Scanners – Ihre Gedanken können töten [] ist ein kanadischer Spielfilm von David Cronenberg aus dem Jahr 1981. Der Body-Horror-Film ist dem Genre des Phantastischen Films zuzuordnen, wobei Cronenberg Versatzstücke des Horrorfilms, des Science-Fiction-Films, des Actionfilms und des Thrillers verwendet. Scanners behandelt die Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen telepathisch und telekinetisch begabter Menschen. Scanners gilt als Cronenbergs thematisch und inszenatorisch konventionellster Film der mittleren Schaffensphase und markiert gleichzeitig seinen kommerziellen Durchbruch.
Handlung Cameron Vale ist ein heruntergekommener Mann, der unter Stimmen leidet, die sich in seinem Kopf manifestieren. Nachdem er mit seinen telepathischen Fähigkeiten unfreiwillig verursacht hat, dass eine Frau einen Anfall erleidet, wird er gefangen genommen und in die Forschungseinrichtung von Dr. Paul Ruth gebracht. Ruth erklärt, Vale sei ein sogenannter „Scanner“, die Ursache seiner Qualen sei die ihm innewohnende Macht der Telepathie und der Telekinese. Mit der Droge Ephemerol befreit er Vale von den Stimmen im Kopf und zeigt ihm die Möglichkeiten seiner mentalen Kräfte.
Ruth arbeitet für den Sicherheits- und Rüstungskonzern ConSec, für den er Scanner rekrutiert, um sie dann im Dienste des Unternehmens einzusetzen. ConSecs größter Feind ist Darryl Revok, ebenfalls ein Scanner. Er schmuggelt sich in eine Marketingveranstaltung von ConSec ein und bringt dort durch seine mentalen Kräfte den Kopf eines domestizierten ConSec-Scanners zum Explodieren. Vale wird von Ruth darauf angesetzt, Revok ausfindig und dann unschädlich zu machen. Auf der Suche nach Revok trifft er zunächst den Künstler Benjamin Pierce, einen Scanner, der sich von seiner mentalen Belastung durch die Beschäftigung mit Kunst befreit hat. Pierce wird durch Revoks Handlanger ermordet, doch Vale kann aus seinem sterbenden Hirn einen Hinweis auf die Existenz einer weiteren, unabhängigen Scannergruppe auslesen. Vale sucht die Gruppe auf, die sich mit ihrer Anführerin Kim Obrist durch eine Art Gruppenmeditation von ihrer psychischen Last befreit. Revoks Schergen greifen die Gruppe an, doch Vale und Obrist können fliehen.
Sie finden heraus, dass Revok in einer Chemiefabrik große Mengen Ephemerol produzieren lässt. Das Medikament, ursprünglich ein Beruhigungsmittel für schwangere Frauen, ist der Auslöser der Mutation der Scanner. Revok will mittels des Computerprogramms RIPE das Mittel landesweit vertreiben und eine große Anzahl schwangerer Frauen damit versorgen, um bei den ungeborenen Kindern die Mutation hervorzurufen. Diese neue Generation von Scannern soll Revok dabei helfen, die Macht an sich zu reißen. Vale und Obrist informieren Dr. Ruth bei ConSec darüber. Braedon Keller, der Sicherheitschef von ConSec, hat heimlich mit Revok zusammengearbeitet, und versucht nun, Obrist umzubringen. Obrist kann dies mit ihren telepathischen Fähigkeiten abwenden. Kurz darauf gelingt es Keller jedoch, Dr. Ruth zu erschießen. Vale infiltriert mit seinen Scanner-Fähigkeiten den RIPE-Computer über eine Telefonverbindung und zerstört ihn dadurch. Keller wird Opfer der Explosion des Computers.
Revok lässt Vale und Obrist gefangen nehmen. Er erklärt Vale, dass er sein Bruder ist und Dr. Ruth der Vater der beiden war. Ruth war der Erfinder von Ephemerol und hatte das Mittel skrupellos bei seiner eigenen Frau eingesetzt. Revok will Vale auf seine Seite bringen, doch Vale weigert sich. Es kommt zu einem Duell zwischen beiden Brüdern, die ihre Scanner-Fähigkeiten gegeneinander einsetzen. Im Verlauf dieses Kampfes wird Vales Körper zerstört und verbrannt. Als Obrist jedoch Revok gegenübertritt, spricht dieser mit Vales Stimme; Vales Geist ist in Revoks Körper übergetreten.
