mini|Aelrun Goette als Jurorin des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden 2009 Aelrun Goette (* 6. Juli 1966 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Regisseurin von Dokumentar- und Spielfilmen.
Leben Aelrun Goette war 14, als ihre Mutter starb. Nach der 10. Klasse verließ sie die Schule. Sie wollte Psychologie studieren, wurde aber nicht zum Abitur zugelassen, da sie sich in der Friedensbewegung engagierte. Sie machte eine Ausbildung als Krankenschwester. Sie arbeitete daraufhin in der Psychiatrie und später auch als Vollzugshelferin. Kurz vor der Wende jobbte Goette als Model bei der Zeitschrift Sibylle, bevor sie ab 1990 das Abitur nachholte und zunächst Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, später dann Regie an der Filmhochschule Babelsberg studierte. Zwischendurch arbeitete sie als Schauspielerin und Theaterregisseurin. So mimte sie von 1994 bis 1995 die Rolle Claudia Wedemaier-Gundlach in der Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten.
Ihre Filme beschäftigen sich häufig mit Menschen – besonders Frauen – in Grenzbereichen. So handelt ihr erster Dokumentarfilm Ohne Bewährung – Psychogramm einer Mörderin von einem 15-jährigen Mädchen, das eine 13-Jährige zu Tode quälte. In ihrem vielbeachteten und mit verschiedenen Preisen ausgezeichneten Dokumentarfilm Die Kinder sind tot (2003) beschäftigt sie sich mit dem Leben einer Mutter, die ihre beiden Kinder verdursten ließ.
Auch ihr erster abendfüllender Spielfilm Unter dem Eis (2005) handelt von einer Familientragödie und wurde 2007 mit dem Grimme-Preis bedacht. Die unter Goettes Regie entstandene Tatort-Folge Der glückliche Tod, die sich mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzt, wurde mit dem Film- und Fernsehpreis 2009 des Hartmannbunds ausgezeichnet.Tabuthema im Krimiformat – Ein „Tatort“ macht’s möglich. hartmannbund.de; abgerufen am 2. November 2012. Ihre weiteren Filme erhielten zahlreiche Auszeichnungen. 2019 ernannte die Filmuniversität Babelsberg sie zur Honorarprofessorin für die Studiengänge Schauspiel, Regie und Drehbuch/Dramaturgie.
2019 erhielt sie das Spreewald Literaturstipendium für ihr Drehbuch In einem Land, das es nicht mehr gibt. Auch der BKM förderte das Drehbuch über die Modeszene der DDR mit 30.000 Euro. Der Film kam am 6. Oktober 2022 in die Kinos. Goette führte Regie, Tanja Ziegler übernahm die Produktion. In einem Land, das es nicht mehr gibt wurde dreimal für den Deutschen Filmpreis 2023 nominiert und gewann ihn mit Jördis Triebel als beste Nebendarstellerin.
Goette ist Mitglied im Bundesverband Regie (BVR) beim BVR, abgerufen am 15. September 2021 und im Vorstand der Deutschen Filmakademie.
Aelrun Goette lebt in Berlin und hat zwei Töchter.
Filmografie (Auswahl) 1998: Ohne Bewährung – Psychogramm einer Mörderin (Dokumentarfilm) 2002: Feldtagebuch – Allein unter Männern (Dokumentarfilm) 2003: Die Kinder sind tot (Dokumentarfilm) 2005: Unter dem Eis (Spielfilm; Regie) 2008: Tatort – Der glückliche Tod (Fernsehreihe; Regie) 2009: Keine Angst (Spielfilm; Regie) 2011: Unter Verdacht – Die elegante Lösung (Fernsehreihe; Koautorin und Regie) 2012: Ein Jahr nach morgen (Spielfilm; Buch und Regie) 2015: Im Zweifel (Spielfilm; Drehbuchbearbeitung und Regie) 2016: Tatort – Wofür es sich zu leben lohnt (Fernsehreihe; Koautorin und Regie) 2017: Atempause 2020: Letzte Spur Berlin (Serie, 2 Folgen, Regie) 2022: In einem Land, das es nicht mehr gibt (Kinofilm, Drehbuch und Regie) 2026: Nord bei Nordost – Jagd in die Vergangenheit (Reihe, Regie)
Auszeichnungen 1998: Robert Geisendörfer Fernsehpreis für den Dokumentarfilm: Ohne Bewährung – Psychogramm einer Mörderin 2002: Juliane-Bartel-Preis für den Dokumentarfilm Feldtagebuch – allein unter Männern 2003: Nyon, Visions du Réel: Prix Regards Neufs für den Dokumentarfilm Die Kinder sind tot 2003: Baden-Württembergischer Dokumentarfilmpreis für den Dokumentarfilm Die Kinder sind tot 2004: Deutscher Filmpreis für Die Kinder sind tot in der Kategorie Bester Dokumentarfilm 2005: MFG-Star Baden-Baden für den Spielfilm Unter dem Eis 2006: Prix Media Fondation Pour L’Enfance – Catégorie Dokumentaire für den Dokumentarfilm Die Kinder sind tot 2007: Grimme-Preis für den Spielfilm Unter dem Eis, zusammen mit Bibiana Beglau (Darstellung) und Jens Harant (Kamera) 2009: Film- und Fernsehpreis des Hartmannbunds für den Tatort: Der glückliche Tod 2009: Förderpreis der DEFA-Stiftung und Fair-Play-Preis – Internationales Filmfestival Schlingel in Chemnitz für den Spielfilm Keine AngstWDR-Presseinformation vom 19. Februar 2010. 2009: Publikumspreis im Langfilmwettbewerb beim Festival des deutschen Kinos FILMZ in Mainz für den Spielfilm Keine Angst Festival FILMZ, abgerufen am 2. November 2012. 2010: Goldener Gong für Keine Angst 2011: Marler Fernsehpreis für Menschenrechte für Keine Angst 2011: ver.di-Fernsehpreis für Keine Angst 2011: Grimme-Preis für Keine Angst 2011: Deutscher Regiepreis Metropolis in der Kategorie Beste Regie Fernsehfilm für Keine Angst 2011: „Special mention by the quality jury“ sowie der Preis „Best film“ beim Prize Social World Film Festival / Vittorio Veneto Film Festival für Keine Angst 2012: Günter-Rohrbach-Filmpreis in der Kategorie Bester Film für den Spielfilm Ein Jahr nach morgen 2013: Marler Medienpreis Menschenrechte – Sonderpreis für Unter Verdacht – Die elegante Lösung 2013: 11. Europäisches Fernsehfilmfestival Zoom Barcelona, Bester Film für Ein Jahr nach morgen 2019: Spreewald-Literatur-Stipendium 2022: Filmpreis der Stadt Hof bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2022: Rom Film Festival: Nominierung Bester Film für In einem Land, das es nicht mehr gibt 2022: Günter-Rohrbach-Filmpreis: Nominierung Bester Film für In einem Land, das es nicht mehr gibt 2023: Deutscher Hörfilmpreis: In einem Land, das es nicht mehr gibt 2024: Si-Star: In einem Land, das es nicht mehr gibt, Nominierung Bester Film
Literatur Dörte Richter: Aus der Ecke des Zimmers. In: Der Freitag. 1. April 2005. Klaudia Wick: Das Leben ist keine Insel. In: Berliner Zeitung. 10. März 2010; über Aelrun Goette und den Film Keine Angst.
Weblinks
Aelrun Goette bei der Agentur Spielkind
Einzelnachweise
Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Hochschullehrer (HFF Potsdam) Kategorie:Grimme-Preisträger Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Frau