolfsberg liegen die westlichen Abhänge des Lubach-Kogels, des Kampele-Kogels und ein kleiner Teil im Westen der See Eben.
Der Höhenzug der Koralm biegt bei der Hebalm von Nordwesten kommend nach Süden ab. Richtung Nordosten, später nach Osten, verläuft ein Seitenkamm der Koralm vom Münzer Kogel über das Schrogen-Tor, den Reinischkogel und das Mothil-Tor/den Absetzwirt zum Rosenkogel Richtung Bad Gams und Stainz.
Auf dem Koralpen-Hauptkamm verläuft die Landesgrenze zwischen Steiermark und Kärnten. Im Hebalmgebiet folgt diese Grenze dem Höhenzug vom Klement Kogel im Nordwesten über den Lubach-Kogel zum Kampele-Kogel und weiter zur See Eben im Süden.
Die Hebalm liegt im Südwesten des Landschaftsschutzgebietes Pack–Reinischkogel–Rosenkogel.Landschaftsschutzgebiet 2: Verordnung der steiermärkischen Landesregierung vom 25. Mai 1981, stmk. Landesgesetzblatt Nr. 37/1981 in der Fassung der Berichtigung (neue Kartendarstellung) Nr. 64/1981. Karte des Schutzgebietes im Digitalen Atlas Steiermark. Vorher bestand Schutz nach der Verordnung vom 12. Juni 1956, LGBl. Nr. 35, zum Schutze von Landschaftsteilen und des Landschaftsbildes (Landschaftsschutzverordnung 1956) in der Fassung der Verordnungen LGBl. Nr. 57/1958, 125/1961, 185/1969, 96/1970, 14/1974, 147/1974 und 30/1975, hinsichtlich Anhang 1 Z 2. Östlich der Freiländer Almhütte befindet sich das ehemalige Naturdenkmal Birkenkögerl.
mini|hochkant|Auf der Freiländer Alm
Klima Die Hebalm liegt mit der Koralpe im Windschatten der Alpen. Wettereinflüsse aus dem Westen, wie sie im Rest Österreichs vorrangig sind (Westwindzone), dominieren auch auf der Hebalm, sind aber schwächer. Die Koralpe gehört zu den Gebieten der größten durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten und Sturmhäufigkeit in Österreich. In ihrem Bereich treffen Einflüsse zweier Klimazonen (Subtropen-gemäßigte Breiten) aufeinander. Das Klima ist vom Mittelmeergebiet beeinflusst. Es ist milder als in den nördlichen Regionen gleicher Höhenlage in Österreich und weist im Vergleich längere Schönwetterperioden (Sonnenscheindauer) auf. Störungsfronten, die bei Westwetter in Österreich Regenfälle auslösen, gelangen vielfach nicht oder nur abgeschwächt zur Hebalm.
Regen im Sommer fällt meist in Form von Gewittern oder Wolkenbrüchen/Starkregen, die rasch vorübergehen, aber sehr heftig sein können. Beim Durchzug starker Störungsfronten ist auf der Hebalm auch im Hochsommer mit kurzen Schneeschauern zu rechnen. Die Sonnenscheinphasen bewirken klare, wolkenlose Nächte, in denen es auch im Sommer sehr kühl werden kann. Da sich die Hebalm weitab von Siedlungen befindet und die Belastung durch Lichtquellen gering ist, können in solchen Nächten gute Bedingungen zur Beobachtung astronomischer Objekte herrschen.
Die Hebalm gehört zu den Gebieten Österreichs mit der höchsten Zahl an Gewittertagen im Jahr (über 50 Tage mit Gewittern). Hagel ist verhältnismäßig häufig. Das Klima des Gebietes wird als relativ starkes Reizklima bezeichnet. Das Koralpengebiet, in dem die Hebalm liegt, ist eine eigene Klimaregion.Andreas Exner: Die Waldgesellschaften des Hebalm-Gebiets, nördliche Koralpe, Steiermark. In: Joannea Botanik. Publikation der Abteilung für Botanik des steirischen Landesmuseums Joanneum, Graz 2002, Nr. 3, S. 30 (mit weiteren Hinweisen auf Fachliteratur zum Klima des Gebietes; ).Landes-Umwelt-Informationssystem (LUIS) der Steiermark: Klimaregionen C.2 Koralpe und B.4 Ostabdachung der Koralpe.
Gebirgsübergang mini|hochkant=1.4|Die Hebalm liegt auf der Koralm zwischen dem Lavanttal und der Weststeiermark (Generalkarte von Mitteleuropa 1:200.000 ca. 1900) Die Hebalm bietet einen Gebirgsübergang über die Koralm. Dieser Übergang wird von der Hebalmstraße genützt (steirische Landesstraße 606 / kärntnerische L136), einer Gebirgsstraße von Frauental an der Laßnitz zur Packer Straße (B70) beim Gasthof Hebalm.
mini|links|hochkant|Die alte Weinstraße von der Hebalm nach Süden wird teilweise noch als Forstweg benutzt. Die Straßenverbindung vermittelt einen kurzen Weg aus dem Bezirk Deutschlandsberg zur Autobahnanschlussstelle Pack der Südautobahn A 2.
Die Strecke macht es möglich, dass auf der Kärntner Seite nicht über eine kurvenreiche steile Strecke bis ins Lavanttal gefahren werden muss, um die Autobahn zu erreichen: Das ist über die Hebalmstraße innerhalb weniger Minuten über die B 70 möglich. Die Strecke verläuft weitgehend in Wald und ist im Winter vor Schneeverwehungen und Stürmen geschützt. Die höchste Stelle des Straßenübergangs liegt bei 1420 m Seehöhe. Die Straße ist in den amtlichen Karten als wichtige Nebenverbindung markiert.