Entstehungsgeschichte Drehbuch und Vorproduktion mini|David Cronenberg im Jahr 2002, 23 Jahre nach den Dreharbeiten zu Scanners Bereits in den frühen 1970ern hatte Cronenberg sich mit dem Thema der Telepathie beschäftigt. Er hatte Roger Corman ein Treatment mit dem Titel Telepathy 2000, in dem es um rivalisierende Telepathengruppen im Untergrund ging, angeboten, ohne dass jedoch das Projekt realisiert worden wäre.Rodley: S. 85 Im Rahmen eines Steuersparmodells hatte der kanadische Filmproduzent Pierre David im Herbst 1979 eine große Geldsumme von Privatleuten anvertraut bekommen, und zwar unter der Maßgabe, die Mittel noch im selben Jahr steuermindernd für ein Filmprojekt zu verwenden. David forderte Cronenberg auf, ihm entsprechende Ideen hierfür vorzulegen. Unter den drei Konzepten, die Cronenberg präsentierte, befand sich eine Geschichte namens The Sensitives, für die David sich entschied.Grünberg: S. 58 Cronenberg hatte sich in dieser Geschichte im medizinischen Aspekt, dem Ursprung der Mutation durch ein in der Schwangerschaft eingenommenes Medikament, durch den Contergan-Skandal in Deutschland inspirieren lassen.Grünberg: S. 60
In großer Eile wurde die Gesellschaft Filmplan International zur Realisierung des Projekts gegründet, mit einem Budget von 4.100.000 CAD Cronenbergs bislang teuerster Film. Die Vorbereitungszeit bis zum Beginn der Dreharbeiten waren mit zwei bis drei Wochen extrem kurz, um die Chance zu wahren, bis zum Jahresende die Hauptdreharbeiten abschließen zu können. Cronenberg begann, seine Geschichte zu einem Drehbuch zu verarbeiten und änderte den Titel in Scanners. Für die Hauptrollen wurden Jennifer O’Neill, Stephen Lack, Patrick McGoohan und Michael Ironside verpflichtet, allesamt bereits etablierte Schauspieler, die dem Film ein gewisses Starpotential gewährleisten konnten.Rodley: S. 86
Produktion und Nachproduktion Die Dreharbeiten fanden vom Oktober bis zum Dezember 1979 in Montreal statt.Robnik/Palm: S. 176 Cronenberg bemerkt zu den Dreharbeiten: „Weil die Geschichte sehr komplex war und eine Menge Spezialeffekte hatte, waren es die schwierigsten Dreharbeiten meines Lebens.“zitiert in: Grünberg: S. 61 Bereits der erste Drehtag stand unter unglücklichen Vorzeichen: Es waren weder die benötigten Requisiten, noch die Kostüme für die Darsteller vorhanden. Als Cronenberg am Rande der Montrealer Stadtautobahn drehte, verursachten schaulustige Autofahrer einen Auffahrunfall, bei dem zwei Frauen starben.
Während der gesamten Dreharbeiten war es bitterkalt in Montreal. Das Team drehte unter schwierigen Bedingungen unter anderem in nicht isolierten, verlassenen Gebäuden der Montrealer Weltausstellung von 1967.Grünberg: S. 61 Cronenberg musste morgens zwischen fünf und sieben Uhr an den Szenen des immer noch unfertigen Drehbuchs arbeiten, die tagsüber gedreht werden sollten.Rodley: S. 88 Zusätzlich war das Verhältnis zwischen Regisseur und Hauptdarstellern sehr angespannt. Patrick McGoohan litt unter Selbstzweifeln und Lampenfieber und versuchte dies zu kompensieren, indem er exzessiv dem Alkohol zusprach. Jennifer O’Neill schließlich war entsetzt über die Gewalttätigkeit des Films. Man hatte sie mit einer „entschärften“ Version des Drehbuchs, in der die Splatter-Szenen fehlten, zur Teilnahme am Film verlockt.Rodley: S. 87
Für die Spezialeffekte engagierte Cronenberg den Effektkünstler Chris Walas, damals in Diensten von Industrial Light & Magic. Die Szene mit dem explodierenden Kopf, für die Walas verantwortlich zeichnete, sollte eigentlich die Eröffnungssequenz des Films sein, wurde aber nach Testvorführungen weiter nach hinten im Film verschoben. Die Produzenten waren aufgrund der drastischen Ausarbeitung des Effekts besorgt und ließen weitere, weniger explizite Versionen drehen. Cronenberg bestand jedoch auf der ursprünglichen Version.Rodley: S. 90
Ende Dezember 1979 waren die Hauptdreharbeiten des Films beendet. Das gedrehte Material konnte aber nicht zu einem logischen Ganzen zusammengefügt werden. Deshalb waren Nachdrehs notwendig, die Wochen und sogar Monate später stattfanden. So wurden unter anderem die kompletten U-Bahn-Sequenzen in der Toronto Subway nachgedreht. Der Schnittprozess des Films gestaltete sich als äußerst langwierig und mühsam. Neun Monate verbrachte Cronenberg im Schneideraum, um das Material möglichst ohne logische Brüche und Filmfehler zu schneiden.
