Das Viktoria-Luise-Gymnasium in Hameln wurde im Oktober 1859 als städtische Höhere Töchterschule gegründet. Sie beruht auf einer Vorgängereinrichtung, die sich Ende des 18. Jahrhunderts gebildet hatte.
Profil Das Viktoria-Luise-Gymnasium in Hameln ist stark musikalisch engagiert und verfügt über mehrere Musikarbeitsgemeinschaften. Darunter sind bewährte Stilrichtungen, wie die niedersachsenweit bekannte Swinging-College Big Band, und andere musikalische Arbeitsgruppen. Dazu zählen Orchester, Rock-Band, zahlreiche Chöre und von Schülern selbst organisierten Schulbands. Es gibt spezielle Musikklassen zur Förderung durch zusätzlichen Musikunterricht. Jährlich findet das Schulkonzert im Hamelner Theater statt, bei dem die Musikarbeitsgemeinschaften, wie Big-Band und Orchester, und auch Einzelbeiträge sowie Musikklassen und Bands das Programm gestalten. Zudem findet jedes Jahr im Dezember ein Vorweihnachtskonzert im Hamelner Münster statt.
Geschichte mini|Das älteste Gebäude (1899 erbaut) des Viktoria-Luise-Gymnasiums
Vorgeschichte Am 3. Mai 1790 wurde auf Veranlassung des Bergkommissars Johann Friedrich Westrumb und mit Beihilfe des Ratsschultheißen Lüder sowie der Pastoren Gumbrecht und Evers eine „Neue Töchterschule“ gegründet. Diese Schule musste allerdings infolge der wirtschaftlichen Notlage im Jahre 1812 schließen. Den Schülerinnen blieb nur die normale Stadttöchterschule. Für die Fortgeschrittenen wurde bald eine „1. Klasse“ eingerichtet. Sie war zunächst im Erdgeschoss der Knabenschule an der Südseite des Münsters untergebracht und zog danach in das Primariatspfarrhaus am Münster um.
Daneben gab es in dieser Zeit die private „Töchterschule“ der Lehrerin Justine Rothermund (1800–1833).
Senior Franz Georg Ferdinand Schläger, seit 1822 Leitender Geistlicher in Hameln und Herausgeber der „Hamelschen Anzeigen“, rief in seinem Blatt am 11. September 1823 zur Gründung einer neuen Töchterschule auf, die am 26. April 1824 den Unterrichtsbetrieb aufnahm. Sie wurde zunächst von seinem Amtskollegen Friedrich Sprenger (geb. 1792), dann nach dessen Tod am 26. Januar 1836 von ihm selbst geleitet.
Im Oktober 1827 ging die Schule der Frau Rothermund in der Schlägerschen Anstalt auf. Justine Rothermund wurde in dem mit Schläger und Sprenger geschlossenen Vertrag als Hauptlehrerin der neuen Anstalt übernommen. Nachfolger Schlägers als Schulleiter wurde Ostern 1857 der zweite Stadtprediger Wellhausen. Ein Konflikt Wellhausens über das angesparte Kapital der Schule mit dem Lehrerkollegium führte 1858 zur Entlassung von vier Lehrkräften. Sie planten, ein Konkurrenzinstitut zu gründen, was zum Eingreifen der Stadt Hameln führte. Damit endete die Mädchenschule in kirchlicher Hand.
Unter städtischer Leitung Am 1. Oktober 1859, was als Gründungsdatum der Schule gilt, wurde die „höhere Töchterschule“ von der Stadt Hameln übernommen. Das Schulgebäude befand sich zu dieser Zeit auf dem Münsterkirchhof. Erster Schulleiter wurde Pastor Hermann Müller. Da die Räume am Münsterkirchhof zu klein wurden, zog die Schule in die Bäckerstraße. Bereits 1861 reichten auch diese vorhandenen Räume nicht mehr aus, und man wich in ein Gebäude in der Bungelosenstraße aus, das heute nicht mehr steht. Die Zahl der Schülerinnen wuchs von 1859 bis 1899 von 59 auf 178. 1861 wurden nur noch hauptamtliche Lehrkräfte beschäftigt. 1865/66 wurde die 3. Klasse geteilt und 1872 wurde die 5. Klasse hinzugefügt. 1873/74 wurde der Schulbesuch auf sechs Jahre erweitert. 1874 kam die Schule, die seit ihrer Gründung ein Vermögen von 22.000 Mark angesammelt hatte, in städtische Verwaltung.
