mini|Échebrune, St-Pierre – Ansicht von Südwesten mini|Échebrune, St-Pierre – Ansicht von Süden mini|Échebrune, St-Pierre – Ansicht der spätgotischen Chorpartie von Süden Die Pfarrkirche Saint-Pierre befindet sich in der kleinen Ortschaft Échebrune im Département Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine, Frankreich. Seit dem Jahr 1902 ist die Kirche als Monument historique registriert.

Geschichte Über die Geschichte der Kirche ist sehr wenig bekannt. Es gibt auch keinerlei Hinweise dafür, dass die Kirche, wie viele andere der Saintonge, in den ersten Jahrhunderten ihres Bestandes einem Priorat oder Kloster angehörte, wegen des zweiten Eingangs auf der Südseite der Kirche und wegen der aufwendigen Bauzier ist dies aber zu vermuten. Sicher ist, dass der ursprüngliche Kirchenbau, der heute noch in beachtlichem Umfang erhalten ist, vor allem mit seiner berühmten Fassade ein Werk der Baumeister des 12. Jahrhunderts ist, einer Zeit mit ausgesprochen ruhigen politischen Verhältnissen. Die Nähe zu einer der Hauptpilgerrouten (Via Turonensis) nach Santiago de Compostela trug mit Sicherheit dazu bei, dass die Steinmetze bezahlt werden konnten.

Die Ursache der meisten Schäden an kirchlichen Gebäuden ist in den unerbittlichen Brandschatzungen und Plünderungen des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) zu sehen. Nach einer relativ kurzen Zeit der Erholung, in der viele Instandsetzungen und Erneuerungen vorgenommen wurden, ging es während der Hugenottenkriege (1562–1598) mit den Zerstörungen weiter; den Rest erledigten dann häufig ab 1789 die Revolutionäre.

Auch die Pfarrkirche Saint-Pierre verlor in den Kriegswirren die alte Tonneneinwölbung des Schiffs und den kompletten romanischen Chor. Dieser wurde im 15. und 16. Jahrhundert erneuert und vergrößert und gleichzeitig um den südlichen Anbau einer Kapelle in voller Länge des neuen Chors erweitert. Auch die gewaltigen Stützpfeiler am quadratischen Unterbau des Glockenturms (12. Jahrhundert) stammen aus dieser Zeit; vermutlich wurden sie zur Sicherung der Statik zugefügt.

Die wohl damals gleichermaßen erneuerten Einwölbungen des Chores und der Kapelle mit gotischen Kreuzrippengewölben fielen späteren Kriegswirren zum Opfer und sind heute nicht mehr vorhanden.

Die nachträgliche Abmauerung einer Sakristei im Bereich der Kapelle ist ein Werk der Neuzeit.

Architektur mini|hochkant=1.6|Échebrune, St-Pierre, Grundriss Äußere Gestalt Die Gesamtgestaltung des Bauwerks wird, wie bei fast allen romanischen Kirchen der Saintonge, von der Westfassade dominiert. Sie überragt das Schiff an den Seiten, noch über deren Pfeilervorlagen hinaus, und am Giebel deutlich. Das Mauerwerk besteht aus grauem Natursteinmaterial, überwiegend in klarem Blockverband versetzt. Die der Witterung ausgesetzten Oberflächen haben unterschiedlich getönte Patina angesetzt, auf den oberen Teilen der Fassade dunkelgrau bis schwarz. Die weniger dem Regen ausgesetzten Oberflächen, wie etwa die Archivoltenbögen der Fassade, zeigen gelbliche bis helle ockerfarbene Tönungen.

Die Jochgliederung im Innern des Schiffs durch Rundsäulen auf Pfeilervorlagen wird außen mit im Querschnitt rechtwinkligen zweistufigen Pfeilervorlagen übernommen, aus je einer breiten Vorlage an der Wand, auf der außen eine zweite schmalere Vorlage aufsitzt. Die Vorlagen reichen hoch bis unter das Traufgesims und sind am Ende abgeschrägt, bis auf Null auslaufend. Zwischen den Pfeilervorlagen gibt es nur die glatte Wand, ohne jede Arkadengliederung, im Sockelbereich etwas vorstehend. Über den Wandflächen kragt ein bündig mit der breiten Pfeilervorlage abschließendes Gesims aus, dessen Vorderkante hohlkehlenartig profiliert ist. Getragen wird es von L-förmigen Kragsteinen, deren innerer Schenkel gerundet und im Querschnitt profiliert ist. Auf dem Gesims sind noch zwei Schichten aufgemauert, bis unter die eigentliche Traufe.

