mini|Jahresniederschläge mini|Bammental und Umgebung 1907 mini|Das Zentrum von Bammental mit dem Rathaus in der Mitte (Rückansicht) mini|Blick über Bammental mit Glockenturm des Rathauses (links) und evangelischer Kirche (rechts) Bammental (vor 1901: Bammenthal) ist eine Gemeinde mit rund 6600 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg.
Geografie Lage und Naturraum Bammental gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und liegt im Naturpark Neckartal-Odenwald, etwa 9 km Luftlinie südöstlich von Heidelberg und 13 km nordwestlich von Sinsheim im Elsenztal. Zu Bammental gehört der Ortsteil Reilsheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 384–385
Nachbargemeinden sind im Nordwesten Heidelberg, im Norden Neckargemünd, im Osten Wiesenbach, im Südosten Mauer, im Südwesten Leimen mit dem Ortsteil Gauangelloch und im Westen Gaiberg.
Bammentals Gemarkung hat Anteil an Kraichgau und Odenwald, im Nordosten an der Südost-Abdachung des Königstuhls. Diese besteht weitestgehend aus Oberem Buntsandstein. Der Hollmut-Höhenrücken, ein Umlaufberg des Neckars, ragt von Norden in die Gemarkung hinein. Im Süden und Südwesten fließt die Elsenz in mehreren Schlingen durch das Gemeindegebiet. Ihr fließt von Norden, aus Richtung Königstuhl, der Weiherwiesenbach zu.
Das Gemeindegebiet erstreckt sich zwischen einer Höhe von 120 und 340 Metern über 1216 Hektar. Davon sind 18,8 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 35,1 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 44,2 Prozent sind bewaldet.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Bammental gehören die Dörfer Bammental und Reilsheim, das Gelände des Kraftwerks der ehemaligen Tapetenfabrik, der Wohnplatz Jungviehweide Hollmut, das Wohn- und Gewerbegebiet Am Bittersbach und der gewerbliche Teil der Kriegsmühle.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 929 Millimeter. Die Niederschläge sind hoch. Sie liegen im oberen Viertel der in Deutschland erfassten Werte. An 80 Prozent der Mess-Stationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,3 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren sehr wenig im Jahresverlauf. An nur 4 Prozent der Mess-Stationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Reste einer römischen Straße und von römischen Gebäuden zeugen von einer Besiedlung durch die Römer ab der Zeitenwende.
769 wurde der heutige Ortsteil Reilsheim erstmals in einer Urkunde des Lorscher Codex unter dem Namen Risolfesheim erwähnt. Reilsheim zählt zu den ältesten Siedlungen im unteren Elsenztal, die wohl im Zuge der fränkischen Landnahme im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet wurden. Von Reilsheim aus erfolgte die Gründung einer Reihe von Ausbausiedlungen, zu denen auch das am Unterlauf des Krebsbachs gelegene Bammental gehört, dessen Ursprünge wohl im 8. oder 9. Jahrhundert liegen. Die auf den 29. Juni 1016 datierte Schenkungsurkunde, in der erstmals Benemaden erwähnt wird, stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert.Urkunde Nr. 332 der Alten Sammlung der Heidelberger Universitätsbibliothek Gesicherte Urkunden liegen erst aus dem 12. Jahrhundert vor. Die beiden räumlich voneinander getrennten Orte bildeten vermutlich schon im 13. Jahrhundert eine gemeinsame Verwaltungseinheit, 1325 wurde bereits ein gemeinsamer Schultheiß genannt. Zusammengewachsen sind Reilsheim und Bammental durch das zwischen den alten Siedlungskernen gelegene Vorstädtl, beginnend mit der Ansiedlung einer Mühle an der Elsenz 1628 und massiv ausgebaut seit der Eröffnung der Elsenztalbahn 1862 und der Errichtung einer Tapetenfabrik 1862/63. Das Vorstädtl bildet heute den eigentlichen Gemeindemittelpunkt mit dem Rathaus und Geschäften.
Bammental-Reilsheim gehörte ursprünglich zum hochmittelalterlichen Elsenzgau und gelangte dann mit dem unteren Elsenztal in staufischen Besitz, der von einem kaiserlichen Landvogt in Wimpfen verwaltet wurde. Von 1330 bis 1803 war der Ort unter pfälzischer Hoheit und gehörte zur Meckesheimer Zent, einem das untere Elsenztal umfassenden Gerichtsbezirk. Verschiedene Klöster sowie die Herren von Hirschhorn hatten zwar Besitz in Reilsheim und Bammental, über zwei Drittel des Ackerlandes waren jedoch freier Besitz der Bauern. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Bammental durch die Zuwanderung von Bauern zum größeren der beiden Orte. 1803 gelangte Bammental zu Baden. Nach 1831 versuchte Reilsheim zeitweilig, Selbständigkeit zu erlangen, die jedoch 1841 endgültig abgewiesen wurde.
