Schlacht bei Ulm ist die zusammenfassende Bezeichnung für eine Reihe von Gefechten und Schlachten während des dritten Koalitionskrieges, in deren Verlauf zwischen dem 8. und dem 20. Oktober 1805 ein Teil der bis zur Iller vorgedrungenen österreichischen Armee von französischen Truppen unter Napoleon Bonaparte eingekreist und gefangen genommen wurde. Die Schlacht bei Elchingen am 14. Oktober 1805 war das größte Einzelgefecht im Verlauf dieser Kämpfe um Ulm, die in der Literatur zumeist als „Feldzug von Ulm“ oder „Campagne von Ulm“ bezeichnet werden.

Vorgeschichte Nachdem Napoleon sich am 2. Dezember 1804 zum Kaiser gekrönt hatte, waren Österreich und Preußen zwar alarmiert aber nicht beunruhigt. Die annektierten italienischen Stadtstaaten Genua, Parma und Piacenza und seine Krönung zum König von Italien im Mai 1805 ließen jedoch keinen Zweifel mehr an Napoleons Absichten. Darüber hinaus blockierte Frankreich die deutsche Nordseeküste.Schneidawind: 1848, S. 2 ff.Gegen die offene Verletzung der Neutralität der norddeutschen Länder protestierte damals allerdings nur der König von Schweden in seiner Eigenschaft als Herzog von Pommern und damit auch deutscher Reichsfürst. Aus diesem Grunde unterzeichnete das Vereinigte Königreich im Dezember 1804 einen Bündnisvertrag mit Schweden.Braubach: 1974, S. 74ff. Anfang August 1805 folgten Österreich und Russland und bildeten somit die dritte Koalition gegen Napoleon. Preußen blieb weiterhin neutral.Schneid: 2005, S. 83–87.

Auftakt

In der sicheren Erwartung eines Krieges mit Österreich befahl der Kaiser Ende August die Verlegung der Armee von Boulogne an den Rhein. Gleichzeitig erging der Befehl an die Armeekorps’ von Marmont in Holland und von Bernadotte in Hannover, an den Main vorzurücken. Marschall Augereau sollte von der Bretagne nach Straßburg folgen, wohin Napoleon auch die „Kavalleriereserve“, das heißt die schwere Kavallerie unter Marschall Joachim Murat, sowie die kaiserliche Garde dirigierte.Rabou: 1859, S. 9 ff.Yorck v. Wartenburg: 1902, S. 202 ff. Ab 27. August marschierte die Grande Armée in Eilmärschen auf getrennten Wegen in Richtung Süddeutschland.Chandler: 1966, S. 385.

Am 9. September 1805 überschritt eine von Karl Mack von Leiberich geführte österreichische Armee ohne Kriegserklärung die Grenze zum Kurfürstentum Pfalzbayern. In Wien hatte Kaiser Franz II. gehofft, dass sich Pfalzbayern der Dritten Koalition gegen Frankreich anschließen würde. Der pfalzbayerische Kurfürst hatte jedoch einen Geheimvertrag mit Frankreich geschlossen und zog mit seiner Armee nach Norden bis Würzburg, um sich dort mit den französischen Truppen zu treffen. Am 18. September bezog Mack mit dem Großteil seiner Truppen Stellung um die Stadt Ulm. Von dort aus wollte er den Schwarzwald und den Oberrhein überwachen. Mack rechnete damit, dass die Franzosen zwei Monate brauchen würden, um zu reagieren, aber bereits am 24. September standen die Franzosen am Rhein.Schneid: 2005, S. 103. Die französische Grande Armée, die aus etwa 200.000 Mann bestand, überquerte den Rhein zwischen dem 24. und 26. September 1805 an mehreren Stellen, unter anderem bei Kehl und Straßburg. Napoleons Plan sah eine Umgehung der österreichischen Stellungen vor, indem er durch die fränkischen und schwäbischen Gebiete nördlich der österreichischen Armee marschierte.Chandler: 1966, S. 390–399.Horne: 1979, S. 111 f.

