Die Weisse Flotte Potsdam GmbH, auch unter Schifffahrt in Potsdam auftretend, ist ein deutsches Fahrgastschifffahrtsunternehmen mit Sitz in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam. Das Unternehmen führt mit seinen Schiffen Ausflugs- und Linienfahrten in und um die Landeshauptstadt Potsdam und in das Gebiet des UNESCO-Weltkulturerbe Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin beiderseits der Glienicker Brücke vom Fluss Havel durch.

mini|Das Fahrgastschiff Sanssouci mini|FGS Karo-AS (1945)

Geschichte mini|Anzeige der Spree-Havel-Dampfschiffahrt-Gesellschaft-Stern für Dampferfahrten zum Scharmützelsee 1908 Am 8. August 1888 wurde offiziell eine Reederei für Fahrgastschifffahrt gegründet, die wesentlich die weitere Entwicklung der Personenschifffahrt in Berlin und der Mark Brandenburg prägen sollte. Das neue Unternehmen nannte sich Spree-Havel-Dampfschiffahrt-Gesellschaft-Stern. Obwohl dieses Unternehmen mehrmals seinen Namen änderte und es durch die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg und im Ergebnis der Deutschen Teilung mehrere Nachfolgeunternehmen gab, ist ein schwarzer fünfeckiger Stern als Schornsteinmarke bis zum heutigen Tag das Symbol einer Berliner Reederei geblieben. Gründer des damaligen Unternehmens war der Stettiner Großkaufmann Gustav Krokisius. Zu den Mitgliedern des Aufsichtsrates gehörten Bankiers aus Stettin, Dresden und Potsdam. Die neue Reederei begann umgehend damit, bisher den Fahrgastschifffahrtsverkehr abwickelnde Reedereien in sich aufzunehmen. Erstes Unternehmen war die Potsdamer Dampfschiffahrt Gebhardt mit vier Dampfern. Gebhardt wurde Geschäftsführer des neuen Unternehmens.

Im Jahre 1889 wurde die Stralauer Dampfschiffahrtsgesellschaft G. Zwerner mit drei Personendampfern Dorothea, Hertha und Concordia sowie zwei Schleppdampfern aufgekauft. Zehn reedereieigene Schiffe wurden von der Stettiner Werft Möller & Holberg, den späteren Oderwerken, geliefert. Sechs Schiffe gehörten zur Kaiser-Klasse und erhielten Namen von Kaisern und deren Gattinnen. Vier Schiffe bekamen Namen von Prinzen der Hohenzollern. Der 12. Mai 1889 war der offizielle Betriebsbeginn der Spree-Havel-Dampferfahrt-Gesellschaft (SDHG) Stern. Ein Jahr später wurde die Berliner Dampfschiffahrtsgesellschaft mit insgesamt vierzehn Schiffen übernommen. Damit bestand die Flotte nach kurzer Zeit aus 33 Schiffen mit einer Platzkapazität von 7441 Passagieren. Mit der sprunghaft angestiegenen Zahl der Schiffe wurde gleichzeitig das Streckennetz erweitert. Zwischen Potsdam und Spandau erhielt das neue Unternehmen kurzzeitig Konkurrenz von der von zwei Engländern 1882 gegründeten Berliner Krangesellschaft. Dieses Unternehmen betrieb zwar hauptsächlich Frachtschiffe, schickte aber auch Personendampfer vom Schloss Bellevue in Charlottenburg bis nach Potsdam. Als technische Besonderheit betrieb das Unternehmen eine Kettenschifffahrt auf Havel und Spree zwischen Pichelsdorf bei Spandau bis Sacrow und kurzzeitig weiter bis Deetz an der Unteren Havel-Wasserstraße. Dort befanden sich große Ziegeleien. 1906 hörte das Unternehmen auf zu existieren. Die kurz Stern-Gesellschaft genannte Reederei konnte ihren Einfluss weiter ausbauen. Es erfolgten weitere Fusionen.