Die kleinen und schmalen rundbogigen Fenster sind etwa in Mitte der Wandhöhe angeordnet und werden umgeben von eingliedrigen Archivolten, mit einem im Querschnitt quadratischen Archivoltenbogen, auf schlanken Rundsäulen in Nischen und quer gerillten Kapitellen mit kräftigen profilierten Kämpfern. Der Bogen wird außen eingefasst mit einem leicht auskragenden Band, aus einem geometrischen Stabprofil, das am unteren Ende noch ein Stück waagerecht auf die Wand reicht. mini|Échebrune, St-Pierre – Südportal mini|hochkant|Échebrune, St-Pierre, Fenster im Schiff Im dritten Joch befindet sich ein vierstufiges Archivoltenportal, dessen umgebende Wand bis auf die Außenseite der Wandvorlagen aufgedickt ist, damit das tiefe Portalgewände untergebracht werden kann. Die Oberseite der Wandfläche ist über der Traufe dachartig steil abgeschrägt und mit einem pflanzlich ornamentierten Traufgesims geschmückt. Die Archivoltenbögen bestehen aus zwei im Querschnitt quadratischen Profilen im Wechsel mit gebogenen Rundstäben, in deren Zwickel von schmalen Profilen begleitet. Die Bögen stehen auf Rundsäulen, im Wechsel mit Mauerecken und deren Kapitellen und profilierten Kämpfern. Unter den Bögen ist ein glattes Tympanon eingefügt. Alle konstruktiven Teile des Portals tragen keinerlei figuralen oder ornamentalen Schmuck.

Über dem Südportal ist in der Wand ein „Ochsenauge“ angeordnet, mit einer Einrahmung aus glatten Keilsteinen, in der Leibung abgeschrägt, und einem äußeren vorspringenden Abschlussprofil mit geometrischem Stabornament.

Die beiden Seitenflächen der romanischen Vierung haben außer jeweils einer lisenenartigen Wandvorlage in der Mitte und den beiden kleinen rundbogigen Fenstern keine Strukturen, wenn man die gewaltigen abstützenden Pfeilervorlagen auf der Nord- und Südseite nicht dazurechnet. Ein Stützpfeiler ist so breit geworden, dass er in eines der Fenster hineinragt, das daraufhin zugemauert wurde.

Auch die späteren An- und Umbauten im Chorbereich weisen, außer den kräftigen Stützpfeilern, an den Gebäudeecken diagonal angeordnet, und den Fenstern mit gotischen Spitzbögen, keine besonderen Gliederungen auf. Ein größeres Fenster auf der Südseite der Kapelle hat einen Rundbogen, wird aber in den Stil der Renaissance eingestuft. In Nähe der Traufe der Südseite sieht man einige kleinere Kragsteine ohne Funktion. Unmittelbar unter der Traufe gibt es als spätere Nachrüstung eine steinerne Dachrinne aus einem rechtwinkligen Profil, mit einer Rille auf der Oberseite. Diese Rinne ist im Gefälle verlegt und wird getragen von größeren Kragsteinen.

Der quadratische Unterbau des Turms entspricht im Grundriss dem der Vierung und ragt weit über das Dach des romanischen Schiffs hinaus, schließt aber knapp unter dem First des deutlich höheren Dachs der jüngeren Chorgruppe mit einem schmalen Gesimsprofil ab. Darüber ragt ein achteckiger Grundriss der Glockenstube auf. Auf jeder Seite gibt es eine schlanke rundbogige Schallluke mit abgeschrägten Leibungen. Die Bögen fasst ein schmales Stabprofil ein, das sich in Höhe der Bogenenden waagerecht zum nächsten Fenster fortsetzt. Das steinerne, leicht auskragenden Traufgesims ruht auf einfach skulptierten Kragsteinen.

Das Schiff wird zwischen Fassade und Vierung abgedeckt mit einem flach geneigten Satteldach. Das deutlich höheren Dach der Chorgruppe, inklusive der Südkapelle, wird mit einem Satteldach gleicher Neigung eingedeckt, dessen Firstrichtung auf die Ecke des Turmunterbaus stößt. Die Dachform des Turms ist eine flach geneigte achteckige Pyramide. Die Eindeckungen aller Dächer bestehen aus roten Tonziegeln in römischer Form (Mönch – Nonne). Schiff und Turm haben „echte“ Traufen. Die Traufen der Chorgruppe sind mit steinernen Dachrinnen ausgerüstet (sh. oben).

mini|hochkant|Échebrune, St-Pierre, Westfassade gesamt mini|Échebrune, St-Pierre, Archivoltenportal mini|Échebrune, St-Pierre, Archivoltenkapitelle mini|Échebrune, St-Pierre, Archivolten-Blindportal links mini|Échebrune, St-Pierre, Archivolten-Blindportal rechts

Westfassade Ein für die romanische Kirchenbaukunst in der Saintonge ungewöhnlicher Aspekt ist der bis auf wenige Ausnahmen gänzliche Verzicht auf figuralen Dekor. Hingegen wurde bei der Fassadengliederung ein solch hoher Aufwand betrieben, wie er bei keiner anderen Kirche der Region angetroffen werden kann.

Grobgliederung Die horizontale Unterteilung in zwei Geschosse aus Erd- und Obergeschoss, im Verhältnis von etwa Zwei zu Eins, mit einem zusätzlichen Giebel, entspricht gängiger Praxis. Die waagerechte Gliederung über dem Erdgeschoss übernimmt ein weit auskragendes Gesims, das von Säulen und Kragsteinen getragen wird. Das Obergeschoss wird zum Giebel durch ein schmales, weniger stark auskragendes Gesims getrennt.

Auf knapp halber Höhe des Erdgeschosses verläuft noch einmal ein waagerechtes Band aus aneinander gereihten Kapitellen und Kämpfern und deren Fortsetzungen in den Scheinportalen und auf den Wandvorlagen.

Eine vertikale Unterteilung in drei Abschnitte erfolgt hier nur im Erdgeschoss im Verhältnis Eins zu Vier zu Eins, und zwar mit Hilfe aufeinander gestellter Säulen.

Feinstrukturen Zentrum des Erdgeschosses bildet ein riesiges sechsstufiges Archivoltenportal, exakt in das von den Säulen abgeteilten Mittelfeld eingepasst. Alle Bögen haben gleich breite und glatte Stirn- und Unterseiten. Daraus entsteht eine extrem tiefe Abstufung bis zum Portal. Die Vorderkanten der Archivolten sind profiliert, im Wechsel als Rundstab und als Hohlkehle. Auf dem Hohlkehlprofil der fünften Archivolte sitzen kleine Nocken im Abstand von zwei Steinen. Die Stirnseite der sechsten und äußeren Archivolte ist mit einem geometrischen Zackenmuster verziert, ihre Unterseite ist profiliert. Im Innenwinkel der Bögen sitzen schmale Begleiter, in pflanzliche Ornamente aufgelöst. Der äußere Archivoltenbogen wird eingefasst mit einem auskragenden Band mit pflanzlicher Struktur.

Die sechs Archivoltenbögen sitzen auf elf schlanken Rundsäulen mit Kapitellen und Kämpfern, die mit aufwändigem pflanzlichen Rankenwerk und Blättern tief reichend skulptiert sind. Die Kapitelle bilden paarweise ein zusammengehöriges Steinsegment zu dem jeweils ein Archivolten-Ende gehört. Die Säulen wechseln untereinander mit kleineren und größeren Durchmessern ab. Nur das innere Säulenpaar ist mit wechselnd gedrehten Kannelierungen geschmückt. Fast alle anderen haben auf natürlichem Wege durch Verwitterung eine Struktur erhalten. An ihrem unteren Ende stehen die Säulen auf profilierten Basen.

Beidseitig des großen Archvoltenportals erhebt sich jeweils die vertikale Trennung des Erdgeschosses, im unteren Bereich eine rechteckige Pfeilervorlage mit stark abgerundeten Ecken, auf einer Basis und mit einem Kapitell und Kämpfer, in Art und Höhe wie die Gewändesäulen-Gruppe. Darauf steht eine zu drei Viertel ihres Querschnitt vor die Fassade tretende Rundsäule, aus profilierter Basis und figural gestaltetem Kapitell, das unter dem das Erdgeschoss abschließenden Kraggesims anschließt.

Die gleiche Übereinanderstellung von Säulen wiederholt sich nochmals an den Fassadenecken. Hier ist jedoch die untere Säule doppelt so breit. Um die Ecke herum, auf den mitgestalteten Kopfseiten der Fassade gibt es je eine weitere Pfeilervorlage wie die ersten, auf der wieder eine Rundsäule seht. Zwischen den beiden vorstehend beschriebenen oberen Säulen der Gebäudeecke fügt sich noch eine dritte Säule desselben Querschnitts nahtlos ein. Daraus ergibt sich eine harmonische und intelligente Gestaltung des seitlichen Fassadenabschlusses, der nicht auf der Ecke aufhört.