In der Kaiserzeit Der Schulleiter Pastor Hermann Müller verließ die Schule im Juli 1870, um als Seminardirektor nach Hannover zu gehen. Nachfolger war Theodor Thiesing, der bereits 1873 im Alter von 32 Jahren verstarb. Ihm folgte auf Beschluss des Stadtrates im Juli dieses Jahres Friedrich Brandes, der die Schule bis zu seinem Tode am 27. Dezember 1898 leitete. Im Mai 1894 erfolgte in Preußen eine Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens. Reformiert wurden vor allem die Anforderungen an die Vorbildung der Lehrkräfte. Dies wurde auch durch weitere Ausführungsbestimmungen vom 9. August 1899 präzisiert. Die Stadt beschloss, auf Grundlage der Richtlinien aus der bisherigen „Töchterschule“ eine „Höhere Mädchenschule“ zu entwickeln. Direktor Brandes hatte sich für den Umzug der Schule in einen Neubau in der Grütterstraße eingesetzt, dessen Baubeginn 1897 war.
Nachdem für einige Monate August Christian Dähling als dienstältester Lehrer die Schule geführt hatte, wurde im September 1899 mit Alfred Lentz ein neuer Direktor berufen. Am 23. September 1899 wurde der Neubau bezogen und der neue Schulleiter Alfred Lentz feierlich in sein Amt eingeführt. Am 9. Januar 1900 wurde der Verein ehemaliger Schülerinnen gegründet, der ein Jahr später rund 150 Mitglieder hatte. Der Verein unterstützte u. a. bedürftige Schülerinnen, die das Schulgeld nicht aufbringen konnten. Außerdem organisierte er wissenschaftliche Vorträge und Konzerte in der Aula.
Am 1. April 1900 übernahm die Schule die private Töchterschule des Sanitätsrates Riefkohl, die 1885 gegründet wurde. Schulleiter Lentz baute den Bildungsgang auf neun Klassenstufen mit je einer Klasse aus. Dazu kam eine „Selecta“ als 10. Schuljahr mit freiwilligen Kursen. Seit 1904 wurde das 10. Schuljahr verbindlich, nachdem es vorher auf freiwilliger Basis absolviert werden konnte. Die Zahl der Schülerinnen stieg in diesem Jahr auf über 300.
1904 erhielt die Schule ihren Namen aufgrund des Besuchs von Kaiser Wilhelm II. in Hameln. Die Visite am 17. August 1904 war ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis. Der Monarch reiste mit seiner Frau und den Kindern an, u. a. auch mit seiner Tochter Viktoria-Luise. Die bisherige „Höhere Mädchenschule“ erhielt nach entsprechenden Bitten des Lehrerkollegiums durch Kaiser Wilhelm II. am 23. Januar 1905 die Erlaubnis, den Namen seiner Tochter, Viktoria-Luise, tragen zu dürfen.
Das Viktoria-Luise-Gymnasium zeigte sich wie damals üblich sehr kaisertreu und patriotisch. Alljährlich wurden der Geburtstag Kaiser Wilhelms II. am 27. Januar und dem Tag des deutschen Sieges in der Schlacht bei Sedan am 2. September begangen. Auch andere vaterländische Gedenktage wurden mit Ansprachen, Liedern und Gedichten in der Aula begangen. Sogar am 27. Januar 1919, einige Monate nach dem Sturz der Monarchie gab es noch eine Feierstunde zum Kaisergeburtstag.
Im Oktober 1905 besuchte der Schulleiter Alfred Lentz das Lehrerinnenseminar und die angeschlossene Übungsschule in Minden. Für Hameln plante er eine ähnliche Einrichtung als Ausbildungsseminar für Lehrerinnen, das am 22. Mai 1906 seine Arbeit aufnahm. Dazu wurde auch der Oberlehrer Heinrich Spanuth, der spätere Leiter der Schule, nach Hameln berufen. Die angehenden Lehrerinnen unterrichteten sogenannte „Übungsklassen“, die aus Schülerinnen der Hamelner Volksschulen bestanden. Nach Abschluss des 10-jährigen Schulbesuchs entschieden sich 1908 11 von 17 Absolventinnen der Schule zum Lehrerinnenberuf, den sie im neuen Seminar erlernen konnten. Im März 1908 beschloss die Stadt einen Neubau neben dem Schulgebäude von 1899, weil sich die Zahl der Schülerinnen seitdem auf 364 fast verdoppelt hatte. Dazu gab es einen Wettbewerb. In den nächsten Jahren entstand der Bau auf dem Eckgrundstück Grütterstraße/Kaiserstraße. Das Seminar konnte 1909 in den durch den Architekten Otto Michalski, der den Wettbewerb gewann, errichteten Jugendstilbau einziehen, der Zeichensaal, Lehrerzimmer und Physikfachraum enthielt. 1909 schlossen auch die ersten Absolventinnen das Seminar ab.
Dies entsprach auch der Tendenz der preußischen Gesetzgebung, die in einer Bestimmung vom 18. August 1908 festlegte, dass mindestens die Hälfte der Stunden in der Mittel- und Oberstufe von wissenschaftlichen Lehrkräften zu halten war. Schon ein Jahr nach Erlass der neuen Bestimmungen erfüllte die Viktoria-Luise-Schule alle Voraussetzungen, um vom Provinzialschulkollegium in Hannover als Höhere Schule im neuen Sinne anerkannt zu werden. Der Abschluss berechtigte allerdings nicht zum Hochschulstudium, sondern nur zum Lehrberuf. Das Studium konnte erst nach zweijähriger Tätigkeit an einer Schule aufgenommen werden. Viele ehemalige Schülerinnen der Oberstufe blieben denn auch noch die geforderte Zeit als Lehrerin an der Schule, um endlich ihr wissenschaftliches Studium beginnen zu können. Einige kehrten später als Assessorinnen an die Viktoria-Luise-Schule zurück.
Viktoria-Luise-Gymnasium trug seit 1908 die Bezeichnung „Oberlyzeum“, da sie mit dem Lehrerinnenseminar über die Klasse 10 hinausführte. Im Jahr 1910 wurden fast 50 Lehramtsbewerberinnen ausgebildet.
Am 22./23. Oktober 1909 feierte man das 50-jährige Jubiläum der Viktoria-Luise-Schule. Nach einem Festabend im Hotel „Monopol“ folgte am nächsten Tag der Festakt, bei dem u. a. dem Direktor der vom Kaiser verliehene Rote Adlerorden 4. Klasse überreicht wurde. Nachmittags traf man sich zu einer Festaufführung, in der über die Schule im Jahre 1959 spekuliert wurde: Man war überzeugt, dass es bis dahin die Koedukation geben werde. Ganz so „schnell“ ging es dann in der Realität allerdings nicht.
Die Zahl der Schülerinnen stieg auf 378 im Jahr 1910, die „Töchterschule“ erhielt den neuen Namen „Höhere Mädchenschule“. Heinrich Spanuth übernahm die Schule zunächst stellvertretend, ab dem 16. April 1912 als neuer Direktor. Im Februar 1913 verlobt sich die Namenspatin der Schule, Prinzessin Viktoria-Luise mit dem welfischen Prinzen Ernst August (III.) von Hannover, dem letzten regierenden Herzog von Braunschweig-Lüneburg.
Erster Weltkrieg Bei Kriegsbeginn wurde der Schulunterricht zunächst beendet. Am 5. August 1914 forderte Direktor Spanuth die Schülerinnen auf, in diesen „schweren Tagen dem Vaterland (zu) dienen“ (DWZ). Viele ältere Schülerinnen stellten sich dem „Vaterländischen Frauenverein“ zur Verfügung. Am 10. August fing der Unterricht wieder an, doch gab es bei deutschen Siegen wiederholt schulfrei. Der Schulbetrieb litt auch unter Einberufungen von Lehrern und in den ersten Wochen unter den Einschränkungen des Zugverkehrs, auf den viele auswärtige Schülerinnen angewiesen waren. Viele Eltern wollten ihren Kindern unter den Kriegsbedingungen auch keine Zugfahrten zumuten oder sie mussten im elterlichen Betrieb helfen, da die Söhne in den Krieg gezogen waren. Zahlreiche Briefe dieses Inhalts an die Schulleitung sind im Stadtarchiv erhalten. Auch ein Lehrer der Schule wurde verhaftet, weil er angeblich am Bahnhof durchfahrende Truppentransporte beobachtet haben sollte. Die Räume der Hermannschule wurden schon im September 1914 als Lazarett genutzt. In einige Räume des Viktoria-Luise-Gymnasiums zogen deshalb die Schülerinnen der Volksschule ein, im Keller des Neubaus wurden von den Schülerinnen gefertigte „Liebesgaben“ an die Truppen gesammelt. Mit Hilfe der in die Turnhalle einquartierten Soldaten wurden die Päckchen dann zum Bahnhof gebracht und an die Soldaten verteilt. Aufgrund des Kriegs und der englischen Seeblockade herrschte große Knappheit an den verschiedensten Gütern, die teilweise durch Ersatzstoffe ersetzt werden sollten. Die Schülerinnen sammelten daher Altmaterial sowie Gold für die Reichsbank und fertigen Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände für das Heer an. Außerdem werden Materialien für die Ölgewinnung und Brennnesseln als Baumwollersatz gesammelt. Amtliche Erlasse verfügten zudem Materialersparnisse, z. B. wurde die Weiterverwendung von Schulheften über das Jahresende hinaus verfügt.
Weimarer Republik