Bammental war bis weit ins 19. Jahrhundert stark land- und forstwirtschaftlich geprägt. Der erste größere Industriebetrieb des Ortes war die Tapeten- und Papierfabrik der Gebrüder Scherer, die 1863 eröffnet wurde und 1888 bereits 200 Beschäftigte hatte. Weitere historische gewerbliche Bedeutung hatten um 1900 außerdem die Zigarrenherstellung und das Mühlenwesen.
20. Jahrhundert Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Bammental rund 1000 Heimatvertriebene, zumeist aus ehemaligen deutschen Ostgebieten, Tschechien, Ungarn und Jugoslawien auf. Dies sorgte für einen starken Anstieg der Bevölkerung und für die Erschließung neuer Wohngebiete. Die traditionellen Erwerbszweige wie die Papier- und Zigarrenherstellung und das Mühlenwesen verloren an Bedeutung, es wurden während der „Wirtschaftswunder“-jahre aber neue Gewerbe erschlossen. Bis 1973 gehörte Bammental zum Landkreis Heidelberg. Mit dessen Auflösung fiel die Gemeinde an den Rhein-Neckar-Kreis.
Einwohnerentwicklung Jahr 1439 1577 1777 1834 1905 1939 1961 1965 1970 1982 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 EinwohnerBis 1965: Kreisbeschreibung Bd. 2, S. 402. Danach: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg. 255 285 501 903 1741 2041 3671 4207 4616 5560 6167 6397 6545 6517 6468 6426 6599
Politik mini|Rathaus von Bammental mini|Altes Rathaus Gemeinderat Der Gemeinderat hat 18 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Alle Stimmen in Bammental gezählt – CDU gewinnt, das sind die Gewählten. In: StN.de, abgerufen am 1. Juli 2024.
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU/BV Bammental 33,6 % (+6,1) 6 (+1) Pro Bammental 18,9 % (+2,2) 3 (±0) Grüne 17,3 % (−6,1) 3 (−1) SPD 16,0 % (−1,9) 3 (±0) Unabhängige Wähler Bammental (UWB) 14,3 % (−0,3) 3 (±0) Wahlbeteiligung: 70,0 % (+1,6)
Bürgermeister Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt.
Schultheissen 1325 – Konrad (Conrad) 1439 – Hanns Bersich 1495 – Hans Kühnle 1506 – Hans Gaul (Kaull) 1516 – Hans Seifert (Syfert) 1532–1554 – Fritz Obert 1554–1569 – Friedrich Zimmermann 1582–1595 – Friedrich Klingmann 1654 – Hans Leonhard Fromm (Frum) 1664–1669 – Hans Valentin Reinhard (Velten Rennert) 1669–1671 – Hans Wilhelm Gompenhaus (Kumpenhanß) 1674 – Hans Leonhard Fromm 1680–1702 – Hans Stephan Hossmann 1707–1726 – Georg Ganshorn (Gansshorn) 1729–1730 – Mathias Buschlaeger 1730–1731 – Hans Stephan Heid (Heyd) 1731–1735 – Bernhard Ganshorn 1735–1748 – Georg Michael Haeusser (Heisser, Heuser) 1748–1754 – Matthaeus Schneckenberger 1755–1776 – Johann Friedrich Roesch 1776–1790 – Caspar Harth 1790–1798 – Johann Heinrich Schneckenberger 1799–1824 – Mathias Sigmund (seit 1810 Vogt)
Vögte 1824–1826 – Georg Jakob Fromm 1826–1828 – Georg Heid 1828–1832 – Adam Hoffmann (seit 1831 Bürgermeister)
Bürgermeister 1832–1835 – Philipp Ganshorn 1835–1837 – Christian Hoffmann 1837–1848 – Leonhard Fromm 1848–1850 – Jakob Sigmund 1850–1874 – Leonhard Fromm 1874–1893 – Johann Friedrich Ziegler 1893–1903 – Johann Schenzel 1903–1914 – Phillipp Christian Rösch 1914–1919 – Friedrich Winnewisser 1919–1928 – Jakob Ziegler 1928–1933 – Emil Müller 1933–1944 – Heinrich Lämmler 1944–1945 – Heinrich Hoffmann 1945–1954 – Wilhelm Hessenauer 1954–1975 – Erich Renz 1976–1994 – Herbert Echner 1994–2010 – Gerhard Vogel 2010–2026 – Holger Karl seit 2026 – Benjamin Huwer
Wappen 150px|mini|Wappen Blasonierung: Durch eine eingebogene silberne Spitze, worin ein wachsender, von zwei wachsenden roten Tulpen mit grünen Blättern beseiteter grüner Laubbaum, gespalten; vorn in Schwarz ein linksgewendeter, rot bewehrter und rot bezungter goldener Löwe, hinten von Blau und Silber schräggerautet.