Verlauf der Kämpfe

Schon am 6. Oktober hatte die französische Vorhut unter General Vandamme die Donau bei Donauwörth erreicht. Nach dem geglückten Übergang über den Fluss eilte ein Teil der schweren Reservekavallerie entlang des Lechs in Richtung Augsburg, das bereits am Abend des 8. Oktobers erreicht wurde.Burton: 1912, S. 38 f.Schoenhals: 1873, S. 55 ff., 60. Von dort marschierte ein Teil der Armee weiter nach Süden nach Landsberg am Lech (das Armeekorps von Marschall Soult). Gleichzeitig drangen kurpfalzbayerische und französische Truppen in Richtung Isar vor, um dem erwarteten russischen Heer schon möglichst weit im Osten zu begegnen. Nach der Überquerung der Donau schwenkte jedoch der größere Teil der Grande Armée wieder nach Westen ein und errang in der Schlacht bei Wertingen am 8. Oktober ihren ersten Erfolg. Dies war zugleich der erste bewaffnete Kampf in diesem Krieg. Im Verlauf der weiteren Operationen wurde die österreichische Armee an Donau und Iller rasch von allen ihren Verbindungen nach Österreich abgeschnitten. Dabei kam es zu einer Reihe kleinerer Gefechte, die – wie Mack in seiner kurz nach dem Krieg erschienenen Verteidigungsschrift schreibt – „nicht eine, sondern zehn Schlachten neben einander zur nämlichen Zeit und auf einem Raum von einigen [deutschen] Quadratmeilen“Mack: 1806, S. 68 f.Eine deutsche Quadratmeile umfasst eine Fläche von mehr als 56 Quadratkilometern. waren.

Erst zu diesem Zeitpunkt (also am 6./7. Oktober) erkannte Feldmarschallleutnant (FML) Mack nach eigenem Bekunden vollständig die drohende Gefahr, in der die österreichische Armee schwebte.allerdings hatte ihn in einer schriftlichen Anfrage bereits am 1. Oktober Erzherzog Ferdinand auf die französischen Truppen am Neckar hingewiesen, um zu erfahren, was er (also Mack) dagegen unternehmen wolle (Krauss: 1912, S. 520). Anstatt nun aber der Abteilung von FML Jelačić bei Biberach entgegenzumarschieren und durch das noch unbesetzte Oberschwaben nach Süden auszuweichen, um so den Anschluss an die Armee von Erzherzog Johann in Tirol zu finden, wollte er auf das nördliche Donauufer ausweichen. Da Napoleon zur Deckung seiner rückwärtigen Verbindungen das Armeekorps von Marschall Ney an der Donau zurückgelassen hatte, gab Mack dieses Vorhaben nach einem kurzen Gefecht in der Nähe der Donaubrücken von Günzburg am 9. Oktober wieder auf. Danach zog sich Mack mit seinen österreichischen Truppen immer mehr nach Ulm zurück.Burton: 1912, S. 40.Yorck v. Wartenburg, 1902, S. 220 f. Auf der anderen Seite entsandte Napoleon, um das Entkommen der Österreicher von Vorarlberg und Tirol endgültig zu verhindern, gleichzeitig das Armeekorps von Marschall Soult nach Memmingen, wo es am 13. Oktober ankam und am 14. die Besatzung der Stadt zur Kapitulation zwang.Moriggel: 1861, S. 147.

mini|Verlauf vom 11. bis zum 14. Oktober Am 11. Oktober versuchte die österreichische Armee, von Ulm aus nach Norden auszubrechen. Doch wenige Kilometer nördlich der Stadt stießen die Kolonnen unter Erzherzog Ferdinand auf eine französische Division (Dupont), die gegen Ulm vorging. Im anschließenden Gefecht bei Haslach (acht Kilometer nordöstlich von Ulm, heute Jungingen) konnten die österreichischen Truppen die französische Division, die zum Armeekorps von Ney gehörte, zerschlagen. Dennoch befahl FML Mack den Rückzug der Truppen nach Ulm. Obwohl dieses Gefecht siegreich verlaufen war, schien Mack überzeugt gewesen zu sein, dass ein Entkommen nicht mehr möglich sei.Burton: 1912, S. 42. Gleichzeitig machte er jedoch Pläne, über Stuttgart nach Ellwangen zu marschieren, um dadurch die französischen Verbindungslinien zu blockieren, womit er einen großen Teil des 12. Oktobers verbrachte.Krauss: 1912, S. 521. An diesem Tag befahl Mack überdies eine völlige Neueinteilung der österreichischen Armee in Ulm, die sich an das neue französische System anlehnte.Schneidawind: 1848, S. 96. Obwohl an sich ein Fortschritt, erfolgte der Schritt doch zu spät, da es immer eine Zeit dauert, bis die neuen Unterstellungsverhältnisse allen eindeutig erklärt sind. An diesem Tag befand sich auf dem Nordufer der Donau lediglich noch die bei Haslach geschlagene französische Division Dupont.

