mini|hochkant|Siebenarmiger Leuchter im Essener Münster Ein siebenarmiger Leuchter findet sich als Teil der Kirchenausstattung in manchen, meist mittelalterlichen Kirchen.
Symbolik mini|hochkant|Der Braunschweiger Leuchter mini|hochkant|Leuchter im Dom zu Viborg mini|hochkant|Leuchter in der Nikolaikirche in Tallinn
Menora Die siebenarmigen Leuchter beziehen sich auf die jüdische Menora, den siebenarmigen Leuchter des alttestamentlichen Salomonischen Tempels, der im 2. Buch Mose () genannt wird. Vermittelt durch die Buchmalerei fand der siebenarmige Leuchter Eingang in die christliche Kunst. In der Zeit der Karolinger entstanden Nachbildungen dieses jüdischen Tempelgeräts, dessen ältestes erhaltenes Exemplar der Essener Leuchter aus der Zeit um 1000 ist.
Jessebaum Durch mittelalterliche Theologen wie Rupert von Deutz wurde der siebenarmige Leuchter im christlichen Sinn als Abbild Christi neu interpretiert. Der Leuchter mit seinen pflanzenartigen Verzierungen wächst wie ein Baum (Jessebaum) in die Höhe, welcher der Wurzel Jesse entspringt. Nach der Weissagung des Propheten Jesaja () entspringt der radix Jesse (Wurzel, Stamm des Isai) die virga (Spross), auf deren flos (Blüte, Jesus Christus) der siebenfache Geist Gottes ruhen wird. Ebenso ist die Deutung des Leuchters als lignum vitae, als Holz des Lebens oder Lebensbaum, möglich, der Auferstehung und Ewiges Leben symbolisiert. Dazu passt, dass einige der Leuchter offenbar als Memorial gestiftet wurden.
Siebenzahl Die Siebenzahl besitzt in der christlichen Symbolik eine große Bedeutung und verweist unter anderem auf die Vollendung der Schöpfung. Sie schließt die Zahlen Vier (vier Evangelisten und vier Winde) und Drei ein. In der Offenbarung des Johannes erscheint Christus mit sieben goldenen Leuchtern (), die die sieben Gemeinden symbolisieren (), an die Johannes schreibt. Christus trägt in der Vision die Schlüssel des Todes und der Hölle. Die Siebenzahl lässt sich weiterhin verbinden mit den sieben Gaben des Heiligen Geistes und den sieben Sakramenten ebenso wie mit den alttestamentlichen sieben „Säulen der Weisheit“ im Buch der Sprichwörter ().
Beispiele Die bedeutendsten Beispiele im deutschsprachigen Raum sind der siebenarmige Leuchter in der Essener Münsterkirche (1000) der siebenarmige Leuchter der Klosterkirche im Stift Klosterneuburg (1135)https://www.stift-klosterneuburg.at/stift-und-orden/geschichte/zeittafel/ der siebenarmige Leuchter im Braunschweiger Dom (1170–1180)Bloch 1961, s. 182 der Bevenser Siebenstern, ein Holzleuchter, der in Bad Bevensen in fast jedem Haushalt zu finden ist. Er wird unter anderem seit 1842 zur Frühmette am 1. Weihnachtstag in die Kirche mitgeführt.Martin Stünkel Der Bevenser Siebenstern, Siebenstern-Druckerei Schliekau, ohne Jahr, 3118 (!) Bad Bevensen Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten.Informationen über den Siebenstern-Leuchter
Weitere mittelalterliche siebenarmige Leuchter finden sich im Veitsdom in Prag (1150–1158)Bloch 1961, s. 188 im Mailänder Dom (Trivulzio-Kandelaber) (ca. 1200)Silvio Leydi, The Trivulzio candelabrum in the sixteenth century: documents and hypotheses, in Burlington magazine, vol. 153, nº 1294, 2011, pp. 4–12. in der Busdorfkirche von Paderborn (ca. 1300)Bloch 1961, s. 188 im Kolberger Dom (1327 von Hans Apengeter)Bloch 1961, s. 186 in der Sankt-Gertraud-Kirche, Frankfurt (1376)Bloch 1961, s. 184 in St. Nicolai (Mölln), vermutlich aus dem Kloster Marienwohlde (1436)Bloch 1961, s. 188 in Eutin (1444)Bloch 1961, s. 183 im Dom zu Viborg (1494)Bloch 1961, s. 189 im Magdeburger Dom (1494)Bloch 1961, s. 187 im Dom zu Aarhus (1515)Bloch 1961, s. 181 in der Nikolaikirche, Tallinn (1519)Bloch 1961, s. 189 im Dom St. Marien (Fürstenwalde) (1538)Bloch 1961, s. 184 in der Basilika Mariä Himmelfahrt in Brünn (15. Jahrhundert) im Dom zu Lund (15. Jahrhundert)Bloch 1961, s. 187 in St. Bonifatius (Freckenhorst) (15. Jahrhundert)Bloch 1961, s. 184 in der Sankt Nikolai kyrka, Stockholm (15. Jahrhundert)Bloch 1961, s. 189
Moderne siebenarmige Leuchter stehen in der Kirche von Jakobstad (1706)Bloch 1961, s. 188 in der Kirche von Nykarleby (1752)Bloch 1961, s. 189 in der Berliner St. Hedwigskathedrale im Dom St. Nikolai (Greifswald) im Dom St. Kilian (Würzburg) (1981 von Andreas Moritz) in der Friedenskirche Berlin-Grünau (2008 von Achim Kühn) in der Hauptkirche St. Nikolai (Klosterstern, Hamburg) (2002 von Ricarda Wyrwol) in der Matthäuskirche Ingolstadt
Literatur Peter Bloch: Siebenarmige Leuchter in christlichen Kirchen. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch. Bd. 23 (1961), S. 55–190. Online
Einzelnachweise
Weblinks
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