Das Wappen geht zurück auf ein ehemaliges Gerichtssiegel, das seit 1747 nachweisbar ist. Es wurde 1894 vom Generallandesarchiv offiziell anerkannt. Der Löwe und die Rauten sind Symbole der alten Kurpfalz; siehe hierzu auch Wappen der Kurpfalz. Der Baum steht für die volksetymologische Deutung von „Bammental“ als „Baum im Tal“.
Die Flagge ist Grün-Weiß und wurde 1965 vom Innenministerium verliehen.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 40
Gemeindepartnerschaft links|mini|150px|48. Partnerschaftstreffen Vertus – Bammental (2014) Bammental pflegt seit dem 18. Juni 1966 eine Partnerschaft mit Vertus (seit 2018 Ortsteil der Gemeinde Blancs-Coteaux) in Frankreich und seit dem Mauerfall 1989 mit der sächsischen Gemeinde Demitz-Thumitz.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke Inmitten der früheren Siedlungskerne von Bammental und Reilsheim haben sich zwei alte Wachtürme, sogenannte „Dörndl“, von 1773/74 erhalten. Oberhalb des Vorstädtls befindet sich außerdem der „Alte Turm“, der Kirchturm einer im 13. Jahrhundert erbauten, um 1774 barock erneuerten und 1896 abgerissenen Kirche. Die neue evangelische Kirche wurde von 1902 bis 1904 nach Plänen von Hermann Behaghel erbaut und 2007 mit einer neuen Glocke ausgestattet. Die katholische Kirche St. Dionysius wurde 1912 erbaut und 1975 bis 1977 durch einen modernen Anbau erweitert. Die neuapostolische Kirche in Reilsheim ist ein modernes Gebäude von 1975. Neben dem in regionaltypischem rotem Sandstein ausgeführten Rathaus hat sich auch noch das in Fachwerk erbaute und von 1851 bis 1956 als solches genutzte alte Rathaus erhalten. Im Ort gibt es einige weitere historische Fachwerkgebäude, darunter ein denkmalgeschütztes Bauwerk von 1593 im Ortsteil Reilsheim, an der der Alten Steige 4.
Museen Im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Bammental ist seit 1986 ein Heimatmuseum eingerichtet. Am Beispiel der Tapetenherstellung wird dort u. a. der Wandel von der handwerklichen zur industriellen Produktion veranschaulicht. Sehenswert ist auch der Duft- und Heilkräutergarten beim „Alten Turm“.
Naturdenkmal mini|Naturdenkmal 1000-jährige Eiche in Bammental-Reilsheim In Bammental-Reilsheim, an der Schützenhausstraße, steht eine sog. 1000-jährige Eiche. Mehrere Brände, verursacht durch Blitzeinschläge, haben dazu geführt, dass der Baum im Inneren hohl ist. Zur Sicherung wurde der hohle Stamm mit Beton ausgefüllt sowie durch eine Abdeckung gegen Nässe geschützt. Seit 1995 gilt die Reilsheimer Stieleiche als eingetragenes Naturdenkmal des Rhein-Neckar-Kreises. Nach Einschätzung von Fachleuten beträgt ihr reales Alter ca. 400 Jahre.
Regelmäßige Veranstaltungen mini|Oktoberfest 2013 in Bammental Die Kerwe wird in Bammental seit Jahrhunderten am dritten Sonntag im August gefeiert, der älteste Beleg stammt aus dem Jahr 1703. Lange Tradition haben dabei auch die Umzüge der Kerweborscht. Ebenfalls lange Tradition haben die Sommertagszüge vor Ostern, die bereits aus dem Jahr 1654 in Bammental belegt sind. Jeden Dezember findet der zweitägige Weihnachtsmarkt in der Oberdorfstraße statt.
mini|links|Kerweumzug 2014