1901 beförderte die Reederei mehr als eine Million Fahrgäste. Das Motto Een Vagniejen eigner Art is un bleibt ne Wasserfahrt wie die Berliner sagten, begann sich zu bewahrheiten. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden die Kapazitäten der Märkischen und Berliner Personenschifffahrt erweitert. Die Fahrten wurden von Spandau über Wannsee nach Potsdam und weiter nach Ferch und Werder (Havel) ausgedehnt. Weitere Neubauten wurden dem Unternehmen zugeführt. 1907 gelang es, die Spandauer Dampfschiffahrtsgesellschaft mit fünfzehn Schiffen und zwei Motorbooten zu übernehmen. 1911 wurden bereits mehr als drei Millionen Fahrgäste transportiert. Im selben Jahr wurden die bisher größten Dampfschiffe, die Leopold von Ranke und die Werner von Siemens mit je 450 Fahrgastplätzen in Dienst gestellt. Die neue Reederei hatte sich zum größten Unternehmen der Branche in Berlin und auf angrenzenden Gewässern entwickelt und beherrschte auch den Personen- und Ausflugsverkehr in Potsdam. Eine Rundfahrt um Potsdam, etwa fünf Stunden lang, kostete damals eine Mark. Die Fahrtroute führte von der Langen Brücke in Potsdam durch die Glienicker Brücke vorbei an Nedlitz, den Sacrow-Paretzer Kanal entlang, vorbei an Werder (Havel), über den Schwielowsee, durch das Caputher Gemünde über den Templiner See zurück nach Potsdam. Seinen organisatorischen Höhepunkt fand die Bedeutung Potsdams für das Unternehmen im Bau einer Niederlassung an der Langen Brücke und der Anlage einer Schiffswerft an der Nuthemündung. Eine Reparaturwerkstatt wurde zusätzlich eingerichtet.

Die ab Anfang des 20. Jahrhunderts steigende Zahl von Ausflüglern, die Potsdam mit seinen Sehenswürdigkeiten und seiner vielfältigen Landschaft kennenlernen wollten, in einzelnen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg besuchten bis zu sechs Millionen Menschen die Region jährlich, führten in Potsdam und seiner Umgebung zur Bildung weiterer Dampfschifffahrtsgesellschaften. Neben Kleinunternehmen und Familienbetrieben gehörte dazu auch eine Reederei, die ähnlich der Stern-Reederei die weitere Entwicklung des Ausflugsverkehrs auf den Havelgewässern um Potsdam mit beeinflussen sollte, die Teltower Kreisschiffahrt. Der Ursprung dieser Reederei geht bis in die 1870er Jahre zurück. Einschneidende Veränderungen brachte der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Wegen der Treibstoffeinsparung mussten alle motorgetriebenen Fahrzeuge stillgelegt werden. Nach und nach wurden auch die Dampfschiffe, die noch einen geringen Ausflugsverkehr aufrechterhielten, außer Betrieb genommen. In und um Potsdam gingen zahlreiche Schiffe durch Bombentreffer und bei Kampfhandlungen verloren. Allein im Griebnitzsee lagen als Wrack fünf große Fahrgastschiffe. Gesprengte Brücken und unzählige gesunkene Schiffe blockierten den Schiffsverkehr im Potsdamer Raum. Der Verkehr auf den Wasserstraßen kam zum völligen Erliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Bereits im Herbst 1945 wurden, trotz der Versorgungsprobleme mit Brennstoffen und der komplizierte Situation der Wasserstraßen, erste Linienverkehre auf den Potsdamer Havelgewässern wieder eingerichtet. Außerdem fuhren von Berlin aus sogenannte „Hamsterschiffe“ in das märkische Umland. Da Bahnverkehre oft noch nicht möglich waren, nutzten die Menschen die Möglichkeit mit Schiffsfahrten im Umland Lebensmittel zu beschaffen. Ende 1945 waren im Potsdamer Gebiet noch drei Reedereien registriert, die Stern und Kreisschiffahrt in Klein-Glienicke, die Reederei Nobiling in der Potsdamer Weinbergstraße und die Reederei Otto Schmidt in Glindow. Der eigentliche Wiederbeginn der Fahrgastschifffahrt in Potsdam begann somit unmittelbar in der Nachkriegszeit. 1945 wagten einige Männer den Neuanfang. Als erstes Schiff in Potsdam wurde das Motorschiff Karo As in Fahrt gebracht. Es gehörte damals der Reederei Otto Schmidt. Bereits 1946 entstand in der sowjetischen Besatzungszone eine Arbeitsgemeinschaft Binnenschifffahrt. Weitere Dampf- und Motorschiffe nahmen bis 1947 den Betrieb auf. Trotzdem wurde die Stern und Kreisschiffahrt, wie zuvor schon andere Unternehmen, enteignet. Die Reederei zog sich in die damaligen Berliner Westsektoren zurück und entwickelte sich dort zu einem großen Fahrgastschifffahrtsunternehmen. Die Jahre 1948 und 1949 brachten einschneidende Veränderungen mit der Währungsreform und der Gründung der Bundesrepublik und der DDR. Die Potsdamer Havelgewässer, das traditionelle Fahrtgebiet, gehörten jetzt zur DDR. Die Betriebe gerieten in die Zwänge einer staatlich verordneten Verkehrs- und Wirtschaftspolitik. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft ging 1949 die DSU, die Deutsche Schiffahrts- und Umschlagszentrale,Deutsche Schiffahrts- und Umschlagszentrale hervor. Sie wurde im Zuge der Enteignung privater Schifffahrtstreibender als volkseigenes Verwaltungsorgan geschaffen. Der DSU gehörten damals die eigenständigen Fahrgastschifffahrtsunternehmen von Berlin, Stralsund und Dresden an. Im Jahre 1952 wurde der Dresdner Betrieb ausgegliedert. Der Berliner folgte 1957 mit der Außenstelle Potsdam. Trotz aller Probleme fuhren 1954 auf den märkischen Wasserstraßen noch 102 private Fahrgastschiffe.

