miniatur|hochkant=1.5|Ölpapierschirm Ein Ölpapierschirm ist ein ursprünglich aus China stammender traditioneller Schirm aus in Öl getränktem Papier. Später verbreitete er sich in den anderen Gegenden Asiens wie Japan, Taiwan, Korea, Vietnam, Okinawa, Thailand oder Laos. Früher war er in diesen Gegenden ein Gebrauchsgegenstand, diente sowohl als Regen- als auch als Sonnenschirm.

Auch in traditionellen Zeremonien spielte er eine Rolle. So musste in China die Trauzeugin während einer traditionellen Hochzeit die Braut mit einem roten Ölpapierschirm verdecken, wenn sie bei der Familie des Bräutigams ankam und die Braut aus der Sänfte stieg, um Unglück abzuwehren. Ebenso wird bei der traditionellen japanischen Hochzeitszeremonie die Braut mit einem roten Ölpapierschirm bedeckt. Lilafarbene Ölpapierschirme verschenkt man an ältere Menschen, da Lila in der Tradition langes Leben bedeutet. Bei Trauerfeiern werden weiße Ölpapierschirme benutzt. Im traditionellen japanischen Tanz sind Ölpapierschirme ein wichtiges Utensil. Auch in der Teezeremonie werden Ölpapierschirme benutzt.

In der Hakka Tradition spielten Ölpapierschirme eine wichtige Rolle. Da in der Hakka-Sprache die Schriftzeichen 紙 (Papier) und 子 (Sohn) eine ähnliche Aussprache haben, und das Schriftzeichen 傘 (Schirm) das Zeichen „vier“ 人 (Mensch) enthält, nimmt die Braut immer Ölpapierschirme mit, was so viel wie große Nachkommenschaft bedeutet. Der aufgespannte Schirm mit seiner kreisrunden Form verbunden mit den Hakku-Sprachzeichen 油 (Öl) und 有 (Haben) (gleiche Aussprache), verheißt ein wohlhabendes und vollkommenes Leben. Aus gleichem Grund werden Männern beim Erreichen des 16. Lebensjahres Ölpapierschirme geschenkt. (Chinesisch)

In den religiösen Zeremonien werden auch oft Ölpapierschirme über die Sänfte der Götter oder Buddha-Statuen gehalten. Auch hier dienten die Schirme zur Abwehr von Unglück und Dämonen, aber auch zum Schutz der Prozessionsteilnehmer vor Sonne oder Regen.

Heute sind im Alltag Asiens mehr Schirme westlichen Stils anzutreffen. Ölpapierschirme werden meist als Kunstgewerbe oder Souvenirs verkauft.

Geschichte miniatur|links|240px|Geschichte „Madame Weiße Schlange“ mit der Ausleihe eines traditionellen Ölpapierschirms, Schlüsselszene, Wandmalerei, Sommerpalast Beijing Der Sage nach hat die Frau des Handwerkers Lu Ban (魯班) den Schirm erfunden, indem sie „Bambus in Streifen spaltete und Tierhäute darüberspannte“. So schuf sie ein Gerät das „zusammengefaltet wie ein Stock, aufgespannt wie ein Deckel“ aussah (劈竹為條,蒙以獸皮,收攏如棍,張開如蓋). Anfangs waren die Schirme zumeist mit Federn oder Seide bespannt. Nach der Erfindung des Papiers kamen auch Papierschirme auf. Ab wann man in Öl getränktes Papier als Bespannung benutzte, ist nicht genau bekannt. Nachweislich kam diese Technik während der Tang-Dynastie nach Japan und Korea. Zur Song-Zeit kam die Bezeichnung grüner Ölpapierschirm auf. Während der Ming-Dynastie waren sie schon sehr verbreitet. Das Handwerkslexikon Tian Gong Kai Wu (天工開物) aus der Ming-Zeit erwähnte die Herstellungsverfahren. Auch Shen Kuo beschrieb in seinem Buch die Herstellung von Ölpapierschirmen. Besonders im Gebiet des Yangtse mit seinem regnerischen Frühling war Ölpapierschirmherstellung weit verbreitet. In einigen literarischen Werken wie Madame Weiße Schlange (白蛇傳) spielen Ölpapierschirme ebenfalls eine Rolle. (Chinesisch)

Herstellungsschritte Jeder Ort und jeder Hersteller hat seine eigene Herstellungstradition. Aber im Allgemeinen kann man der Prozess in vier Schritten unterteilen: geeigneten Bambus auswählen Gerüst herstellen: Bambus wird gespalten und in Streifen geschnitten, in Wasser aufgeweicht und später unter der Sonne getrocknet. Danach werden darauf Löcher gebohrt, zusammengesetzt, Fäden durch die Bohrung gefädelt und mit dem Schirmhalter und Schirmkopf zusammengebunden Schirmoberfläche auftragen: Papier wird zurechtgeschnitten und dann auf das Gerüst geklebt. Überstehende Ränder werden gekürzt, Öl aufgetragen und danach unter der Sonne getrocknet. Prinzipiell ist ein Schirm in dieser Phase bereits nutzbar. Bemalen des Schirms mit Bildern

Ölpapierschirm aus Festlandchina und Taiwan mini|260px|Traditioneller chinesischer Ölpapierschirm Ölpapierschirme aus Festlandchina und Taiwan werden meist mit traditioneller chinesischer Malerei verziert. Als Motive dienen oft Vögel und Fische, Landschaften sowie Motiven aus berühmten Romanen wie Der Traum der roten Kammer. Oft werden die Schirme mit Schriftzeichen versehen. Griff und Gerüst behalten meist ihre ursprüngliche rustikale Farbe.

Berühmte Herstellungsorte in China Yuhang, Zhejiang Die Ölpapierschirmherstellung begann in Yuhang (餘杭), einem Stadtteil der Provinzhauptstadt von Zhejiang Hangzhou, wo Dong Wenyuan (董文远) 1769 seine Werkstatt eröffnete. Sie produzierte mehrere Sorten Ölpapierschirme von hoher Qualität, da nur erlesenes Material verwendet wurde. Die Schirme weisen eine mehrjährige Witterungsbeständigkeit gegen Sonne wie Regen auf, was sie auch zu einem beliebten Souvenir bzw. Geschenk machte. (Chinesisch)

Nach dem Chinesischen Bürgerkrieg begann man im Jahr 1951 erneut mit der Ölpapierschirmherstellung. Die Schirmwerkstatt zählte zu den ersten sozialistischen Kollektiven der Provinz. Mit dem Aufkommen moderner Schirme mit Stahlskelett kamen die Papierschirme jedoch allmählich außer Mode, so dass die Herstellungstechnik beinahe in Vergessenheit geriet. (Chinesisch)

Als das Werk schloss, kaufte ein Bürger etwa 100 Ölpapierschirme auf. Da er selbst die Herstellungstechnik nicht beherrschte, bewahrte er nur die Skelette der Schirme über 30 Jahre auf. Ende 2006 überredete er den Bürgermeister von Yuhang, das Handwerk wieder zu beleben und als Touristenattraktion zu vermarkten. Durch Zeitungsannoncen fand man vier alte Meister, die die Schirmherstellung wiederbelebten und fortan weitere Handwerker ausbilden konnten. 2007 setzte das Kulturamt die Ölpapierschirmherstellung auf die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Provinz. (Chinesisch)

Die Herstellung der Yuhang Ölpapierschirme erfordert hohes handwerkliches Geschick. Ein Lehrling braucht mindestens drei Jahre, um die Herstellungstechnik zu beherrschen. Alle Werkzeuge werden eigens angefertigt. Auch die Anforderungen an die Rohstoffqualität sind hoch: Verwendet werden nur hochwertige Papiere. Der Kleber besteht aus zerstampften unreifen Kakifrüchten. Früher dienten menschliche Haare als Fäden. Anders als die Ölpapierschirme anderer Regionen werden die Schirme zuerst bemalt und dann geölt. Das Trocknen erfolgt im Schatten und nicht in der Sonne. Für den gesamten Herstellungsprozess sind über 70 einzelne Eingriffe erforderlich.

Fenshui, Sichuan Die über 400-jährige Tradition der Schirmherstellung in Fenshui (分水), einer Gemeinde in der Stadt Luzhou (瀘州), Provinz Sichuan stammt aus der Ming-Zeit. Die dort produzierten Schirme sind relativ klein und fein und farbenprächtig bemalt: Sie können heftigen Windböen widerstehen.

Das Aufkommen moderner Schirme brachte auch hier einen Niedergang der Ölpapierschirmherstellung. Die aufwändig und arbeitsintensive Herstellung macht sie für jüngere Leute unattraktiv. Im Jahr 2004 gab es noch etwa 30 ältere Meister, die dem Handwerk nachgingen, so dass vielfach ein Verlust der Fertigungstechnik befürchtet wird.Die Ölpapierschirmherstellungstechnik in Luzhou kann verloren gehen (Chinesisch) Aufgrund öffentlichen Drucks sowie wachsender Nachfrage der Tourismusbranche erfuhr das Handwerk eine Förderung der Stadt und erlebte eine Wiederbelebung.

Die Herstellung der Fenshuischirme erfolgt in über 70 Einzelschritten, die ohne Maschine per Handarbeit erfolgen. Als Rohmaterial dienen nur traditionelle Rohstoffe. Das einen Fenshuischirm kennzeichnende Siegel ist über 450 Jahre alt. Die Motivauswahl für die Bemalung der Schirme unterliegt strengen Regeln – je nach beabsichtigter Zeremonie.