Der nächste Übergang über die Koralm nördlich ist die Pack, südlich die Weinebene. Bis ins 18. Jahrhundert zweigte bei der Hebalmkapelle eine Straße nach Südosten über die See Eben Richtung Wolfsberg in Kärnten ab.
Der Straßenübergang auf der Almhöhe ist seit ca. 1965 asphaltiert. Die Straße hatte früher die Nr. 180 und gehörte bis zum Ausbau in den 1960er Jahren zu den Herausforderungen damaliger Autofahrer.Atlas der Steiermark. Rudolf Böhm: Straßennetz des Landes Steiermark. Kartenblatt Nr. 73. Graz 1964. Sie hatte starke Steigungen, enge Kurven und Hofdurchfahren. Mit Tieren auf der Straße, fehlenden Banketten, aber auch händisch zu öffnenden/schließenden Tore an den Almgrenzen war zu rechnen.Fritz Pichler: Die steirischen Hebalmen. In: Gerhard Pferschy (Hrsg.): Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch zum 70. Geburtstag (= Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchivs. Band 12). Eigentümer und Verleger: Steiermärkisches Landesarchiv Graz, Graz 1981, keine ISBN, S. 165–175, hier: S. 165: „… noch nach dem zweiten Weltkrieg eine vielgelästerte Straße, deren Zustand jeden vertreiben musste, der sie einmal befuhr …“ Dieser „Zustand“ war nicht zuletzt auf die letzten Kriegstage zurückzuführen, in denen die Verbindung von tausenden Zivilisten und Militärs auf dem Rückzug bzw. der Flucht Richtung Kärnten vor der herannahenden Front benützt wurde.
Die Hebalmstraße war 1860 die einzige Bezirksstraße über den Koralmzug südlich der Pack.Atlas zur Geschichte des steirischen Bauerntums. Manfred Straka: Straßen und Eisenbahnen um 1860. Karte Nr. 41, Graz 1972. Unter Berufung auf F. X. Hlubek: Ein treues Bild des Herzogthumes Steiermark. Gratz 1860. Zu diesem Atlas: Wissenschaftliche Leitung: Fritz Posch. Kartographische Leitung: Manfred Straka. Redaktion: Gerhard Pferschy. Veröffentlichungen des steiermärkischen Landesarchives. Band 8, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1976, ISBN 3-201-01001-4. Die Karten dieses Atlas bauen auf dem „Atlas der Steiermark“ auf und haben unterschiedliche Jahresangaben. Das Werk ging aus der steirischen Landesausstellung 1966, den dort gezeigten Kartenübersichten und dem Ausstellungskatalog hervor: „Der steirische Bauer – Leistung und Schicksal von der Steinzeit bis zur Gegenwart.“
Zentrum des Hebalmgebietes mini|links|Das Forsthaus Hebalm wurde früher als „J. H. HebA.“, also Jagdhaus bezeichnet und bildete gemeinsam mit der Hebalmkapelle das Zentrum des Gebietes.
mini|hochkant|Der Malteser-Ritter-Orden ist Eigentümer weiter Bereiche der Hebalm und Betreiber des Wintersportzentrums Hebalm.
Zentrum der Hebalm war bis in das beginnende 20. Jahrhundert das Gebiet um die Hebalmkapelle, das Forsthaus und den alten Hebalmstall (Haltstall). Dort trafen die Transportwege aus dem Lavanttal, von der Pack und aus der Weststeiermark zusammen, dort wurden die Hebalmkirtage abgehalten. Das Gebiet westlich davon, bei den Gastronomiebetrieben des Schigebietes Hebalm (ehemaliger Steinbauerwirt, Fichtenhof usw.) wurde noch nicht zur Hebalm gerechnet, sondern zur damaligen Gemeinde Pack, Ortsteil Packwinkel-Schattseite.
Mit dem Bau des Hebalmschutzhauses in den Jahren um 1930 verlagerte sich das Zentrum nach Osten. Die Kirtage wurden bei diesem Schutzhaus abgehalten, der alte Haltstall verfiel. Hebalmkapelle und Forsthaus, in deren Umgebung auch weniger Platz vorhanden war, gerieten abseits. Die Almwirtschaft verlagerte sich zur Freiländer Almhütte, bei der auch ein neuer großer Almstall erbaut wurde.
Mit der Errichtung des Schizentrums Hebalm des MalteserordensWinter: Schigebiet Hebalm in den Jahren nach 1970 erhielt die Hebalm ein zweites Zentrum im Nordwesten. Dort liegt einer der Ausgangspunkte der Langlaufloipen, die das gesamte Hebalmgebiet durchziehen. Eine andere Einstiegsstelle befindet sich beim Forsthaus.
Geologie Die Koralm, auf der die Hebalm liegt, ist ein emporgehobener Gebirgsteil, eine Pultscholle.Arthur Winkler-Hermaden u. a.: Wissenschaftliche Studienergebnisse der Arbeitsgemeinschaft für geologisch-bodenkundliche Untersuchungen im Einzugsbereich des Laßnitzflusses in Südweststeiermark. Österreichische Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse Abt. I, 149. Heft 7–10, S. 225–226. Wien. Peter Beck-Mannagetta: Über den geologischen Aufbau der Koralpe. In: G(ernot) Weissensteiner: Mineralien der Koralpe. 1. Sonderband der Vereinszeitschrift Die Eisenblüte. Vereinigung steirischer Mineraliensammler, Graz 1979, S. 6.