Der VEB (K) Verkehrsbetrieb Potsdam hatte auf Weisung des Verkehrsministeriums die in Potsdam stationierten Schiffe am 1. Januar 1959 als eigenständigen Betrieb zu übernehmen. Dieser Tag gilt damit als offizielles Gründungsdatum des Unternehmens Weisse Flotte. Als Grundstock dienten die vorhandenen Schiffe der ehemaligen Außenstelle der Weißen Flotte Berlin, Fahrzeuge, deren früherer Besitzer die damalige Stern und Kreisschiffahrt war. Das waren der Dampfer Potsdam (Baujahr 1885), der Dampfer Berlin (1895), der Dampfer Friedensbote (1895) und der Dampfer Professor Rud. Virchow, benannt nach dem Mediziner Rudolf Virchow (1909). Diese betagten Dampfschiffe wurden ergänzt durch die nicht viel jüngeren Motorschiffe Concordia (1889), Nedlitz (1910) und Libelle (1930). Weiterhin kaufte die Reederei zur Erhöhung der Platzkapazität Schiffe dazu: 1959 den Dampfer Caputh (ehemals Anna II) (1886), 1962 die Werder, ein kleines Motorschiff, (ehemals Havelland) und 1965 und als letzten Altbau das Motorschiff Berlin (ex. Emden) (1917). Mit der Bildung der Weissen Flotte in Potsdam wurden die älteren Fahrzeuge repariert und moderneren Bedingungen angepasst. Als letztes Schiff wurde die Seebad Templin (ehemals Professor Rud. Virchow) zum Motorschiff umgebaut. Die Zeit der Dampfschiffe in Potsdam war damit vorerst für Jahrzehnte vorbei.

Liste von Fahrgastschiffen, Wassertaxen und Charterbooten ab 1959 (Auswahl) Name bei der Weissen Flotte Baujahr/Ort ehem. bzw. andere Namen Bemerkungen: