mini|Christian Stangl am Gipfel des Cho Oyu (8188 m) Christian Stangl (* 10. Juli 1966 in Landl) ist ein österreichischer Alpinist und Bergführer. Durch zahlreiche besonders schnelle Besteigungen hoher Berge wurde er als „Skyrunner“ bekannt. Am 15. Jänner 2013 hat Stangl als erster Mensch die Seven Second Summits bezwungen, die zweithöchsten Berge aller sieben Kontinente. Im Jahr 2010 hatte er einräumen müssen, den Gipfel des K2 () nicht wie zuvor behauptet erreicht zu haben. Seitdem belegte er seine Gipfelbesteigungen mehrfach. Im Jahr 2012 stand er auf dem Gipfel des K2.

Als Stangls bedeutendster Erfolg gilt die Besteigung der jeweils drei höchsten Berge auf allen sieben Kontinenten, der sogenannten Triple Seven Summits – als erstem Bergsteiger gelang ihm die Besteigung aller 21 Gipfel. Am 23. August 2013 schloss er dieses Projekt mit der Besteigung des Shkhara (5193 m) ab. Wegen einiger Mess- und Definitionsfragen bestieg er insgesamt 30 Gipfel und konnte damit jegliche Fehler ausschließen. Alle 21 Gipfel seines Triple-Seven-Summits-Projekts sind mehrfach verifiziert worden. Das Guinness-Buch der Rekorde hat drei Pionierleistungen Stangls zertifiziert.

Leben und Unternehmungen Kindheit und Jugend Stangls Geburtsort Landl liegt im Osten des alpinen Nationalparks Gesäuse. Nach der Schulzeit absolvierte er eine fünfjährige Ausbildung zum Elektrotechniker (HTL). Wenig später begann er mit dem Klettern und unternahm erste Hochtouren in den Westalpen. Schon bald folgten erste Solo- und Speedbegehungen, Enchaînements und Winterbegehungen, hauptsächlich im Gesäuse.Stangl, Kren: Skyrunner, S. 15–17. 1989 begann er die Ausbildung zum Bergführer.

Höhenbergsteigen Mit dem Höhenbergsteigen begann Stangl Anfang der 1990er-Jahre; in den südamerikanischen Anden bestieg er mehrere Sechstausender, unter anderem den 6961 m hohen Aconcagua (1990). Beim Versuch, seinen ersten Siebentausender, den 7285 m hohen Ogre zu besteigen, wurde er 1991 von einer Lawine schwer verletzt.Stangl, Kren: Skyrunner, S. 24–29. Es folgten ein Versuch am Latok II (7108 m) 1993 und weitere hohe Andengipfel. 1998 erreichte Stangl mit dem Shishapangma seinen ersten Achttausender, die Besteigung erfolgte über die „Britenroute“ in der Südwand. In den nächsten Jahren versuchte Stangl Erstbegehungen am Gasherbrum I und konnte 2001 eine Solobesteigung des Cho Oyu verzeichnen, seine dabei begangene Neuroute vereinigt sich auf 7000 m mit der Tichy-Route von 1954.Richard Sale, Eberhard Jurgalski, George Rodway: Herausforderung 8000er: die höchsten Berge der Welt im 21. Jahrhundert. Tyrolia, Innsbruck/Wien 2013. S. 108 f.

Beginn des „Skyrunning“ Ab 1995 entwickelte Stangl anlässlich schneller Besteigungen hoher Andengipfel die Idee, Höhenbergsteigen „auf Zeit“ auszuprobieren und sich den geringeren Materialbedarf bei schnellen, eintägigen Begehungen zunutze zu machen.Stangl, Kren: Skyrunner, S. 65–67. 2002 bestieg er den Aconcagua in 4:25 Stunden vom Basislager zum Gipfel, was er als seinen ersten Skyrun bezeichnet. 2003 unternahm er mit seinem „Jogging-High-Projekt“ einen ersten Serien-Skyrun, der neun Sechstausender in 18 Tagen umfasste. Im darauffolgenden Jahr versuchte er am Broad Peak eine erste Besteigung eines Achttausenders an einem Tag und erreichte den Kibo in 5:36 Stunden.Stangl, Kren: Skyrunner, S. 184–190. 2005 bestieg Stangl in den Anden zehn Sechstausender in sieben Tagen. 2006 folgten drei Sechstausender an einem Tag und 2008 vier Sechstausender an einem Tag (Prinacota, Pomerape, Acotango, Guallatiri).Christian Stangl: Curriculum Vitae skyrunning.at (archivierte Website).

In seiner theoretischen Konzeption des Skyrunnings orientierte sich Stangl am Alpinstil und nannte seinen Begehungsstil „Superalpinstil“.Stangl, Kren: Skyrunner, S. 66. Dies bezieht sich auf den Verzicht auf feste Hochlager, Träger und zusätzlichen Sauerstoff. Stangl benutzte jedoch, wenn vorhanden, die von anderen Teams gelegten Fixseile und hinterlassenen Spuren, sodass sein Begehungsstil oft in entscheidenden Punkten vom Alpinstil abwich.Stangl, Kren: Skyrunner, S. 158.

Seven Summits: Speed-Projekt Mit der ersten Besteigung des Mount Everest innerhalb von einem Tag 2006 begann Stangl seinen Versuch, alle Seven Summits, die höchsten Gipfel der Kontinente, im Skyrunning-Stil zu besteigen. Dieses Projekt schloss er am 7. Dezember 2007 mit einem neuen Rekord am Mount Vinson erfolgreich ab. Die Gesamtzeit für die Besteigung aller sieben Gipfel gibt er mit 58 Stunden und 45 Minuten an, sie beträgt damit etwa ein Achtel der sonst üblichen Zeit. sueddeutsche.de, 27. November 2007 (Kurzbericht mit Zeitangaben und 12 Bildern).

Die Einzelzeiten bei dieser Unternehmung waren: Mount Everest: 16:42 h Aconcagua: 4:25 h, Rekord Denali: 16:45 h Elbrus: 5:18 h, Rekord Kibo: 5:36 h Mount Vinson: 9:10 h, Rekord Carstensz-Pyramide: 0:49 h, Rekord

Seven Second Summits Als nächstes Projekt verfolgte Stangl das Ziel, auch die zweithöchsten Kontinentalgipfel, die sogenannten Seven Second Summits, im Skyrunning-Stil zu besteigen. Wenn ihm diese Besteigungsserie als erstem Bergsteiger gelingen sollte, wäre er zugleich der Erste, der sowohl die Seven Summits als auch die Seven Second Summits vollendet hat. Bereits im Jahr 2007 hatte Stangl einige Gipfel für dieses Projekt ins Visier genommen. Er bestieg den Ojos del Salado (6893 m) in den Anden und den Ngga Pulu (4862 m) auf der zu Ozeanien gehörenden Insel Neuguinea.

Im Jahr 2008 bestieg Stangl bei einer längeren Expedition mehrere der höchsten Berge von Antarktika. Den Gipfel des Mount Shinn (4660 m) erreichte Stangl auf einer neuen direkten Route durch die Südwand.Climb Magazine, März 2010, S. 67–74: Antarctica 2008–2009. Tourenbeschreibung Shinn S. 67 f. (englisch), Routenskizze S. 74. Auch der Mount Gardner (4587 m) konnte bestiegen werden, aber beim zweithöchsten Berg des Kontinents, dem 4852 Meter hohen Mount Tyree, gelang bei dieser Expedition kein Gipfelerfolg.

Im Sommer des Jahres 2008 unternahm Stangl seine erste Expedition zum K2 (8611 Meter), der zweithöchste Berg Asiens. Der Berg gilt als gefährlich und sehr schwer zu besteigen. Nachdem infolge einer Eislawine am „Flaschenhals“ (ca. 8200 m) elf Bergsteiger gestorben waren, brachen Stangl und die meisten anderen Bergsteiger ihre Expeditionen ab (siehe K2-Tragödie 2008). Stangl hatte zuvor auf dem Abruzzi-Sporn eine Höhe von 8100 Metern erreicht.

Zu Beginn des Jahres 2009 gelang Stangl die Besteigung des 5199 Meter hohen Batian in Afrika und im September eine Besteigung des 5224 Meter hohen Dychtau im Kaukasus. Außerdem unternahm er einen weiteren Versuch, den K2 zu besteigen. Beim Gipfelversuch erreichte ein internationales Team, dem auch Stangl angehörte, eine Höhe von etwa 8300 Metern; hüfthoher Schnee verhinderte einen Gipfelerfolg. Seit dem Jahr 2009 verfolgte Stangl sein Projekt öffentlich unter dem Titel „14 Seven Summits“.Christian Stangl: K2 – Gipfel am 31. Juli 2012 skyrunning.at (archivierte Website).

Im Jahr 2010 bestieg Stangl zunächst den Puncak Trikora (4730 m) in Indonesien und anschließend den zweithöchsten Berg Nordamerikas, den 5959 Meter hohen Mount Logan in Kanada. Er reiste im Sommer zum dritten Mal ins Karakorum-Gebirge, um den K2 zu besteigen.

Mit der Besteigung der zweithöchsten Gipfel Ozeaniens (siehe Tabelle) war Stangl im Jänner 2013 schließlich der erste Mensch, der erfolgreich die zweithöchsten Gipfel der sieben Kontinente erklommen hatte.Eberhard Jurgalski: Kammerlander/Stangl: “Seven Second” and “Third” Facts 8000ers.com, 30. März 2012, Update Oktober 2013.About the second 7summits 7summits.com.