Rezeption Veröffentlichung und zeitgenössische Kritik Scanners feierte seine Premiere am 18. Januar 1981. Auch aufgrund einer geschickten MarketingkampagneAuch in der Bundesrepublik wurde zum Kinostart am 6. März 1981 versucht, durch aggressives Marketing dem Film zum Erfolg zu verhelfen. Die Tagline lautete damals: Dein Atem stockt! Dein Fleisch verbrennt! Dein Körper explodiert! Bodo Traber: Spätes 20. Jahrhundert. Die frühen Jahre – Von Stereo bis Rabid in: Robnik/Palm: S. 19 wurde der Film ein Publikumserfolg und landete auf Platz 1 der Variety-Charts.Grünberg: S. 62 Scanners spielte in der US-Kinoauswertung über 14 Millionen US-Dollar ein und war somit Cronenbergs bis dahin größter kommerzieller Erfolg.
Die zeitgenössische Kritik äußerte sich zurückhaltend bis negativ zum Film. Variety schrieb, der Film folge „dem Muster vieler effektorientierter Low-Budget-Filme“, die Geschichte schalte „nach dem ersten Akt, in dem der Kopf eines Mannes vor der Kamera explodiert, einen Gang zurück.“ Der „Mangel an Aspekten, die den Zuschauer bei der Stange halten“ verderbe jede Spannung, der „hochelegante visuelle Stil“ wirke einem großen Schock-Wert entgegen.
Roger Ebert kritisierte, der Film beziehe den Zuschauer nicht ein und berühre nicht durch seine Personenzeichnung. Cronenbergs Ruf als Schöpfer hervorragender Low-Budget-Schocker sei mit Scanners „überstrapaziert“ worden. Die Geschichte erinnerte Ebert „an alte James-Bond-Filme und halbvergessene Fernsehsendungen“.Kritik von Roger Ebert
Vincent Canby bemängelte in der New York Times, Cronenberg mache den Fehler, über den Bereich des Horrorgenres hinauszugehen und mit Mystery-Elementen zu arbeiten. Diese benötigten nämlich – anders als im reinen Horrorfilm – nachvollziehbare Erklärungen und Hintergründe; in Scanners würden die gelieferten Erklärungen jedoch nur die „grundlegende Dämlichkeit“ des Films unterstreichen. Canby nennt die Schauspielerleistungen „recht zufriedenstellend“ und lobt Maske und Spezialeffekte.Kritik von Vincent Canby
Auch in der deutschsprachigen Presse waren viele negative Stimmen zu hören. Urs Jenny schrieb im Spiegel, Cronenberg warte „mit einer nur allzu komplizierten, allzu wichtigtuerischen Intrigengeschichte auf“. Der „eher grobklötzige“ Regisseur Cronenberg müsse seinen Job an die Trick-Spezialisten abtreten; kassenwirksam seien weniger die Inhalte als eher die „qualmenden Ketchup-Fontänen“. Der Kölner Stadt-Anzeiger urteilte, der Film sei eine „unergiebige Mischung aus Science-Fiction-Thriller und Agentenfilm“. Hartmut Wilmes schreibt in der Zeit, Scanners sei eine „brüchige Synthese“ aus verschiedenen Genremotiven, die die Spannung erlahmen lasse. Die Effekte seien „eitel zelebrierte […] Zaubertricks, denen die blasse Vision vom volltechnisierten Überwachungsstaat und die Kritik an verantwortungsloser Pharmaforschung als Alibi aufgepfropft“ würden. Der Endkampf mit seinen Gore-Effekten „dürfte allerdings als meisterhafte Scheußlichkeit in die Annalen des Horrorgenres eingehen“.