mini|Karte des Deutschen Bundes, 1815–1866 Kleinstaaterei ist ein in der Regel abwertendes, deutschsprachiges Schlagwort für eine als besonders ausgeprägt wahrgenommene föderale Struktur, insbesondere in Bezug auf die Territorialisierung und den Föderalismus in Deutschland.

Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde vereinzelt in der Literatur der Frühaufklärung Kritik an der deutschen Kleinstaaterei geübt und öffentlich der Wunsch nach einem Nationalstaat geäußert.Johann Gottfried Gregorii alias Melissantes: GEOGRAPHIA NOVISSIMA, Teil 1, 1. Auflage, Frankfurt am Main, Leipzig [und Erfurt] 1708, S. 1126. Vor allem im Kreis um den Gelehrten Johann Gottfried Gregorii entstanden Schriften für ein gesamtdeutsches Lesepublikum, welche die Geschichte,Burkhard Gotthelf Struve (Hrsg.): Erläuterte teutsche Reichs-Historie, Jena 1720. Geographie, KartographieJohann Christoph Weigel und Johann Gottfried Gregorii: Continuirter ATLAS PORTATILIS GERMANICUS. Nürnberg 1723–1780. und SagenüberlieferungMelissantes: Das erneuerte Alterthum, oder curieuse Beschreibung einiger vormahls berühmten, theils verwüsteten und zerstörten, theils aber wieder neu auferbaueten Berg-Schlösser in Teutschland / aus glaubwürdigen Historicis und Geographis mit vielen denckwürdigen Antiquitäten vorgestellet, und nebst zweyen Registern ausgefertiget von Melissantes, Frankfurt, Leipzig [und Erfurt] 1713/1721. der Kultur- und Sprachnation zum Inhalt hatten und damit den Einheitsgedanken im deutschen Schrifttum manifestierten.

Ein Jahrhundert später, während der Franzosenzeit, erinnerte sich eine Gesellschaft von Weimarer Gelehrten um Friedrich Johann Justin Bertuch an die gesamtdeutsche Sichtweise des Visionärs und Volksaufklärers:

Der Begriff im engeren Sinne wurde erstmals 1814 vom alldeutsch-nationalistisch eingestellten „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn als politisches Schlagwort gebraucht und verbreitete sich im deutschen Sprachraum.Friedrich Maurer, Heinz Rupp: Deutsche Wortgeschichte, Teil 2, 1974, S. 516 Online In Ecce Homo,§2 Die fröhliche Wissenschaft,§377 Götzen-Dämmerung§39 und Jenseits von Gut und Böse§208 wandte Friedrich Nietzsche das Wort auf die gesamteuropäische Situation seiner Zeit an. Das Wort „Kleinstaaterei“ wurde auch auf das Italien vor dem Risorgimento angewandt. Das Werk A kelet-európai kisállamok nyomorúsága von István Bibó über die Situation in Osteuropa aus dem Jahr 1946 erschien 1992 in einer deutschsprachigen Übersetzung unter dem Titel Die Misere der osteuropäischen Kleinstaaterei.

Siehe auch Balkanisierung Finnlandisierung Kantonisierung

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Einzelnachweise

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