Kontroverse um den K2 2010 Eine besondere bergsteigerische Leistung wollte Stangl am 12. August 2010 im Zuge seines „14 Seven Summits“-Projektes für sich verbuchen. Er behauptete, um 10 Uhr vormittags den Gipfel des K2 (8611 m), des zweithöchsten Berges der Erde, erreicht zu haben. Er sei bei dieser Tour insgesamt 70 Stunden unterwegs gewesen, das wäre Rekordzeit gewesen. Er wäre zudem der erste Bergsteiger seit 2008 gewesen, der den Gipfel des K2 erreicht hätte. Für Stangls „14 Seven Summits“-Projekt schien jetzt nur noch der Mount Tyree zu fehlen, den er noch im Dezember 2010 besteigen wollte.

Es gab Zweifel an dieser Behauptung. So sollen laut den Bergsteigern, die mit Stangl zur gleichen Zeit am K2 waren, wie Zsolt Török, George Dijmarescu und Maxut Zhumayev, keine Spuren von Stangl auf dem von ihm selber beschriebenen Weg vorhanden gewesen sein. Die von Stangl beschriebene Route konnte er also ihrer Meinung nach nicht genommen haben.

Auch das Wetter auf den Bildern der Gipfelbesteigung passte nicht zu den am Tag der Beschreibung vorherrschenden Bedingungen. So zeigen die Bilder einen sonnigen Tag, im Gegensatz zu den Beobachtungen der Bergsteiger am K2.

Weiterhin war Stangl nach der Rückkehr vom K2 bei bester Gesundheit, kein Anzeichen einer Erschöpfung war zu erkennen. Noch am gleichen Tag trat Stangl den Heimweg an. So blieben zwei ungenaue Fotos der einzige Beweis des Gipfelerfolges, da er weder Handy noch GPS-Gerät bei sich trug.

Stangl erklärte am 31. August 2010, angesichts von mehreren Erpressungsversuchen und Bedrohungen durch einige Bergsteiger wolle er sich zu dem Thema nicht äußern und sich auch nicht verteidigen.K2 ascent: Official Statement from Christian Stangl 8000ers.com, 31. August 2010. Kurz darauf nahm er dann doch in einer E-Mail Stellung zu einigen Kritikpunkten. Dass er den anderen Bergsteigern nicht begegnet sei, könne daran gelegen haben, dass er beim Abstieg teilweise einen anderen Weg genommen habe. Das ungenaue Gipfelfoto begründete er damit, dass er sich selbst habe aufnehmen müssen.Streit um Gipfelsiege von Stangl und Oh Eun-Sun bergsteigen.com, 1. September 2010.

Am 7. September 2010 gab Stangl zu, dass er den Gipfel des K2 nicht erreicht hatte. Das vermeintliche Gipfelfoto sei etwa 1000 Höhenmeter unter dem Gipfel aufgenommen worden. Stangl gab an, so sehr unter Druck gestanden zu sein, dass er sich die Gipfelbesteigung nur eingebildet habe. Laut Medienberichten vom 8. September 2010 hatte Stangl das Basislager in 5300 m Höhe gar nicht verlassen. Da das Wetter am betreffenden Tag nicht zum Himmel am „Gipfelfoto“ passt und das Foto nach einem Vergleich mit früheren Bildern in der Nähe von Lager 3 aufgenommen wurde, geht man davon aus, dass es von einem früheren Versuch stammt.Stangl: Ich war doch nicht auf dem K2 bergsteigen.com, 7. September 2010.Falsches Geständnis: Christian Stangls doppelte Lüge um den K2-Gipfelsieg krone.at, 8. September 2010.

Triple Seven Summits miniatur|350x350px|Weltkarte der Triple Seven Summits, der drei höchsten Gipfel aller sieben Kontinente Der K2-Skandal bewog Stangl zu einem radikalen Umdenken. Er zog sich zeitweise aus der Öffentlichkeit zurück und setzte seine Besteigungen auf den sieben Kontinenten erst nach einer längeren Unterbrechung fort. Dabei erweiterte er das Projekt Seven Second Summits – fortan ging es ihm darum, als erster Mensch die drei höchsten Berge aller sieben Kontinente zu besteigen, die sogenannten Triple Seven Summits („21 Weltberge im 21. Jahrhundert“). Damit war auch eine Abkehr vom Speed-Bergsteigen verbunden. Stangl legte nun erheblich größeren Wert auf die exakte Dokumentation seiner Erfolge (Fotos, Videos, GPS-Tracks).