Durch die Umstrukturierung verzögert, versuchte die österreichische Armee erst zwei Tage später, also am 13. Oktober, erneut nördlich von Ulm auszubrechen. Dies gelang zunächst auch der etwa 12.000 Mann starken Kolonne unter dem Befehl von FML Werneck, der sogar bis nach Heidenheim an der Brenz durchstieß. Eine weitere Kolonne unter FML Laudon, die auf ausdrücklichen Befehl von Mack zuerst donauabwärts marschiert war, vertrieb die Franzosen aus Elchingen (ca. 7 km östlich von Ulm), wo sie jedoch auf die Truppen von FML Graf Riesch wartete, die ihr folgten. Dabei versäumten sie es allerdings, die Brücke über die Donau zu zerstören (sie wurde dann am nächsten Tag von französischen Truppen zum erneuten Angriff auf Elchingen benutzt). Die sich aus den beiden Vorstößen ergebende Chance zum Ausbruch der gesamten österreichischen Armee nach Norden ließ Mack jedoch ungenutzt verstreichen, da er noch während des Vorstoßes der Kolonnen den Entschluss fasste, in Ulm zu bleiben.Yorck v. Wartenburg: 1902, S. 225.Krauss: 1912, S. 521.Moriggel: 1861, S. 140.In geheimen Meldungen, die er von einem Agenten aus Württemberg erhielt, wurde behauptet, die Engländer seien in Boulogne gelandet. Seitdem deutete Mack die Bewegungen der französischen Armee südlich von Ulm in Richtung Westen als „Rückzugsbewegungen“; die Einwände anderer Generale gegen diese Interpretation wies er zurück. Auch am nächsten Tag ließ Mack keine Truppen nachrücken, als es durch den Angriff von Marschall Ney am 14. Oktober zur Schlacht von Elchingen kam,Krauss: 1912, S. 456 ff. und er hielt Fürst Schwarzenberg zurück, der mit seiner Kolonne („Corps“) am Morgen des 14. Oktobers eigentlich Werneck folgen sollte.Moriggel: 1861, S. 142. Nach der Niederlage der österreichischen Truppen bei Elchingen wurde Mack endgültig mit rund 27.000 Mann in Ulm eingeschlossen.Yorck v. Wartenburg: 1902, S. 226.

mini|Beschießung Ulms am 15./16. Oktober, Darstellung im Stadtarchiv Ulm Am nächsten Tag, am 15. Oktober, gelang es der französischen Armee im direkten Gegenzug die beherrschenden Höhen nördlich der Stadt, den Michelsberg und den Frauensberg,so der Name des Berges auf zeitgenössischen Landkarten, heute Fort Albeck mit den darauf angelegten großen Verschanzungen zu besetzen, aus denen dann sofort die Stadt beschossen wurde. Die französischen Truppen drangen teilweise sogar bis zu den Stadttoren von Ulm vor, anschließend gingen nördlich der Donau die meisten Vororte der Stadt verloren.Burton: 1912, S. 46.Krauss: 1912, S. 470.Schoenhals: 1873, S. 91 ff. Auf dem rechten Donauufer standen die vordersten französischen Truppen an der Donau bei Dellmensingen (ca. 12 km vor Ulm), an der Iller bei Kirchberg (5 bis 6 km südl. von Ulm) und östlich der Iller schon bei Pfuhl, nur wenig stromabwärts von Ulm. Allen am Kampf Beteiligten war spätestens jetzt klar, dass sich die österreichische Armee in der Stadt Ulm nicht mehr lange halten könne. Am späten Nachmittag sandte Marschall Ney einen Parlamentär zu FML Mack und forderte ihn zur Kapitulation auf, was dieser aber zurückwies. Am späten Abend bot Mack dem dienstältesten General in der Stadt, FML Graf Riesch, an, das Kommando über die Armee zu übernehmen,Erzherzog Ferdinand befand sich bei den am 14. Oktober ausgebrochenen Truppen, so dass Mack nun der alleinige Oberbefehlshaber in Ulm war. was dieser jedoch ablehnte.Krauss: 1912, S. 472. Wie sehr die Autorität von Mack erschüttert war, zeigt eine schriftliche Erklärung, die alle anwesenden österreichischen Generale unterzeichneten. Darin stellten sie fest, die Stadt Ulm sei keine Festung,Die Befestigungen von Ulm waren im Jahr 1800 weitgehend geschleift worden. sie könne nicht langfristig verteidigt werden. Ein Entsatz durch die russische und die österreichische Armee von FML Kienmayer sei selbst unter günstigen Bedingungen nicht vor drei Wochen zu erwarten.Krauss: 1912, S. 473 ff.Schoenhals: 1873, S. 92.