Die drei Elektrolokomotiven der Baureihe 36 der Rete Adriatica wurden 1905 als zweite Lokomotivserie für die oberitalienische Veltlinbahn des Rete Adriatica von der ungarischen Firma Ganz & Cie in Budapest gebaut.

Technische Merkmale mini|links|300px|Bauzeichnung RA 361–363 Die RA 36 wiesen relativ große, stangengekuppelte Treibräder auf sowie davor und dahinter je eine Laufachse. Die äußeren Triebachsen waren mit der jeweils benachbarten Laufachse zu einem Carrello Italiano zusammengefasst, einer modifizierten Version des Krauss-Helmholtz-Lenkgestells. Die beiden Fahrmotoren waren im Hauptrahmen gelagert. Sie trieben über einen dreieckförmigen Kuppelrahmen die mittlere seitenverschiebbare Triebachse an, die über je eine Kuppelstange mit den beiden äußeren Triebachsen verbunden war.

Der frequenzabhängige Drehstrom-Antrieb und die fest vorgegebene Speisefrequenz ließen keine feinstufige Regelung der Motordrehzahl zu. Die Fahrgeschwindigkeit wurde durch Kaskadenschaltung der beiden Doppelmotoren mit Betrieb als Single oder in Kaskade mit verdoppelter Polpaarzahl eingestellt. Nach der Anfahr- bzw. den Übergangsphasen ließ sich wegen des baulich vorgegebenen Treibraddurchmessers je nach Fahrstufe eine Leerlauf-Endgeschwindigkeit von 35 oder 71 km/h erreichen. Abhängig von den Lastbedingungen blieb die Fahrgeschwindigkeit stets etwas hinter dem theoretischen Höchstwert zurück (siehe dazu Drehstrom-Asynchronmotor).

Die Übertragung der elektrischen Energie erfolgte aus der zweipoligen Oberleitung sowie über das Gleis als dritte Stromleitung des Dreiphasenwechselstromsystems. Die ursprüngliche Ausführung der Lokomotive hatte vorn und hinten auf dem Dach jeweils einen Trägerbügel mit zwei Rollenstromabnehmern. Diese wurden während des Betriebs bei den SBB gegen Bügelstromabnehmer ausgetauscht.

Geschichte Nach ihrem ersten Einsatz auf der Veltlinbahn wurden die drei Maschinen 1906–1908 von der BBC gemietet, damit für die Betriebseröffnung des zur Hälfte auf italienischem Boden liegenden Simplontunnels die vertraglich zugesicherten fünf Lokomotiven zur Verfügung standen. Der Betrieb erfolgte hier mit 3000 Volt und 16 Hertz. Die Lokomotiven wurden von den schweizerischen SBB als Fb 3/5 geführt, die Buchstaben „RA“ vor der originalen Lokomotivnummer während des Betriebes auf der Simplonstrecke entfernt. Nach Ablieferung weiterer Lokomotiven von BBC wurden die drei Loks zurückgegeben an die mittlerweile neu gegründete Ferrovie dello Stato und dort als Baureihe E.360 geführt. Die FS E.360.001 war bis in die 1960er Jahre in Betrieb.

Literatur Renzo Pocaterra: Lokomotiven. Kaiser, Klagenfurt, 2006, ISBN 3-7043-1367-X Hans Schneeberger: Die elektrischen und Dieseltriebfahrzeuge der SBB, Band I: Baujahre 1904–1955. Minirex, Luzern 1995, ISBN 3-907014-07-3

Weblinks

361 Kategorie:Elektrolokomotive für Drehstrom 3000 V 15...16 Hz Kategorie:Elektrolokomotive für Drehstrom 3600 V 16,7 Hz Kategorie:Schienenfahrzeug (Ganz)