Hauptabnehmer der Ölpapierschirme sind vor allem Angehörigen ethnischer Minderheiten in den angrenzenden Provinzen, die die Schirme als zeremonielle Utensilien oder Geschenke nutzen. Exporte gehen nach Japan, Singapur, Südkorea, Hongkong und Macau.

Jialu, Jiangxi Die in Jialu (甲路), einem Dorf im Landkreis Wuyuan (婺源), Provinz Jiangxi, hergestellten Schirme haben eine rustikale Erscheinung und sind für ihre Robustheit berühmt. Angeblich fertigte man dort bereits seit der Song-Dynastie Ölpapierschirme. Man überliefert, dass eines Tages Kaiser Kangxi verkleidet nach Wuyuan kam. Als es während einer Freilufttheateraufführung zu regnen begann, spannte man in den vorderen Reihen die Schirme auf, was zu Unmut bei den hinteren Zuschauern führte. Ein Jugendlicher warf daraufhin einen Stein nach einem Schirm; dieser Schirm aus Papier und Bambus blieb jedoch unversehrt. (Chinesisch)

1943 betrug die jährliche Produktion 250.000 Schirme, die Mehrheit davon für den Export. Anfang der 2000er Jahre gab es im Dorf nur noch drei über 80-jährige Meister, die die Handwerk beherrschten. Daraufhin wurde das Herstellungsverfahren vereinfacht. Der Herstellungsprozess wurde auf etwa 30 Schritte reduziert. Den Bauern wurden Anreize geschaffen, wieder Ölpapierschirme herzustellen. Im Jahr 2006 gab es in Wuyuan insgesamt vier Fabriken. Die meiste Arbeit verrichten die Bauern zu Hause; die abschließende Verarbeitung erfolgt in den Fabriken. Insgesamt gab es im Jahr 2006 etwa 1.800 Schirmhersteller im Landkreis, sie erwirtschafteten im Jahr acht Millionen Yuan (umgerechnet etwa 800.000 Euro).

Changsha, Hunan Changsha, die Hauptstadt der Provinz Hunan blickt auf eine Schirmherstellungsgeschichte von über 100 Jahren zurück. Die älteste Manufaktur entstand zur Zeit des Kaisers Xianfeng. Später kamen weitere Manufakturen hinzu. Die Schirme – nur im Hochsommer dreimal mit Öl eingestrichen – wiesen eine hohe Qualität auf.

Außer der traditionellen Malerei versuchte man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch neuere Techniken wie Druck und Lackierung einzusetzen. Die Spitzenproduktion belief sich jährlich auf 300.000 Schirme. Im Februar 1975 wurde jedoch zunächst die Manufaktur, später weitere Werkstätten geschlossen, so dass heute in der Stadt kaum noch Schirme hergestellt werden.

Außer Bambus, Papier, Öl und Holz verarbeiteten die Manufakturen in Changsha mit Haar geflochtenes Seil sowie Ochsenhorn als Rohmaterial.

1864 zog ein Meister aus Changsha nach Wuhan, der Provinzhauptstadt von Hubei, wo er eine Werkstatt errichtete. In Spitzenzeiten verkaufte er monatlich 700 Schirme, Produkte hoher Qualität, die im Schnitt acht bis zwölf Jahre hielten und überaus populär waren. Damals war es auch Sitte, bei der Hochzeit zwei Schirme aus der Werkstatt zu kaufen, wobei der Bräutigam einen roten und die Braut einen blauen Schirm trugen.Geschichte der Hanzheng Straße (Chinesisch) 1970 wurde die Werkstatt geschlossen, seitdem ist die Kunst der Schirmherstellung in Wuhan ausgestorben.

Fuzhou, Fujian Das Verfahren der Ölpapierschirmherstellung in Fuzhou, der Provinzhauptstadt von Fujian, brachten während der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche Kriegsflüchtlinge aus Zhejian und der Yangtse-Region mit.

Früher spielten Ölpapierschirme eine wichtige Rolle im lokalen Leben. Man nannte sie „den Schirm im Gepäck“ (包袱傘), da er bei jeder Reise ein unverzichtbares Utensil darstellte. Ende der Qing-Dynastie gab es hier über 300 Werkstätten.Papierschirm aus Fuzhou (Chinesisch)

Die Herstellung des Ölpapierschirms war extrem aufwendig, der gesamte Prozess bestand aus 83 unterschiedlichen Schritten. (Chinesisch) Auf der Weltausstellung von 1915 in San Francisco stellte die Jury fest, dass ein Ölpapierschirm aus Fuzhou nach 1170-maligem Aufspannen und Zusammenfalten noch immer keine Gebrauchsspur aufwies, Windstärken bis 5 ohne sichtbaren Schaden standhielt und auch kochendes Wasser das Papier weder ab- noch auflöste.