mini|Katholische Kirche St. Maria Salome und ein Fachwerkhaus in Ovenhausen Ovenhausen ist seit 1970 ein Stadtteil von Höxter im nordrhein-westfälischen Kreis Höxter. Der Ort hatte zum 31. Dezember 2020 insgesamt 1.061 Einwohner. 1977 wurde der Ort beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft mit der Goldmedaille ausgezeichnet und nennt sich seither Bundesgolddorf. Die Grube fließt durch den Ort.
Geschichte Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Geschichte des europaweit bedeutenden Klosters Corvey verbunden. Die erstmalige Erwähnung findet sich in einer Corveyer Urkunde aus dem Jahre 887. Der ostfränkische König und spätere römische Kaiser Karl III. beurkundete dem Kloster die Schenkung des Dorfes "Ovenhus". Ovenhausen gehörte seit der Gründung zur weltlichen Herrschaft des Herzogtums Sachsen, ab dem Hochmittelalter unter der Regierung der Fürstabtei Corvey und war Teil des Heiligen Römischen Reiches. Das Stift Corvey war ab dem 16. Jahrhundert dem niederrheinisch-westfälischen Reichskreises zugehörig. Wie die meisten Gebiete der Fürstabtei Corvey und des Hochstifts Paderborn wurde Ovenhausen im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg erheblich verwüstet. 1794 wurde Corvey zum Bistum erhoben. 1803 wurde aus dem Stift Corvey das Fürstentum Corvey, das bis 1807 zum Fürstentum Oranien-Nassau-Fulda gehörte. Von 1807 bis 1813 bildete Ovenhausen eine Gemeinde im Kanton Albaxen des Departements der Fulda im Königreich Westphalen und fiel dann an Preußen. 1816 kam die Gemeinde zum neuen Kreis Höxter, in dem sie zum Amt Höxter-Albaxen gehörte, aus dem im 20. Jahrhundert das Amt Höxter-Land wurde.
Die St. Michaelskapelle auf dem Heiligenberg südöstlich des Ortes wurde von zwei Corveyer Mönchen im Jahre 1078 errichtet, Nebenpatronin ist die heilige Salome.
Bekannt wurde der Ort durch auch durch die Geschichte eines Algerier-Sklaven von August Franz von Haxthausen, die Urfassung der Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff: "Der Bauernvogt von Ovenhausen hatte im Herbst 1782 einen Knecht Hermann Winkelhannes, mit dem er, weil es ein tüchtiger frischer Bursche, wohl zufrieden war."August Franz von Haxthausen: Geschichte eines Algierer-Sklaven. In: Wünschelruthe, 1818
Der Komponist Walter Steffens schrieb Opern sowohl nach der Novelle "Die Judenbuche" als auch nach der Lebensgeschichte des historischen Winkelhannes.
Das 1805 im Ort errichtete Uhlmann-Haus befindet sich heute im LWL-Freilichtmuseum Detmold und dokumentiert auch das Schicksal der jüdischen Familie Uhlmann, die bis zu ihrer Deportation zur Zeit des Nationalsozialismus im Dezember 1941 darin lebte.Jacob Pins Gesellschaft Kunstverein Höxter e. V., Fritz Ostkämper: Juden in Ovenhausen
Am 1. Januar 1970 wurde Ovenhausen durch das Gesetz zur Neugliederung des Kreises Höxter in die Kreisstadt Höxter eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quellen 1821 792 1843 965 Geographisch-statistisch-topographische Übersicht des Regierungsbezirks Minden 1845 1864 1020 Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden 1866 1871 955 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Westfalen 1871 1885 964 1895 973 Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen: Volkszählung 1895 01.12.1910 1007 1925 966 1933 971 1939 944 1946 1272 Volkszählung 1946 06.06.1961 1186 31.12.1967 1251 31.12.1969 1219 23.06.1998 1241 Stadt Höxter > 31.12.1999 1241 31.12.2001 1221 31.12.2002 1209 31.12.2003 1202 31.12.2006 1178 31.12.2007 1165 31.12.2009 1116 31.12.2010 1118 31.12.2011 1124 31.12.2012 1179 31.12.2013 1161 31.12.2015 1073 31.12.2016 1114 Zahlen & Fakten 2016 31.12.2017 1098 31.12.2020 1061
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Ovenhausen um die 1000 Einwohner; nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs diese Zahl bis 1967 auf etwa 1200 Einwohner an und bewegt sich seitdem auf diesem Niveau.
Galerie
Persönlichkeiten Maria Litto (1919–1996), Schauspielerin und Tänzerin
Literatur Franz-Josef Gottlob: Ovenhausen. In: Josef Drewes (Hrsg.): Das Hochstift Paderborn. Portrait einer Region. Schöningh, Paderborn u. a. 1997, ISBN 3-506-95293-5, S. 374–375. Stefan Baumeier, Heinrich Stiewe (Hrsg.): Die vergessenen Nachbarn: Juden auf dem Lande im östlichen Westfalen. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2006, ISBN 3-89534-574-1, (Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold, Landesmuseum für Volkskunde 24).
Weblinks
Ovenhausen
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Höxter Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Höxter) Kategorie:Ersterwähnung 887 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970